Home PferdewissenGesundheitAb 38,5 °C? Fieber beim Pferd richtig erkennen & handeln

Ab 38,5 °C? Fieber beim Pferd richtig erkennen & handeln

von Michelle Breitenfeld

Ist 38,5 Grad beim Pferd bereits Fieber?

Ein Wert von 38,5 °C gilt bei einem erwachsenen Pferd in Ruhe als erhöhte Temperatur, während er bei Fohlen oder direkt nach dem Training im Normalbereich liegen kann. Die physiologische Ruhetemperatur eines ausgewachsenen Pferdes liegt zwischen 37,5 °C und 38,2 °C.

Die Einordnung des Messwerts folgt dem “It-depends”-Prinzip:

  • Szenario Training: Nach einem Galopptraining sind 38,5 °C völlig normal, da die Muskeltätigkeit Wärme erzeugt.
  • Szenario Stallruhe: Misst du 38,5 °C morgens vor der Fütterung im entspannten Zustand, deutet dies auf einen beginnenden Infekt oder eine Entzündung hin.
  • Szenario Fohlen: Bei jungen Pferden bis zu einem Alter von etwa sechs Monaten ist eine Temperatur bis 38,5 °C (manchmal sogar 39,0 °C) physiologisch unbedenklich.

Wie lauten die Normalwerte für Pferde und Fohlen?

Die normale Körpertemperatur eines gesunden, ausgewachsenen Pferdes liegt in der Regel zwischen 37,5 und 38,2 Grad Celsius. Bei Fohlen ist der Stoffwechsel aktiver, weshalb hier Werte bis zu 38,5 Grad Celsius zum normalen Bereich zählen. Es ist ratsam, die individuellen Ruhewerte deines Pferdes im gesunden Zustand zu kennen, da diese leicht variieren können.

AltersgruppeNormaltemperatur (Ruhe)Erhöhte TemperaturFieber
Erwachsenes Pferd37,5 – 38,2 °C38,3 – 38,9 °Cab 39,0 °C
Fohlen37,5 – 38,5 °C38,6 – 38,9 °Cab 39,0 °C

Woran erkenne ich Fieber ohne Thermometer?

Fiebernde Pferde zeigen meist deutliche Verhaltensänderungen wie Apathie, einen gesenkten Kopf und eine auffällige Futterverweigerung. Die Augen wirken oft matt oder glasig und das Pferd reagiert deutlich langsamer oder gar nicht auf seine Umwelt oder gewohnte Reize. Oft ziehen sich die Tiere in eine Ecke der Box zurück und nehmen kaum noch am Stallgeschehen teil, was ein klares Zeichen für ein starkes Unwohlsein ist.

Neben dem Verhalten geben auch körperliche Symptome Aufschluss: Achte auf eine erhöhte Atemfrequenz (Flankenatmung), Schweißausbrüche oder unkontrolliertes Muskelzittern. Ein typisches Indiz ist zudem die wechselnde Temperatur der Körperoberfläche; während die Ohrenbasis oft glühend heiß ist, fühlen sich die Beine und die restlichen Ohrenpartien im Wechsel dazu eiskalt an. Auch die Schleimhäute im Maul können bei Fieber deutlich röter und trockener erscheinen als gewöhnlich.

Eine fotorealistische Nahaufnahme, die eine Frau von hinten über die Schulter zeigt, während sie bei einem dunklen Pferd den Puls misst. Die Frau trägt eine dunkelblaue Jacke und blaue Handschuhe. Ihre Hand tastet sanft den Bereich der Ganasche (Unterkiefer) des Pferdes ab. Die Perspektive betont den ruhigen Moment zwischen Mensch und Tier im Stall.

Was genau bedeutet der PAT-Check?

Der PAT-Check ist die Abkürzung für die drei wichtigsten Vitalparameter: Puls, Atmung und Temperatur. Diese Werte dienen als Frühwarnsystem, um Krankheiten wie Koliken, Infekte oder Überlastungen zu erkennen, bevor deutliche klinische Symptome auftreten.

Regelmäßige Messungen im gesunden Zustand sind essenziell, um die individuellen “Normalwerte” deines Pferdes zu kennen. Nur wer weiß, wie sein Pferd im gesunden Zustand atmet oder wie hoch sein Ruhepuls ist, kann Abweichungen im Notfall sicher identifizieren.

Die drei Säulen der Vitalwerte: Puls, Atmung und Temperatur

Im Folgenden erklären wir dir, wie du die einzelnen Parameter korrekt erhebst und welche Werte im grünen Bereich liegen.

Wie messe ich die Temperatur (T) beim Pferd richtig?

Die Körpertemperatur wird beim Pferd ausschließlich rektal gemessen, da nur so die verlässliche Körperkerntemperatur ermittelt werden kann. Verwende ein digitales Thermometer mit einer schnellen Messzeit, um Stress für das Tier zu minimieren.

So gehst du sicher vor:

  1. Befeuchte die Spitze des Thermometers mit Gleitmittel oder Vaseline.
  2. Stelle dich seitlich an die Hinterhand des Pferdes (nie direkt dahinter).
  3. Hebe den Schweif an und führe das Thermometer vorsichtig ein.
  4. Kippe das Thermometer leicht an, sodass der Kontakt zur Darmwand (Schleimhaut) besteht, statt nur die Luft im Enddarm zu messen.
  5. Sichere das Thermometer mit einem Band und einer Klemme am Schweifhaar gegen Verlust.

Wie bestimme ich den Ruhepuls (P)?

Der normale Ruhepuls eines Pferdes liegt bei 28 bis 44 Schlägen pro Minute. Ein Puls über 50 Schlägen pro Minute im Ruhezustand ist ein Alarmsignal für Schmerzen oder massiven Stress.

Du findest den Puls an der Unterkieferarterie (Ganasche). Taste mit Zeige- und Mittelfinger an der Innenseite des Kieferknochens, bis du ein leichtes Pochen spürst. Zähle die Schläge für 15 Sekunden und multipliziere den Wert mit vier. Alternativ kannst du ein Stethoskop hinter dem linken Ellenbogen direkt am Brustkorb ansetzen, um den Herzschlag abzuhören.

Wie kontrolliere ich die Atmung (A) korrekt?

Ein gesundes, ruhendes Pferd macht etwa 8 bis 16 Atemzüge pro Minute. Die Atmung sollte flach, gleichmäßig und geräuschlos erfolgen.

Beobachte für die Messung das Heben und Senken der Flanken oder die Bewegung der Nüstern. Einmal Einatmen und einmal Ausatmen zählen zusammen als ein Atemzug. Achte dabei besonders auf die Qualität der Atmung: Eine “Dampfrinne” an der Bauchmuskulatur oder stark geblähte Nüstern in Ruhe deuten auf Atemnot oder chronische Lungenprobleme hin.

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Welche weiteren Vitalwerte sind wichtig?

Neben den klassischen PAT-Werten geben die Beschaffenheit der Schleimhäute und die Kapillarfüllzeit (KFZ) direkte Auskunft über den aktuellen Kreislaufzustand und die Durchblutung deines Pferdes. Gesunde Schleimhäute im Maul sollten stets blassrosa, glänzend und feucht sein; sind sie hingegen blass-weißlich, gelblich oder tiefrot, deutet dies auf ernsthafte Probleme wie einen Schock, Leberprobleme oder schwere Infektionen hin.

Den KFZ-Test führst du durch, indem du mit dem Daumen kurz, aber fest auf das Zahnfleisch direkt über den Schneidezähnen drückst, bis ein weißer Fleck entsteht. Nach dem Loslassen muss dieser Fleck innerhalb von maximal zwei Sekunden wieder seine ursprüngliche rosa Farbe annehmen. Dauert die Rückfärbung länger, ist dies ein deutliches Warnsignal für eine Kreislaufschwäche, eine Dehydrierung oder einen beginnenden Schockzustand.

Zusätzlich liefert der Hautfalten-Test wertvolle Informationen über den Flüssigkeitshaushalt des Tieres. Hierzu ziehst du eine Hautfalte im Bereich der Schulter oder des Halses vorsichtig mit zwei Fingern auf und lässt sie sofort wieder los. Bei einem gut hydrierten Pferd verstreicht die Falte augenblicklich; bleibt sie hingegen für einige Sekunden stehen oder bildet sich nur langsam zurück, leidet das Pferd unter einem erheblichen Flüssigkeitsmangel, was bei Fieber oft durch vermehrtes Schwitzen oder verringerte Wasseraufnahme vorkommt.

  • KFZ-Test: Drücke mit dem Daumen kurz fest auf das Zahnfleisch über den Schneidezähnen. Der weiße Fleck muss nach maximal zwei Sekunden wieder rosa werden. Dauert es länger, liegt oft eine Kreislaufschwäche oder Dehydrierung vor.
  • Hautfalten-Test: Ziehe eine Hautfalte am Hals oder der Schulter auf. Bleibt diese nach dem Loslassen stehen, leidet das Pferd unter Flüssigkeitsmangel.

Wann ist Fieber beim Pferd ein Notfall?

Ein akuter tierärztlicher Notfall liegt vor, sobald die Körpertemperatur auf über 40,0 Grad Celsius steigt, da ab diesem Bereich eine erhebliche Belastung für das Herz-Kreislauf-System und die inneren Organe beginnt. Unverzügliches Handeln ist zudem erforderlich, wenn das Fieber mit schweren Begleitsymptomen wie Atemnot, eitrigem Nasenausfluss, extremem Zittern oder deutlichen Kolikanzeichen einhergeht. Auch eine vollständige Verweigerung von Futter und Wasser in Kombination mit starker Apathie deutet darauf hin, dass der Körper die Infektion nicht mehr ohne medikamentöse Unterstützung bewältigen kann.

Darüber hinaus musst du den zeitlichen Verlauf genau im Auge behalten: Verharrt die Temperatur über 24 Stunden konstant über dem Normalbereich (auch bei Werten um 39,0 Grad), ist eine Diagnose durch den Tierarzt zwingend erforderlich. Ein besonders kritisches Warnsignal ist das sogenannte „biphasische Fieber“, dabei sinkt die Temperatur zunächst scheinbar ab, steigt aber nach kurzer Zeit massiv wieder an. Dies ist oft ein typisches Anzeichen für schwere Infektionskrankheiten wie Herpes (EHV-1) oder Druse, die ohne gezielte Behandlung und Quarantänemaßnahmen lebensbedrohlich verlaufen oder den gesamten Stallbestand gefährden können.

Warte nicht erst auf einen Notfall, um zum Thermometer zu greifen. Nur wer die individuellen Ruhewerte seines Pferdes kennt, kann im Ernstfall sofort entscheiden, ob es sich um eine harmlose Erwärmung oder um einen behandlungsbedürftigen Infekt handelt. Der PAT-Check gehört für mich zur Routine wie das tägliche Putzen.

Michelle
Redakteurin bei ehorses

Wann muss ich den Tierarzt rufen?

Du solltest den Tierarzt rufen, wenn die Temperatur 39,0 °C überschreitet oder wenn 38,5 °C in Kombination mit einem gestörten Allgemeinbefinden auftreten. Fieber ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom, das auf einen Kampf des Immunsystems gegen Erreger hinweist.

Handlungsanweisungen nach Messwert:

TemperaturEinordnungMaßnahme
37,5 – 38,2 °CNormalbereichAlles okay.
38,3 – 38,9 °CErhöhte TemperaturNach 60 Min. erneut messen, Pferd beobachten.
39,0 – 41,0 °CFieberTierarzt informieren, Pferd nicht bewegen.
Über 41,0 °CHochfieberAkute Lebensgefahr, Notfall-Tierarzt rufen!

Welche Ursachen stecken hinter der erhöhten Temperatur?

Fieber ist keine eigenständige Krankheit, sondern eine hochwirksame Abwehrreaktion des Immunsystems auf Krankheitserreger oder entzündliche Prozesse im Körper. Durch die Erhöhung der Betriebstemperatur versucht der Organismus, die Vermehrung von Bakterien und Viren zu hemmen und die Aktivität der eigenen Abwehrzellen zu beschleunigen. Häufige Auslöser für diesen Prozess sind virale Infekte wie Influenza oder Herpes sowie bakterielle Infektionen, zu denen beispielsweise die hochansteckende Druse oder ein klassischer Einschuss (Phlegmone) nach einer kleinen Verletzung zählen.

Neben Infektionen können auch organische Entzündungen, wie eine Lungenentzündung oder Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, zu einem signifikanten Temperaturanstieg führen. Es gibt jedoch auch nicht-infektiöse Faktoren: Extremer Stress, starke körperliche Überanstrengung (insbesondere bei schwüler Hitze) oder eine natürliche Reaktion des Immunsystems nach einer Impfung können die Werte kurzzeitig nach oben treiben. In diesen Fällen spricht man oft von einer Überhitzung oder einer vorübergehenden Impfreaktion, die meist innerhalb von 24 bis 48 Stunden ohne weitere Komplikationen wieder abklingt.

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Fragen & Antworten

Du erkennst Fieber beim Pferd am sichersten durch eine rektale Temperaturmessung, kannst es aber auch an äußeren Anzeichen wie Apathie, Futterverweigerung, glanzlosen Augen oder einer erhöhten Atemfrequenz feststellen.

Du senkst das Fieber deines Pferdes am besten durch absolute Ruhe in einer kühlen Umgebung, das Anlegen von kühlen Beinwickeln zur Kreislaufunterstützung und die Sicherstellung einer hohen Flüssigkeitsaufnahme, bis der Tierarzt eintrifft.

Die normale Körpertemperatur eines ausgewachsenen Pferdes liegt im Ruhezustand zwischen 37,5 und 38,2 Grad Celsius, während bei Fohlen Werte bis zu 38,5 Grad Celsius noch als normal gelten.

Ob du ein Pferd mit Fieber eindecken solltest, hängt davon ab, ob es fiert (zittert) oder schwitzt: In der Phase des Temperaturanstiegs, wenn das Pferd vor Kälte zittert, hilft eine leichte Abschwitzdecke beim Aufwärmen, während bei hoher Temperatur und Schweißbildung auf eine Decke verzichtet werden sollte, um einen gefährlichen Hitzestau zu vermeiden.

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