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Kandare – Ein Gebiss mit großer Wirkung

von Felix Ortmann
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Die Kandare ist ein spezielles Stangengebiss für das Pferd, das im Gegensatz zur gebrochenen Trense nicht gebrochen ist und eine starke Hebelwirkung besitzt. Dieses Gebiss verfügt über eine andere, schärfere Wirkung als eine Trense und dient erfahrenen Reitern zur Verfeinerung der Hilfengebung und Einwirkung auf das Pferd. Was bei der Zäumung und Zügelführung mit der Kandare unbedingt zu beachten ist, erfährst Du hier.

Kandare: Was genau ist das?

Eine Kandare ist eine Zäumung im Reitsport. Es handelt sich dabei um ein nicht gebrochenes Gebiss mit einer Hebelwirkung. Es bedarf einer erfahrenen Reiterhand, da sie der Verfeinerung der Hilfegebung dient.

Mit diesem Gebiss kann man durch die Hebelwirkung eine sehr enorme Kraft auf das Pferdemaul ausüben. Bei unsachgemäßen Gebrauch kann man dem Pferd Schmerz und Verletzungen zufügen. Aus diesem Grund sollten auch nur erfahrene und feinfühlige Reiter mit einer Kandare reiten. Dabei sollte sich die Hand unabhängig vom Sitz selbst tragen. 

Was ist eine Kandare?

Eine Kandare ist eine Zäumung im Reitsport. Es handelt sich dabei um ein nicht gebrochenes Gebiss mit einer Hebelwirkung. Es bedarf einer erfahrenen Reiterhand, da sie der Verfeinerung der Hilfengebung dient.

Kandare: Funktionsweise und Wirkung

Eine Kandare hat ein ungebrochenes Mundstück, beziehungsweise einer Stange mit Zungenfreiheit, die quer durch das Maul des Pferdes führt. An den Seiten, außerhalb des Mauls befinden sich die Querschenkeln, bestehend aus den sogenannten Oberbäumen (Obergestelle) und Unterbäumen (Anzüge). Der Oberbaum ist zu beiden Seiten mit dem Kandarenzaum und der etwas längere Unterbaum mit Zügelring ist an beiden Seiten mit den Zügeln verbunden. In Verbindung mit der Kinnkette, die unter der Kinngrube vom Pferd von rechts nach links verläuft und an den Kinnkettenhaken der Oberbäume eingehängt ist, wird die enorme Hebelwirkung erzielt.

Dieses spezielle Gebissstück wirkt anders als eine Trense. Mit dem Anspannen der Kinnkette entsteht Druck auf den Unterkiefer und die Stange drückt sich im Pferdemaul auf die Zunge sowie die Lade des Unterkiefers. Wenn die Kandarenzügle angenommen werden, neigen sich die beiden Oberbäume vor und es entsteht Zug auf dem Genickstück der Kandarenzäumung. Der überträgt sich wiederum auf das Genick des Pferdes. Durch die kräftige Hebelwirkung ist die Kandare als ein scharfes Gebissstück, das leicht schwere Verletzungen zufügen kann.

Die individuelle Wirkung der Kandaren wird definiert durch die Stärke, Form und Zungenfreiheit des Gebissstückes, die Länge und die Längenverhältnisse der Oberbäume und Unterbäume sowie durch die Fixierung der Kinnkette. Es ist wichtig, dass die Kinnkette korrekt und passend eingestellt ist, also weder zu fest noch zu locker sitzt und das Kandarenmodell mit individuell kompatibler Zungenfreiheit zum Maul des betreffenden Pferdes passt. Die Kandare muss am Pferd passend verschnallt werden, um eine gesunde, gefahrlose und gewünschte Wirkung zu erzielen.

Entwickelt worden sind ist die Kandare allein, um eine feinere Einwirkung, insbesondere bei einer einhändigen Zügelführung, auf das Pferd auszuüben und die Harmonie zwischen Reiter und Tier zu verbessern. Sie dienen nicht zum Kaschieren von diversen Reiterproblemen, weder zum Beherrschen noch Disziplinieren des Pferdes!

Kandare: Drei Pferde

Einsatzbereich: Wofür ist eine Kandare sinnvoll?

Die Kandare ist eine besondere Gebissart im Reitsport. Sie wird vornehmlich in höheren Dressurprüfungen eingesetzt, weil sie eine starke Hebelwirkung hat und dadurch die feine Abstimmung zwischen Reiter und Pferd deutlich macht. Sie sollte nur von erfahrenen Reitern benutzt werden.

Durch die starke Einwirkung der Kandare auf das Pferde sollten sowohl Reiter als auch Pferd in einem fortgeschrittenen Ausbildungsstadium sein. Dies ist meist in höheren Dressurprüfungen der Fall. Sie wurde entwickelt um gegenüber der normalen Trense eine vermehrte und verfeinerte Einwirkung auf das Pferd zu haben. 

Kandaren in verschiedenen Arten und Modellen

Kandaren variieren in ihrer Art und Form. Bei der Form der Unterbäume wird zwischen geraden (preußischen) Anzügen, C-Anzügen und S-Anzügen unterschieden. Des Weiteren können die Gebissstücke starre Seitenteile oder auch bewegliche Schenkel wie Westernkandare besitzen. Insbesondere für das Westernreiten gibt es diverse Kandarenarten wie Shanksnaffle, Low Port oder High Port. Auch für Fahrpferde gibt es spezielle Fahrkandare Modelle wie die Postkandare, die Liverpoolkandare, die Tilburykandare, die Buxtonkandare oder die Ellbogenkandare. Zu einem professionellen Dressurreiten wird eine spezielle Dressurkandare eingesetzt, die zwingend mit einer Unterlegtrense ergänzt werden muss.

Ab wann darf/kann ich auf Kandare reiten?

Für das Reiten mit Kandare sollte Reiter und Pferd die nötige Reife besitzen. Da die Kandare eine hohe Hebelwirkung auf das Pferdemaul ausüben kann, sollte der Reiter ein feinfühlige und vom Sitz unabhängige Handhaltung haben.

In der klassischen Dressur wird die Kandare frühestens ab der Klasse L angesetzt. Auf diesem Niveau sollten Reiter und Pferd genügend Erfahrung haben. Junge Pferde sollte auf keinen Fall auf Kandare geritten werden. Sie sind oftmals sehr stürmisch und noch nicht ausreichend an ein Gebiss gewöhnt. Muss der Reiter zu stark einwirken, kann es zu schweren Verletzungen im Pferdemaul führen. 

Was ist der Unterschied zwischen Kandare und Trense?

Der Unterschied zwischen einer Kandare und einer Trense ist, dass man mit der Kandare eine viel größere Einwirkung auf das Pferdemaul hat. Das Gebiss der Kandare ist im Gegensatz zum Gebiss der Trense in der Mitte  nicht gebrochen. Ein normales Gebiss ist in der Mitte gebrochen, damit es für das Pferd angenehmer im Maul liegt.

Kandarenreife und richtige Methode zur Haltung der Zügel

Voraussetzung für den Einsatz einer Kandare ist die „Kandarenreife“, sowohl beim Pferd als auch beim Reiter. Das Pferd muss alle Lektionen mit der Trense und in einer guten Selbsthaltung beherrschen. Der Reiter hingegen sollte unabhängig von den Zügeln nur durch seinen Sitz auf das Pferd einwirken und in allen Gangarten reiten können. Des Weiteren ist es unabdingbar, dass der Reiter mit dem Instrument richtig umgehen und es korrekt anpassen kann. Er muss sich im Klaren darüber sein, wie der Kandarenzaum auf das Pferd wirkt. Auch das Pferd muss mit der Kandare und seinen Signalen vertraut gemacht werden. Es ist zu empfehlen, vor dem Einsatz mit einem Ausbilder oder Trainer Rücksprache über die Wahl der Kandare zu halten.

Der Reiter, der mit einer Kandare das Pferd führt, hat vier Zügel, die Trensenzügel und die Kandarenzügel, in der Hand. Dabei kommt es auf die richtige Haltung der Zügel an, für die es mehrere Möglichkeiten gibt. In der klassischen Reitlehre wird heute immer noch die ursprünglich übliche „3:1“ Haltung der Zügel angewandt. Dabei werden beide Kandarenzügel und der linke Trensenzügel mit der linken Hand und der rechte Trensenzügel als Einziger mit der rechten Hand geführt.

Eine häufige Methode ist die „gekreuzte Zügelhaltung“, während die „parallele Zügelhaltung“ zu der einfachsten Zügelführung gehört. In der „Französischen Zügelführung“, auch „James Fillis Zügelführung“ genannt, ist die gleichseitige Verknüpfung von nachgebenden Trensenzügeln und annehmenden Kandarenzügeln charakteristisch. Kandaren und Unterlegtrensen können hier sehr präzise zur Anwendung kommen. Die Fillis-Führung kann auch einhändig angewandt werden. Nach der Kandaren Zügelführung „Blank“ werden die Trensenzügel vernachlässigt und das Pferd ausschließlich mit den Kandarenzügeln geführt. Nach Art der Haltung und Führung der Zügel wird auf entsprechend unterschiedliche Weise auf das Pferd eingewirkt.

Wie halte ich Kandarenzügel?

Beim Reiten auf Kandare hat man vier Zügel in der Hand. Es gibt verschiedene Möglichkeiten die vier Zügel zu führen. Mit den verschiedenen Zügelführungen kann man unterschiedlich auf das Pferdemaul einwirken. Eine gängige Variante ist es den Trensenzügel zwischen kleinen Finger und Ringfinger und den Kandarenzügel zwischen Ringfinger und Mittelfinger zu führen. 

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