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Das kopfscheue Pferd

von Alexandra Cafuta
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Tipps im Umgang mit kopfscheuen Pferden und Verhaltensweisen, die den Umgang mit solchen Pferden erleichtern. Wenn man Pferde besitzt oder sich um Pferde kümmert, ist es unausweichlich, dass man mit individuellen Problemen im Umgang mit dem geliebten Vierbeiner konfrontiert wird. Pferde sind Wesen, die alle ihren eigenen Charakter und so, wie wir Menschen, ihre eigenen Vorlieben und Abneigungen haben.

Manch „unerwünschte“ Verhaltensweisen der Pferde sind rein auf ihre Vorlieben und Abneigungen zurückzuführen, andere sind die Folgen menschlichen Ursprungs.

Das kopfscheue Pferd

Die meisten kopfscheuen Pferde sind auf menschliches Versagen im Umgang mit den Pferden zurückzuführen. Das Pferd toleriert die Berührung des Menschen an seinem Kopf nicht. Möchte der Mensch das Pferd am Kopf streicheln, wird es diesen in Sekundenschnelle wegreißen. Eine häufige Ursache hierfür ist oft leider eine äußerst demotivierende und/oder traumatische Erfahrung des Pferdes mit einem Menschen in der Vergangenheit.

Beispielsweise könnte ein kopfscheues Pferd in der Vergangenheit von einem Menschen ins Gesicht geschlagen worden sein; manchmal nicht „nur“ mit der Hand, manchmal kam dies leider auch mit einem Gegenstand vor. Ein solches Pferd wird diese Erfahrung nie wieder vergessen und es wird sehr lange brauchen, bis es einem Menschen, der längere Zeit mit ihm arbeitet, wieder Vertrauen entgegenbringt. Fremden gegenüber wird das Pferd in der Regel kopfscheu bleiben.

Die Kopfscheu eines Pferdes gehört mit zu den für den Menschen meist frustrierenden Verhaltensweisen. Das Leben mit einem kopfscheuen Pferd wird zu einem Leben, das häufig stressige Situationen hervorruft – sowohl für das Pferd als auch für den Menschen. Wie soll es auch anders sein, wenn die einfachsten Dinge kompliziert werden und unweigerlich von Missverständnissen zwischen Mensch und Pferd geprägt sind. Wie soll es anders sein, wenn sich das Pferd beispielsweise nicht am Kopf streicheln, putzen oder zäumen lässt. Das Pferd signalisiert durch das Scheuen (Ausweichen / Wegreißen des Kopfes) dem Menschen, dass es sich fürchtet, dass es dem Menschen nicht vertraut, dass der Mensch unerwünscht ist. Dabei tritt der Mensch dem Pferd mit Liebe und Sorge entgegen und hat alles andere im Sinn, als ihm schaden zu wollen. Und es ist mehr als menschlich, dass wir es früher oder später persönlich nehmen. Frustration macht sich breit, das Gefühl des Versagens überkommt einen.

Scheue Pferde rehabilieren

Hat man so ein Pferd, führt dennoch kein Weg daran vorbei, sich dem Thema anzunehmen und individuell auf das jeweilige Pferd einzugehen. Es ist keine Frage, dass der Prozess, ein kopfscheues Pferd zu rehabilitieren, steinig, kompliziert und von Rückschlägen geprägt sein wird. Aber unmöglich ist es nicht.

  • Nicht zu viel auf einmal wollen

Pferde verstehen und akzeptieren in kleinen, schrittweisen Stufen. Der Mensch neigt dazu, bei geringen Erfolgen, die nächsten Schritte zu übereilen. Ein Pferd macht da nicht mit und fühlt sich sehr schnell überfordert. Vor allem bei eine durch ein Trauma verursachte Kopfscheu ist es unabdingbar, wirklich in sehr, sehr kleinen Schritten dem Pferd die Erlebnisse zu ermöglichen, dass die Berührungen am Kopf durchaus angenehm sein können. Jeder noch so kleine Fortschritt ist ein Geschenk. Geduld und Zeit sind der Schlüssel zum langanhaltenden Erfolg. Jeder noch so kleine Fortschritt muss erkannt und „anerkannt“ (durch Belohnung, Freude, Harmonie) werden. Jeder weitere Schritt muss langsam auf dem erreichten Erfolg aufgebaut werden.

  • Sich ärgern, wenn der gewünschte Erfolg nicht eintrifft

Der Ärger ist das am meisten schwächende Gefühl, wenn man mit Pferden arbeitet, vor allem, wenn man mit kopfscheuen Pferden arbeitet, die sich schlicht und einfach vor Berührungen am Kopf fürchten. Pferde spüren den Ärger des Menschen und das Resultat wird sein, dass sie das Anfassen am Kopf und an den Ohren noch weniger zulassen möchten. Der Misserfolg ist vorprogrammiert – der Misserfolg des Menschen.

  • Das Pferd anbinden oder räumlich eingrenzen

Pferde sind Fluchttiere. Nimmt man ihnen die Möglichkeit, zu fliehen, beruhigt es sie nicht. Es macht sie eher nervöser. Über kurz oder lang wird man bessere Ergebnisse erzielen, wenn man dem Pferd bei der Zusammenarbeit die Wahl lässt, sich entziehen zu können (vor allem, wenn es ihnen nun doch einen Schritt zu schnell geht oder die Forderung des Menschen zu unangenehm für sie wird). Der sicherere Erfolg ist, wenn das Pferd aus freien Stücken aufgrund der ermutigenden Handlungen des Menschen auf eben diesen Menschen zukommt, anstatt zu erwarten, dass das Pferd fixiert die Handlungen des Menschen über sich ergehen lässt. Alternativ kann man das Pferd „leicht“ am Halfter oder noch besser an einem Halfter mit Führstrick halten und nachgeben, wenn das Pferd zurückweichen möchte – das gibt dem Pferd deutlich mehr Bewegungsraum, um sich sicher zu fühlen.Viele Pferde durchschauen das taktische Vorgehen des Menschen – und: sie mögen es nicht. Pferde kommunizieren klar und planen nicht im Voraus. Schleicht der Mensch um das Pferd herum, um es (hinterhältig) zu irgendeiner Aktion oder Reaktion zu ermutigen, macht es das Pferd eher nervös, als dass diese Situation zur Entspannung des Pferdes beitragen würde.

  • Verwendung von Belohnung / Leckerlies

In der Regel wird das Training mit dem Einsetzen von Belohnung effektiver sein als ohne. Auch die Erfolge werden zunehmender und verlässlicher, als ohne den Einsatz von Belohnungen. Bei dem Einsatz von Leckerli muss man allerdings bedenken, dass das Pferd sehr schnell lernen wird, dass es ein Leckerli erhält, wenn es nicht mit dem Kopf scheut und wenigstens für einen Moment mit dem Kopf inne hält. Man muss sich die Frage stellen, ob man wirklich über einen sehr langen Zeitraum jedes Mal Leckerlies füttern möchte, um den Kopf putzen zu können. Manchmal macht es Sinn, den steinigeren Weg und nicht den Weg mit dem geringsten Widerstand auf sich zu nehmen. Ich persönlich würde dies vom jeweiligen Pferd abhängig machen.

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