Home PferdewissenGesundheitHufspalten & Bröckelhufe: Trockene Pferdehufe richtig pflegen

Hufspalten & Bröckelhufe: Trockene Pferdehufe richtig pflegen

von Michelle Breitenfeld

Warum ist die richtige Hufpflege für Pferde so wichtig?

Ohne gesunde Hufe läuft beim Pferd sprichwörtlich nichts, da die Hornkapsel als natürlicher Stoßdämpfer bei jedem Schritt das gesamte Körpergewicht abfedert. Regelmäßige Hufpflege sichert die Bewegungsfähigkeit sowie Schmerzfreiheit deines Pferdes und hält das Horn elastisch. Eine sachgemäße Pflege schützt die empfindliche Huflederhaut vor Reizungen und bewahrt die anatomische Schutzfunktion der Kapsel über alle Jahreszeiten hinweg.

Fehlt diese routinemäßige Pflege, trocknet das Hufhorn aus, bildet Risse oder bröckelt an den Tragrändern ab. Vernachlässigte Hufe führen rasch zu Fehlstellungen, die schädliche Hebelkräfte auf den Bewegungsapparat ausüben. Diese Fehlbelastungen übertragen sich direkt auf die Sehnen, Bänder und Gelenke, was langfristig chronische Schäden wie Arthrose oder Hufrollenentzündungen verursachen kann.

Warum bröckeln Pferdehufe bei anhaltender Trockenheit?

Fehlende Bodenfeuchtigkeit entzieht der Hornkapsel ihre Elastizität, wodurch die Tragränder unter Belastung bröckeln. Der Huf benötigt eine ausgewogene Balance aus Fett und Feuchtigkeit, um flexibel zu bleiben. Trocknet das Horngewebe aus, verliert es seine stoßdämpfende Wirkung und splittert bei jedem Schritt auf hartem Boden ab.

Zusätzlich verstärken mechanische Reize die Rissbildung am ausgetrockneten Huf. Durch den harten Boden wirken bei jedem Auftreten extreme Stoßkräfte auf die Kapsel ein. Kann das spröde Horn diese Stöße nicht mehr abfedern, entstehen kleine Mikrorisse an den Tragrändern. Diese Risse dehnen sich unter dem Reitergewicht aus und lassen das Horn schichtweise ausbrechen.

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6 hilfreiche Methoden, um Pferdehufe effektiv zu befeuchten

Das Horn benötigt mindestens 10 bis 15 Minuten durchgehenden Wasserkontakt, um Feuchtigkeit tief aufzunehmen. Kurzes Abspritzen reicht dafür nicht aus.

Hier sind einige Tipps, wie du die Hufe deines Pferdes befeuchten kannst:

  • Windeln oder dicke Socken anlegen: Tränke eine Babywindel oder dicke Baumwollsocke komplett mit Wasser und fixiere sie um den Huf. Diese Methode speichert die Feuchtigkeit über lange Zeit direkt am Horn, ohne dass du stehen bleiben musst.
  • Pferd in ein Planschbecken oder Eimer stellen: Stelle dein Pferd für 15 Minuten mit den Hufen in Eimer oder ein flaches Kinderplanschbecken. Das ist extrem effektiv, erfordert aber etwas Geduld und Gewöhnung beim Pferd.
  • Wasser in Huf- oder Krankenschuhe kippen: Fülle wasserdichte Huf- oder Therapie-Schuhe mit Wasser und ziehe sie dem Pferd an. So weicht der Huf beim Stehen auf der Stallgasse oder im Paddock gleichmäßig auf.
  • Wasser langsam aus dem Schlauch laufen lassen: Lasse das Wasser drucklos aus dem Schlauch direkt über Hufwand und Sohle fließen. Der dauerhafte Wasserfluss sorgt für ein gründliches Einweichen der Kapsel.
  • Hufglocken befeuchten: Tauche dicke Hufglocken aus Neopren oder Filz in Wasser und lege sie dem Pferd an. Sie geben die Feuchtigkeit nach und nach über den Kronsaum an die Hufwand ab.
  • Einen Matschplatz schaffen: Wässere einen Bereich rund um die Tränke oder das Paddock regelmäßig an. Durch das tägliche Stehen im feuchten Matsch nimmt der Huf die Feuchtigkeit ganz natürlich auf.

Wie wässerst du Pferdehufe richtig?

Das Horn der Pferdehufe besteht aus einer festen Keratinschicht, die Wasser nur sehr langsam aufnimmt. Ein kurzes Drüberhalten des Schlauchs spült lediglich den Oberflächenschmutz ab, durchfeuchtet aber nicht die tiefen Schichten der Hornwand. Um die Elastizität der Hornkapsel wiederherzustellen oder den Huf optimal auf den Termin beim Hufbearbeiter vorzubereiten, muss das Wasser kontinuierlich über einen längeren Zeitraum einwirken.

Besonders im Spätsommer bei trockenen Böden ist die richtige Technik sehr wichtig, damit die Feuchtigkeit tief in das Gewebe eindringt. Du erreichst ein optimales Ergebnis, indem du gezielt die Hufwand, die Sohle und den Strahl benetzt und dem Material genug Zeit gibst, das Wasser aufzusaugen.

Hier ist eine kurze Schritt-für-Schritt-Anleitung für dich zum Hufewässern:

  • Huf reinigen: Entferne vorab groben Dreck und Mist gründlich mit dem Hufkratzer aus der Sohle und den Strahlfurchen.

  • Einwirkzeit einhalten: Halte den Wasserkontakt für mindestens 10 bis 15 Minuten ununterbrochen aufrecht.

  • Richtige Areale benetzen: Richte das Wasser direkt auf die äußere Hornwand, die Sohle und den Strahlbereich.

  • Anwendungsmethode wählen: Nutze je nach Geduld des Pferdes Eimer, nasse Hufschuhe oder getränkte Hufglocken für eine dauerhafte Durchfeuchtung.

  • Optional versiegeln: Trage direkt nach dem Wässern ein geeignetes Huföl oder einen Balsam auf den noch feuchten Huf auf, um die aufgenommene Feuchtigkeit einzuschließen.

Ich kenne das Problem von trockenen Hufen im Spätsommer nur zu gut aus dem Stall mit meinem Reitbeteiligungspferd Coquett. Bevor ich zum Schmiedefett greife, stelle ich Coquett beim Putzen am liebsten kurz in nasse Hufglocken. Das spart Zeit und bringt die Feuchtigkeit genau dorthin, wo der Huf sie braucht. Anschließend reicht ein dünner Ölfilm, um die Feuchtigkeit im Horn einzuschließen.

Michelle
Redakteurin bei ehorses

Einfetten vor oder nach dem Wässern?

Trage Huffett, Huföl oder Hufbalsam immer direkt im Anschluss an das Wässern auf den feuchten Huf auf. Fettige und ölige Pflegemittel besitzen hydrofobe Eigenschaften und bilden einen undurchlässigen Schutzfilm auf der Hufwand. Wenn du das Produkt auf das bereits getränkte Horn aufbringst, fungiert dieser Ölfilm als Versiegelung. Er schließt die aufgenommene Feuchtigkeit tief in den Hufschichten ein und schützt das Gewebe nachhaltig vor dem erneuten Austrocknen durch sonnengetrocknete Böden.

Trägst du das Huffett hingegen vor dem Wässern auf den trockenen Huf auf, erzeugst du den gegenteiligen Effekt. Die Fettschicht blockiert die Poren der Hornwand und lässt Wasser schlichtweg abperlen. Dadurch verweigerst Du dem spörden Horn die notwendige Feuchtigkeitszufuhr. Nur auf trockenem Huf aufgetragenes Fett verhindert das Eindringen von Wasser komplett, wodurch das Hufhorn unter der Fettschicht weiter austrocknet und seine Elastizität verliert.

Nahaufnahme von zwei unbeschlagenen Pferdehufen (Barhuf), die nebeneinander auf trockenem, sandigem Boden stehen.

Hufspalt oder Windriss: Wo liegt der Unterschied?

Oberflächliche Windrisse entstehen häufig durch starke Feuchtigkeitsschwankungen im Gewebe, wenn die äußerste Glasurschicht der Hornkapsel austrocknet. Diese feinen Haarrisse verlaufen meist senkrecht und betreffen ausschließlich die Hornoberfläche, ohne die Stabilität der Kapsel zu gefährden. Das Pferd zeigt dabei keinerlei Lahmheit oder Schmerzreaktion, da die Risse nicht bis an die durchbluteten und nervenreichen Bereiche des Hufs heranreichen.

Ein Hufspalt hingegen stellt eine ernsthafte Verletzung der gesamten Wandstärke dar und zieht sich durch alle Hornschichten bis zur Lederhaut. Durch die ständige Belastung beim Fußen klaffen die Kanten eines Hufspalts bei jedem Schritt auf und schließen sich wieder, was extremen Druck auf das Gewebe ausübt. Gelangen Keime in diese tiefen Spalten, drohen schmerzhafte Entzündungen der Lederhaut, weshalb bei einem echten Spalt umgehend ein Schmied oder Hufbearbeiter zur mechanischen Ruhigstellung hinzugezogen werden muss.

MerkmalWindrissHufspalt
Tiefe des RissesOberflächlich (nur Glasurschicht)Tief (durchdringt die gesamte Hornwand)
Gefahr für LederhautKeineHoch (Lederhaut liegt oft frei oder ist gequetscht)
Schmerz & LahmheitKeine Lahmheit, schmerzfreiHäufig Lahmheit und Druckschmerz
Verhalten beim FußenRiss bleibt unverändert stabilRisskanten bewegen sich sichtbar („Klappeinfluss“)
HandlungsbedarfRaspeln/Kante verrunden, PflegeSofortige Fixierung durch Hufbearbeiter/Schmied

Wann hilft Wässern und wann braucht es den Hufbearbeiter?

Ob Wässern noch hilft oder bereits der Hufbearbeiter übernehmen muss, hängt maßgeblich von der Tiefe des Hornschadens ab. Wenn der Huf lediglich an den äußeren Rändern bröckelt oder feine Oberflächenrisse zeigt, kannst du das Problem durch regelmäßige Feuchtigkeitspflege selbst in den Griff bekommen. Sobald sich jedoch ein tiefer Hufspalt bildet, der die gesamte Hornwand durchzieht, ist eigenständiges Wässern gefährlich und ein Profi muss umgehend eingreifen.

Bei leichten Bröckelrändern unterstützt du die Regeneration, indem du den Huf täglich für mindestens 15 Minuten wässerst und das Horn anschließend mit einem pflegenden Hufbalsam versiegelst. Das Verrunden der betroffenen Hornkante mit einer Hufraspel nimmt den Bodendruck von der schadhaften Stelle und stoppt das Ausbrechen. Handelt es sich hingegen um einen tiefen Hufspalt, musst du den Huf absolut trocken halten. Feuchtigkeit weicht das Gewebe um den Riss auf und begünstigt das Eindringen von Bakterien in die Huflederhaut. Hole bei tiefen Spalten sofort einen Schmied oder Hufpfleger dazu, der den Riss durch spezielles Raspeln, Querrillen oder einen Wandbeschlag mechanisch sichert und stabilisiert.

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Wie beugst du bröckelnden Hufen über die Fütterung vor?

Eine bedarfsgerechte Fütterung beugt bröckelnden Hufen vor, indem sie dem Körper die Bausteine für die Bildung von stabilem Keratingewebe liefert. Das Hufhorn besteht größtenteils aus Proteinen. Fehlen dem Organismus wichtige Mikronährstoffe, leidet die Hornqualität und die Hornwand verliert ihre Festigkeit. Ein Mangel zeigt sich oft zeitverzögert an bröckelnden Tragrändern oder einer brüchigen Hufwand.

Da das Hufhorn nur etwa 8 bis 10 Millimeter pro Monat wächst, erfordert eine Futterumstellung Geduld. Es dauert mehrere Monate, bis das neu gebildete, kräftige Horn vom Kronsaum bis zum Tragrand durchgewachsen ist. Zudem entscheidet eine intakte Darmflora über den Erfolg der Zusatzfütterung. Nur ein gesunder Verdauungstrakt nimmt die zugeführten Vitamine und Mineralstoffe optimal auf und transportiert sie an den Huf.

Wichtige Nährstoffe für ein gesundes Hufwachstum:

  • Biotin (Vitamin B7): Reguliert die Bildung von Keratin und verbessert die Hornfestigkeit bei Langzeiteinnahme.

  • Zink: Fördert die Zellteilung am Kronsaum und unterstützt die Regeneration von geschädigtem Hufgewebe.

  • Methionin: Baut als essenzielle schwefelhaltige Aminosäure die stabile Grundstruktur des Hufhorns auf.

  • MSM (Organischer Schwefel): Stärkt die Querverbindungen im Hornmaterial und verleiht der Hornkapsel mehr Elastizität.

  • Kupfer: Ergänzt das Zinkverhältnis im Körper und sichert die Stabilität der Zellwände im Huf.

Fragen & Antworten

Pferdehufe müssen mindestens 10 bis 15 Minuten durchgehend gewässert werden, damit das feste Keratin der Hornkapsel die Feuchtigkeit tiefenwirksam aufnehmen kann.
Das Wässern der Hufe vor dem Schmiedtermin ist absolut empfehlenswert, da feuchtes Horn elastischer ist und dem Hufbearbeiter das Ausschneiden extrem harter Hufe erleichtert.
Du solltest die Hufe einölen, allerdings ausschließlich nach dem Wässern im feuchten Zustand, damit das Huföl die aufgenommene Feuchtigkeit im Horn einschließt.

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