Home PferdewissenFahren mit Pferdeanhänger – Darauf ist zu achten

Fahren mit Pferdeanhänger – Darauf ist zu achten

von Michelle Breitenfeld
Veröffentlicht: Letztes Update am

Ob auf dem Weg zum nächsten Turnier, Richtung Urlaub oder ein unerwünschter Besuch in der Tierklinik: Pferdebesitzern steht des Öfteren das Fahren mit dem Pferdeanhänger bevor. Wir erklären Dir, was Du beim Hängerfahren mit Deinem Pferd beachten musst.

Fahren mit Pferdeanhänger: Anhängerfahren ist eine Übungssache!

Das Ziehen eines Hängers ist reine Übungssache. Je öfter man fährt, desto sicherer wird man. Du musst Dich in erster Linie an das Fahrverhalten – beispielsweise in Kurven – gewöhnen. Darüber hinaus solltest Du immer vorausschauend fahren und nicht zu schnell unterwegs sein. Wenn Dein Tempo zu hoch ist, gerät der Anhänger schnell ins Schlingern und Dein Pferd könnte Angst bekommen. Bedenke auch, dass Dein Bremsweg mit 600 Kilo Pferd im Nacken deutlich länger ist. Abrupte Bremsmanöver sind vor allem für Dein Pferd gefährlich. Übe deshalb zuerst mit dem leeren Anhänger. Erst wenn Du Dich sicher fühlst, lädst Du Dein Pferd ein.

Eine Schwierigkeit des Anhängerfahrens ist das Einparken. Die Herausforderung hierbei ist vor allem das Umdenken, denn man muss immer entgegengesetzt der Fahrtrichtung lenken. Nach einiger Übung ist aber auch das gut machbar.

Fahren mit Pferdeanhänger: Der Anhängerführerschein

Mit dem Führerschein Klasse B darfst Du einen Anhänger ziehen, solange Auto und Anhänger zusammen höchstens 3,5 Tonnen wiegen. Das reicht für ein Pferdegespann oft nicht aus. Dann brauchst Du die Schlüsselzahl B96 oder den Führerschein BE, den Du in der Fahrschule machst.

Voraussetzung ist:

  • Führerschein Klasse B, der dazu berechtigt, einen PKW zu fahren und ein
  • Mindestalter von 18 Jahren bzw. 17 Jahren bei begleitendem Fahren.

Führerschein BE oder B96?

Den Führerschein Klasse B mit der Schlüsselkennzahl 96 gibt es seit Januar 2013. Damit dürfen Zugfahrzeug und Anhänger zusammen bis zu 4,25 Tonnen wiegen.

Der Vorteil dabei ist, dass für die Eintragung der Schlüsselzahl keine Prüfung abgelegt werden muss. Eine eintägige Fahrerschulung in einer dafür zugelassenen Fahrschule ist ausreichend.  Zu beachten ist, dass die zulässige Gesamtmasse der Fahrzeugkombination 4.250 kg nicht überschreiten darf.

Für den Führerschein der Klasse BE musst Du eine praktische Prüfung ablegen. Vorher stehen in der Ausbildung Pflichtfahrten an, darunter Überland-, Autobahn- und Nachtfahrten. Die Anzahl der tatsächlichen Übungsstunden bestimmt der Fahrlehrer.

Der Führerschein BE erlaubt das Ziehen von Anhängern mit einer zulässigen Gesamtmasse bis zu 3.500 kg.

Kosten für einen Anhängerführerschein

Die Kosten für einen Anhängerführerschein – egal ob BE oder B96 – liegen je nach Region bei ca. 350 EUR bis 600 EUR.

Pferd steht vor einem Pferdeanhänger

Seit 1999 ist ein Zusatzführerschein erforderlich, um einen Pferdeanhänger zu ziehen. Der Anhängerführerschein muss also in der Fahrschule gemacht werden.

Gewicht eines Pferdeanhängers

Das Gewicht eines Anhängers variiert je nach Größe und Material. Ein Pferdeanhänger für 1,5 Pferde (z. B. Stute mit Fohlen) wiegt ca. 470 kg bis 670 kg. Ein Pferdeanhänger für zwei Pferde ist mit circa 650 kg bis 1.200 kg Leergewicht erheblich schwerer. Das Leergewicht steht im Fahrzeugschein des Anhängers. Bei der Auswahl des Führerscheins müssen sowohl das Leergewicht des Hängers als auch die Zahl der zu transportierenden Pferde berücksichtigt werden.

Natürlich braucht der Anhänger auch das Okay vom TÜV: Anhänger bis 3.500 Kilo werden alle zwei Jahre geprüft.

Fahren mit Pferdeanhänger: Die Pferdeanhänger-Versicherung

Der Pferdeanhänger ist über das ziehende Fahrzeug versichert, wenn der Anhänger mit dem Fahrzeug verbunden ist oder sich von dem ziehenden Fahrzeug löst und noch in Bewegung befindet.

Beispiele:

  • beim Einparken des Anhängers wird ein anderes Fahrzeug beschädigt
  • während der Fahrt löst sich die Kupplung und der Anhänger rollt auf ein geparktes Fahrzeug

Im Falle eines Schadens kann sich der Geschädigte nach § 7 Straßenverkehrsgesetz aber an den Halter des ziehenden Fahrzeugs oder an den Halter des Pferdeanhängers wenden und dort seine Ansprüche auf Entschädigung anmelden. Der Abschluss einer eigenen Kfz-Haftpflichtversicherung für den Pferdeanhänger ist daher empfehlenswert, zumal der Versicherungsbeitrag recht günstig ist.

Das passende Auto zum Hängerfahren

Überprüfe auf jeden Fall, ob Dein Fahrzeug den Hänger überhaupt ziehen darf. Die Anhängelast ist im jeweiligen Fahrzeugschein verzeichnet. Bist Du unsicher, solltest Du im Autohaus Deines Vertrauens noch einmal nachfragen. Außerdem ist ein Auto mit Allradantrieb von Vorteil, da Du manchmal über Wiesen oder andere unebene Untergründe fahren musst.

Wir haben den VW Touareg getestet. Ob er sich als Zugfahrzeug für Deine nächste Hängerfahrt eignet, liest Du im Artikel Erfahrungen mit dem VW Touareg.

Vor der Fahrt: Pferd und Hänger richtig vorbereiten

Nicht jedes Pferd geht gerne in den engen und dunklen Anhänger. Übe das Verladen deshalb in Ruhe, damit Dein Pferd lernt, dass nichts passiert. Leg ihm schon beim Training Gamaschen und Glocken oder Transportgamaschen an. Wichtig ist, dass Röhrbeine und Sprunggelenke bedeckt sind und der Beinschutz über den Kronrand bis zum Boden reicht. Das schützt Dein Pferd während des Transports vor Schlagverletzungen und Prellungen.

Schau Dir vor der Fahrt die Strecke an. Nicht immer ist der kürzeste Weg der beste. Gibt es eine Alternative mit weniger Kurven und gut ausgebauten Straßen, solltest Du diese wählen. Prüfe außerdem vor jedem Transport, ob Bremslicht und Blinker am Anhänger funktionieren.

Transportierst Du nur ein Pferd in einem Zweipferdeanhänger, stell es am besten auf die linke Seite. Viele Straßen fallen nach außen hin ab, und wenn dann auch noch das Pferd auf dieser Seite den Hänger belastet, kann es schnell schwierig werden. In einem Transporter lässt Du Dein Pferd möglichst gegen die Fahrtrichtung stehen, das ist laut einer Studie für Pferde stressfreier. Achte auch auf die Höhe der Brust- und Heckstangen: Hängen sie zu hoch, kann Dein Pferd darunter durchtauchen. Hängen sie zu tief, kann es sich draufsetzen.

Pferd sicher ein- und ausladen

Plane fürs Verladen immer ausreichend Zeit ein. Ideal ist ein Helfer an Deiner Seite, denn zu zweit geht es leichter. Steht das Pferd im Hänger, befestigt der Helfer zuerst die hintere Stange. Erst dann hängst Du die vordere Stange ein und bindest Dein Pferd an. Steht es ruhig, kann die Rampe geschlossen werden. Prüfe vor der Abfahrt noch einmal, ob alle Türen sicher verschlossen sind.

Am Ziel gehst Du in umgekehrter Reihenfolge vor: Binde Dein Pferd vorne los, mach einen Strick ans Halfter und häng die vordere Stange aus. Erst jetzt wird die Rampe heruntergelassen und danach die hintere Stange entfernt. Beim Rausführen sollte Dein Helfer neben der Rampe stehen und darauf achten, dass Dein Pferd nicht seitlich neben die Rampe tritt. Nimm die Transportgamaschen danach sofort ab. Fährst Du zu einem Turnier, plane Deine Ankunft so, dass Dein Pferd am Ziel erst einmal durchschnaufen kann.

Dein direkter Draht zur Pferdewelt!

Mit unserem Newsletter für Pferdebegeisterte.