Fellwechsel beim Pferd im Frühjahr und Herbst
Sobald die Sonnenstrahlen wieder intensiver und die Tage ab Februar allmählich länger werden, verlieren die ersten Pferde ihr Winterfell. Spätestens im März wird das Haarkleid dann komplett durch das kürzere, feinere Sommerfell ersetzt. Umgekehrt ist es hingegen in den Herbstmonaten, wenn das dichtere Winterfell zum Schutz vor den kalten winterlichen Temperaturen heranwächst. Dementsprechend ist der Fellwechsel beim Pferd zweimal im Jahr unumgänglich und hängt dabei in seinem Beginn nicht in erster Linie von den steigenden oder fallenden Außentemperaturen, sondern von der Intensität der Sonneneinstrahlung und der Tageslänge ab. Wie stark der Fellwechsel beim Pferd ausgeprägt ist, entscheidet oftmals die Haltungsform. Während Pferde, die auch bei niedrigen Temperaturen im Winter vorrangig im Offenstall stehen, meist ein dickeres Winterfell aufweisen, ist das Haarkleid bei warm eingestallten Pferden nicht so stark ausgeprägt.
Wie lange dauert der Fellwechsel beim Pferd?
Der Fellwechsel von Sommer- auf Winterfell dauert etwa von September bis November. In dem Zeitraum von Januar bis März verliert das Pferd dann sein Winterfell. Je nach Rasse, Alter, Haltung und Witterung kann es hier aber zu Unterschieden kommen.
Wer steuert den Fellwechsel?
Den Takt gibt die Zirbeldrüse vor, eine kleine Hormondrüse am Gehirn. Sie bildet das Hormon Melatonin und reagiert auf die Tageslänge. Werden die Tage länger, startet der Wechsel zum Sommerfell. Werden sie kürzer, beginnt der Körper mit der Produktion des Winterfells.
Die Temperatur bestimmt nicht den Startpunkt, beeinflusst aber das Tempo. Ein später Kälteeinbruch kann den Fellwechsel bremsen oder kurz stoppen, warme Tage beschleunigen ihn. Außerdem entscheidet die Temperatur über Dichte und Länge des Fells. Auch die Genetik spielt mit: Ponys und nordische Rassen tragen meist ein dichteres, längeres Winterfell als Warm- und Vollblüter.
Im Frühjahr dauert der Fellwechsel meist länger als im Herbst. Zuerst fallen die langen Deckhaare, danach die dichte Unterwolle. Im Herbst geht es schneller, weil das Winterfell gleichmäßig nachwächst.
Der Fellwechsel – eine Höchstleistung des Stoffwechsels
Vor allem beim Übergang vom Sommer- auf das Winterfell geht der Fellwechsel beim Pferd mit hohen Anforderungen an den Stoffwechsel sowie einem gesteigerten Energiebedarf an Eiweiß und Nährstoffen einher. Zum Aufbau der aus Keratin bestehenden Haare wird ein hohes Maß an Aminosäuren, Mineralstoffen, essenziellen Fettsäuren und Spurenelementen wie Kupfer, Selen und Zink benötigt, zumal reichlich Kraft für das Herausschieben der neuen Haare aus der Haut aufgebracht werden muss. Sind nicht genügend Nährstoffe vorhanden, beeinträchtigt dies zwar nicht den Fellwechsel beim Pferd, aber es kann mitunter zu einer Schwächung des Immunsystems und einer vorübergehend höheren Anfälligkeit für Infekte führen.

Vor allem beim Übergang vom Sommer- auf das Winterfell geht der Fellwechsel beim Pferd mit hohen Anforderungen an den Stoffwechsel.
Probleme beim Fellwechsel beim Pferd
In Zeiten des Fellwechsels kann es beim Pferd immer wieder auch zu begleitend auftretenden Problemen kommen, die der Anstrengung des Fellwechsels für den Stoffwechsel geschuldet sind. Probleme, zu denen es während des Fellwechsels kommen kann, sind beispielsweise Müdigkeit oder Schlappheit des Pferdes, auffälliger Gewichtsverlust oder auch eine gesteigerte Anfälligkeit für Infektionen oder Husten. Stoffwechselorgane, wie die Leber, arbeiten im Fellwechsel auf Hochtouren und benötigen dafür besondere Unterstützung in Form von Nährstoffen. Auch das Immunsystem leidet deshalb zur Fellwechselzeit häufig, was beachtet werden sollte, um Erkrankungen vorzubeugen, die wiederum das Pferd während des Fellwechsels stark belasten würden.
Im Sommer, mit dem ausfallenden Fell, verliert der Pferdekörper auch wichtige Aminosäuren und Spurenelemente, was das betroffene Pferd schwächen kann. Zum Winter hin ist für die Bildung von neuen Haaren hingegen eine nicht zu unterschätzende Menge an Nährstoffen nötig, die der Körper zur Verfügung stellen muss. Treten Probleme im Fellwechsel auf, so sind diese daher in der Regel auf eine mangelnde Versorgung mit Mineralien und Nährstoffen zurückzuführen. Im Frühjahr, wenn die Wiesen noch nicht voller nährstoffreichem Gras stehen und die Pferde den Winter über mit Heu und Stroh auskommen mussten, sind sie noch nicht mit den im Gras vorhandenen Nährstoffen versorgt. Daher empfiehlt sich hier die zusätzliche Fütterung von Vitaminen, essenziellen Aminosäuren und Spurenelementen, um dem Pferd den Fellwechsel zu erleichtern.
Benötigt werden vom Organismus Zink, Vitamin A und C, B-Vitamine, Biotin, Omega-3-Fettsäuren und essentielle Aminosäuren, insbesondere Methionin. Mit speziellem Zusatzfutter, welches all diese benötigten Stoffe enthält, kann das Pferd somit optimal im Fellwechsel unterstützt und auftretende Probleme vermieden werden.
Was tun bei Problemen beim Fellwechsel von Pferden und Ponys?
Die meisten Probleme im Fellwechsel sind auf einen beeinträchtigten Stoffwechsel zurückzuführen. Dieser kann mit der Fütterung zusätzlicher, dringend benötigter Mineralien, Spurenelemente und Vitamine tatkräftig unterstützt werden. Dies kann entweder in Form von Kräutern oder durch spezielle, fertig zu kaufende Zusatzfutter geschehen.
Fellwechsel beim Pferd unterstützen durch Futter
Steht der Fellwechsel beim Pferd unmittelbar bevor, empfiehlt sich die Unterstützung des Stoffwechsels durch eine optimierte Fütterung. Entsprechende Maßnahmen sind grundsätzlich bei allen Pferden vorteilhaft, aber insbesondere bei älteren oder kranken Pferden zu befolgen. Da im Zuge des Fellwechsels reichlich Amino– und Fettsäuren benötigt werden, bietet sich das Füttern von Leinsamen an. Diese sorgen für eine Unterstützung des Stoffwechsels und eine Ankurbelung der Verdauung, sodass der Fellwechsel beim Pferd positiv beeinflusst wird. Pferdebesitzer müssen den Leinsamen aufgrund der enthaltenen Blausäure zwingend schroten oder abkochen, es sei denn, sie verwenden die ebenfalls im Handel erhältlichen fütterungsfertigen Produkte oder geben alternativ Leinöl zum Futter hinzu.
Ebenso bewährt hat sich auch die Zufütterung von Mineralfutter, das viele Mineralien und Spurenelemente enthält. Zink, Kupfer und Co. sorgen ganz nebenbei für einen ansprechenden Glanz des Fells, was speziell bei Braunen und Füchsen zum Tragen kommt. Allerdings sollten es Besitzer nicht mit dem Mineralfutter übertreiben und sich an die empfohlenen Mengenangaben der Hersteller halten. Darüber hinaus kann für einen problemlos verlaufenden Fellwechsel beim Pferd auch Bierhefe zugefüttert werden, die sich durch reichlich Vitamin B und E auszeichnet. Neben der erhöhten Vitaminzufuhr fördern die Hefezellen die Aufnahme der Mineralien im Pferdedarm und wirken so gleich zweifach positiv.
Was füttern im Fellwechsel beim Pferd?
Beim Fellwechsel bietet sich das Füttern von Leinsamen an. Diese sorgen für eine Unterstützung des Stoffwechsels und eine Ankurbelung der Verdauung, sodass der Fellwechsel positiv beeinflusst wird. Ebenso ist die Zufütterung von Mineralfutter sinnvoll.
Warum ist mein Pferd im Fellwechsel schlapp?
Im Fellwechsel arbeitet die Thermoregulation Deines Pferdes im Dauereinsatz. Sein Körper muss ständig auf Temperaturschwankungen reagieren. Gleichzeitig kostet die Bildung des neuen Fells viel Energie. Beides belastet Kreislauf und Immunsystem. Viele Pferde wirken in dieser Zeit deshalb müde und weniger leistungsbereit, auch beim Reiten. Plane das Training entsprechend etwas ruhiger.
Kräuter, die den Fellwechsel unterstützen
Mit der richtigen Fütterung legst Du den Grundstein für ein gesundes, glänzendes Fell. Gleichzeitig entlastest Du Leber und Nieren, die im Fellwechsel auf Hochtouren arbeiten. Die folgenden Mengen gelten für ein Großpferd. Sprich größere Futterumstellungen am besten mit Deinem Tierarzt ab.
Mariendistel hilft der Leber
Mariendistel enthält den Bitterstoff Silymarin. Er stabilisiert die Wände der Leberzellen und unterstützt die Leber bei der Entgiftung. Empfohlen werden 30 bis 50 Gramm Kraut oder Samen am Tag.
Löwenzahn für den Stoffwechsel
Löwenzahn liefert Vitamin A, B und C, Kupfer, Zink, Kalium und Eisen. Seine Bitterstoffe regen den Stoffwechsel an und unterstützen Leber und Nieren. Die Fütterungsempfehlung liegt bei 20 bis 40 Gramm am Tag. Da Löwenzahn entwässert, trinkt Dein Pferd danach eventuell mehr.
Brennnessel bei langsamem Fellwechsel
Die Brennnessel fördert Nieren- und Stoffwechselfunktion und hilft so beim Abtransport von Giftstoffen. Eiweiß, Vitamin A und C sowie ungesättigte Fettsäuren wirken sich zusätzlich positiv auf die Haarbildung aus. Für eine Kur fütterst Du vier bis acht Wochen lang täglich 30 bis 80 Gramm getrocknete Brennnessel.
Bierhefe für Haut und Haar
Bierhefe steckt voller B-Vitamine, Aminosäuren, Biotin, Folsäure, Eisen und Zink. Sie kurbelt die Bildung von Haut, Fell und Hufhorn an und stabilisiert die Darmflora. Empfohlen werden 10 bis 20 Gramm pro 100 Kilogramm Körpergewicht. Für ein Pferd mit 600 Kilogramm reichen etwa 50 Gramm am Tag.
Leinsamen für die Nährstoffaufnahme
Leinsamen liefern entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren. Ihre Schleimstoffe quellen im Darm auf und erleichtern die Aufnahme von Nährstoffen. Pro 100 Kilogramm Körpergewicht kannst Du 20 Gramm am Tag füttern. Wichtig: Dunkle Leinsamen enthalten Blausäure und müssen vor dem Füttern gekocht oder geschrotet werden. Gelbe Leinsamen enthalten weniger davon.
Leinöl für Glanz und Abwehr
Etwas Öl im Futter lässt fast jedes Fell glänzen. Ideal ist kaltgepresstes Leinöl mit Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Es wirkt entzündungshemmend und stärkt das Immunsystem. Gib Deinem Pferd 15 bis 50 Milliliter am Tag. Mehr ist nicht besser: Über 80 Milliliter pro Mahlzeit oder 160 Milliliter am Tag können die Verdauung belasten.
Fellwechsel bei alten Pferden
Im Frühjahr fällt es auf jeder Weide auf: Die jungen Pferde glänzen schon im Sommerfell, die Oldies stehen noch im dicken Winterpelz da. Mit dem Alter fährt der Stoffwechsel herunter und das Immunsystem arbeitet langsamer. Das zeigt sich auch am Fell. Die Deckhaare werden oft länger, das Winterfell kommt früher. Vor allem der Wechsel zum Sommerfell dauert deutlich länger.
Weil die Bildung des neuen Fells viele Nährstoffe verbraucht, verlieren ältere Pferde im Fellwechsel manchmal schnell an Gewicht. Sie speichern Nährstoffe schlechter und brauchen deshalb mehr Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Wichtig für das Fell sind schwefelhaltige Aminosäuren, Zink, Kupfer, Selen, ungesättigte Fettsäuren sowie die Vitamine A und E und Biotin. Mash mit Leinsaat oder eine Bierhefe-Kur über sechs bis acht Wochen können zusätzlich helfen.
Auch beim Eindecken gelten für Oldies eigene Regeln. Hat Dein Pferd wenig Unterhautfett, etwa wegen Zahnproblemen oder einer Stoffwechselstörung, solltest Du es eindecken, auch wenn der Fellwechsel schon begonnen hat.
Wann Du zum Tierarzt solltest
Nicht jedes Problem im Fellwechsel ist eine Frage des Alters. Langes, lockiges Fell, Muskelschwund, Gewichtsverlust und ein verändertes Verhalten können auf das Equine Cushing Syndrom hinweisen. Die Hormonstörung trifft vor allem Pferde ab dem 15. Lebensjahr. Auch andere Stoffwechselerkrankungen oder ein Mineralmangel kommen als Ursache infrage. Lass auffällige Veränderungen deshalb immer tierärztlich abklären.
Pflege im Fellwechsel: Putzen und Scheren
Die beste Unterstützung von außen ist einfach: putzen, putzen und noch einmal putzen. Große Haarbüschel löst Du mit einer Kunststoff-, Gummi- oder Metallbürste. Bei sehr dichtem, langem Fell hilft ein Federstriegel.
Manche Pferde werden ihr Winterfell trotzdem kaum los. Das betrifft vor allem ältere Pferde und Pferde mit Stoffwechselerkrankungen wie EMS oder Cushing. Wird es im Frühjahr warm, schwitzen sie unter dem dicken Fell. Das belastet den Kreislauf. Dann ist eine Frühjahrsschur die beste Lösung.











