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Früher hatte ich Zeit & Geld, heute ein Pferd

von Felix Ortmann
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Diesen Spruch kennt so oder so ähnlich wohl jeder Pferdebesitzer. Manchmal heiter, manchmal wehleidig dahergesagt. Und auf den ersten Blick ist da so viel Wahres dran. Und auf den zweiten?

Dies ist unser Beitrag zur Bloggerparade von a life with horses für „Reiter für Afrika“. Nähere Infos zum Projekt findet ihr unten im Beitrag.

Auch früher hatte ich ja schon ein Pferd

Ich bin mit dem Reiten aufgewachsen. Mit 15 bekam ich Geronimo. Und war offiziell das glücklichste Mädchen der Welt: „Wenn ich erst einmal ein Pferd habe, wünsche ich mir nie wieder etwas.“ (Oh wunder, natürlich haben die Wünsche bis heute nicht aufgehört) Über Geld und Zeit habe ich mir damals keine Gedanken gemacht – und musste ich auch nie. Dafür bin ich meiner Mama unglaublich dankbar.

Und dann, am Ende meines Studiums, habe ich genau das gemacht, von dem einem jeder klardenkende Mensch abrät: Ich habe mir zu meinem Bachelor ein zweites Pferd gewünscht. Nein, nicht einfach ein zweites. Es musste dieses eine sein. Und genau zu diesem Zeitpunkt. Meine Bambi.

Schön blöd, oder? Denn immerhin habe ich ja jetzt weder Zeit noch Geld.

Hatte ich denn früher mehr Zeit? Ja, aber…

Weder zu Schul- noch zu Studienzeiten habe ich mich über wenig Freizeit beschweren können. Im Berufsalltag fände ich jetzt eine 3-Tage-Arbeitswoche natürlich super. Aber so geht es wohl allen Berufstätigen. Meine Antwort auf die Frage also? Ja, aber das lag wohl eher an den Umständen. Denn immerhin hatte ich ja auch da schon Geronimo.

Und heute?
Nehmen wir zum Beispiel dieses Wochende: Das Wetter ist traumhaft als ich aufwache. Wunderschönes, frostiges Winterwetter – eben genauso, wie der Winter sein sollte. Mein erster Gedanke? So schnell wie möglich zum Pferd und ausreiten. Hauptsache das Wetter ausnutzen! Ich sitze also schon dick eingepackt bei schönstem Wetter auf dem Pferd, während andere Menschen noch am Frühstückstisch sitzen oder den Tag auf dem Sofa verbringen.

Aber so, wie ich Fußballspieler nicht verstehen kann, die auch bei strömendem Regen freiwillig auf dem Platz stehen, wird wohl auch uns Reiter niemand verstehen, wenn wir bei Minusgraden so schnell wie möglich raus wollen.
Heutzutage habe ich also wohl genauso viel oder eben wenig Zeit wie andere Berufstätige. Aber noch weniger als andere, nur weil ich Pferdebesitzerin bin? Bestimmt nicht. Ich verbringe meine Zeit nur anders. Und eigentlich genauso, wie ich möchte.

Jeden Monat einen Kurzurlaub

Weder als Schülerin, noch als Studentin bin ich jemals „im Geld geschwommen“. Ich war zunächst auf mein Taschengeld angewiesen, dann auf den Lohn meiner Nebenjobs. Große Sprünge? Die habe ich damit wohl eher nicht gemacht. Aber stop: Ich will mich auf keinen Fall beschweren! Vor allem Dank meiner Eltern und auch meiner Jobs musste ich nie mit Bangen dem Monatsende entgegenblicken – und wenn doch mal, dann lag es wohl eher daran, dass dieses eine Paar Schuhe doch noch unbedingt zu mir nach Hause mit wollte.

Erst seitdem ich im Berufsleben bin, habe ich Geld. Das heißt für mich: Ich verdiene meinen Lebensunterhalt selbst. Aber eben nicht nur meinen, sondern auch Bambis. Nachdem ich einem Freund mal aufgezählt habe, was mich dieses Pferd so im Monat mindestens kostet, kam von ihm nur erschrocken: „Du bezahlst ja jeden Monat einen Urlaub!“

Wenig Bares, aber viel Glück

Dieser Satz geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Wenn Bambi zum 15. Mal in diesem Jahr den Tierarzt braucht. Wenn wir wieder einen Rückschritt nach dem anderen machen. Oder wenn mir auffällt, dass ich genau genommen nur dafür bezahle, dass ich ihre Box misten darf.

Was andere Menschen für ihren Jahresurlaub ausgeben, gebe ich in zwei Monaten für mein Pferd aus. Er hat also irgendwie Recht. Und mir war das irgendwie gar nicht bewusst.
Natürlich habe ich am Ende des Monats weniger „Bares“. Weder fahre ich dreimal im Jahr in den Urlaub. Noch besitze ich teure Designer Handtaschen. Mein „Luxus“ ist eben ein anderer.

Ist mir das dieses dauerkranke Pferd wert? Ganz ehrlich? Ich zweifle immer wieder. Wenn ich mal hochrechne, wie viel Geld übrig bleiben würde, wenn da das Pferd nicht wäre. Gerade in diesem Jahr mit seinen vielen Rückschlägen. Aber dann geh ich die Stallgasse entlang und merke: Mein ganz persönliches Glück steht genau hier. In der Box mit dem Schild „Bambi“.

Was ist die Aktion „Reiter für Afrika“?

„Reiter für Afrika“ ist eine Aktion von „Partnerschaft für Afrika“. Dieser gemeinnützige Verein wurde von Friederike Heidenhof, der Co-Autorin von Uta Gräf, gegründet. Bisher baute sie bereits ein Waisenhaus für Aidswaisen, sowie eine Grundschule auf. Das aktuelle Projekt? Der Aufbau einer weiterführenden Schule.

Wir von ehorses finden dieses Engagement toll und wollen mit unserer Teilnahme an der Bloggerparade auf die Aktion aufmerksam machen.

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