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Hengst kastrieren – Ablauf, Kosten & Co.

von Jil Wiedemann
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Einen Hengst kastrieren ist sinnvoll, um problematisches Verhalten zu vermeiden. Sie werden mit zwölf bis 18 Monaten geschlechtsreif und zeigen ab diesem Zeitpunkt ein deutliches Territorialverhalten. Damit bei der Kastration keine Probleme auftreten, sollte unbedingt auf den richtigen Zeitpunkt für den chirurgischen Eingriff geachtet werden.

Einen Hengst kastrieren- Definition

Um einen Hengst zu kastrieren entfernt der Tierarzt unter Narkose die beiden Hoden des Pferdes. Durch die Entfernung der Keimdrüsen wird der Hengst unfruchtbar. Anders als bei einer Sterilisation, bei der nur die Samenleiter durchtrennt werden, um die Zeugungsfähigkeit zu verhindern, ist der Eingriff endgültig. Nach dem Eingriff kann er nie wieder in der Zucht eingesetzt werden. Sterilisationen werden nur bei Kleinpferden durchgeführt. Nachdem der Hengst kastriert wurde, wird er als Wallach bezeichnet. 

Warum ist es notwendig, einen Hengst zu kastrieren?

Der Hengst besitzen einen starken Fortpflanzungstrieb und verteidigen ihr Territorium vehement. Verursacht wird dieses Verhalten durch einen hohen Testosteronspiegel. Das männliche Geschlechtshormon verhindert ein friedliches Zusammenleben von Hengsten, wenn eine paarungsbereite Stute in der Nähe ist. Damit eine artgerechte Haltung der Pferde möglich ist, ist es notwendig, den Hengst zu kastrieren. 

Werden auch Stuten kastriert?

Eine Kastration von Stuten wird nicht ohne medizinische Gründe durchgeführt. Der Eingriff ist zu aufwendig und zu teuer, um diesen zur Verhinderung der Fortpflanzung durchzuführen.

Vorteile einer Kastration

Da bei dem Eingriff die Geschlechtsdrüsen entfernt wurden, kann kein neues Testosteron gebildet werden. Die Pferde verhalten sich umgänglicher und ruhiger. Ein Wallach reagiert nach einem vollständigen Abbau des im Körper befindlichen Testosterons nicht mehr auf den Geruch einer rossigen Stute. Die Pferde können problemloser in Gruppen gehalten werden.

Wie lange gibt es Hengstverhalten nach Kastration?

Das Hengstverhalten dauert noch einige Zeit nach der Kastration an. Bei jungen Pferden verschwindet das Verhalten bereits nach zwei bis vier Wochen. Werden die Hengste erst zu einem späteren Zeitpunkt kastriert, hält das für Hengst typische Verhalten noch mehrere Monate an.

Hengst kastrieren – Durchführung 

Durch moderne Methoden bei der Kastration von Hengsten und eine schonende Vollnarkose wird Stress für das Pferd weitgehend vermieden. Der Tierarzt, der einen Hengst kastrieren möchte, kann den Eingriff bei einem stehenden oder liegenden Pferd durchführen. 

Narkose beim stehenden Pferd

Stehende Pferde werden sediert. Eine zusätzliche Schmerzausschaltung erfolgt durch die Injektion eines lokalen Betäubungsmittels in den Hodensack und den Bereich der Samenstränge. Der Hengst befindet sich in einem Dämmerschlaf. Die Kontrolle über die Beinmuskulatur bleibt erhalten.

Narkose beim liegenden Pferd

Das Pferd wird durch in die Vene am Hals verabreichte Medikamente sediert und mit Gurten gesichert. Sobald das Medikament wirkt, fällte das Pferd auf eine hohe Auflage. Die Fallrichtung wird durch die Gurte gesteuert, damit sich der Hengst nicht bei dem Sturz verletzt. Bevor die Operation beginnen kann, wird ein Schlauch in die Luftröhre eingeführt. Das Pferd wird während des gesamten Eingriffs mit einer Mischung aus Sauerstoff und Narkosegas versorgt. Der Vorteil der Inhalationsnarkose liegt vor allem darin, dass die Tiefe des Narkoseschlafs und die Schmerzausschaltung gesteuert werden können.

Hengst kastrieren – der richtige Zeitpunkt

Mit den modernen Methoden ist es möglich, den Eingriff schon bei sehr jungen Pferden durchzuführen. Einen Hengst zu kastrieren, der noch jugendlich ist, hat aber durchaus auch Nachteile. Häufig kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht beurteilt werden, ob sich der Hengst später für die Zucht eignen könnte. Vielleicht möchte der Halter des Pferdes diese Entscheidung nicht so früh treffen. Auf die Muskelmasse und das generelle äußere Erscheinungsbild des Hengstes hat eine frühe Kastration kaum Einfluss. Testosteron verursacht zwar eine bessere Bildung von Muskeln, diese werden aber nach der Kastration nach einiger Zeit wieder abgebaut. Muss das junge Pferd seine Energie nicht vermehrt für den Aufbau der Muskulatur einsetzen, ist das Wachstum eines kräftigeren und größeren Skeletts möglich.

Eine frühere Kastration kann also dazu führen, dass der Wallach ein höheres Stockmaß erreicht als ein später kastriertes Pferd. Das Sexualhormon Testosteron ist auch dafür zuständig, dass sich die Wachstumsfugen der langen Röhrenknochen korrekt schließen. Deshalb sollte die Kastration nicht unbedingt vor der Beendigung des Wachstums durchgeführt werden. 

Aus der praktischen Erfahrung heraus hat sich ergeben, dass der beste Zeitpunkt, um einen Hengst zu kastrieren, zwischen einem und zwei Jahren liegt. Erfolgt die Kastration erst zu diesem Zeitpunkt, treten weniger Komplikationen während und nach der Operation auf

Hengst kastrieren: Zwei Jungpferde spielen

Die meisten Hengste werden mit ein oder zwei Jahren kastriert. Somit können sie gefahrlos mit Stuten zusammengehalten werden und das „hengstige Verhalten“ nimmt ab.

Kosten für die Kastration eines Hengstes

Wie hoch die Kosten für die Kastration eines Hengstes sind, hängt von der Operationsmethode ab.Durchschnittlich berechnet der Tierarzt für eine Kastration im Stehen zwischen 250 und 350 Euro. Die Kastration im Liegen wird in einer Tierklinik durchgeführt. Hier entstehen Kosten von 350 bis 500 Euro.

Die Kosten für die Operation, Narkose und vorherige Untersuchung sowie eventuelle Nachbehandlungen werden in Deutschland in der GOT, der Gebührenordnung für Tierärzte, geregelt. In der Gebührenordnung wird eine Preisspanne festgesetzt, innerhalb der die Rechnung gestellt werden darf.

Was kostet es ein Pferd zu kastrieren?

Die Kosten sind von der Operationsmethode abhängig. Eine unbedeckte Kastration kostet zwischen 250 und 300 Euro. Für die bedeckte Kastration muss mit Kosten von 350 bis 500 Euro gerechnet werden..

Hengst kastrieren – Methoden

Einen Hengst zu kastrieren kann bedeckt oder unbedeckt durchgeführt werden.

Die bedeckte Kastration

Die bedeckte Kastration eines Hengstes wird immer unter Vollnarkose im Liegen durchgeführt. Bei der bedeckten Kastration wird der Hodensack, das Skrotum, mit einem Skalpell geöffnet. Die Bindegewebsschicht, die den Hoden und den Nebenhoden bedeckt, wird nicht verletzt. Hoden und Nebenhoden werden in der Kapsel herausgezogen, mit einem Emaskulator gequetscht, kurz gedreht, abgebunden und durchtrennt. Der Scheidenhautfortsatz (Processus vaginalis), durch den der Hodensack mit der Bauchhöhle in Verbindung steht, wird abgebunden und bleibt erhalten. Anschließend wird die Operationswunde durch eine Naht verschlossen.

Die unbedeckte Kastration

Eine unbedeckte Kastration kann auch bei einem stehenden Hengst durchgeführt werden. Da im Stall ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht, sollte auch diese Operation in einer Tierklinik durchgeführt werden.

Alle Schichten des Hodensacks werden mit einem Skalpell durchtrennt. Da auch der Scheidenhautforsatz geöffnet wird, besteht über die Leistenringe eine direkte Verbindung zu der Bauchhöhle. Hoden und Nebenhoden werden vorgelagert, abgebunden und entfernt. Nach der Kontrolle der Größe der Leistenringe wird die Operationswunde mit einer Naht verschlossen. 

Dauer des Eingriffes

Durchschnittlich beträgt der Zeitaufwand für den Eingriff 60 Minuten. Nach der Operation muss das Pferd noch überwacht werden, bis die Folgen der Narkose vollständig verschwunden sind. Heute wird eine Kastration am stehenden Hengst nur mehr selten durchgeführt, da die Risiken für das Pferd und den Tierarzt höher sind als eine Kastration am liegenden Pferd.

Hengst kastrieren: Schimmel Kopf

Die Kastration eines Hengstes ist ein Routine Eingriff, dennoch können Komplikationen auftreten.

Risiken & Komplikationen bei einer Kastration

Auch wenn es sich bei einer Kastration eines Hengstes um eine Routineoperation handelt, können Komplikationen während und nach dem Eingriff nicht immer vollständig vermieden werden.

Komplikationen

  • Blutungen
  • Abrutschen der Ligatur (Faden, mit dem der Hoden abgebunden wurde)
  • Unverträglichkeiten gegen das Nahtmaterial
  • Ansammlung von Flüssigkeit im Hodensack (Serom)
  • Blutungen in den Hodensack (Hämatom)
  • Ödeme: die Flüssigkeit sammelt sich in dem Gewebe in der Umgebung des Operationsgebietes an
  • Fistel: der Samenstrang ist eitrig entzündet
  • Darmvorfall durch einen zu großen und offenen Leistenring
  • Infektion der Wunde durch eingewanderte Bakterien

Das Risiko für Blutungen und einen Darmvorfall ist bei der unbedeckten Kastration wesentlich höher als bei einer bedeckten Kastration. Samenstrangfisteln treten meistens erst sechs Wochen nach dem Eingriff auf.

Risiken während der Operation

Bei Pferden besteht generell ein hohes Narkose-Risiko. Dieses kann durch eine Inhalationsnarkose verringert werden. Damit das Narkoserisiko möglichst gering ist, müssen die Hengste bei der Kastration jung und gesund sein. 

Dabei steigt das Risiko mit zunehmenden Alter folgendermaßen:

  • bis ein Jahr: 16,7 %
  • ein bis zwei Jahre: 17,3 %
  • zwei bis drei Jahre: 37,8 %
  • ab drei Jahren: 52,3 %

Ab dem dritten Lebensjahr des Pferdes steigt das Risiko für Komplikationen während des Eingriffs stark an.

Wann sollte man einen Hengst kastrieren?

Hengste sollten möglichst jung kastriert werden, da das Risiko für Komplikationen durch den Eingriff ab dem dritten Lebensjahr stark ansteigt. Eine frühe Kastration hat kaum Einfluss auf das äußere Erscheinungsbild des Pferdes.

Hengst kastrieren – Nachsorge 

Das Aufwachen des Hengstes sollt kontrolliert erfolgen. Der Tierarzt führt eine regelmäßige Wundkontrolle durch. Nach fünf Tagen kann das Pferd aus der Klinik entlassen werden. Generell sollte eine Boxenruhe von mindestens acht Tagen eingehalten werden, damit sich das Pferd von dem Stress des Eingriffs erholen kann. Während der ersten fünf Tage muss täglich Fieber gemessen werden, um Probleme bei der Heilung rechtzeitig erkennen zu können. Dabei sollte eine innere Körpertemperatur von 38,4 Grad Celsius nicht überschritten werden. In diesen fünf Tagen erhält das Pferd Antibiotika, um das Risiko für eine Infektion zu verringern.

Nach der Kastration muss das Pferd einige Zeit geschont werden. Nach acht Tagen Boxenruhe ist ein kurzes Ausführen für bis zu 30 Minuten möglich. Nach weiteren sieben Tagen darf sich das Pferd bereits länger bewegen. Reiten ist frühestens nach zwei bis vier Wochen möglich. Treten Komplikationen nach dem Eingriff auf, muss mit einer längeren Heilungsdauer gerechnet werden. Die durchschnittliche Heilungsdauer liegt zwischen zwei und vier Wochen.

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