Was ist das Sommerekzem beim Pferd?
Das Sommerekzem ist eine allergische Überreaktion des Immunsystems auf den Speichel bestimmter Insekten, primär der Kriebelmücke (Culicoides). Sobald die Mücke das Pferd sticht, setzt der Körper vermehrt Histamin frei, was zu einem massiven Juckreiz führt. Betroffene Pferde beginnen sich an Mähne und Schweif zu scheuern, was oft zu offenen, entzündeten Hautstellen führt. Da die Veranlagung meist genetisch bedingt ist, lässt sich das Ekzem nicht heilen, aber durch gezieltes Management und frühzeitige Prävention nahezu beschwerdefrei kontrollieren.
Welche Symptome zeigen betroffene Pferde?
Die Symptome eines Sommerekzems sind durch intensiven Juckreiz geprägt. Das Pferd versucht, diesen Reiz durch Scheuern an festen Gegenständen wie Zäunen, Bäumen oder Stallwänden zu lindern. Dies führt zu typischen Anzeichen:
Haarausfall: Besonders an Mähnenkamm und Schweifrübe entstehen kahle Stellen.
Hautveränderungen: Die Haut wird wund, krustig, nässend oder verdickt (Lichenifikation).
Sekundärinfektionen: Durch offene Stellen können Bakterien eindringen, was Entzündungen verschlimmert.
Unruhe: Die Pferde sind durch den ständigen Juckreiz gestresst und konzentrationsschwach.
Die betroffenen Areale sind klassischerweise der Mähnenkamm, der Schweifansatz und die Bauchnaht.
Mein ehemaliges Reitbeteiligungspferd Juna war Ekzemerin, daher kenne ich den täglichen Kampf mit dem Juckreiz nur zu gut. Deshalb teile ich heute nicht nur ehorses-Fachwissen, sondern auch die persönlichen Tipps, die uns damals durch die Sommermonate geholfen haben
Michelle
Redakteurin bei ehorses
Warum entsteht das Sommerekzem?
Das Sommerekzem entsteht durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems. Bei gesunden Pferden löst der Stich einer Kriebelmücke lediglich eine lokale Reaktion aus. Beim Ekzemer hingegen erkennt das Immunsystem die im Mückenspeichel enthaltenen Proteine fälschlicherweise als gefährliche Fremdkörper. Dies provoziert eine massive Ausschüttung von Histamin, was den quälenden Juckreiz auslöst. Die genetische Veranlagung spielt eine große Rolle, weshalb manche Pferde stärker betroffen sind als andere.
Wann beginnt die Prävention gegen das Sommerekzem?
Die Prävention gegen das Sommerekzem startet idealerweise bereits im Februar oder März, bevor die ersten Kriebelmücken aktiv werden. Sobald die Temperaturen dauerhaft über 10 °C steigen, beginnt der Flug der Insekten (Gattung Culicoides), die die allergische Reaktion auslösen. Ein frühzeitiger Start der Hautpflege und Fütterungsanpassung baut die Barrierefunktion der Haut auf, bevor die erste Belastung auftritt. Wer wartet, bis das Pferd sich scheuert, reagiert nur noch auf bereits entstandene Entzündungen.
Eine vollständige Vorbeugung ist schwierig, da die genetische Komponente nicht beeinflussbar ist. Dennoch kannst du das Risiko eines Ausbruchs minimieren oder das Management erleichtern:
Standortwahl: Vermeide weite, feuchte Weidegebiete (Brutstätten für Mücken). Wähle stattdessen windige, höher gelegene Weiden.
Frühzeitiger Start: Beginne mit den Schutzmaßnahmen (Eindecken, Einölen), bevor die ersten Insekten im Frühjahr aktiv werden.
Stoffwechsel-Check: Ein gesundes Immunsystem kommt besser mit Allergenen zurecht. Eine bedarfsgerechte Fütterung ohne unnötige Belastungen ist die Basis.
Jedes Pferd reagiert individuell. Beobachte dein Pferd genau. Wenn du frühzeitig handelst, kann auch ein Ekzemer ein beschwerdefreies Leben führen.
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Wie behandelt man ein Sommerekzem?
Da es keine Heilung gibt, zielt die Therapie auf die Vermeidung von Stichen und die Linderung des Juckreizes ab. Ein effektiver Behandlungsplan kombiniert mehrere Strategien:
Schutz durch Textilien: Eine gut sitzende Ekzemerdecke schützt den Körper des Pferdes vor Stichen.
Management der Weidezeit: In der Dämmerung sind Gnitzen am aktivsten. Hole dein Pferd in dieser Zeit in einen windigen Stallbereich oder in eine Schutzhütte.
Pflegeprodukte: Spezielle Lotionen oder Öle pflegen die Haut und wirken oft abschreckend auf Insekten.
Fütterung: Zusätze wie Omega-3-Fettsäuren oder Zink können das Immunsystem unterstützen und die Hautbarriere stärken.
Hinweis: Sprich bei schweren Verläufen mit deinem Tierarzt. In akuten Phasen lindern Kortisonpräparate oder Antihistaminika den Leidensdruck kurzzeitig.
Im Folgenden gehen wir noch einmal genauer auf alle Punkte ein.
Welche Rolle spielt die Fütterung bei Ekzemern?
Eine bedarfsgerechte Fütterung mit Fokus auf Zink, Kupfer, Mangan und Selen stärkt den Hautstoffwechsel und mindert die allergische Empfindlichkeit. Mangelsituationen führen oft zu einer brüchigen Hautbarriere, die Insektenstiche schlechter verarbeitet und Entzündungsprozesse begünstigt. Beginne rechtzeitig mit der Gabe eines hochwertigen Mineralfutters, um die Speicher deines Pferdes aufzufüllen, bevor der Fellwechsel und die Insektensaison die Nährstoffreserven beanspruchen. Auch eine Entlastung der Leber durch eine zuckerarme Fütterung kann die Hautreaktionen positiv beeinflussen.
Wie schütze ich mein Pferd mechanisch vor Kriebelmücken?
Der effektivste mechanische Schutz ist eine hochwertige Ekzemerdecke, die das Pferd lückenlos von den Ohren inklusive Bauchlatz bis zum Schweifansatz bedeckt. Im Gegensatz zu normalen Fliegendecken sind Ekzemerdecken aus einem speziellen, extrem feinmaschigen und meist elastischen Material gefertigt, das selbst kleinsten Mücken keinen Durchlass bietet. Lege die Decke bereits bei den ersten milden Frühlingstagen auf. Sobald der “Juckreiz-Teufelskreis” durch den ersten Stich begonnen hat, ist es deutlich schwieriger, das Pferd symptomfrei durch den Sommer zu führen.
Welche Pflegemittel helfen gegen den Juckreiz?
Zur Pflege der betroffenen Hautstellen eignen sich besonders rückfettende Lotionen und Öle, die Inhaltsstoffe wie Teebaumöl, Neemöl, Ringelblume oder Johanniskraut enthalten. Diese Substanzen halten die Haut elastisch und bilden einen leichten Schutzfilm, der die Eiweißablagerungen des Insektenspeichels isoliert. Trage die Pflegemittel präventiv auf Mähnenkamm und Schweifrübe auf. Eine intakte, geschmeidige Haut bietet weniger Angriffsfläche für Entzündungen als trockene, schuppige Hautpartien.

Warum ist das Weidemanagement bei Sommerekzem wichtig?
Ein angepasstes Weidemanagement reduziert den Kontakt zu Kriebelmücken massiv, da diese besonders in der Dämmerung sowie in der Nähe von Gewässern aktiv sind. Ekzemer sollten während der Hauptflugzeiten (früher Morgen und später Abend) im Stall oder in geschützten Unterständen bleiben. Windige Koppeln in Höhenlagen sind ideal, da Kriebelmücken schlechte Flieger sind und windstille, feuchte Areale in Waldnähe oder an Bächen bevorzugen. Die Installation von großen Ventilatoren im Offenstall kann ebenfalls helfen, die Insekten zu vertreiben.
It depends”: Wann ist welche Maßnahme am sinnvollsten?
Die Wahl der Strategie hängt stark von der Haltungsform und der Intensität der Allergie ab:
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Offenstallhaltung: Hier ist die Kombination aus einer robusten Ekzemerdecke und einem 24/7 verfügbaren, dunklen Unterstand die wichtigste Maßnahme.
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Boxenhaltung mit Weidegang: Der Weidegang sollte auf die Mittagsstunden begrenzt werden, wenn die Flugaktivität der Mücken am geringsten ist.
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Leichte Ekzemer: Oft reicht eine gezielte Fütterungsoptimierung und das Auftragen von Repellents an den typischen Stellen (Bauchnaht, Mähne).
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Starke Ekzemer: Hier ist meist das volle Programm aus Eindecken, Aufstallung in der Dämmerung und medikamentöser Unterstützung durch den Tierarzt (z.B. Desensibilisierung) notwendig.
Saisonstart-Checkliste
Das Sommerekzem ist zwar eine chronische Herausforderung, aber durch ein konsequentes und vor allem frühzeitiges Management kannst du deinem Pferd eine weitgehend beschwerdefreie Saison ermöglichen. Vertraue dabei auf bewährte Methoden und lass dich nicht von teuren Wunderheilmitteln verunsichern, Kontinuität ist der Schlüssel zum Erfolg.
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Fragen & Antworten
Nein, das Sommerekzem ist nicht ansteckend. Es handelt sich um eine individuelle allergische Reaktion des Immunsystems auf Insektenspeichel. Andere Pferde im Stall können nicht infiziert werden, selbst wenn sie Kontakt zu den offenen Hautstellen eines betroffenen Pferdes haben.
Nach aktuellem wissenschaftlichem Stand ist das Sommerekzem nicht heilbar, da die Allergie tief im Immunsystem verankert ist. Durch konsequente Prävention, angepasste Fütterung und mechanischen Schutz (Decken) können betroffene Pferde jedoch völlig symptomfrei und ohne Juckreiz leben.
Regelmäßiges, aber sanftes Waschen kann helfen, Schweiß und Insektenanziehende Gerüche zu entfernen. Verwende jedoch ausschließlich pH-neutrale Rückfetter oder spezielle Ekzemer-Shampoos. Zu häufiges Waschen mit aggressiven Mitteln zerstört den natürlichen Säureschutzmantel der Haut und verschlimmert das Problem.
Ja, Allergien können sich jederzeit im Laufe eines Pferdelebens entwickeln. Oft lösen Stress, eine massive Umstellung der Haltungsbedingungen oder eine Schwächung des Immunsystems den ersten Ausbruch aus, auch wenn das Pferd zuvor jahrelang keine Probleme hatte.











