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Weben beim Pferd – was steckt hinter der Verhaltensstörung?

von Michelle Breitenfeld
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Verhaltensauffälligkeiten bei Pferden sind nicht nur für die Vierbeiner, sondern auch für die Besitzer belastend. Häufig sind ungünstige Haltungsbedingungen wie wenig Sozialkontakte, lange Fresspausen, wenig Auslauf und ein eintöniger Tagesablauf die Ursache dafür, dass Pferde mit Weben oder anderen Anomalien anfangen. Da sich die Auffälligkeiten kaum noch beheben lassen, wenn sie einmal manifestiert sind, gilt es die Anzeichen frühzeitig zu entdecken und die Ursachen schnellstmöglich abzustellen. Alles zum Thema Weben bei Pferden erfährst Du in diesem Artikel.

Weben: Krankheitssteckbrief

Weben beim Pferd – was steckt hinter der Verhaltensstörung? 

Pferde können an Verhaltensstörungen leider. Damit sind keine Unarten wie Steigen, Treten, Bocken oder Beißen gemeint, die auf Dominanzprobleme und eine fehlende Erziehung hinweisen. Bei Verhaltensstörungen können zwar ebenfalls gefährliche Situationen auftreten, diese sind aber nicht auf Sturheit und Unwillen des Pferdes, sondern auf eine ernsthafte Störung zurückzuführen. Betroffene Tiere leiden unter derartigen Verhaltensstörungen, können sie aber nicht einfach so ablegen. Teilweise werden sie ihr Leben lang nicht vollständig los. Typische Verhaltensstörungen von Pferden sind Koppen, Manegebewegungen, Zähnewetzen und auch das Weben

Was bedeutet es, wenn ein Pferd webt?

Pferde, die weben, werfen ihren Kopf von links nach rechts und trampeln dabei rhythmisch mit den Vorderbeinen. 

Was versteht man darunter, wenn das Pferd webt?

Wenn ein Pferd webt, schwingt es den Kopf und den Hals in einem gleichmäßigen Rhythmus hin und her. Die Vorderbeine werden dabei abwechselnd belastet. Diese Verhaltensstörung tritt auch bei anderen Tierarten wie beispielsweise Bären oder Elefanten in menschlicher Obhut auf. Die Anomalien im Verhalten scheinen für den Beobachter immer gleich und keinem Zweck zu dienen. 

Die Ursachen des Webens beim Pferd

Verhaltensstörungen werden häufig durch Veränderungen im Stoffwechsel des Gehirns verursacht. Die genauen Zusammenhänge und Kausalketten konnten bislang nicht wissenschaftlich belegt werden. Da das Weben ausschließlich bei Tieren in menschlicher Obhut auftritt und in der freien Wildbahn normalerweise nicht anzutreffen ist, scheint die Haltung der Tiere eine wichtige Rolle zu spielen. 

Stressbedingtes Weben kann beispielsweise entstehen, wenn das Pferd stundenlang alleine steht, keinen Kontakt zu Artgenossen hat, lange Fresspausen akzeptieren muss, es enorme Langeweile hat und wenig Bewegungsmöglichkeiten hat. Auch ein sehr eintöniger Tagesablauf, schlimmstenfalls 24 Stunden in einer engen Box kann Weben verursachen. Das Bewegungstier Pferd kann seine Bedürfnisse nicht erfüllen, ihm ist langweilig. Es kommt zu einem Triebstau. Durch die stereotypen Bewegungen beim Weben versucht das Pferd den anwachsenden Druck abzubauen. Wird ein Pferd artgerecht mit viel Auslauf, Sozialkontakten und Abwechslung, ist das Risiko des Webens sehr gering. 

Forschungen deuten darauf hin, dass auch die Genetik einen Einfluss auf das Eintreten von Verhaltensauffälligkeiten hat. Vor allem Pferde, die einen hohen Vollblutanteil haben, sind vom Weben häufiger betroffen als Pferde mit einem geringeren Blutanteil.

Weben: Pferd sieht krank aus

Dem Pferd das Weben abzugewöhnen ist kaum möglich, deshalb gilt es, das Entstehen der Verhaltensanomalie zu verhindern.

 

Die Symptome des Webens beim Pferd

Zu Beginn, in der Entwicklungsphase der Verhaltensauffälligkeit sind die Symptome noch relativ gering. Das Pferd wirft ab und zu den Kopf hin und her, beispielsweise wenn es kurz alleine am Putzplatz bleiben muss oder die tägliche Kraftfutterfütterung ansteht. Auch wenn viele Besitzer in diesem Stadium noch nichts Schlimmes erwarten, kann sich das Verhalten im Laufe der Zeit manifestieren und zu einem größeren Problem werden.  Im nächsten Schritt webt das Pferd auch bei anderen Auslösern. Der Kopf schwingt hin und her, die Vorderbeine treten im Rhythmus mit. Einige Pferde spielen dabei mit der Zunge. Das Tier scheint weggetreten und lässt sich kaum von dem Verhalten abbringen. Irgendwann zeigen sich die Verhaltensauffälligkeiten scheinbar auch ohne Auslöser.

Die Befürchtung vieler Pferdebesitzer, dass das Pferd durch das Weben die Vorderbeine zu stark belastet und somit Schäden entstehen, konnten bislang nicht bestätigt werden. Betroffene Pferde zeigen in Studien zu diesem Thema keine Auffälligkeiten im Bereich der Vorderbeine. Bei Pferde, die aufgrund einer Verletzung Boxenruhe haben und dabei mit dem Weben anfangen, kann das Hin- und Hertreten allerdings zur Verschlimmerung der Verletzung beziehungsweise zu Problemen beim Ausheilen der Verletzung führen. 

Ist das Weben bei Pferden ansteckend?

Weben ist nicht ansteckend, da es sich um eine Verhaltensstörung und keine Krankheit handelt. 

Ist Weben beim Pferd ansteckend?

Da es sich beim Weben um eine Verhaltensstörung handelt und nicht um eine ansteckende Krankheit, ist die Befürchtung, dass sich Boxennachbarn das Verhalten abgucken in der Regel unbegründet. Studien haben bisher keine Anzeichen für abgeschaute Verhaltensanomalien aufzeigen können. 

Sollte es in einem Stall mehrere Pferde geben, die weben, sollten die Haltungsbedingungen genauer unter die Lupe genommen werden. Da in einem Stall oft die gleichen Abläufe herrschen, kann es schnell vorkommen, dass mehrere Pferde durch Haltungsfehler mit Verhaltensstörungen reagieren. In einem solchen Fall ist schnelles Handeln und eine Verbesserung der Haltung dringend notwendig. Außenboxen mit Paddocks oder Offenstallhaltung ist für viele Pferde ideal. Zumindest sollten Sozialkontakte, ausreichend Futter und genügend freie Bewegung möglich sein. 

Weben: Pferd berührt Pony an der Nase

Weben ist nicht ansteckend, da es sich um eine Verhaltensstörung und keine Krankheit handelt.

Was tun, wenn ein Pferd webt?

Dem Pferd das Weben abzugewöhnen ist kaum möglich, deshalb gilt es, das Entstehen der Verhaltensanomalie zu verhindern, etwa durch eine artgerechte Haltung.

Die Behandlung der Verhaltensstörung Weben

Hat sich ein Pferd einmal eine Verhaltensstörung angeeignet, ist es sehr schwer bis unmöglich diese wieder vollständig zu beheben. Deshalb spielt Vorbeugung eine wichtige Rolle. Die Haltung sollte so artgerecht wie möglich sein. Die Pferde brauchen viel Auslauf und frische Luft, Kontakt zu Artgenossen sowie Bewegung, um dauerhaft gesund und zufrieden zu sein. Auch ausreichend Futter und keine Fresspausen über vier Stunden sind wichtig, um Stress zu vermeiden.

In akuten Phasen kann auch Homöopathie beim Pferd wirken. Mit speziellen Präparaten kann die Stressanfälligkeit gesenkt werden. Einigen Tieren fällt es dann leichter zu entspannen und abzuschalten. Methoden, die die Bewegung des Pferdes beim Weben verhindern sollen, wie beispielsweise Sandsäcke an der Decke oder das Zusammenbinden der Vorderbeine ist verboten und kann tierschutzrechtlich geahndet werden. 

Was ist Koppen und was ist Weben?

Beim Koppen setzt das Pferd die Zähne auf und schluckt Luft, beim Weben pendelt das Pferd mit dem Kopf und den Vorderbeinen hin und her. 

Nicht verwechseln: Weben und Headshaking

Headshaking ist ein Sammelbegriff für wiederkehrendes Schütteln des Kopfes. Die Bewegungsrichtung ist in der Regel vertikal, horizontales Schütteln ist eher selten. Headshaking kann verschiedene klinische Ursachen haben, etwa eine Überempfindlichkeit auf Insekten usw. Es ist damit keine Verhaltensstörung, sondern eine Erkrankung. Deshalb dürfen Headshaking und Weben nicht verwechselt werden. 

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