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Die kleinen Lügen im Reiter-Alltag

von Ann-Christin Villnow
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Hand aufs Herz: Es gibt bestimmte Dinge im Leben eines Reiters, die laufen einfach anders als bei Nichtreitern. Da werden Schwerpunkte anders gesetzt, Dinge differenzierter betrachtet und Meinungen neu gebildet. Und manchmal erwischt man sich dabei, dass man mit seinen Aussagen ein wenig mogelt und vielleicht nicht immer ganz auf dem tugendhaften Pfad der Wahrheit bleibt. Glaubt ihr nicht? Ich zeig es euch!

„Ich fahr nur kurz in den Stall!“

Ich glaube, dazu muss ich gar nicht mehr viel schreiben. Jeder pferdeaffine Mensch kennt das mysteriöse schwarze Loch, in welchem Tag für Tag im Stall die Minuten und Stunden auf magische Art und Weise im Nichts verpuffen. Beim Blick auf die Uhr zieht man erstaunt die Augenbrauen hoch, manchmal entfleucht einem auch ein überraschtes „Upsi“. Man war doch nur zehn Minuten weg, nur mal schnell vorbeischauen, nur kurz ein Möhrchen vorbeibringen! Ehrlich Schatz, ich will nur die Decke wechseln! Das dauert nicht lange! Ich fahr doch nur mal kurz in den Stall!

„Ich kann auch mal ohne Pferde!“

Der Wahrheitsgehalt dieses Satzes wird besonders gut im Urlaub deutlich, wenn man sich fernab vom heimischen Stall befindet. Reiter finden zielsicher und überall mindestens einen Pferdehof, einen Reitstall oder zumindest ein Hinweisschild für einen Reitstall – häufig kommentiert mit dem Ausruf „Oooh, ein Reitstall!“. Weil man so überrascht ist, dass es die auch in anderen Städten Deutschlands, im europäischen Ausland oder auf der anderen Seite des großen Teiches gibt!

Alternativ findet der Reiter mit großer Präzision ein noch so kleines Weidefleckchen mit Pferd(en) drauf. Ungeschriebene Regel: Man kann an fremden Koppeln nicht vorbeigehen, ohne mindestens einen ausgiebigen Blick riskiert zu haben. Niemals! Besser ist es, das Ganze mit einem Kommentar („Oooh, eine Pferdekoppel!“, alternativ auch „Ooooh, Pferde!“) zu garnieren – vielleicht hat der Mitreisende die Koppel noch nicht wahrgenommen…

„Wir Pferdemenschen sind gar nicht alle gleich!“

Okay, vielleicht sind wir nicht alle gleich. Es gibt schließlich viele verschiedene Lieblingsrassen, Lieblingsfarben, Lieblingsreitweisen, Lieblingshaltungsformen, Lieblingsställe, Lieblingsfutter, Lieblingsmarken, Lieblingstrainer und so weiter und so fort. Aber irgendwie sind dann doch alle Reiter gleich – haben schließlich alle eins: ein Lieblingspferd!

„Klar, da hab ich bestimmt Zeit!“

Genau. Zwischen dem Dressurtraining, dem Auswärtslehrgang, dem fest eingeplanten Turnier, der Kaffeerunde mit den Miteinstallern, dem Ausflug an den Strand, dem Paddockdienst, dem seit Wochen geplanten Ausritt, dem Hufschmiedtermin, dem Shoppingtrip zum Reitsportgeschäft, dem Springunterricht, dem Bodenarbeitslehrgang, dem Einkauf beim Futterhändler, dem Longenkurs und dem Pferdewaschtag sind garantiert noch fünf Minuten frei. Bestimmt!

„Natürlich stehst du an erster Stelle, Schatz!“

Und zwar immer! Daran gibt es gar keine Zweifel! An erster Stelle – gleich hinter dem Pferd. Ist doch logisch, oder?

„Nein, ich bin garantiert pünktlich da!“

Man hatte ja auch nie vor, zu spät zu Tante Helgas 60. Geburtstag zu kommen, den Anfang der Abiturentlassung der Schwester zu verpassen oder erst 50 Minuten nach Filmstart beim Freund im Kino zu sitzen. Aber das Training lief heute so gut, das musste man ausnutzen! Oder das Training lief so schlecht, da musste man noch etwas nacharbeiten!

Außerdem hat das Pferd so süß geguckt, ehe ein Pups quer saß und man Erste Hilfe leisten musste. Zur Sicherheit hat man dann kurz mit Stallkameradin Z gefachsimpelt und nach ausgiebiger Überlegung entschlossen, dass man nicht in die Klinik fahren muss. Danach war ganz viel Verkehr auf den Straßen und auf dem Weg hat man festgestellt, dass man vergessen hat, dem Vierbeiner die Abschiedsmöhre zu geben. Auf dem Weg zurück zum Stall war der Verkehr noch schlimmer und im Stall angekommen war das Solarium gerade frei, da musste man dem Pferd noch eine Wellnesseinlage gönnen. Besonders nach dem erfolgreichen/harten Training.

Und wenn man schon dabei ist, kann man auch noch einmal überputzen. Dabei ist Stallkameradin X vorbeigekommen, aber man hat wirklich, wirklich nur ganz kurz miteinander geschnackt! Und auch das anschließende Gespräch mit Stallkameradin Y war höchstens fünf Minuten lang! Aber dann, beim Verabschieden, hat der Vierbeiner wieder so süß geguckt, da musste man noch kurz ein paar Momente lang kuscheln. Und auf dem Weg, da war dann schon wieder so viel Verkehr…

„Ich denk doch gar nicht rund um die Uhr nur ans Pferd!“

Fünf bis acht Stunden am Tag schlafe ich nämlich. Da denke ich nicht, da träume ich höchstens!

„Mein Auto ist gar nicht unordentlich!“

Übrigens ist es auch gar nicht matschbraun, sondern eigentlich blau. Das erkennt man durch die Matschspritzer vom letzten Turnierparkplatz zwar aktuell nicht so gut, aber eigentlich wasche ich ganz regelmäßig. Ich hab auch gerade gar nicht so viel Reiterkrams dabei, nur die Wechselklamotten, ein paar Abschwitzdecken, die Reitstiefel, den zweiten Helm und die neue Outdoordecke auf der Rückbank.  Achso, der Sand im Auto? Der kommt vom Reitplatz! Ach ne warte, der da bei dir kommt vom letzten Waschtag, als ich die dreckigen Gamaschen nach Hause mitgenommen habe zum Waschen. Ach Quatsch, da kannst du dich ganz bedenkenlos hinsetzen! Lass mich nur kurz den Schabrackenstapel nach hinten werfen. Ah Moment, der Futtersack… nicht, dass der auch kaputt geht, vom letzten Loch im Sack liegen immer noch ein paar Haferkörner im Kofferraum. Nene, das ist nicht schlimm, Hafer wächst nur, wenn er gegossen wird!

Na, habt ihr noch weitere kleine Alltagslügen von Reitern auf Lager? Ab in die Kommentare damit!

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