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Die Länge machts: Die richtige Steigbügellänge

von Barbara Kronawitter
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Was ist die richtige Steigbügellänge? Oft wird über sie gestritten, diskutiert und dann doch ganz anders gemacht, als vorgeschlagen. Die Steigbügellänge. Sie ist für so Vieles verantwortlich. Korrekte Lage des Beins, lockeres Becken, Sitzfehler und das Wohlbefinden auf dem Pferd. Wie Du die richtige Steigbügellänge findest, erfährst Du hier.

 

Geschichte und Ursprung des Steigbügels

Einer der ältesten geltenden Belege des Steigbügels zeigt eine Reitdarstellung der indischen Mathura aus der Zeit um 50 v. Chr. Damals waren die Steigbügel noch Schlaufen oder Haken, in den die Reiter ihre Füße stellten.

Die hölzerne oder metallerne Variante entstand im 4. – 5. Jh. n. Chr. in China und wurde dann im 5. Jh. nach Japan und Korea weiter verbreitet. Nach Europa kam der Steigbügel mit dem Vordringen der Awaren ab dem 5. Jh. n.Chr.

Ohne den Steigbügel wäre die schwere mittelalterliche Panzerreiterei undenkbar gewesen. Der Steigbügel gab den Reitern Halt und bot Gleichgewicht. Somit konnten sie beim Lanzenreiten, im Schwertkampf zu Pferd oder beim Bogenschießen besser ihre Kraft einsetzten und gegnerische Stöße ausbalancieren. Nicht zuletzt, weil auch die Sättel dementsprechend angepasst wurden.

Im Laufe der Zeit wurde, je nach Verwendungszweck, der Steigbügel angepasst. Er war ebenso Bestandteil der Schutzausrüstung der Ritter, sowie auch Waffe. Die Gestaltung wurde je nach Einsatzzweck abgeändert, wodurch viele verschiedene Formen der historischen Steigbügel entstanden.

Die richtige Steigbügellänge finden – Leitlinien und Gefühl

Der Steigbügel ist aus unserer heutigen Reiterei kaum noch wegzudenken. Er ist Fluch und Segen zugleich. Er bietet Sicherheit, Gleichgewicht und ermöglicht uns ein korrektes Sitzen. Zudem hängen wir gedanklich oft zu sehr an dem Gleichgewichtgeber Steigbügel, sodass ein Reiten ohne Steigbügel oft undenkbar wird.

Doch wie findet man nun die richtige Länge? Unten aufgeführt könnt ihr lesen, wie man die beste Länge für Dressurbügel findet.

Mit dem Arm messen

Um die richtige Steigbügellänge zu finden gibt es diverse Leitlinien, an die man sich vorerst halten kann. Zum einen gibt es die wohl bekannteste Methode, ich nenne sie die „Arm-Methode“. Hierzu legt man die Fingerspitzen an die Steigbügelfeder, streckt den Arm aus und legt den Steigbügel in die Achsel. Der Steigbügelriemen sollte gespannt sein und der Bügel genau in die Achselhöhle schließen. Dann hat man eine ungefähr richtige Länge. Natürlich gibt es hier je nach Körperbau enorme Unterschiede wenn man dann auf dem Pferd sitzt.

Mit dem Bein messen

Als zweite Methode kann man auch die „Bein-Methode“ nehmen. Hierzu sitzt der Reiter sich auf das Pferd und lässt das Bein locker hängen. Der Steigbügel sollte nun so lang verschnallt werden, dass er sich auf gleicher Höhe wie der Fußknöchel des Reiters befindet.

Als letzten Feinschliff empfehle ich immer noch das Gefühl des Reiters und das eigene Auge mit einzubeziehen. Fühlt der Reiter sich mit dieser Länge nicht wohl, kann man in der Länge immer noch variieren.

Für Ausreiten und Stangenarbeit wird empfohlen, dass man die Bügel 1 bis 2 Löcher kürzer schnallt. Somit kann man besser auf schnelle, unvorhergesehene Bewegungen des Pferdes eingehen. 3 bis 6 Loch kürzer wird für das Springreiten empfohlen, damit man über dem Sprung einen guten Entlastungssitz zeigen kann.

Steigbügellänge: Westernsattel auf einem dunkelbraunen Pferd

Oftmals haben Sitzfehler oder Sitzprobleme, neben dem passenden Sattel und der eigenen Losgelassenheit, ihren Ursprung in der Steigbügellänge.

Fehler im Sitz – Fehler in der Steigbügellänge

Oftmals haben Sitzfehler oder Sitzprobleme, neben dem passenden Sattel und der eigenen Losgelassenheit, ihren Ursprung in der Steigbügellänge.

Wenn die Steigbügel zu lang verschnallt sind, zieht das folgenden Rattenschwanz hinter sich her:

  • Das Reiterbein und der ganze Sitz werden überstreckt. Das Becken wird gestreckt und somit festgestellt. Ein Mitgehen der Pferdebewegung wird nicht mehr, oder nur beschränkt, möglich.
  • Die Ferse kann nicht mehr den natürlichsten tiefsten Punkt bilden, und somit nicht locker nach unten durchfedern. Als Ergebnis werden hier oft die Fersen hochgezogen.
  • Der natürliche Halt im Steigbügel geht verloren, wodurch man versucht den Steigbügel mit aktiv viel Druck in den Bügel nicht zu verlieren. Nicht zu oft stellt man sich dadurch in den Steigbügel, wodurch man den Kontakt zum Pferderücken mit dem Becken verliert. Man verteilt das Gewicht vermehrt auf Oberschenkel und Schambein.
  • Oder man versucht den Bügel mit den Zehenspitzen „festzuhalten“. Dadurch macht man die Oberschenkelmuskulatur fest und blockiert sich selbst im Becken.
  • Klassischer Sitzfehler mit zu langen Bügeln ist der Spaltsitz.

Auch wenn meiner Meinung nach die längeren Bügel das größere Graus bilden und öfters anzutreffen sind, möchte ich auch noch mögliche Fehler bei zu kurzer Steigbügellänge zeigen.

  • Der Unterschenkel wird in eine falsche Lage nach vorne geschoben. Es entwickelt sich ein Stuhlsitz.
  • Der Oberkörper wird meistens hinter die Senkrechte genommen, dadurch sitzt der Reiter hinter der Bewegung des Pferdes.
  • Das Gleichgewicht wird ebenfalls wieder negativ beeinträchtigt. Der Reiter versucht dies wieder mit den Händen auszugleichen.
  • Das Knie kommt zu hoch, dadurch werden oft auch die Fersen hoch gezogen und das Becken blockiert.

Das Reiten im Rennsitz, mit extrem kurzen Bügeln verlangt einiges an Balance vom Reiter.

Die richtige Steigbügellänge: Probieren geht über Studieren

Die Steigbügellänge sollte kein starres Konzept sein. Ein paar Loch hin oder her kann zur Sitzschulung und dem Reitergefühl positiv beitragen. Auch das Reiten im Rennsitz, mit extrem kurzen Bügeln trägt zur Gleichgewichtsschulung bei. Das sollte man allerdings nur auf gelassenen Pferden machen und evtl. an der Longe.

Wenn man sich über die Länge dennoch uneinig ist, kann man einfach ein paar Runden in allen Gangarten ohne Bügel reiten. Nimmt man die Bügel dann wieder auf, merkt man schnell, ob man sie in der Länge verändern möchte, oder ob sie doch so passen.

  • Wie man weitere Sitzprobleme mit Bällen lösen kann, könnt ihr in meinem Blogeintrag – „Reiten mit Bällen lesen

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