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Eisturnier – Islandpferde können über’s Wasser gehen

von Michelle Holtmeyer
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Auf Island schon lange nicht mehr wegzudenken: das Eisturnier. Seit vielen Jahren finden auf Island die traditionellen Turniere statt, die üblicherweise auf einem zugefrorenem See in Reykjavik ausgetragen werden. Nun gut – das Wasser ist dann zwar zugefroren und die Pferde tölten am liebsten, aber sie können über Wasser laufen! Punkt.

Der Ursprung des Eisturniers – Winter auf Island

Die Idee zu diesen Turnieren entwickelte sich aus der Tatsache, dass früher die Menschen bei Wind und Wetter von einem Ort zum anderen kommen mussten.

Die schlecht ausgebauten und im schlimmsten Fall auch noch tief verschneiten Straßen waren für die Bewohner Islands eigentlich gar nichts Besonderes. Doch wenn selbst die Geländewagen der Insel aufgaben, verließen sich die Isländer lieber auf ihre treuen Partner – die Pferde. Diese sind seit jeher berühmt für ihre Belastbarkeit und geraten selbst bei widrigen Umständen nicht ins Stolpern. Ganz im Gegenteil: Ihre Islandpferde schienen ganz in ihrem Element zu sein, sobald sie das Eis betraten. Hier zeigten sie ihre unverwechselbare Charakterstärke und das außergewöhnliche Gangpotenzial. Die Bewohner Islands ließen sich nicht lumpen und machten „die Not zur Tugend“. Schnell wurden die ersten Eisturniere veranstaltet!

Eisläufer haben ihre Kufen – und Islandpferde?

Wir alle wissen, wie es sich anfühlt über Eis zu laufen: bloß nicht zu schnell werden und das Gleichgewicht verlieren, denn sonst liegt man schnell auf der Nase.

Wie machen also die Pferde das? Besonders mit spiegelglatten Eisen kann das doch gar nicht funktionieren. Die Reiter beschlagen die Pferde einerseits nicht mit normalen Hufnägeln mit einem glatten Kopf, sondern verwenden hierfür Eisnägel, die in die Zehe genagelt werden. Zusätzlich werden Schraubstollen in den hinteren Bereich gesetzt, so wird das Ausrutschen verhindert. Mit dem besonderen Eisbeschlag können die Pferde dann ohne Probleme über die zugefrorene Wasseroberfläche laufen.

Ístölt, Icetölt, IceHorse – Das Eisturnier in ganz Europa

In den letzten Jahren sind Eisturniere immer bekannter geworden. Neben der Austragung in der freien Natur ziehen die Islandpferde und ihre Reiter auch in große Eisstadien ein. Das wohl bekannteste Indoor Eisturnier ist der Ístölt in Reykjavík, wo alle namenhaften Reiter Islands ihre besten Vierbeiner satteln und sich in der Eishalle töltend duellieren.

„Das ist ein Wahnsinnsgefühl, wenn man mit dem Pferd das Eis betritt. Man merkt auf einmal, wie sich ein Schalter im Kopf der Pferde umlegt. Sie scheinen vollkommen in ihrem Element angekommen zu sein.“ So beschreiben alle Islandpferdereiter das Gefühl, mit ihren Vierbeinern über den glatten Untergrund zu reiten. Diese Faszination hat inzwischen auch Europa erreicht. In Dänemark, den Niederlanden und in Deutschland werden regelmäßig große Eisturniere veranstaltet. Hier treffen sich internationale Sportreiter, um die Begeisterung „Islandpferd“ in ihrer Ursprungsform gemeinsam zu erleben.

IceHorse in Berlin – Sport live erleben

So werden im Zuge des Eisturniers Ice Horse Berlin alle zwei Jahre die Europameisterschaften auf Eis ausgetragen. Auch im kommenden Jahr pilgern alle Islandpferdefans in das Horst-Dohm-Stadion, um in der eindrucksvollen Kulisse bewegungsstarke Pferde zu bewundern. Die Prüfungen werden hier natürlich dem rutschigen Untergrund angepasst, denn jedes noch so trittisichere Pferd würde im Galopp nicht sicher um die Kurven kommen.

Die Töltprüfungen auf einem Eisturnier finden wie die originalen Ovalbahnprüfungen statt. Im Viergang wird im Gegensatz dazu lediglich langsames Tempo Tölt, Trab, Tempounterschiede im Trab und schnelles Tempo Tölt gezeigt. Und statt fünf Aufgabenteilen im Fünfgang besteht der Eisfünfgang nur aus drei Teilen; Tölt, Trab und Pass.

Klar, an diesen Wochenenden im Jahr traut sich keiner ohne Reitoverall (wir Islandpferdereiter tragen sowas oft und gern!) auf das Turniergelände und kalte Hände sind vorprogrammiert. Aber eines dieser einmaligen Events sollte man einfach mal miterleben, egal ob man den Islandpferden schon verfallen ist oder nicht. Nach einem Eisturnier hat sich die Frage eh erledigt! Die unverwechselbare Verbindung der Pferde zur Natur wird dann erst spürbar und man hat das Gefühl, sie werden tatsächlich in „ihren Ursprung zurück katapultiert“. Jeder Besucher ist von den plüschigen Pferden, die mit Dampfwolken um die Nüstern über die spiegelglatte Eisfläche rasen, beeindruckt.

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