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Horsemanship

von Michael Hein
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Der Umgang mit Pferden ist für viele Reiter nicht leicht, wenn sie sich nicht ausreichend in das Pferd hineinversetzen. Als Flucht- und Herdentier reagiert ein Pferd anders. Die Voraussehbarkeit bestimmter Verhaltensweisen und die richtige Kommunikation lässt sich aber insbesondere durch Horsemanship-Methoden erlernen. Praktiziertes Horsemanship hat das Ziel einer freundschaftlichen Zusammenarbeit, bei der der Mensch vom Tier als Teil der Herde angesehen wird. In diesem Artikel erfährst Du alles über Horsemanship.

Definition Horsemanship

Horsemanship beschreibt die Kunst, einen fairen Umgang mit dem Pferd zu praktizieren. Dabei steht die respektvolle und pferdefreundliche Haltung des Menschen gegenüber seinem Tier im Vordergrund. Beim Horsemanship und Natural Horsemanship versetzt sich der Trainer oder Reiter in die Denkweise des Pferdes unter Berücksichtigung der angeborenen Eigenschaften. Horsemanship ist daher eine besondere Idee der Kommunikation.

Die wichtigsten Grundlagen des Horsemanship-Trainings

Zu den wichtigsten Grundlagen des Horsemanship-Trainings gehört der gefühlvolle Umgang mit Pferden. Von den Pferdetrainern Tom Dorrance (1910 – 2003) und Ray Hunt (1910 – 2003) über Monty Roberts und Buck Brannaman bis hin zu Pat Parelli, Mark Rashid und vielen anderen engagierten Ausbildern heben sich die Ausbildungsmethoden von anderen erheblich ab. Den Vierbeiner als Herden- und Fluchttier zu verstehen, steht besonders beim Training von Pat Parelli im Vordergrund. 

Wie funktioniert Horsemanship?

Horsemanship funktioniert mit der einer respektvollen, vertrauenswürdigen und freundschaftlichen Arbeit, bei der Mensch und Pferd lernen, miteinander zu kommunizieren.

Seven Games von Pat Parelli

Im Jahr 1981 gründete Pat Parelli das „Parelli Natural Horsemanship“ (PNH)- Ausbildungskonzept, das für sämtliche Reitweisen internationale Verbreitung gefunden hat. Die von ihm entwickelten „Seven Games“ bilden dabei eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung des Pferdes. Horsemanship erleichtert das Reiten ungemein. Die sieben Horsemanship-Spiele von Pat Parelli finden ausschließlich am Boden statt. Vertrauen, Respekt und Kommunikation zwischen dem Tier und dem Menschen sind dabei maßgeblich für eine erfolgreiche Umsetzung der „Seven Games“, die in diesen Spielen bestehen:

1. Friendly Game (Freundlichkeitsspiel): 

Das Streicheln des Pferdes kommt zum Einsatz, um Vertrauen aufzubauen. Das Tier lernt die menschliche Hand als etwas Gutes kennen, ohne Verletzungen befürchten zu müssen. Gleichermaßen versetzen Ausbilder die Pferde beim Friendly Game in ungewohnte Situationen. Dabei geht es nicht um den Versuch, den Vierbeiner gefügig zu machen, sondern um das Gewinnen von Vertrauen in die Situation.

Beispielsweise werden dem Pferd Seile um die Beine oder auf den Rücken gelegt. Das Seil lassen die Trainer auch über den Köpfen ihrer Pferde schwingen. Dabei werden sie weder verletzt noch verängstigt. Mit der Berührung ohne Gewalt, lernen sie die friedliche Berührung mit Dingen durch die menschliche Hand kennen. Das Spiel kann auch mit einer Satteldecke und einem Sattel stattfinden. Sie schwingt der Mensch mit leichten Bewegungen auf den Rücken und wieder hinunter. Dabei muss das Driften des Pferdes erlaubt sein, bis es sich durch die sich rhythmisch wiederholenden Übungen daran gewöhnt hat.

Horsemanship: Frau mit Pferd

Horsemanship beschreibt die Kunst, einen fairen Umgang mit dem Pferd zu praktizieren.

2. Porcupine Game (Stachelschweinspiel): 

Beim Stachelschweinspiel lernt das Tier, dem Druck zu weichen. Der angeborene Oppositionsreflex von Pferden in Gefahr bildet dabei den Ausgangspunkt für die Übungen. Von Natur aus zielt der Instinkt zunächst auf Abwehr ab. Mit der ständigen Ausübung von Druck, soll das Pferd allmählich den angestrebten Komfort finden. Ausbilder fangen mit leichtem Druck an und erhöhen diesen dann schrittweise. 

Weil viele Trainer mit einem stachelnden Druck arbeiten, heißt das Spiel Stachelschweinspiel. Im Vordergrund steht aber die stetige Druckausübung, bei der die „Druckstelle“ gestreichelt wird, sobald das Pferd weicht. Wenn das Pferd zurückweicht, darf kein Druck mehr folgen. Auf diese Weise lernt es den gewünschten Komfort zu finden und seine Ängste vor einem Halfter, einem Gebiss oder einem Transporter zu verlieren. Der Ausbilder muss dabei eine enorme Standfestigkeit bewahren, weil Pferde gerne ein Dominanzspiel spielen. 

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Wie fange ich mit Horsemanship an?

Empfehlenswert sind Kurse, bei der Pferdetrainer die Kenntnis der Horsemanship-Methoden in richtiger Weise unterrichten.

3. Driving Game (Weichen auf Zeichen):

Pferde sind in ständiger Bewegung. Das ist besonders in einer Herde der Fall. Mit dem Schlag von Schweif, der Bewegung der Ohren und Hinterbeinen kommunizieren sie und setzen Signale an die Gruppenmitglieder. Ohne diese Art der Körpersprache würden sie in die anderen Herdenmitglieder hineinlaufen. Dies nutzt der Mensch als Ausgangspunkt für die Lektionen zur mentalen Druckausübung. Die Reaktionen der Pferde in der Herde werden sozusagen adaptiert. Voraussetzung ist, dass das Pferd im Spiel zuvor gelernt hat, dem physischen Druck zu weichen.

Basis für den Druck auf psychischer Ebene hingegen ist die Sprache der Vorschläge. Dabei wird derselbe Effekt genutzt, den das Tier bereits aus seinem angeborenen Herdenverhalten kennt. Kommt es dem Vorschlag nicht nach, läuft es in den Stock oder das schwingende Seil hinein. 

Diese Komponenten müssen zum Einsatz kommen, damit das Pferd die Transferleistung zu der gewohnten Kommunikation unter Artgenossen leisten kann. Die Berührungen mit dem Stock oder dem Seil erfolgen daher nicht aktiv vom Menschen ausgehend, sondern passiv, indem man das Pferd hineinlaufen lässt. Auch hier ist ein rhythmisches Wiederholen wichtig, das bei richtiger Reaktion mit Streicheln belohnt wird. Das Pferd darf bei den Übungen nicht belogen werden. Ein Vertrauensbruch wäre die Folge.

4. Yoyo Game (Jojo): 

Wer das Ziel des Jojo-Spiels erreicht, kann das Pferd auf einer geraden Linie gehen lassen. Zu Anfang aber richten Ausbilder ihr Pferd rückwärts und vorwärts in einer geraden Linie. Je nach Ausrichtung kommen einige Pferde zu der Bezugsperson. Dagegen fällt es ihnen schwer zurückzugehen oder umgekehrt. Das Spiel soll das gewünschte Gleichgewicht in den Jojo-Effekt bringen. 

Das Signal für die Richtungsbewegung erfolgt durch das Schwingen eines Seils. Das Schwingen darf so stark sein bis das Halfter mitschwingt. Für das Tier ist das nicht komfortabel, deshalb wird es versuchen, rückwärts zu gehen. Ist dieser Zeitpunkt erreicht, kommt das Seil zum Stillstand. Dann weiß das Pferd, dass es die richtige Reaktion gezeigt hat. Um das Pferd zurückzuholen, lassen Trainer das Seil stückweise durch die Hände gleiten bis sich das Pferd vorwärts bewegt. Auch dieser Vorgang benötigt mehrere Wiederholungen. Ist der vierbeinige Trainingspartner angekommen, streichelt die Bezugsperson es am Kopf.

Zirkeln beim Horsemanship

Geist und Körper des Pferdes sollen beim Zirkeln auf Basis eigenverantwortlichen Handelns trainiert und entwickelt werden.

5. Circling Game (Zirkeln):

Beim Zirkeln handelt es sich um mehr, als um bloßes Longieren. Geist und Körper des Pferdes sollen auf Basis eigenverantwortlichen Handelns trainiert und entwickelt werden. Die von dem Ausbilder gewählte Gangart soll das Tier beibehalten. Wechselt es unaufgefordert in eine andere Gangart, muss es reingeholt werden. Je öfter es reingeholt werden muss, desto unkomfortabler ist das für das Pferd. Es wird sich daher entscheiden den Schritt, den Trab oder den Galopp eigenverantwortlich im Kreis zu laufen. Der Mensch steht dabei entspannt in der Mitte des Kreises. Um die geistige Fähigkeit des Pferdes herauszufordern, können Schwierigkeiten wie unterschiedliche Seillängen oder unebenes Gelände eingesetzt werden.

6. Sideways Game (Seitwärts):

Beim Seitwärts-Spiel sendet der Trainer zuerst den Kopf und dann die Hinterhand in wiederholenden Bewegungen seitwärts. Ab einem bestimmten Zeitpunkt geht das Pferd von selbst seitwärts. Meistens steht das Pferd an einem Zaun, der eine Vorwärtsbewegung verhindert. Für die Hinterhand kommt oft ein Carrot Stick zum Einsatz. Das Seil hat mit 3, 7 Metern die optimale Länge. Das Pferd lernt in beide Richtungen gleichermaßen gut seitwärts zu gehen. Das sollte das Ziel des Trainers sein, damit sich weder die linke noch die rechte Seite einseitig ausprägen.

7. Squeeze Game(Engpass):

Beim Squeeze Game bilden die Bodentrainer einen Engpass, indem sie sich in einem bestimmten Abstand zu einer Wand stellen. Das Pferd muss durch diesen Engpass gehen und lernen, seine Platzangst zu überwinden. Auch hier liegt das Geheimnis in regelmäßigen Wiederholungen. Wer den Vierbeiner problemlos in einen Anhänger senden kann, ohne eigene Führung, hat das Ziel der Übungen erreicht.

Warum Natural Horsemanship?

Durch den Perspektivwechsel lernt der Reiter, wie sein vierbeiniger Partner zu denken. Der faire Umgang während der Übungen motiviert das Tier, wobei gleichzeitig die Rangordnung auf natürliche Weise geregelt wird.

Das Pferd – Verhalten und Grundbedürfnisse verstehen

Damit das Pferd gerne mitarbeitet und den Menschen als Partner und Freund wahrnimmt, müssen die Grundbedürfnisse erfüllt sein. Dazu gehört

  • ausgewogenes Futter im Rahmen einer artgerechten Fütterung (Raufutter und raufaserhaltiges Futter)
  • die Deckung des täglichen Energiebedarfs (inklusive der richtigen Dosierung von Eiweiß und Zucker)
  • ausreichend Bewegung und artgerechte Haltung
  • soziale Kontakte zu Artgenossen (Abwechslung im Spiel, sichere Umgebung zur Senkung des Stresspotenzials)

Diese Grundbedürfnisse sollten Pferdehalter immer erfüllen. Das sorgt für die innere Ausgeglichenheit des Pferdes. Für die Bodenarbeit beziehungsweise die Anwendung der Horsemanship-Methoden ist das eine Grundvoraussetzung. 

Darüber hinaus ist für das Funktionieren der Horsemanship-Methoden umfassendes Wissen über das Pferdeverhalten nötig. Pferde sind Herden- und Fluchttiere. Innerhalb der Herde genießen sie den Schutz vor den natürlichen Fressfeinden. Die Hierarchie besteht aus einer bestimmten Rangordnung. Die Position in der Herde kann sich aber ändern. Abhängig ist das von der jeweiligen Gruppenzugehörigkeit und dem Alter. An der Spitze steht das Leittier. 

Beim Horsemanship übernimmt der Mensch die im Rang höher angeordnete Position. Damit wird er zu einem wichtigen Teil. Das gefühlvolle Umgehen beim Training ist wichtig, weil Pferde über hochsensible Sinnesorgane verfügen, die die Reaktion der Flucht schnell auslösen. Da jedes Pferd unterschiedlich stark ausgeprägte Fluchtinstinkte hat und darüber hinaus eine eigene Persönlichkeit besitzt, ist ein behutsames, erstes Annähern erforderlich. Der Aufbau und die Erhaltung des Vertrauens ist kennzeichnend für die gesamte Arbeit der Methoden des „Natural Horsemanship“. Darauf gründet sich die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier. Sie macht den Weg frei für alle Reitweisen und Disziplinen im Pferdesport.

Horsemanship lernen

Beim Horsemanship übernimmt der Mensch die im Rang höher angeordnete Position.

Horsemanship lernen

Wer das Horsemanship erlernen möchte, braucht Kompetenz und Pferdeverstand. Für das Erlernen der nötigen Grundsteine ist der Besuch eines Kurses empfehlenswert. Viele Trainer bieten Kurse auf verschiedenen Leveln an, auch für Anfänger. Sie lernen zu Beginn das Umgehen mit dem 3,7 Meter langen Bodenseil und dem Knotenhalfter. Dazu gehört die erste Annäherung an das Pferd und die Führung. Bereits der Anfänger erlernt die „Seven Games“ von Pat Parelli in Theorie, Simulation und Praxis. Erleichternd kommen „Teamplayer-Pferde“ zum Einsatz, sodass der Lehrling einen guten Einstieg findet. Die sieben Spiele bilden die Grundlage für fortgeschrittene, aufbauende Übungen. Horsemanship kann jeder lernen, auch solche, die noch keine Pferdeerfahrung haben. 

Was ist ein Horsemanship Trainer?

Horsemanship-Trainer haben eine umfassende Ausbildung in den Grundlagen, den erweiterten Methoden und in der Pferdepsychologie.

Was ist ein Horsemanship Trainer?

Um Trainerscheine und entsprechende Abschlusszertifikate zu erlangen, muss der angehende Ausbilder einige Stationen der Trainerausbildung absolvieren. Dabei kann sich der Trainerschein auch auf ein Spezialgebiet beziehen. Folgenden Themenfelder und Anforderungen werden an den Horsemanship-Schüler gestellt:

  • Pferdepsychologie
  • Zusammenspiel von Entspannung, Energie und Gleichgewicht bei Mensch und Pferd
  • Pferdeausbildung am Boden
  • Perspektivwechsel (sich in das Pferd hineinversetzen)
  • Wahrnehmungs- und Koordinationsübungen
  • Umgang mit jungen, rohen und älteren Pferden
  • Umgang mit Problempferden
  • Ausbildung des Pferdes zum Therapiepferd

Einige Trainer praktizieren Horsemanship nicht richtig und entgleisen, indem sie in unfaire Verhaltensweisen gegenüber dem Pferd verfallen. Die Ursache liegt dann häufig in der falschen Einschätzung des Pferdes, was dann bei den Übungen zum Problem wird. In den Videos und Medien ernten diese Ausbilder entsprechende Kritik für eine falsche Anwendung der Methoden.

Horsemanship – Die richtige Ausrüstung

Zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen gehören ein Knotenhalfter, ein 3,7 Meter langes Seil und ein Kontaktstock. Der Knotenhalfter sollte nicht zu dick, aber auch nicht zu dünn sein. In der Regel ist ein gutes Knotenhalfter anschmiegsam für das Pferd. Dabei müssen die Knoten an der richtigen Stelle sitzen, damit weder der Nasenrücken noch empfindliche Gesichtsnerven tangiert werden. 

Das Seil zum Arbeiten, oder auch Rope genannt, hat mit 3,7 Metern die richtige Länge. Damit ist es nicht zu kurz und auch nicht zu lang. Es gibt sanfte Seile und welche, die über ein Teilstück aus Leder verfügen, auch Lederklatsche genannt. Den Stick oder Kontaktstock gibt es mit String. Für die richtige Wahl der Länge ist die Größe des Pferdes und die des Reiters maßgeblich. Auf das Pferd hat der Stick eine eindrucksvolle, dominantere Wirkung als eine Gerte. Das sollte bei der Zusammenarbeit berücksichtigt werden.

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