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Probleme in der Pferdeausbildung

von Anne Schmatelka
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Probleme in der Pferdeausbildung haben immer mehrere Ursachen. Selten ist es ein Punkt allein, der dafür sorgt, dass sich das Pferd verspannt oder dass es irgendwie nicht weitergeht. Sich mit dem Verhalten des eigenen Pferdes zu befassen, Reaktionen und Verhaltensweisen zu erkennen, einschätzen zu können und in bestimmten Fällen vorauszusehen, erleichtert die Pferdeausbildung und natürlich auch den Umgang und das tägliche Zusammensein mit seinem Pferd. So kann man Probleme frühzeitig erkennen und auftretende Schwierigkeiten beseitigen.

Das Verhalten des Pferdes ist ein Spiegel seiner Situation

Verspannungen, Steifheiten und Unwilligkeiten weisen in den meisten Fällen daraufhin, dass etwas nicht so korrekt läuft, dass sich das Pferd unter dem Reiter nicht loslassen kann und sich in Haltung und Umgang nicht entspannen kann. Im Folgenden sind einige Fragen formuliert, die man in aller Ruhe für sich beantworten sollte. Mit ein wenig Übung erkennt man im Laufe der Zeit an den geringsten Verhaltensänderungen des Pferdes, ob etwas gut oder schlecht ist. Das hilft, falsche Wege frühzeitig zu erkennen und Fehlentscheidungen zu korrigieren.

1) Wie verhält sich mein Pferd auf der Weide (alleine oder mit Artgenossen)?

Wenn man sein Pferd täglich auf die Weide lässt – und das sollte man – dann zeigt es immer ähnliche Verhaltensweisen. Manche Pferde wälzen sich als erstes entspannt, andere wiederum galoppieren im ruhigen Tempo einige Meter, um dann zu fressen und wieder andere spielen mit ihren Artgenossen. Wenn Ihr Pferd diese Verhaltensweisen zeigt, dann ist es weitestgehend entspannt und fühlt sich wohl.

Von einer Problemstellung muss man ausgehen, wenn sich das Pferd auch auf der Weide hölzern bewegt, wenn es täglich auf er Weide ist und trotzdem über lange Zeit im wildem Galopp losjagt und dabei pausenlos bockt und auskeilt. Hat ein Pferd nicht gerade ein ausgesprochen hitziges Temperament, dann sind solche Verhaltensweisen auf Unwohlsein oder auch Stress zurückzuführen. Auch Verspannungen und Rückenprobleme können der Hintergrund sein.

Ist das Pferd während der gesamten Weidezeit lahm, bewegt sich am liebsten gar nicht und frisst nicht, dann sollte man den Tierarzt kontaktieren.

2) Wie verhält es sich im Stall?

Das Verhalten eines Pferdes im Stall gegenüber dem Menschen und Artgenossen sagt sehr viel über das Grundverhalten aus. Ist das Pferd eher ängstlich und unsicher, wagt sich ohne Aufforderung nicht zur offenen Boxentür oder marschiert es direkt nach dem Öffnen der Box geradewegs aus der Box heraus, ohne darauf zu achten, ob es den davor stehenden Menschen über den Haufen rennt. Dominanzverhalten ist als Problem nicht zu vernachlässigen, denn es wirkt sich nicht nur auf die Erziehung, sondern auf die gesamte Pferdeausbildung aus.

Denken Sie einen Moment über das Verhalten Ihres Pferdes nach:
Ist es in der Box gegenüber den Boxennachbarn unfreundlich und beim Füttern aggressiv oder eher gleichgültig? Kann man problemlos auch als fremder Mensch in die Box hineingehen oder legt es die Ohren an, dreht sich um und droht; tritt vielleicht sogar? Wiehert es freudig, wenn es Ihre Schritte oder Stimme über die Stallgasse hört oder reagiert es überhaupt nicht? Ein Pferd, das in der Box unkompliziert ist, ist es meist auch unter dem Reiter. Es gibt jedoch auch Pferde, die im Umgang sehr angenehm und unter dem Reiter extrem widersetzlich sind. Sie haben dann in den allermeisten Fällen mit Reitern schlechte Erfahrungen gemacht, haben Schmerzen und sind verspannt. Das gutmütige Verhalten im Umgang weist dann auf einen guten Charakter hin. Findet man solch konträre Verhaltensweisen, ist der Ausbildungsweg komplett zu hinterfragen.

Pferd mit Longe

3) Wie verhält es sich beim Schmied?

Das Verhalten eines Pferdes beim Schmied/ beim Beschlagen gibt auch Auskunft über den Gesundheitszustand und mögliche Schmerzen. Es zeigt unter anderem, ob das Pferd gute oder schlechte Erfahrungen gemacht hat, Erziehungsdefizite vorhanden sind.

Steht das Pferd beim Schmied ruhig und entspannt oder tritt es unruhig hin und her?
Das kann auf schlechte Erfahrungen, Angst und Unsicherheit zurückzuführen sein. Dem Pferd die Angst nehmen kann man nur mit Ruhe und viel Geduld. Hebt es die Beine nicht, fällt es ihm schwer, auf drei Beinen zu stehen und oder zieht es das hochgezogene Bein sofort wieder weg und / oder kann es das Bein (meist Hinten) nicht so winkeln, dass der Schmied das Eisen beispielsweise ohne Probleme aufbrennen oder Nageln kann? Ein solches Verhalten kann auf Fehler in der Erziehung, aber auch auf Schmerzen zurück zu führen sein.

Rückenprobleme oder auch Probleme mit den Beinen und Hufen können der Grund dafür sein. Ein erfahrener Hufschmied kann darüber oft schon bei dem ersten Beschlag Auskunft geben. Ggf. ist der Tierarzt hinzuzuziehen.

4) Ist es notwendig, regelmäßig den Tierarzt zu rufen, da beispielsweise die Beine angelaufen sind oder das Pferd diffuse Lahmheiten zeigt?

Angelaufene Beine haben viele Hintergründe! Es kann mangelnde Bewegung sein, es kann am Kraftfutter liegen, dass nicht an die reiterlichen Anforderungen angepasst ist.
Es kann aber auch an reiterlichen Fehlern liegen. Angelaufene Beine sollte der Tierarzt ab einem gewissen Stadium in Augenschein nehmen, damit es nicht zu weiterführenden Erkrankungen kommt.

Diffuse Lahmheiten, bei denen der Tierarzt keine eindeutige Diagnose stellen kann, da es beispielsweise keinen Röntgenbefund gibt, sind oftmals auf Haltungs- und Ausbildungsfehler zurück zu führen. Mangelnder Freilauf und reiterliche Fehler führen immer zu Verspannungen. Diese können mit der Zeit zu Lahmheiten führen, die aus der Verkrampfung und Rückenproblemen entstehen.

Wenn der Tierarzt nichts findet, sollte man einen guten Osteotherapeuten hinzuziehen und die Ausbildung überprüfen.

5) Wie verhält es sich beim Putzen? Wichtiges Verhalten in der Pferdeausbildung

„Das Verhalten des Pferdes beim Putzen, ist ein Spiegel seiner Ausbildung!“ Das hat Bimbo (Siegfried Peilicke) vor vielen Jahren einmal zu einer Schülerin gesagt, die zu einem Lehrgang bei ihm war; deren Pferd beim Putzen unruhig hin und her trat, sich im Genick nicht anfassen ließ, beim Striegeln des Rücken den Rücken nach unten weg gedrückt hat und dabei versucht hat, mit dem Hinterbein nach seiner Besitzerin zu treten.

Verspannungen, die durch Reit- und Ausbildungsfehler entstanden sind, zeigen sich beim Putzen, denn der verspannte Muskel kann dem Pferd beim Striegeln Schmerzen bereiten. Zeigt ein Pferd diese oder ähnliche Verhaltensweisen, ist davon auszugehen, dass korrektes Zügel aus der Hand kauen lassen definitiv nicht funktioniert. Der Sattel ggf. nicht passt, der Reiter elementare Sitz- und Einwirkungsfehler aufweist.

6) Muskulatur des Pferdes?

Oberlinie und Gesamtbemuskelung eines Pferdes sagen alles! Hat man sein Auge geschult, kann man anhand des Erscheinungsbildes eines Pferdes und seiner Bemuskelung auch das Verhalten unter dem Reiter, reiterliche Fähigkeiten und Defizite, Ausbildungswege und Fehler in der Pferdeausbildung erkennen. Auch sieht man, ob der Sattel passt, zu eng und zu weit oder fehlerhaft gepolstert ist.

Korrekt bemuskeltes 8-jähriges Pferd. Die Wirbelsäule ist in den gut entwickelten langen Rückenmuskel „eingebettet“. Die Oberlinie ist harmonisch. Der Rücken ist oben. Die Kruppe ist rund.

7) Ist mein Pferd schreckhaft?

Schreckhafte Pferde sind eine Herausforderung für jeden Reiter. Man muss mit der Zeit  unterscheiden lernen, ob die Schreckhaftigkeit eine Charakterausprägung ist oder ob sie aufgrund von Unwohlsein oder gar Schmerzen entstanden ist. In jedem Fall bedarf ein schreckhaftes Pferd eines sehr vorausschauendes Verhalten von Seiten des mit ihm umgehenden Menschen!

Auch bei schreckhaften Pferden sollte man überlegen, wie es dazu gekommen ist.

War das schon immer so?

Dann kann es eine Charaktereigenschaft sein, mit der man einfach leben muss und die man bei neuen Anforderungen und steigendem Leistungsdruck berücksichtigen muss! Das heißt vor allem, dass man sich besser etwas mehr Zeit lässt, als irgendetwas zu überstürzen!

Ist das erst seit einigen Wochen oder Monaten der Fall?

Dafür kann es mehrere Gründe geben:

  • Futter- oder Haltungsumstellung
  • Das Pferd ist gesundheitlich nicht ganz fit
  • Der Sattel passt nicht
  • Die Zähne sollten kontrolliert werden
  • Beim Reiten und Ausbilden hat sich etwas verändert
  • Das Pferd ist verspannt (Rücken, Hals, Genick, Genick, Kiefer)
  • Es hat osteopathische Probleme
  • Es hat generell Schmerzen

Pilz beim Pferd: Zwei Pferde auf der Wiese

8) Ist mein Pferd unwillig, aggressiv, gibt es Rangordnungsprobleme zwischen Reiter und Pferd?

Früher sagte man: Das schlimmste in der Ausbildung sind Charakterprobleme! Pferde mit sehr schwierigem Charakter bringen so viele Probleme mit sich, so dass man abwägen sollte, ob es für beide Seiten besser ist, ein solches Pferd nicht weiter auszubilden, da mit sehr viel Widerstand zu rechnen ist und sich die Mühe vielleicht niemals „auszahlen“ wird.
Gebäudemängel oder auch weniger Potential kann man mit Geduld und dem entsprechenden Know-How immer noch ausgleichen, das Pferd trotzdem korrekt ausbilden, aber ein schwieriger Charakter macht alles schwierig.

Als ich diese Aussage, die ich hier im O-Ton wiedergegeben habe, das erste Mal in einem der alten Bücher las, musste ich lachen, denn ich habe selbst ein solches Pferd. Vom ersten Tag ihres Lebens an ein lebendes Problem.

Keiner außer mir kann in die Box gehen ohne einen Angriff zu riskieren, kaum einer kann sie anfassen. Selbst wir diskutieren heute noch regelmäßig über die Rangordnung. Unter dem Reiter wird sie schnell widersetzlich, bei steigenden Anforderungen hektisch, kopflos, schreckhaft und das Hinterbein ist schneller gegen die Ferse des Stiefels geflogen, als man den Schenkel überhaupt anlegen kann, wenn Madame einen schlechten Tag hat.

Im Laufe der Zeit gewöhnt man sich an darüber zu lachen. Für die Pferdeausbildung ist das oftmals nicht ganz so lustig, denn man muss immer sehr sorgsam reiten, Lektionen korrekt vorbereiten, nichts übereilen. Die Losgelassenheit muss sichergestellt sein, sonst funktionieren nicht einmal Trab-Galopp-Übergänge. Wenn der Sattel nicht zu einhundert Prozent korrekt angepasst ist, wird geklemmt, sich versteift und man reagiert im negativsten Fall auf keine Hilfe.

Spaß macht das nicht immer, aber man lernt korrekt und sorgfältig zu reiten und die eigenen Wünsche und Befindlichkeiten hinten anzustellen. Verhält sich ein Pferd so oder so ähnlich, sind ein konsequenter aber bedachter Umgang unverzichtbar. Ein solches Pferd ist kein Pferd für einen Anfänger, da es gefährlich werden kann, wenn man es nicht richtig zu behandeln weiß.

Bei einem Pferd mit Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften wie hier formuliert muss man für alles mehr Zeit einplanen, denn das Pferd muss sich mit allem auseinandersetzen können und es für sich auf seine Weise verarbeiten. Das lässt sich durch nichts beeinflussen. Eines ist bei einem solchen Pferd jedoch sicher. Was es einmal begriffen, verarbeitet und verinnerlich hat, das sitzt. In allen Lebenslagen! Im Guten wie im Schlechten!

9) Wie verhält sich das Pferd beim Aufsitzen?

Ein Pferd hat beim Aufsteigen stehenzubleiben! Steht ein Pferd beim Aufsteigen nicht unbeweglich auf der Stelle, zieht es dem Reiter die Zügel auf der Hand, läuft direkt los und widersetzt sich, kann das auf Schmerzen, aber auch auf eine nachlässige Erziehung zurück zu führen sein. Handelt es ich um Schmerzen, dann sollte man sich sein Pferd unter den Aspekten von Punkt 5 kritisch betrachten und auch überlegen, welche Antworten man bei Punkt 11 geben kann. Es steht meist in direkter Verbindung.

10) Wie bewegt es sich zu Beginn des Reitens?

Ist der Bewegungsablauf in allen Grundgangarten taktrein, hat man an sich schon alles so ziemlich richtig gemacht.

Man beobachtet meist drei Verhaltensweisen, wenn der Reiter mit dem Reiten beginnt:

  1. das Pferd schreitet entspannt und fleißig vorwärts und schnaubt im Idealfall schon die ersten Male zufrieden ab. Dann hat man alles richtig gemacht.
  2. Das Pferd rennt eilig los und zieht dem Reiter den Zügel aus der Hand. Meist strecken diese Pferde ihren Kopf nach vorne und pinseln unruhig mit dem Schweif. Sie sind verspannt und verkrampft. Mangelnder Weidegang und Ausbildungsfehler sind oft der Hintergrund. Auch am unpassenden Sattel kann es liegen.
  3. Das Pferd klemmt, tritt gegen den Schenkel und will nicht vorwärts, legt die Ohren an und hebt unwillig den Kopf hoch. Die Bewegungen sind hölzern. Hinweise auf reiterliche Fehler, ggf. kommt ein unpassender Sattel hinzu. Bei einem solchen Verhalten ist die Pferdeausbildung grundsätzlich zu überdenken und konsequent nach den Fehlern zu suchen. In schweren Fällen sollte man einen Tierarzt und anschließend einen Osteotherapeuten konsultieren, um dem Pferd Linderung zu verschaffen.

Frau pflegt Pferd

11) Welche Verhaltensweise zeigt das Pferd bei Lektionen und Übungen?

Im Idealfall lässt sich das Pferd ehrlich los, ist durchlässig, reagiert auf kleinste und feinste Hilfen, hat ein aktives Hinterbein. Verstärkungen und Versammlung erfolgen spielerisch.
Das ist heute leider nicht die Norm! Neben charakterlichen Problemen wie unter Punkt 7-8 benannt, können Probleme beim Reiten von Übungen und Lektionen auch auf

  1. reiterliche Fehler,
  2. zu hohe Anforderungen und Eile in der Pferdeausbildung
  3. unpassender Sattel, Fütterung und Haltungsfehler, Stellungsprobleme bei den Hufen

beruhen. Dadurch entstehen zusätzliche und vermeidbare Verspannungen, im fortgeschrittenen Stadium Schmerzen, ggf. Erkrankungen. Ist das Pferd bei Übungen und Lektionen unwillig und verspannt, sollte man immer zu den Grundlagen zurückkehren. Beim Reiten heißt das einen Schritt zurück zum Zügel aus der Hand kauen lassen und bei Haltung und Umgang die Punkte 1-9 überprüfen.

12) Wie verhält es sich bei neuen Anforderungen?

Die meisten Pferde sind bei neuen Anforderungen schnell aufgeregt. Geht man beispielsweise bei Übungen und Lektionen, vielleicht auch die ersten Male des Verladens mit Ruhe und Geduld vor, dann entspannt sich jedes Pferd wieder in kurzer Zeit.
Zeigt das Pferd noch die unter den Punkten 1-11 genannten Auffälligkeiten, dann geht man zurück zu den Grundlagen, festigt diese und erst wenn das Pferd alles das entspannt absolvieren kann, dann kann wieder an neue Anforderungen denken.

13) Knirscht es nach einer gewissen Zeit des Reitens mit den Zähnen?

Zähneknirschen ist meist auf mangelnde Losgelassenheit und Stress zurück zu führen. Hier sind vor allem die Punkte 11-12 kritisch zu hinterfragen. Auch kann es sein, dass die Zähne kontrolliert werden müssen oder die Trense nicht passt, das Gebiss nicht das richtige ist.

14) Neigt es zu Bocken und Steigen?

Neben charakterlichen Problemen und Nachlässigkeiten in der Erziehung ist Bocken und Steigen meist auf mangelnde Losgelassenheit und Stress zurück zu führen. Hier sind vor allem die Punkte 11-13 kritisch zu hinterfragen.

15) Wie verhält es sich beim Ausreiten allein / in der Gruppe?

Ausreiten bringt Entspannung und unterstützt damit die Losgelassenheit des Pferdes. Ein ruhiges und entspanntes Ausreiten allein und in der Gruppe entscheidet über Losgelassenheit oder Verspannung. Je häufiger man ins Gelände geht, umso entspannter ist das Pferd – so sollte es sein! Charakter, Ausbildungsstand und Ausbildungswege entscheiden hier über Rittigkeit oder auch gefährliche Situationen.

Pferde, die unter Verspannungen leiden, sind auch im Gelände nicht immer gut zu handeln, denn dann kommen zu den grundlegend vorhandenen Spannungszuständen noch die Aufregung über die unterschiedlichen Eindrücke und Situationen hinzu. Darüber hinaus sollte man die Punkte 1, 7-8, 11 und 12 noch einmal kritisch betrachten. Befassen Sie sich mit den Befindlichkeiten Ihres Pferdes, lernen Sie darüber, Fehler schon in der Entstehung zu erkennen und diese zu beseitigen.

Ursachen von Ausbildungsproblemen

Temperament, Charakter, Gebäude und unsere Wünsche…

Die heutige Zucht bringt Pferde mit einer enormen Qualität, die allerdings oftmals nicht mehr so einfach zu bedienen sind. Die Bewegungen sind nicht selten so außerordentlich, dass sie der Reiter kaum mehr sitzen kann.

Das Springvermögen ist manches Mal so enorm, dass man geneigt ist, gern mal eine Stange mehr drauf zu legen. Da die Pferde von heute einen tollen Charakter haben und mehr als gutmütig sind, ertragen sie vieles, was sie eigentlich nicht leisten können.

Pferdeausbildung: Pferde von der Seite

Kalibriges Pferd, vom Charakter eher gutmütig, seit 14 Monaten unter dem Sattel. Die Muskulatur ist noch nicht sehr stark ausgeprägt. Jedoch verleitet das massige Exterieur dazu, schnell zu viel zu verlangen.

Pferde mit schwierigem Charakter gab es früher sehr viel häufiger als heute

Jedes Pferd ist anders. Jedes Pferd hat seine eigene Geschichte. So sollte man bei der Ausbildung eines Pferdes auch spezifische Besonderheiten berücksichtigen.

Das Zuchtergebnis von heute verleitet dazu, zu schnell zu viel zu verlangen. Wenn es dann einmal nicht klappt, ist man schnell ungerecht. Da die wenigsten Pferde sofort widersetzlich werden, glaubt manch ein Reiter, den Pferden mache die ein oder anderen kleine Ungerechtigkeit nichts aus. Das Pferd wehrt sich ja in den wenigsten Fällen und wenn es dann den Dienst quittiert, ist meist so viel in die falsche Richtung gegangen, dass man sich an die ersten Signale schon gar nicht mehr erinnern kann….

Heute ist es nicht mehr normal, ein unrittiges, hektisches und übersensibles, teilweise aggressives Pferd zu haben, das einem Fehler nicht verzeiht und diese dann sofort entsprechend mit Widersetzlichkeiten quittiert.

Ein schwieriges Pferd zwingt zur Selbst-Reflexion

Wenn man die alte Literatur studiert, fällt einem auf, dass es Pferde mit schwierigem Charakter früher sehr viel häufiger gab als heute. Charakter- und Temperamentsfehler galten damals zu den größten Probleme in der Ausbildung eines Pferdes. Sie machten einfache Dinge manchmal schwierig. Die Zucht hat auf die Erkenntnisse der Vergangenheit reagiert und entsprechend gehandelt. Schwierige Charaktere wurden aussortiert. Um Reiter jedoch dazu zu veranlassen, wieder sorgfältiger zu reiten und auszubilden, wären solche Pferde sicherlich sehr vorteilhaft. Sie würden uns jeden Tag unsere Grenzen aufzeigen. Wenn man ein solches Pferd besitzt, ist man zwangsläufig in einem Prozess permanenter Selbst-Reflexion, denn was gestern funktioniert hat, muss bei einem solchen Pferd heute nicht mehr unbedingt richtig sein. Und morgen kann es dann vielleicht überhaupt nicht mehr zum Ziel führen!

Pferdeausbildung: Wallach von der Seite

Moderner Typ eines 4-jähriger Wallachs, hoch sensibel und schnell nervig, gerade acht Monate unter dem Sattel. Die Muskulatur ist noch wenig ausgeprägt, obwohl das Pferd schon aussieht, als wäre es weiter geritten. Die moderne Zucht täuscht!

Anforderungen auch an das Gebäude des Pferdes anpassen

Das Gebäude eines Pferdes ist ebenfalls sehr wichtig. Es muss bei der Ausbildung berücksichtigt werden. Kurze Pferde neigen beispielsweise eher zu knöchernen Problemen und Erkrankungen, im Rücken längere Pferde eher zu Erkrankungen im Weichteilbereich. Man sollte seine Anforderungen also auch an die körperlichen Möglichkeiten des Pferdes anpassen.

Das Gebäude des heutigen Reitpferdes hat sich in den letzten 30 Jahren sehr zum Vorteil für uns Reiter entwickelt. Die Pferde haben meist schöne geschwungene Hälse, schräge Schultern, einen gut geformten Rücken und die entsprechend korrekt gewinkelte Hinterhand.

Einen fehlerhafte Muskelentwicklung beispielsweise, die ja immer ein Spiegel der dann ebenfalls fehlerhaften Ausbildung ist, fällt den meisten nicht sofort auf und so lange die Pferde noch laufen, wird das alles schon irgendwie stimmen.

So wird frühzeitig an Verstärkungen und der Versammlung gearbeitet, obwohl das Pferd dazu noch überhaupt nicht in der Lage ist. Was bei all der Leistungsbereitschaft der Pferde schnell vergessen wird: Die Geschwindigkeit des Muskelwachstums und die körperliche Belastbarkeit hat die Zucht in den letzten 30 Jahren nicht geändert. Das wird sie auch in Zukunft nicht schaffen. Das sollte man immer im Hinterkopf haben.

Für uns Reiter heißt das, dass wir sorgfältig, mit Ruhe und vor allem viel Zeit ausbilden müssen, wollen wir auch langfristig einen Partner Pferd, der körperlich und mental gesund bleiben kann. Wenn jedoch der der Turniererfolg in jungen Jahren über den Preis entscheidet, dann müssen schon junge Remonten oftmals mehr leisten, als sie körperlich und mental verkraften können.

Reiterlicher Unsinn: Schuld ist die Zucht

Wenn heute ein Pferd hektisch und nervös ist, Taktfehler zeigt, dann ist der Reiter gerne dazu bereit, dass auf die Zucht zu schieben. Wie oft hört man den Spruch: Der Vater neigte auch schon zum Pass… kein Wunder bei dem enormen Schritt…“ Ehrlich gesagt, eine solche Aussage ist reiterlicher Unsinn und ein Hinweis darauf, dass der Mensch nicht verstanden hat, worum es geht, Ausbildungsfehler nicht sieht oder sehen will. Und die Schuld für genau diese Probleme dann gerne beim anderen sucht. Am liebsten beim Pferd!

Gebäude und Temperament zu berücksichtigen sowie die Fähigkeit zu besitzen, ein Pferd dem Charakter entsprechend korrekt zu behandeln und auszubilden sind mit Voraussetzungen, um es gesund und leistungsbereit zu erhalten. Korrekte Ausbildung bedeutet immer: Die richtigen Übungen und Lektionen zur rechten Zeit, in der passenden Dosierung und mit der notwendigen Ruhe. Eben bedacht vorzugehen. Manchmal ist weniger mehr. Wenn es an manchen Tagen nicht so funktioniert, wie wir es gerne hätten, kann es sinnlos sein, eine Lektion an die andere zu reihen.

Dann können ein entspanntes Bummeln durchs Gelände oder nur ein korrektes Zügel aus der Hand kauen lassen der bessere Weg sein.

Charakter, Gebäude und Temperament muss man bei der Ausbildung immer berücksichtigen. Wenn man das verinnerlicht, dann entstehen viele Probleme in der Ausbildung erst gar nicht!

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