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Missouri Foxtrotter

von Frederieke Wenning
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ehorses Trainingstagebuch

Der Missouri Foxtrotter ist eine der ältesten aus Nordamerika stammenden Pferderassen und besonders stark in den USA, aber auch in Europa verbreitet. Rassetypisch, namensgebend und daher Markenzeichen der Rasse ist der flache, unterbrochene Foxtrott als vierte, zusätzliche Gangart, bei der die Pferde vorne Schritt gehen und hinten traben. Alles über den Missouri Foxtrotter erfährst Du in diesem Artikel.

Zuchtgeschichte und Ursprung des Missouri Foxtrotters

Missouri Foxtrotter sind seit mehr als 150 Jahren bekannt und wurden zunächst in den Ozark Bergen in Arkansas und Missouri von den dort ansässigen frühen Siedlern gezüchtet. In dem Gebirge mit seinem unwegsamen und rauen Gelände benötigten die Siedler einfach zu reitende, trittsichere und ausdauernde Pferde, die auch Steigungen bewältigen kontern und größere Distanzen problemlos mit sicherem Schritt absolvierten. Bei diesen ersten Züchtern handelte es sich um Siedler, die aus Kentucky, Virginia und Tennessee kamen, im Jahr 1821 erstmals den Mississippi überquerten und sich fortan in den Ozarks niederließen. Die natürliche Veranlagung zum Foxtrott, dem „unterbrochenen Schritt“ wurde durch die Zucht weiter gefördert, da sich dieser als günstig für die Fortbewegung auf dem schwierigen Untergrund der bergigen Landschaft erwies. Aufgrund dieser Qualität, aber auch des flachen und schnellen Schritts sowie des angenehmen Galopps wurde der Missouri Foxtrotter zur meist geschätzten Pferderassen in den Ozarks.

Missouri foxtrotter auf Weide

Bei diesen ersten Züchtern handelte es sich um Siedler, die aus Kentucky, Virginia und Tennessee kamen, im Jahr 1821 erstmals den Mississippi überquerten und sich fortan in den Ozarks niederließen.

Die zuverlässigen und komfortabel zu reitenden Pferde erfreuten sich bei allen Reitern großer Beliebtheit, die lange Distanzen zurücklegen mussten, darunter Rinderzüchter, Sherifs oder Landärzte. Auch nach dem Aufkommen des Automobils wurden die Missouri Foxtrotter weiter gezüchtet, vornehmlich für die Arbeit auf den Ranchen, und erhielten schnell den Spitznamen „Cowboy Cadilac“ oder „Cowboy Rolls Royce“. Da sie sich als perfekt geeignetes Arbeitspferd für die anstrengende Rinderarbeit erwiesen, wurde in Missouri, zur damaligen Zeit der zweitgrößte Rinderlieferant, trotz fortschreitender Motorisierung der Landwirtschaft auch weiterhin nicht auf sie verzichtet. Um die Weiterführung und Pflege der Zucht sicherzustellen, wurde im Jahr 1948 der amerikanische Zuchtverband gegründet, die Missouri Fox Trotting Horse Breed Association mit Sitz in Ava/Missouri. Hier findet seit 1959 auch die jährliche Weltmeisterschaft der Missouri Foxtrotter statt. Verbreitet ist die Rasse heute nicht mehr nur in Missouri, sondern in den gesamten USA. Sie wird sowohl von Trail- und Freizeitreitern als auch von U.S. Forest Rangern geschätzt, die den Foxtrotter als sicheres Reitpferd unter anderem im Naturschutzgebiet des Yellowstone-Nationalparks einsetzen. Der Gesamtbestand der Rasse umfasst heute etwa 89.000 Pferde, die vor allem in den USA, aber auch in Kanada, Europa und Israel registriert sind.

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Wie schwer wird ein Missouri Foxtrotter?

Das Gewicht für diese Rasse liegt schätzungsweise zwischen 430 und 620 Kilogramm.

Die Zuchtgeschichte des Missouri Foxtrotters in Europa

Der Missouri Foxtrotter ist erst seit etwa 25 Jahren in Europa bekannt und wurde zum ersten Mal im Jahr 1992 in Berlin auf der Hypologica sowie 1993 in Essen auf der Equitana präsentiert. Einzelne Pferde sollen zwar schon in den 1950er Jahren durch die Queen nach England importiert worden sein; die Rasse wurde aber bis in die 1990er Jahre keinem breiteren Publikum bekannt. Seit der Equitana hat sich dies grundlegend geändert, denn seither ist der Bestand der Rasse vor allem in Deutschland und Österreich deutlich angestiegen. Zugleich bleibt der Missouri Foxtrotters aber eher ein Exote. So gab es im Jahr 2010 in ganz Europa nur etwa 650 Pferde, davon die meisten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo sich mehrere Züchter etabliert haben.

Wie groß wird ein Missouri Foxtrotter?

Das Stockmaß für einen Missouri Foxtrotter liegt zwischen 142 und 163 cm.

Der Missouri Foxtrotter und sein Exterieur – ein ausdrucksvolles Gangpferd von mittlerer Größe

Der Missouri Foxtrotter entspricht dem Typ eines ausdrucksvollen, belastbaren und ausdauernden Gangpferdes und erreicht ein Stockmaß von etwa 142 bis 163 Zentimetern. Der trockene und feine Kopf soll über aufgerichtet stehende, kleine Ohren sowie wache und große Augen verfügen, während sich der Hals günstig angesetzt und von ausreichender Länge passend zum Körper zeigt. Rassetypisch sind außerdem viel Brusttiefe und eine schräg gelagerte und gut bemuskelte Schulter, die genügend lang ausgeprägt ist. Das trockene und korrekte Fundament soll sich durch eine gute Bemuskelung, belastbare und große Gelenke sowie proportional zum übrigen Körper passende Hufen von ansprechender Größe auszeichnen. Bei der Fellfärbung können ausnahmslos alle Farben auftreten. Dies schließt auch Schecken mit ein.

Missouri Foxtrotter Wallach

Der trockene und feine Kopf soll über aufgerichtet stehende, kleine Ohren sowie wache und große Augen verfügen.

Beschreibung des Interieurs

Auch ein Missouri Foxtrotter ist ein gut proportionierter Gewichtsträger mit einer guten Portion Temperament. Dieses lässt sich durch den Reiter gut kontrollieren. Der menschenfreundliche Charakter macht die Zusammenarbeit einfach und unkompliziert. Auf unebenen Geländewegen verhält sich der talentierte Vierbeiner nervenstark und trittsicher. Die Einkreuzungen der Pferderassen Standardbred und Tennessee Walker vereinigen die besten Wesenseigenschaften, die sich besonders in der Sanftheit des Pferdes zeigen, miteinander.

Wie alt wird ein Missouri Foxtrotter?

Die Lebenserwartung liegt bei bis zu 30 Jahren bei gesunder Ernährung und artgerechter Haltung.

Besondere Merkmale und Erbkrankheiten der Rasse

Ein Missouri Foxtrotter zeigt neben der namensgebenden Gangart auch andere Spezialgangarten, die der besonderen genetischen Veranlagung zu verdanken sind.

Flat Foot Walk

Dazu gehört zum Beispiel die Gangart Schritt – hier Walk genannt – in voneinander abweichenden Varianten. Im Gegensatz zum klassischen Schritt handelt es sich beim sogenannten Flat Foot Walk um einen schnellen Schritt mit einer lateralen Fußfolge. Bei der Ausführung dieses Vier-Takt-Ganges übertritt die Spur der hinteren Beine die der vorderen Beine. Dabei bewegt sich der Kopf eines Missouri Foxtrotters in einer rhythmisch gleichmäßigen und schnellen Auf- und Abbewegung. Das Nicken des Pferdes beim Flat Foot Walk zeigt sich aber nicht nur bei dieser Gangart, sondern auch bei der Ausführung des klassischen Schritts.

Vor einigen Jahren fand ein Forscherteam den Grund dafür heraus: Das Nicken beim Schritt und somit auch beim Flat Foot Walk dient der Energieersparnis. Das Pferd spart Energie, indem es den höchsten Punkt bei Bodenkontakt beider Vorderhufen erreicht und den niedrigsten Punkt (Kopfbewegung nach unten), wenn das Vorderbein nach vorne schwingt. Auf diese Weise tragen Pferde den Kopf und den Hals ohne große Energieverschwendung. Bei der Gangart des Flat Food Walks können Zuschauer dies deutlich sehen. Die gewünschte Gangart ist darüber hinaus auch ein Zuchtziel der Züchter.

Walk (erwünscht) und Running Walk (unerwünscht)

Den Walk gibt es noch als langsamen Trail Walk mit einer längeren Zügelhaltung, wobei der Missouri Foxtrotter den Kopf tief trägt. Während der Walk den Schritt bezeichnet, bei dem es sich um die flach fußende und natürliche Viert-Takt-Gangart handelt, folgt der Running Walk der lateralen Fußfolge des Flat Foot Walks mit einem Unterschied: Die Gangart hat mehr Geschwindigkeit, wobei die Hinterhand deutlich erkennbar übertritt. Übersetzt wird die unerwünschte Spezialgangart des Running Walks mit „sehr schneller Schritt“.

Fox Trot

Das spezielle Zuchtziel der bequemen Gangart Fox Trot zeigt ein Missouri Foxtrotter als gebrochenen Trab mit einer diagonalen Fußfolge. Dabei setzt das vordere Bein zeitlich kurz bevor das hintere Bein auftritt, auf. Die Vorderbeine bleiben im Schritt, während die Hinterbeine im Trot beziehungsweise im Trab weiterlaufen. Eine Schwebephase gibt es nicht, weil das Vorderbein immer am Boden bleibt. Daraus resultiert ein erschütterungsfreies Gefühl beim Reiten.

Lope

Zu den gewünschten Gangarten zählt auch der Lope, ein Drei-Takt-Galopp. Im selben Takt setzt das Pferd den Canter um. Entspannt und geschmeidig führen Pferd und Reiter einen Handgalopp und keinen Kreuzgalopp vor. Dabei wird der Show Canter in einer Versammlung gezeigt, bei dem sich das Pferd in gelassenen Bewegungen mit derselben Geschwindigkeit wie beim Flat Foot Walk fortbewegt.

Nicht erwünscht sind neben dem Running Walk die Gangarten Singlefoot (Tölt) und Pass.

Für den Erhalt der Rasse und das Fortbestehen der Besonderheiten setzt sich der Verein EMFTHA e.V. (European Missouri Foxtrotting Horse Association) ein. Die staatlich anerkannte Züchtervereinigung führt das Zuchtbuch für speziell diese Rasse in Europa. Vor allem in Deutschland hat die Rasse viele Freunde gefunden. Die Zucht der Rasse betreibt beispielsweise der Pferdehof Ollmann. Wer einen Missouri Foxtrotter kaufen möchte, mag also einen Blick auf die Züchter und die Züchtervereinigung werfen.

Pferde dieser Rasse sind in der Regel gesund. Dennoch können einige Exemplare eine genetische Veranlagung zu Polysaccharid Speicher Myopathie (PSSM) zeigen: Eine Erbkrankheit, bei der Zuckermoleküle nicht richtig verstoffwechselt werden.

Wofür ist ein Missouri Foxtrotter geeignet?

Geeignet ist das Pferd für Freizeit, Distanz und Trail.

Die Einsatzmöglichkeiten des Missouri Foxtrotters

Der Missouri Foxtrotter wird vor allem als ausdauerndes und vielseitig einsetzbares Wander- und Reitpferd geschätzt. Ebenso findet er für das Distanzreiten und in seiner amerikanischen Heimat auch bei den Forst-Rangern als Arbeitspferd Verwendung. Einige Pferde zeichnen sich außerdem durch ein gutes Springvermögen aus.

Bekannte Pferde der Rasse

In den USA ist der Missouri Foxtrotter die erste Wahl für Reittouren und Trails. Zehn bis fünfzehn Kilometer in einer für den Reiter angenehm zu reitenden Geschwindigkeit sind für die Pferderasse kein Problem. Einheimische Pferdekenner bezeichnen die Pferde daher auch als „Cowboys Rolls Royce“ oder „Cowboys Cadillac“. Aus diesem Grund bevorzugen amerikanische Forest Ranger und Cowboys das Pferd bis heute für ihre Arbeit.

Der Hengst mit dem Namen Zane Gray war einer der bekanntesten Pferde dieser Rasse.

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