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Noriker

von Frederieke Wenning
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Das Noriker Pferd ist mittelschwer und kräftig, in seinem Wesen ruhig und ausgeglichen – Es präsentiert sich als rassetypisches Kaltblutpferd, das seit jeher in Österreich beheimatet ist. Der Noriker ist auch unter dem Namen Pinzgauer Pferd bekannt. Ursprünglich hervorgegangen aus den schweren Legionspferden der römischen, zugleich namensgebenden Provinz Norikum, ist die Rasse seit rund 2.000 Jahren im österreichischen Alpen- und bayerischen Voralpenraum vertreten. 

Woher stammen die Noriker?

Diese Pferderasse stammt aus Österreich.

Zuchtgeschichte des Noriker Pferdes

Ursprung

Die Rasse der Noriker geht in ihrem Ursprung auf die Pferdezucht der römischen Provinz Norikum zurück. Mit dem zunehmenden Vordringen des römischen Heeres über die Alpen fanden die ursprünglich schweren Kriegspferde zunehmende Verbreitung als Gebirgskaltblutpferd, das im Mittelalter vor allem als Zug- und Arbeitspferd für den Warenverkehr zwischen den italienischen Mittelmeer-Häfen und größeren Städten wie Salzburg oder München zum Einsatz kam. Geprägt durch die alpenländische Landschaft und die vorrangigen Klimaverhältnisse entwickelte sich zunehmend ein anpassungsfähiges und robustes Gebirgspferd mit typischem Kaltblutcharakter.

Gefestigt wurde die bis dato lediglich willkürlichen Einkreuzungen unterlegene Rasse durch das Engagement des Erzbistums Salzburg ab dem 16. Jahrhundert, in dessen Rahmen erstmals Körvorschriften erlassen und Beschälstationen gegründet wurden. Mit der Eröffnung eines Stutbuchs und dem Betrieb des erzbischöflichen Salzburger Gestüts Rief seit 1565 konnte die Zucht der Noriker Pferde in geregelte Bahnen gelenkt werden, zumal ebenso englische und belgische wie spanische und neapolitanische Deckhengste zur Veredelung der Noriker Verwendung fanden. Seit 1903 wird die Rasse im Zuge des eröffneten Zuchtbuches ausschließlich in Reinzucht gezüchtet und ist heute mit rund 4.600 eingetragenen Zuchtstuten sowie einer Population von insgesamt etwa 10.000 Norikern in ihrem Hauptzuchtgebiet Österreich, aber zum Teil auch in Bayern vertreten.

Zuchtmethodik & Veredelung

Maßgeblich für die heutige Zucht der Noriker ist die Arbeitsgemeinschaft der Norikerpferdezüchter in Österreich (ARGE). Als gemeinsamer Dachorganisation sind ihr acht Noriker-Landespferdezuchtverbände angeschlossen, wobei bis auf die Hauptstadt Wien alle österreichischen Bundesländer einen eigenen Verband stellen. Den Leitlinien des Ursprungszuchtbuches entsprechend, das aufgrund der Entwicklung der Rasse bis heute vom Landespferdezuchtverband Salzburg geführt wird, verfolgen alle Mitgliedsverbände dasselbe Zuchtprogramm. Grundsätzlich werden die Noriker Pferde in Reinzucht gezüchtet, wodurch die Zuchttiere keinen Fremdbluteinfluss aufweisen dürfen. Dementsprechend müssen in ihrer Ahnenreihe vier ausschließlich aus Norikern bestehende Vorgenerationen aufgeführt sein. Bei den Deckhengsten ist darüber hinaus die nachgewiesene Rückführung auf einen der fünf Hengste Vulkan, Nero, Diamant, Elmar oder Schaunitz unerlässlich.

Wie schwer kann ein Noriker werden?

Diese Rasse erreicht ein Gewicht von rund 700 bis 800 kg.

Noriker Verkaufspferde bei ehorses

Zuchtbücher/ Zuchtverbände

Prägend sind bei der Zucht  bis heute fünf, über Deckhengste gefestigte Blutlinien, darunter zum einen die Vulkan-Linie mit der größten Anzahl an Nachkommen. Zurückgehend auf den 1887 geborenen, braunfarbenen Hengst 13 Vulkan 635, stammt heute etwa die Hälfte aller Noriker aus dieser Hengstlinie. Während bei den Nachfahren des Vererbers Vulkan eher der schwere Wirtschaftstyp dominiert, geht die zweitgrößte Nero-Linie auf den Hengst 554 liz. Nero und den 1933 geborenen Fuchs 1378 Stoissen-Nero V/977 zurück, der mit seinem edleren Ausdruck bis heute das Zuchtziel des favorisierten Kaltblutadels verkörpert.

Da die Nero-Linie die Merkmale des zeitgemäßen Noriker-Typs trägt, konnte sie die Diamant-Linie seit den 1950er Jahren zunehmend verdrängen. Diese ist nach dem Hengst 216 Diamant 496 benannt, einem Urenkel des Linien-Begründers 367 Bravo149, und heute nur noch wenig verbreitet. Als vierte Linie präsentiert sich die Schaunitz-Linie, die sich bis auf den 1888 geborenen Tiroler Hengst Amor zurückverfolgen lässt und nach seinem Sohn 255 Schaunitz bezeichnet wurde. In den 1980er Jahren vorübergehend nur noch mit drei Deckhengsten vertreten, erfreut sich diese Linie der Noriker nicht zuletzt aufgrund des lebhaften Temperaments und ihres hervorragenden Gangvermögens inzwischen wieder größerer Beliebtheit.

Mit ihrem markanten Äußeren überzeugt hingegen die Elmar-Linie, die im Wesentlichen die Fellfärbung Tigerschecke hervorbringt und 1886 durch den Hengst 80 Arnulf 55 begründet wurde. Noriker aus dieser Linie sind mit Blick auf ihren Typ eher quadratisch geformt und von leichterem Kaliber, aber vergleichsweise selten und daher vielfach begehrt.

Noriker auf Weide

Mit ihrem markanten Äußeren überzeugt hingegen die Elmar-Linie, die im Wesentlichen die Fellfärbung Tigerschecke hervorbringt und 1886 durch den Hengst 80 Arnulf 55 begründet wurde.

Exterieur

Noriker Pferde sind mit einem Gewicht von etwa 700 bis 800 Kilogramm als mittelschweres Kaltblut einzustufen, zeichnen sich durch eine tiefe Schwerpunktlage aus und erreichen ein Stockmaß von rund 155 bis maximal 165 Zentimetern. Die entsprechend des Zuchtziels angestrebte Idealgröße liegt bei 158 bis 163 Zentimetern.

Ihr Kopf vom Typ eines adeligen Kaltbluts erscheint rassetypisch trocken und rustikal-elegant mit gutmütigen Augen, während der mittellange, kräftig ausgeprägte und gut bemuskelte Hals in eine schräge Vorhand mit ausreichender Brustbreite übergeht. Kompakt und länglich-rechteckig wirkend zeichnet sich der Körper durch eine tiefe Mittelhand mit einem elastischen Rücken sowie eine merkbar gespaltene und breite Kruppe aus. Abschließend präsentiert sich ein kräftiges Fundament mit gut ausgeprägten Muskeln und Gelenken einschließlich widerstandsfähiger Hufen.

Charakteristisch ist für Noriker nicht zuletzt die große Vielfalt an Fellfarben. Während Braune, Füchse und Rappen in unterschiedlich ausgeprägten Schattierungen am häufigsten vorkommen, setzen sich ebenso Platt- und Tigerschecken sowie Mohrenköpfe mit ihrer besonders aparten Optik in Szene. Als Besonderheit erweisen sich zudem die äußerst seltenen Weißgeborenen, die aus der Anpaarung von Tigerschecken hervorgehen können.

Noriker sind in ihrem Bewegungsablauf sehr trittsicher und zeichnen sich in besonderem Maße durch ihre ausgeprägte Wendigkeit, die hohe Taktsicherheit und den gleichmäßigen, schreitenden Schritt aus. Im Trab sitzen Reiter durch die energisch und schwungvoll ausgeführten, aber harmonischen Bewegungen komfortabel im Sattel, zumal der gute Gleichgewichtsinn der Noriker Pferde zusätzliche Sicherheit verleiht.

Wie groß ist ein Noriker?

Laut Zuchtprogramm erreicht eine Stute im Idealfall ein Stockmaß von 156 bis 162 cm. Hengste werden 158 bis 165 cm groß.

Beschreibung des Interieurs

Der Noriker gilt als anspruchsvolles und gehorsames Pferd, wodurch es sich als das ideale und zuverlässige Arbeitspferd zeigt. Er lernt gern und viel, scheint oftmals in sich zu ruhen und ist daher auch für Freizeitreiter interessant, die ein absolutes „Verlasspferd“ suchen. Ebenfalls ist der Noriker eine widerstandsfähige und robuste Rasse. Er verträgt nahezu jedes Wetter problemlos und fühlt sich im Offenstall oder bei einer ganzjährigen Weidehaltung besonders wohl.

Sind Noriker für Anfänger?

Der Noriker gilt als entspanntes Pferd, welches sich daher sehr gut für Anfänger eignet. Diese Rasse verzeiht kleine Fehler und ist daher ein unkomplizierter Begleiter.

Noriker im Video

Besonderheiten der Rasse

Noriker gelten grundsätzlich als sehr gesunde und langlebige Pferde. Hinsichtlich der Zuchttauglichkeit wird in besonderem Maße auf den Ausschluss der erblich bedingten Kniegelenksluxation, auch als Aushängen bezeichnet, sowie unter Umständen auftretende Hufanomalien Wert gelegt. Als Mängel gelten beim Noriker darüber hinaus Krankheiten wie das Sommerekzem, Kieferunregelmäßigkeiten, Kehlkopfpfeifen und die Mondblindheit.

Als sehr alte Kaltblutrasse haben Noriker auch die Entwicklung anderer Pferderassen beeinflusst. Aus ihnen hervorgegangen ist das bis heute verbreitete Süddeutsche Kaltblut und der Abtenauer als kleinerer Noriker-Typ, der heute jedoch nicht mehr als eigenständige Rasse vertreten ist.

Wie alt werden Noriker?

Noriker können ein Lebensalter von bis zu 20 Jahren erreichen.

Einsatzgebiete der Noriker

Der Noriker ist ein Allrounder. Dies wird deutlich, wenn man sich anschaut, wie er früher und heute eingesetzt wird. Einst war der Noriker ein zuverlässiges und schweres Kriegspferd. Er konnte auch schwere Reiter problemlos tragen und war durch seine Größe dennoch angenehm im Umgang. Durch seine Trittsicherheit, die er seinem Lebensumfeld in den Alpen zu verdanken hat, wurde er später als Pack- und Zugpferd eingesetzt. In der Landwirtschaft leistete diese Rasse so lange ihre Dienste, bis sie von Maschinen abgelöst wurde. Dies ist jedoch nicht überall so. Vor allem in sehr unebenem Gelände werden Pferde weiterhin gern zur Unterstützung eingesetzt. Dies ist bis heute der Fall und dennoch sind die Noriker heute vor allem für den Freizeit-Reitsport beliebt.

Ist der Noriker ein Gewichtsträger?

Grundsätzlich ist bei einem Pferd der Ausbildungsstand bzw. der Aufbau der Muskulatur ein wichtiges Kriterium, um überhaupt ein Reitergewicht problemlos über längere Zeit tragen zu können. Noriker sind dann aber durchaus in der Lage, auch schwere Reiter mit beispielsweise 100 kg mühelos zu tragen.

Die Norikerzucht und der Gen-Deffekt

Wer sich mit der Norikerzucht ein wenig auseinandersetzt, wird schnell auf PSSM/1 stoßen. PSSM steht für Polysaccharid-Speicher-Myopathie. Dies ist – einfach ausgedrückt – eine Kohlenhydrat-Stoffwechsel-Störung, welche dazu führt, dass die Tiere trotz ausreichendem Futter abgemagert sind, Hufrehe oder Cushing entwickeln. Die Symptome ähneln dem eines Kreuzverschlags. Einige Tiere in der Zucht werden deshalb aussortiert, um den Gen-Deffekt nicht weiter zu vererben. Leider muss dazu gesagt werden, dass dies nur auf die Hengste zutrifft, die Doppelträger des Gen-Deffekts sind. Der Hintergrund ist, dass wenn auch alle entsprechenden Stuten aussortiert werden würden, bestimmte Blutlinien im Laufe der Jahre verloren gehen würden. Somit wird der Gen-Deffekt weiterhin in der Noriker-Rasse vertreten bleiben.

Offenstallhaltung ist für Noriker ideal

Der Noriker ist ein Pferd, welches schnell an Gewicht zunimmt, wenn es zu wenig Bewegung bekommt. Eine entsprechende Haltung mit viel Bewegung und passender Fütterung ist für diese Rasse daher ideal. Da sie als sehr robust gelten, haben sie auch mit schwierigen Witterungsverhältnissen keine Probleme, sofern ein passender Unterstand vorhanden ist. Regelmäßiger Weidegang gehört ebenfalls dazu, wenn man ein entspanntes Pferd erleben möchte, sofern die restliche Fütterung an die Grasaufnahme angepasst ist.

Bekannte Pferde der Rasse (im Sport, in Film/Fernsehen)

Der Noriker ist nicht nur durch sein nervenstarkes und zuverlässiges Wesen das ideale Pferd für Film und Fernsehen. Auch optisch überzeugen diese Pferde. Die Geschichte der Noriker wird auch in der Dokumentation „Hoagascht – Rappen, Füchse, Tigerschecken“ präsentiert und zeigt diese Rasse sowohl bei der Unterstützung im Almauftrieb als auch vor der Kutsche. Eine weitere Dokumentation über den Noriker kann man sich mit „Unter unserem Himmel: Arbeitsrösser – die Noriker“ anschauen.

Zuletzt ist der Noriker auch auf der echten Showbühne zu finden. In der Pferdeshow „Apassionata“ begeistert er durch seine Zuverlässigkeit als auch seine Gelehrigkeit.

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