Startseite » Brandzeichen beim Pferd

Brandzeichen beim Pferd

von Michelle Holtmeyer
0 Kommentar

Die Tradition der Brandzeichnung bei Fohlen ist schon lange ein umstrittenes Thema. Ein Brandzeichen beim Pferd ist eine Kennzeichnung, die durch ein erhitztes Brandeisen in die Haut eingebrannt wird. Alternativ kann ein Kaltbrand mithilfe eines auf minus 80 Grad Celsius temperierten Stempels erfolgen. Ob Die Kennzeichnung mittel Brandzeichen beim Pferd noch erlaubt ist und welche Alternativen es gibt, erfährst Du in diesem Artikel.

Das Brandzeichen beim Pferd – lange Tradition und Kontroverse zugleich

Das Brandzeichen beim Pferd hat als Kennzeichnungsmethode eine lange Tradition und wird von allen Zuchtverbänden eingesetzt, um das Zuchtgebiet des Pferdes zu markieren. Unabhängig davon, ob das Pferd im Pferdesport oder nur für die Zucht verwendet wird, erhält es als Fohlen ein solches Zeichen. Schon lange bevor es überhaupt Stutbücher oder Zuchtregister als amtliche Dokumente gab, war es üblich, die Rassezugehörigkeit oder den Eigentümer eines Pferdes auf diese Weise zu verdeutlichen. So war die Brandmethode schon bei den Sumerern eine bewährte Technik, um die Identifizierung von gestohlenen Pferden zu ermöglichen.

Auch im Mittelalter war das Brandzeichen Gang und Gebe; bei Fälschungen wurde sogar die Todesstrafe verhängt. Als hilfreich erwies sich diese Methode sehr oft, denn nicht immer war es aufgrund des individuellen Aussehens des Pferdes möglich, es eindeutig zu identifizieren. Hinzu kam der Umstand, dass viele Pferdebesitzer nicht schreiben oder lesen konnten und schon deshalb ein eindeutiges Erkennungsmerkmal benötigten.

Zum Einbrennen des Brandzeichens wird ein Brandeisen verwendet, das derart hoch erhitzt wird, dass es die Haut bei Berührung verbrennt. An dieser Stelle bildet sich ein Narbengewebe aus, sodass kein Fell mehr wächst und die Kennzeichnung dauerhaft bestehen bleibt.

Warum haben Pferde Brandzeichen? 

Pferde können durch ein Brandzeichen ein Leben lang identifiziert werden. Es wird unwiderruflich gesetzt, ist somit dauerhaft sichtbar sowie fälschungssicher. Da es keine internationale Gen-Datenbank gibt und bei dem Auslesen der Transponder immer wieder Fehler sowie Betrug auftreten, lässt sich ein Pferd nur mit einem Schenkelbrand problemlos zu jeder Zeit zurückverfolgen.

Warum werden Pferde mit einem Brandzeichen gekennzeichnet?

Ein Brandzeichen dient insbesondere bei Pferden, aber auch bei Rindern dazu, die Zugehörigkeit zu einer Rasse zu kennzeichnen. Es handelt sich also um eine Markierung, die für jeden Betrachter direkt erkennbar macht, um welche Pferderasse es sich handelt und zu welchem Zuchtgebiet das Pferd gehört.

Die Pferdezuchtverbände haben daher zur Unterscheidung jeweils ein eigenes Brandzeichen, das oftmals wappenähnlich aussieht und im Zuchtprogramm festgeschrieben ist. Wer also ein Pferd kaufen möchte, sich für eine Reitbeteiligung interessiert oder Pferde beispielsweise bei einer Stutenleistungsprüfung zuschaut, kann direkt erkennen, um welche Rasse es sich handelt.

Ist das Kennzeichnen mittels Brandzeichen beim Pferd noch erlaubt?

Seit dem 01. Januar 2019 sind Brandzeichen verboten, da sie inzwischen als für die Pferde vermeidbaren Schmerz gelten. Laut Tierschutzgesetz darf die Kennzeichnung nur noch unter lokaler Betäubung durchgeführt werden. Da jedoch für Pferde kein entsprechendes Anästhetikum zugelassen ist, gilt de facto ein Heißbrandverbot. Mit diesem Stichtag kann kein Zuchtverband mehr einen Heißbrand setzen, ohne sich laut Tierschutzgesetz strafbar zu machen.

Unter welchen Voraussetzungen ist es erlaubt?

Von diesem Verbot ausgenommen sind adäquate Betäubungsmittel die zur äußeren Anwendung bestimmt sind und auch ohne tierärztliche Aufsicht verwendet werden dürfen. So könnte die Kennzeichnungsmethode rechtlich sogar ohne die Anwesenheit eines Veterinärs durchgeführt werden. Nichtsdestotrotz  ist ein solches lokal anästhetisches Präparat, das für Pferde und zum Zweck des Aufbringens auf die Haut zugelassen ist, bisher nicht verfügbar.

Deutsche Tierhalter, Tierzüchter und deren Interessengemeinschaften und Verbände hatten fünf Jahre Zeit, nach einer Lösung zu suchen – zwar wurde es in Zusammenarbeit mit Pharmaherstellern versucht, jedoch bis jetzt erfolglos.

Wer hat sich für das Verbot eingesetzt?

„Mit der neuen EU-Verordnung haben die Brandzeichen ihren Zweck verloren und damit muss die Ausnahmeregelung im Deutschen Tierschutzgesetz aufgehoben werden. Schließlich fügt man dem Fohlen durch das Brennen grundlos Schmerzen zu“ so der Präsident der Bundestierärztekammer, Prof. Mantel.

Brandzeichen beim Pferd

Zum Einbrennen des Brandzeichens wird ein Brandeisen verwendet, das derart hoch erhitzt wird, dass es die Haut bei Berührung verbrennt.

Wie wird das Brandzeichen beim Pferd eingebrannt?

Zum Einbrennen des Brandzeichens wird ein Brandeisen verwendet, das derart hoch erhitzt wird, dass es die Haut bei Berührung verbrennt. An dieser Stelle bildet sich ein Narbengewebe aus, sodass kein Fell mehr wächst und die Kennzeichnung dauerhaft bestehen bleibt. Als Alternative zu diesem Heißbrand kann auch ein Kaltbrand infrage kommen.

In diesem Fall wird das Eisen mithilfe von flüssigem Stickstoff auf eine Minustemperatur von 80 Grad heruntergekühlt. Bei Berührung mit der Haut werden die Pigment bildenden Zellen der oberen Hautschicht zerstört. Dadurch kann an dieser Stelle nur noch ungefärbtes, also weißes Fell nachwachsen, das als Brandzeichen erhalten bleibt. Am häufigsten wird aber nach wie vor der Heißbrand angewendet.

Welche Arten von Brandzeichen gibt es?

Der Rassebrand der verschiedenen Pferdezuchtverbände wird meist durch einen Nummernbrand ergänzt, um die Identifikation des Pferdes noch einfacher zu machen. Darüber hinaus sind Eintragungsbrände üblich, die beispielsweise bei der Stutenleistungsprüfung oder bei der Eintragung in das Zuchtregister durchgeführt werden und im Zuchtprogramm vorgeschrieben sind.

Ebenso möglich sind Gestütsbrandzeichen, die auf die Gestütsherkunft des Pferdes hinweisen, oder Züchterbrandzeichen, bei denen alle Pferde eines Züchters mit demselben Zeichen markiert werden. Beim Rassebrand wird das Brandzeichen in der Regel auf der linken Hinterhand des Pferdes eingebrannt. Beim Gestütsbrand ist hingegen die rechte Hinterhand üblich, beim Eintragungsbrand die Seite des Halses sowie bei Nummernbänden die Sattellage.

Wer macht das Brandzeichen beim Pferd?

Das Brandzeichen wird den Fohlen von den Zuchtverbänden bei einer offiziellen Sichtung gesetzt.

Alternativen zu Brandzeichen beim Pferd

Als Alternative zu diesem Heißbrand kann auch ein Kaltbrand infrage kommen. In diesem Fall wird das Eisen mithilfe von flüssigem Stickstoff auf eine Temperatur von minus 80 Grad runtergekühlt und dann auf die zuvor geschorene Haut aufgedrückt. Dieses Verfahren zerstört die Pigmente in den Haarwurzeln und sorgt dafür, dass die Haare an dieser Stelle nur noch weiß nachwachsen.

Da das Brandzeichen somit bei Schimmeln praktisch unsichtbar wäre, wird hier das Eisen länger aufgedrückt, sodass schließlich gar keine Haare mehr nachwachsen. Der Vorgang ist völlig schmerzfrei. Aus diesem Grund wird in den Niederlanden sogar überlegt, nur noch den Kaltbrand zuzulassen und ebenfalls ein Importverbot für heißgebrannte Pferde auszusprechen.

Beispielsweise häufig wird der Kaltbrand bei Trabern in Dänemark eingesetzt, da Vollblüter und Traber grundsätzlich nicht heiß gebrannt werden. Populär ist diese Methode ebenfalls in Großbritannien, Australien und Neuseeland. Hierzulande ist der Kaltbrand mittlerweile auch auf dem Vormarsch. Am häufigsten wird aber nach wie vor der Heißbrand angewendet.

2009 trat das Gesetz zur Kennzeichnung von Pferden in Kraft, nach der EU-weit grundsätzlich alle neugeborenen Fohlen mit einem Transponder gekennzeichnet werden müssen. Diese Mikrochips sind reiskorngroße Röhrchen, die mit einer Nadel unter die Haut des Pferdes gesetzt werden. Jeder Transponder hat einen 15-stelligen Code, der mit einem speziellen Lesegerät gescannt werden kann. Mit diesem Code kann der Besitzer ermittelt werden, der ebenfalls einen zusätzlichen Pass erhält, in dem die Codenummer eingetragen wird. Seit dem Fohlenjahrgang 2010 ist der Heißbrand somit gänzlich überflüssig geworden. Trotz dessen wurde diese Tradition von den Pferdezuchtverbänden als Markenwerbung bis zum offiziellen Verbot weiter durchgeführt.

Brandzeichen bei einem Pferd

Fohlen erleiden beim Brennen mit dem verbandseigenen Markenzeichen eine hochgradige Verbrennung, die unter Bildung einer Narbe abheilt.

Mindestens genauso umstritten wie der Heißbrand selbst sind jedoch auch seine Alternativen. Einerseits wird befürchtet, dass dem Pferd mit dem glühenden Brandeisen zu starke Schmerzen zugefügt werden, andererseits wird über die richtige Möglichkeit einer dauerhaften und fälschungssicheren Kennzeichnung diskutiert. Hierbei gehen die Meinungen stark auseinander.

Eine weitere Methode, die ebenfalls vermehrt in Großbritannien angewandt wird, ist der Hufbrand. Hier wird die Postleitzahl des Ortes, wo das Pferd untergestellt ist, vom Schmied in die Hufe des Pferdes gebrannt. Diese Verfahrensweise muss allerdings aufgrund des stetigen Hufwachstums zwei- bis dreimal im Jahr erneuert werden.

Dem hingegen müssen Lippentätowierungen nur alle vier bis fünf Jahre erneuert werden, da diese sich an der Innenseite der Oberlippe befinden und somit schneller verblassen als die herkömmlichen Tattoos, die man beim Menschen kennt. Besonders in den USA wird diese Methode zur Kennzeichnung von Trabern und Vollblütern häufig angewandt.

Letztlich steht Besitzern jedoch auch die Möglichkeit frei, das Pferd anhand von Signalelementen identifizierbar zu machen. Das Signalelement eines Pferdes beschreibt, wie das Pferd aussieht. Hierbei werden die Fellfarbe, Mähnen- und Schweiffarbe, das Aussehen der Hufe, jegliche Abzeichen sowie Wirbel, Narben und andere Besonderheiten beschrieben und in einem Diagramm erfasst. Für offizielle Dokumente wie den Pferdepass oder Zuchtregister ist es erforderlich, dass diese Identifizierung von einem Tierarzt oder Zuchtwart vorgenommen wird. Ebenfalls empfehlenswert ist es, dass Pferd jeweils mit Sommer- und Winterfell von allen Seiten zu fotografieren.

Sind Brandzeichen beim Pferd verboten?

Seit Januar 2019 darf laut Tierschutzgesetz der Schenkelbrand nur noch mit Betäubung durchgeführt werden. Da jedoch derzeit kein adäquates Betäubungsmittel für Pferde zugelassen ist, besteht aktuell ein Brandzeichenverbot.

Wie beeinflusst das Pferd das Brandzeichen wirklich?

Fohlen erleiden beim Brennen mit dem verbandseigenen Markenzeichen eine hochgradige Verbrennung, die unter Bildung einer Narbe abheilt. So haben die Pferde in diesem Moment starke Schmerzen. Hinzukommt der hochgradige Stress in der akuten Situation sowie eine, durch die Verbrennungswunde und einen allgemeinen Anstieg der Hauttemperatur an der Oberfläche hervorgerufene, deutliche Schädigung des Gewebes. Tierschützer und Teile der Veterinäre führen auf, dass der Schenkelbrand bei Fohlen Verbrennungen dritten Grades verursacht. Die Jungtiere zeigten oft wochenlang Schmerzsymptome und seien nach der Verletzung durch den Heißbrand oft verstört, ihr Saug- und Spielverhalten sei beeinträchtigt.

Bei unsachgemäßer Handhabung kann es zusätzlich zu Folgeschäden wie Narben, Entzündungen und Nässungen kommen.

Brandzeichen nach Zuchtgebieten

Der Rassebrand der verschiedenen Pferdezuchtverbände wird meist durch einen Nummernbrand ergänzt, um die Identifikation des Pferdes noch einfacher zu machen. Darüber hinaus sind Eintragungsbrände üblich, die beispielsweise bei der Stutenleistungsprüfung oder bei der Eintragung in das Zuchtregister durchgeführt werden und im Zuchtprogramm vorgeschrieben sind.

Ebenso möglich sind Gestütsbrandzeichen, die auf die Gestütsherkunft des Pferdes hinweisen, oder Züchterbrandzeichen, bei denen alle Pferde eines Züchters mit demselben Zeichen markiert werden. Beim Rassebrand wird das Brandzeichen in der Regel auf der linken Hinterhand des Pferdes eingebrannt. Beim Gestütsbrand ist hingegen die rechte Hinterhand üblich, beim Eintragungsbrand die Seite des Halses sowie bei Nummernbänden die Sattellage.

Fast alle reinrassigen Pferde aus den verschiedenen Zuchtgebieten (Holstein, Trakehner-Zuchtverband, Westfalen etc.) erhielten bis Ende 2018 ein Brandzeichen. Anhand des Schenkelbrandes lässt sich so auf einen Blick das Zuchtgebiet des Pferdes erkennen. Dabei unterscheidet man zwischen Warmblut Brandzeichen und Pony Brandzeichen in Deutschland. Bei der Araber-Zucht gibt es noch einmal spezielle Brandzeichen der unterschiedlichen Zuchtgebiete.

Was bedeutet die Nummer unter dem Brandzeichen?

Der Brand dient als Kennzeichnung, dass das Pferd in ein rasseneigenes Zuchtbuchregister eingetragen wurde oder es dokumentiert das Gestüt oder den Besitzer, wenn diese ein eigenes eingetragenes Brandzeichen besitzen. In den deutschen Landespferdezuchten bekommen Pferde zum Zuchtgebietsbrand auch die letzten zwei Ziffern ihrer Lebensnummer aufgebrannt, um eine noch bessere Identifikation zu ermöglichen.

Argumente für und gegen das Brandzeichen beim Pferd

Argumente gegen das Brandzeichen:

  • Verursachung von starken Verbrennungen, nicht mit Tierschutz vereinbar
  • schmerzhafter als Implantation eines Chips
  • Schmerzsymptome
  • Verstörtheit und beeinträchtigtes Saug- und Spielverhalten
  • Brand ist fehlerbehaftet; Zeichen eventuell nicht gut lesbar

Argumente für das Brandzeichen:

  • Fohlen erholt sich nach kurzem Schreck direkt
  • Haut evolutionsbedingt auf Verletzungen vorbereitet
  • Auswirkungen des Chips auf Gesundheit und Psyche des Pferdes unbekannt
  • Implantation kann zu Komplikationen, Entzündungen etc. führen (auch durch ein Wandern)
  • Schenkelbrand ist sicher und unverwechselbar, für jeden direkt erkennbar mit bloßem Auge
  • Brandzeichen dient auch als Markenzeichen für Pferde aus Deutschland
  • Transponder hat Ausfallraten
  • Schenkelbrand verursacht keine anhaltenden Schmerzen
  • Bundesrat hat im Zuge der Viehverkehrsordnung bereits beschlossen, sich gegen die Transponder-Kennzeichnung von Ziegen und Schafen einzusetzen

Ähnliche Beiträge