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Kleinpferde und Ponys

von Michelle Breitenfeld
Veröffentlicht: Letztes Update am

Das Gegenstück zu den Großpferden sind Kleinpferde oder Ponys. Dazu gehören grundsätzlich alle Pferderassen, die kleiner als 148 Zentimeter sind (mit Ausnahmen, auf die ich weiter unten eingehe). Ein Pony ist nicht nur für Kinder ein toller Begleiter, sondern können in der Regel auch getrost Erwachsene tragen. Die Begriffe “Kleinpferd” und “Pony” werden unterschiedlich verwendet und leider werden die Begriffe in anderen Ländern nicht immer identisch verwendet. In Deutschland ist grundsätzlich jedes Pferd, das kleiner als 148 cm End-Stockmaß ist, ein Pony. Über dieser magischen Grenze, gilt es als Pferd.

Hanka Manheller im Portrait - Rechtsanwältin für Pferderecht

Experten-Tipp

Hanka Manheller

Rechtsanwältin für Pferderecht

Die seit 2007 zugelassene Rechtsanwältin mit Sitz im Landkreis München ist bundesweit tätig und assoziiertes Mitglied der EuDequi®. Als langjährige Pferdehalterin verbindet sie fundierte juristische Expertise mit tiefem praktischem Verständnis für die Anliegen ihrer Mandant*innen.

Pony – nur ein zu klein geratenes Pferd oder steckt da mehr dahinter?

Pony oder Pferd? Auf die Größe kommt es an! Tatsächlich?

Grundsätzlich erstmal ja. Bis zu einem Stockmaß von 148 cm gilt das Tier in Deutschland grundsätzlich als Pony, darüber als Pferd. Es gibt im Sprachgebrauch (meistens beeinflusst durch Zuchttradition und landestypische Abweichungen) jedoch rassetypische Ausnahmen.

So werden beispielsweise Isländer, Lewitzer und Haflinger in der Regel als Pferde bezeichnet, obwohl ihr Stockmaß meistens unter der magischen Schwelle von 148 cm liegt. Extremstes Beispiel ist sicherlich das American Miniature Horse, dessen Stockmaß häufig unter 97 cm liegt, das aber dennoch ebenfalls als Pferd gilt.

Andersherum gibt es Ponyrassen, die bis an die Grenze des 148 cm Stockmaßes herankommen oder in Ausnahmen sogar (knapp) darüber liegen und dennoch als Ponys gelten. Dies ist besonders bei den Deutschen Reitponys, Connemaras oder Welsh (Cobs) der Fall.

Das in Deutschland verwendete Grenzmaß von 148 cm zum Pony ist allerdings auch nicht weltweit einheitlich! Hier kann es zu unterschiedlichen Bewertungen und damit Bezeichnungen kommen.

Was ist das „Stockmaß“ und wo wird es gemessen?

Das Stockmaß wird vom Boden bis zum höchsten Punkt des Widerristes (höchste Stelle am Rücken vor Beginn des Halses) gemessen, für Hufeisen wird in der Regel 1 cm abgezogen.

Die Messung erfolgt üblicherweise mit Hilfe eines speziellen Messstabes, der senkrecht neben das Pferd gestellt, und ein beweglicher Arm im 90°-Winkel so weit nach unten geschoben wird, dass er auf dem Widerrist aufliegt. Die Höhe wird dann auf der Skala abgelesen.

Das Messen sollte auf einem ebenen Untergrund erfolgen, wobei das Pferd möglichst ruhig und mit den Vorder- und Hinterbeinen auf gleicher Höhe stehen sollte, damit das Ergebnis nicht verfälscht wird. Hufeisen können das Stockmaß um etwa 1 cm erhöhen, was bei der Messung zu berücksichtigen ist.

Nach der offiziellen Messung bei einem anerkannten Messtermin wird die Messbescheinigung von der Landeskommission oder dem zuständigen Verband ausgestellt und im Pferdepass / Equidenpass des Ponys eingetragen.

Woraus ergibt sich die Pflicht zur Messung und Messbescheinigung?

Die Pflicht zur Messung und Ausstellung von Messbescheinigungen für Ponys, die an nationalen und internationalen Turnieren teilnehmen, ist in den Regelwerken der FN (z.B. Leistungsprüfungsordnung LPO) und den Richtlinien der Landeskommissionen für Pferdeleistungsprüfungen verankert.

Ponys mit einem Stockmaß von 142 cm oder mehr (sogenannte „G-Ponys“), die in Deutschland an Turnieren teilnehmen möchten, müssen bis zu einem Alter von 7 Jahren jährlich neu vermessen werden. Diese Messung ist beispielsweise für die Fortschreibung der Turniereintragung bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) erforderlich. Nach Vollendung des 7. Lebensjahres entfällt grundsätzlich die Pflicht zur Wiederholmessung, und das Pony erhält eine dauerhafte Messbescheinigung.

Seit dem 1. Januar 2023 benötigen ALLE Ponys für den internationalen Turnierstart eine sogenannte FEI-Messbescheinigung. Hier gelten Messpflichten sogar bis zum 8. Lebensjahr. Danach erhalten sie dann aber ebenfalls ein sogenanntes “Lifetime Certificate”, das weitere Messungen überflüssig macht. Bei Zweifeln und / oder Auffälligkeiten kann jedoch eine Nachmessung durch offizielle FEI-Tierärzte einmal jährlich angeordnet werden.

Wo spielt es beim Turniersport eine entscheidende Rolle, ob das startende Tier Pferd oder Pony ist?

Der sogenannte Ponyausgleich im Turniersport ist eine Regelung, die insbesondere in Springprüfungen der Klassen E bis M angewendet wird, um Ponys gegenüber Pferden bei Wettbewerben gerechter zu behandeln.

Der Ponyausgleich wird in der Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) formal geregelt.

Hiernach kann in Springprüfungen ein Ponyausgleich beantragt werden, der insbesondere bei Kombinationen zu einer Verkürzung der Distanzen führt, um den kürzeren Galoppsprüngen und der Wendigkeit von Ponys gerecht zu werden. Die Höhen der Hindernisse bleiben dabei jedoch unverändert.

Bei Anwendung eines Ponyausgleiches werden die Ponyreiter üblicherweise in einer eigenen Gruppe (meist ganz am Anfang oder am Ende des Starterfelds) gewertet, nehmen aber an derselben Platzierungsliste teil wie Großpferde.

Der Ponyausgleich soll helfen, die unterschiedlichen Galopplängen und Bewegungsabläufe von Ponys auszugleichen, da Ponys meist kleiner und wendiger sind als Pferde. Diese Regelung wird in der Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) der Deutschen Reiterlichen Vereinigung empfohlen, um den Ponysport zu fördern und die Wettbewerbsbedingungen fairer zu gestalten.

Eigene Ponywettbewerbe?

Neben dem bereits beschriebenen Ponyausgleich gibt es auch Prüfungen, die ausschließlich auf Ponys ausgerichtet sind. Die sogenannten Ponywettbewerbe. Wer sich also (trotz Ponyausgleiches) nicht mit „den Großen“ messen lassen will, kann diese ins Auge fassen.

Bei Ponywettbewerben in Deutschland müssen sowohl Reiter als auch Pony und auch die Ausrüstung bestimmte Vorschriften der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und der jeweiligen Landeskommission erfüllen.

Neben den allgemeinen Anforderungen für die Starterlaubnis bei einem Turnier in Deutschland (auf die ich an anderer Stelle eingehe), muss das Pony die Kriterien als solches erfüllen (hier Stockmaß entscheidend) und in der Regel

muss der Reiter U16 (Altersgrenze) sein. In Prüfungen, an denen Personen über 16 Jahren teilnehmen dürfen, starten in der Regel wiederum Ponys und Pferde in demselben Wettbewerb. Zudem muss die Ausrüstung der entsprechenden Prüfungsart entsprechen (hier wird zum Beispiel in der Regel unterschieden nach Führzügel, Reiter-, Spring- oder Dressurwettbewerben).

Die genauen Bestimmungen ergeben sich stets aus der aktuellen LPO/WBO und der jeweiligen Turnierausschreibung im Einzelfall.

Exterieur eines Ponys

Es gibt unterschiedliche Typen bei den Kleinpferden, die sich im Körperbau sehr unterscheiden.

Viele Ponys oder Kleinpferde sind kräftig gebaut und haben kräftige Beine mit starken Gelenken. Zudem haben sie kleine, aber harte, widerstandfähige Hufe. Der Kopf der kleinen Pferde ist ebenfalls klein und hat große Nüstern. Weiterhin haben sie kleine Ohren und ein dichtes, manchmal welliges Langhaar. Typisch für Ponys ist die voll Behaarung der Schweifrübe. Ponyrassen sind in der Regel leichtfuttrig, haben einen starken Charakter und sind selbstbewusst. Zu diesem Ponytyp gehören beispielsweise das Shetland Pony das Dartmoor Pony oder auch die Kleinpferderasse Islandpferd.

 

Pony Schimmel

 

 

 

 

 

Andere Pferde gehören andererseits zu den sogenannten Sportponys, die Warmblutrassen sehr ähneln. Sie wirken eher wie eine Miniaturausführung und laufen auch auf Turnieren. Sie sind talentiert im Springen oder erlernen bis zu hohen Lektionen der Dressur. Ein solches Pony ist allerdings viel leichter gebaut und kann Erwachsene nur bedingt tragen. Lediglich Kinder, Jugendliche und sehr zierliche Erwachsene können die kleinen Sportpferde reiten. Typische Rassen, die zu diesem Typ gehören sind das Deutsche Reitpony, das Welsh Pony oder das Connemara-Pony.

Verwendung von Ponys und Kleinpferden

In erster Linie sind diese Tiere Freizeitpferde oder sind verlässliche Pferde für Reitschulen. Besonders beliebt sind Deutsche Reitpony oder Haflinger sowie Isländer, die ohne Probleme erwachsene Reiter tragen können. Kleinpferde sind für Anfänger besser geeignet, da sie oft bequemer zu sitzen sind.

In Deutschland werden außerdem in vielen Regionen Ponys gezüchtet. Jede Stute und jeder Hengst legen, ebenso wie Großpferde, Eignungs- und Leistungsprüfungen ab. Je nach Abstammung werden die Fohlen für einen hohen Betrag verkauft. Besonders Sportponys, die FEI-Standards erfüllen sind bei jugendlichen, ambitionierten Reitern sehr beliebt.

Rassetypische Ausnahmen:

Es gibt im Sprachgebrauch (meistens beeinflusst durch Zuchttradition und landestypische Abweichungen) jedoch rassetypische Ausnahmen, wo es für die Bezeichnung als Pony oder Pferd nicht alleine auf das Stockmaß ankommt:

So werden beispielsweise Isländer, Lewitzer und Haflinger in der Regel als Pferde bezeichnet, obwohl ihr Stockmaß meistens unter der magischen Schwelle von 148 cm liegt. Extremstes Beispiel ist sicherlich das American Miniature Horse, dessen Stockmaß häufig unter 97 cm liegt, das aber dennoch ebenfalls als Pferd gilt.

Andersherum gibt es Ponyrassen, die bis an die Grenze des 148 cm Stockmaßes herankommen oder in Ausnahmen sogar (knapp) darüber liegen und dennoch als Ponys gelten. Dies ist besonders bei den Deutschen Reitponys, Connemaras oder Welsh (Cobs) der Fall.

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