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Paint Horse

von Frederieke Wenning
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ehorses Trainingstagebuch

Das Paint Horse ist eine amerikanische Pferderasse, die aus den USA stammt und weltweit verbreitet ist. Das Markenzeichen der bis 160 Zentimeter großen Pferde ist ihre auffällige Scheckung, die sie besonders ansprechend erscheinen lässt und sich mit großflächigen weißen Zeichnungen als Tobiano-, Sabino- oder Overo-Scheckung zeigt. Bekannt ist die Rasse vor allem als Westernpferd, aber auch darüber hinaus lassen sich die umgänglichen und ausgeglichenen Pferde ideal als Familien- und Reitpferd in allen Disziplinen des Freizeitreitens einsetzen. 

Zuchtgeschichte und Ursprung des Paint Horse

Bei Betrachtung der Zuchtgeschichte fällt schnell ins Auge, dass Paint Horses im Grund genommen American Quarter Horses mit geschecktem Fell sind. Sie gehen in ihrem Zuchtursprung auf diese Rasse zurück und haben sich dann später, etwa ab dem 18. Jahrhundert, aufgrund der besonderen Scheckung als eigenständiger Pferdetyp herausgebildet. Hieraus entwickelte sich eine separate und anerkannte Pferderasse, die zwar ursprünglich auf das Quarter Horse zurückgeht, aber inzwischen von einem eigenen Zuchtverband betreut und unter entsprechend festgelegten Zuchtbestimmungen gezüchtet wird. Folglich entstand das Paint Horse wie das Quarter Horse im Laufe des 18. Jahrhunderts durch die Kreuzung von verschiedenen Pferderassen, die aus Europa importiert beziehungsweise bei der Besiedelung Amerikas aus Europa mitgebracht wurden. Hierzu zählten vor allem Araber, Berber und Andalusier, aber auch das Englische Vollblut und irische Ponys. Durch Selektion, Weiterzucht und Veredelung dieser Rassen entwickelte sich schließlich das Quarter Horse, das auf den amerikanischen Ranchen als Arbeits- und Reitpferd eingesetzt wurde. Im Jahr 1962 wurde der amerikanische Zuchtverband, die American Paint Horse Association (APHA), gegründet, die bis heute für die Zucht der Rasse verantwortlich ist. In Deutschland wird die Rasse unter anderem vom Bayerischen Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialpferderassen e.V. betreut. Außerdem gibt es seit 1983 den Paint Horse Club Germany e.V. (PHCG), eine durch den amerikanischen Zuchtverband anerkannte Regionalvereinigung.

Was ist der Unterschied zwischen Quarter Horse und Paint Horse?

Im Wesentlichen unterscheidet das Quarter Horse und das Paint Horse ihre Fellfärbung. Paint Horses treten als Schecken in allen Variationen auf, wohingegen Quarter Horses einfarbig sind.

Herkunft/Ursprung der Pferderasse (Solid Paint Bred)

Neben den herkömmlichen, bunt gescheckten Paint Horses, gibt es noch die sogenannten Solid Paint Breds (ehemals Breeding Stock). Bei den Solid Paint Breds handelt es sich um einfarbige Paint Horses. Da in ihren Genen die typische Paint Horse Scheckung angelegt, jedoch nicht hervorgekommen ist, werden die SPBs nicht, wie man vielleicht annehmen könnte, als Quarter Horses eingetragen, sondern bekommen in ihren Papieren den Vermerk „Solid Paint Bred“. Somit ist für jeden ersichtlich, dass die Scheckung des Paints in den Genen des jeweiligen Pferdes vorhanden ist und bei weiterer Zucht wieder zum Vorschein kommen kann. Da man dies in der Quarter Horse Zucht vermeiden möchte, können die einfarbigen Paint Horses nicht einfach als Quarter Horse eingetragen werden.

Solid Paint Breds dürfen zudem nur in speziellen SPB-Klassen auf Turnieren starten. Häufig werden Solid Paint Breds günstiger verkauft, als „reguläre“, sprich bunte Paint Horses. Sie können jedoch trotz fehlender Farbe wunderbare Farbvererber sein und sollten deshalb nicht lediglich aufgrund der fehlenden Scheckung für die Zucht ausgeschlossen werden.

Wie schwer ist ein Paint Horse?

Je nach Stockmaß und Körperbau bringt ein Paint Horse zwischen 450 kg und 600 kg auf die Waage.

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Das Paint Horse und sein Exterieur – gescheckte Pferde mit eher quadratischem Gebäude

Das Paint Horse erreicht ein Stockmaß von etwa 148 bis 160 Zentimetern und zeichnet sich durch ein eher quadratisches Gebäude aus. Der kurze und keilförmige Kopf verfügt über eine feste, kleine Maulpartie, große und freundliche Augen sowie starke Ganaschen mit hoher Ganaschenfreiheit. Kennzeichnend sind außerdem fein geformte und kleine Ohren sowie eine breite Stirn. Der Hals zeigt sich mit einer ausreichenden Länge, beweglich und leicht im Genickansatz, während sich der übrige Körper dem Quadrattyp annähert. Die schrägen, langen Schultern gehen in einen kurzen Rücken mit gut ausgeprägtem und nicht zu hohem Widerrist über. Dieser reicht weit in den Rücken hinein. Erwünscht sind nicht zuletzt eine ausreichende Brustbreite, eine lange Kruppe und eine starke Bemuskelung, die vor allem an der Hinterhand ausgeprägt sein soll. Das Fundament soll korrekt und trocken erscheinen und sich durch kurze Röhrbeine, harte Hufen und nicht zu klein geratene Gelenke auszeichnen.

Die Fellfärbung ist beim Paint Horse besonders markant, denn rassetypisch sind die Pferde Schecken in allen Varianten von Mustern der Tobiano- und Overoscheckung sowie deren Mischungen, mit Ausnahme von Albinos, die sich nicht herausbilden. Mitunter kann eine einfarbige Ausbildung des Musters vorkommen, meist treten aber drei verschiedene Zeichnungsvarianten auf. Entsprechend der Ausprägung der weißfarbenen Scheckung wird in Tobiano, Overo und Sabino unterschieden. Möglich sind ebenso Kombinationen der drei Varianten. Typisch für den Tobiano ist eine Scheckung, die am Kopf nur wenig ausgeprägt ist, während die Rückenlinie und die Beine weiß gefärbt sind. Beim Overo geht die Scheckung hingegen vom Bauch aus und führt sich mehr oder weniger stark fort.

Wie groß wird ein Paint Horse?

Das Stockmaß bei ausgewachsenen Paint Horses liegt zwischen ca. 140 cm und 160 cm.

Das Interieur – das Paint Horse ist eine umgängliche und gutmütige Rasse

Das Paint Horse ist ein vielseitig einsetzbares Freizeit- und Reitpferd, das mit einem angenehmen Temperament überzeugt. Bemerkenswert sind seine ausgeprägte Nervenstärke und Intelligenz sowie die hohe Umgänglichkeit, Ausdauer und harte Konstitution. Da sich das Paint Horse stets mit einem freundlichen, menschenbezogenen und gutartigen Wesen zeigt, erweist es sich als idealer Reitpartner für viele Disziplinen des Freizeitreitens.

Paint Horse im Video

Besondere Merkmale/Einsatzgebiete der Rasse

Die größten Besonderheiten dieser Rasse stellen zum einen die bunten Scheckungen dar, die in etlichen unterschiedlichen Ausprägungen und Mustern daherkommen können und die Paint Horses optisch zu etwas ganz Besonderem machen. Zudem haben Paint Horses einen außerordentlich gutmütigen und nervenstarken Charakter, was sie zu tollen Partnern für Reitanfänger macht. Sie sind äußerst geduldig und der Zusammenarbeit mit dem Menschen gegenüber aufgeschlossen. Ihr größtes Einsatzgebiet ist die Westernreiterei, wo sie in allen Sparten glänzen können und sich als überaus geeignete Trainings- und Turnierpartner präsentieren. Aber auch als Freizeitpferde, für ausgedehnte Stunden im Gelände oder als Familienpferd für Groß und Klein, eignen sich Paint Horses bestens. Ihre Robustheit und die Trittsicherheit der Rasse machen sie auch für die Arbeit im Trail interessant, ebenso wie für die Bodenarbeit.

Trotz ihrer nicht ganz so ausgeprägten Körpergröße sollte die Kraft eines Paint Horse nicht unterschätzt werden. Die eher kleinen Pferde decken in der Regel auch problemlos größere Erwachsene mitsamt dem schweren Westernsattel ab.

Sind Paint Horses für Anfänger geeignet?

Ja, aufgrund ihrer Gutmütigkeit und ihrer starken Nerven sind Paint Horses im Umgang auch für Anfänger und ängstliche Menschen sehr gut geeignet.

Erbkrankheiten und Gendefekte

Bei Paint Horses können grundsätzlich die gleichen Gendefekte auftreten, wie auch bei den eng verwandten Quarter Horses. Die häufigsten Genstörungen sind PSSM1, HERDA und HYPP:

  • Bei PSSM (Polysaccharid-Speicher-Myopathie) handelt es sich um eine Stoffwechselkrankheit, die auf die Muskeln zugreift und in diesen zu Mikroentzündungen führen kann. Zuckermoleküle werden im Muskel angelagert und führen zu Muskelsteifheit, Schwitzen und Schmerzen. Pferde mit diesem Gendefekt müssen eine besondere Ernährung erhalten und benötigen viel Bewegung, um die Symptome möglichst gering zu halten.
  • HERDA (Hereditary Equine Regional Dermal Asthenia) ist eine Erkrankung der Haut. Pferde mit diesem Gendefekt haben überdurchschnittlich empfindliche und leicht verletzbare Haut, besonders in der Rückenregion. Häufig sind sie daher nicht reitbar, da das Tragen eines Sattels oder eines Reiters zu starken Verletzungen und Wunden führen würde.
  • HYPP (Hyperkalemische Periodische Paralyse) wird von einer Genmutation ausgelöst und ist ebenfalls eine Stoffwechselkrankheit. Sie führt zu Muskelschwäche. Im schlimmsten Fall kann es bei einem betroffenen Pferd zu Krämpfen und Lähmungen kommen. Von diesen Anfällen können auch die Atemorgane betroffen sein, wodurch ein erkranktes Pferd bei einem Anfall ersticken kann.

All diese Erbkrankheiten können mit Hilfe des Panel Tests festgestellt werden. Durch diesen Test können zudem auch noch die Gendefekte GBED (Glycogen Branching Enzyme Deficiency) und MH (Equine Maligne Hyperthermie) nachgewiesen werden.

Ebenfalls bekannt bei Paint Horses ist OLWS (Overo Lethal White Syndrom). Bei diesem Genfehler kommen die betroffenen Fohlen komplett weiß auf die Welt und sind aufgrund eines nicht ausgeprägten Nervensystems im Darm nicht lebensfähig.

Als letzte mögliche Erberkrankung sei zu erwähnen, dass es durch die intensive Zucht vorkommen kann, dass ein Ungleichgewicht in den Proportionen des Pferdes herrscht. Besonders bei für die Show gezüchteten Paint Horses ist dieses Phänomen durch die starke Idealisierung in der Zucht zu bemerken. Hierbei ist die Bemuskelung des Körpers im Verhältnis zur Stabilität der Beine zu groß. Das Körpergewicht ist demnach zu hoch für die Gliedmaßen des Paint Horses. Dies führt zu Koordinationsproblemen der betroffenen Tiere, ebenso wie Hufe und Beine bereits in frühem Alter starke Verschleißerscheinungen aufweisen können und den Einsatz der Pferde somit unmöglich machen.

Bekannte Pferde der Rasse

Im Disney-Film „Hidalgo – 3000 Meilen zum Ruhm“, sind fünf Paint Horses als Filmpferde zum Einsatz gekommen und haben mit ihrem farbenfrohen Fell die vierbeinigen Stars des Films dargestellt.

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