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Shivering beim Pferd – Die Zitterkrankheit

von Michael Hein
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Als Shivering beim Pferd, auch als Zitterkrankheit bezeichnet, wird eine Syndrom, bei dem Pferde unkontrolliert beginnen in den Muskelpartien der Hinterhand zu zittern. Wird dieses Syndrom erkannt und diagnostiziert stellt das Pferdebesitzer:innen meist vor große Herausforderungen. Denn je nach Ausprägung und Pferd können leicht erscheinende Aufgaben zu großen Problemen werden. Zudem gilt Shivering beim Pferd als nicht heilbar. Immerhin geht man jedoch davon aus, dass das Syndrom für die betroffenen Pferde nicht schmerzhaft ist, daher ist ein Einschläfern in der Regel nicht nötig.

Shivering beim Pferd – Was ist das Shivering-Syndrom bei Pferden genau?

Das Shivering-Syndrom wird oft mit dem sogenannten Hahnentritt verwechselt. Beim Hahnentritt jedoch handelt es sich um ein ruckartiges Hochziehen des Hinterbeins und ein ebenso schnelles Absetzten. Im Gegensatz zum Shivering handelt es sich also um schnellere Störungen der Bewegungsabläufe. Pferde, die am Shiveringsyndrom erkrankt sind, ziehen zwar auch meist ein Hinterbein ruckartig hoch, verharren dann aber kurz in dieser Position. Diese Reaktion ist bei Shiveringpferden häufig, muss aber nicht zwangsläufig auftreten. Denn auch ein unkontrolliertes Muskelzittern in den betroffenen Partien kann auftreten.

Eine Erkrankung tritt meist recht früh im Alter von vier bis sieben Jahren ein. Außerdem erkranken große und schwere Pferde, also zum Beispiel Warmblüter ab ca. 170 cm oder Kaltblüter, im Allgemeinen öfter. Auch dass Wallache oder Hengste öfter als Stuten erkranken ist mittlerweile aufgefallen. Erklärt werden konnte das allerdings noch nicht. Shivering-Pferde können unter bestimmten Voraussetzungen und mit angepasster Unterstützung meist trotzdem ein recht normales Leben führen und auch geritten werden. Bekannt ist das Phänomen bereits seit dem 19. Jahrhundert.

Was ist Shivering bei Pferden?

Shivering oder auch Zitterkrankheit genannt, ist eine nicht heilbare Kankheit mit fortlaufendem Verlauf. Betroffene Pferde zeigen meist unkontrollierte Muskelzuckungen in der Hinterhandpartie. Vermutlich erleiden die Tiere dabei keine Schmerzen.

Shivering beim Pferd – Symptome der Zitterkrankheit

Die Zitterkrankheit verläuft bei betroffenen Pferden in unterschiedlichem Tempo fortschreitend. Wie oben bereits erwähnt sind Muskelzuckungen oder ein plötzliches Anheben der Hinterbeine typische Symptome. Bei Shivering-Pferden fällt das besonders oft beim Hufeauskratzen oder Rückwärtsrichten auf. Sehr schwierig kann es auch werden betroffene Pferde rückwärts vom Hänger abzuladen, da hier das Rückwärtsrichten in Zusammenhang mit der Schrägen zur koordinativen Meisterleistung für die  Shivering-Pferde wird. Denn sie können das angehobene Bein dann meist nur schwer wieder abstellen und verharren in der momentanen Position. Meist mit dem Bein in der Luft oder der Zehe gerade eben über dem Boden. Das unkontrollierte Muskelzucken und -zittern spielt sich dann häufig im gesamten Bereich der Hinterhand ab. Daher kann auch ein schief gehaltener und/oder zuckender Schweif ein weiteres Indiz für das Shivering-Syndrom sein. Ein Anhänger mit Frontausstieg und viel Hängertrainng können Transporte erleichtern.

Insgesamt können aber auch eine generell schwächere Hinterhand, Muskelschwund oder allgemeine Leistungsschwäche Indizien für eine Erkrankung sein. Obwohl die Krankheit sich vermehrt in Reaktionen an der Hinterhand äußert, gibt es auch seltenere Fälle, bei denen die Vorhand betroffen ist. In manchen Fällen begleiten auch Muskelzuckungen im Gesicht die sonstigen Symptome in Vor- oder Hinterhand. Dort sind dann vor allem die Lippen, Nüstern und Ohren betroffen. Shivering-Symptome können auch situationsbedingt sein. Das heißt, dass das Phänomen vermehrt in Stresssituationen auftritt. Dabei ist es egal, ob das Pferd physischen oder psychischen Stress ausgesetzt wird. Eine Impfung kann also genauso auslösend sein, wie z.B. ein Transport. Generell sind Ausprägungen und Stärke der Symptome aber von Pferd zu Pferd unterschiedlich.

Shivering Pferd Symptome

Betroffene Pferde zeigen meist unkontrollierte Muskelzuckungen in der Hinterhandpartie.

Wie erkennt man Shivering?

Meistens erkennt man bei betroffenen Pferden ein Muskelzittern im Bereich der Hinterhand. In seltenen Fällen können auch die Vorhand oder Bereiche des Gesichts betroffen sein. Erkrankten Tieren fallen Aufgaben wie Rückwärtsrichten oder Hufe geben oft schwer.

Ursache von Shivering bei Pferden

Woher das Syndrom kommt oder warum die Pferde erkranken, ist bislang unklar. In einer Studie aus den USA wurde in der Zusammenfassung davon berichtet, dass eine Stoffwechselerkrankung der Muskulatur die Anfälle auslösen könnte. Denn bei den durch eine Muskelbiopsie getesteten Pferde, wurde weniger Glykogen in den Muskelzellen festgestellt. Dadurch kann es sein, dass Reserven schneller angegriffen werden und es zu Muskelkrämpfen kommt.

Eine andere Studie hat sich mit dem Abbau von Nervenzellen im Kleinhirn beschäftigt und hält dies für einen möglichen Auslöser der unkontrollierten Anfälle. Weitere viel diskutierte Ursachen sind aber auch hormonelle Störungen, genetische Veranlagungen, schwere Infekte oder Traumata – zum Beispiel nach schweren Stürzen. Belegt werden konnte bislang keine der Vermutungen.

Shivering beim Pferd – Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Dadurch, dass der Verlauf und die Symptome der Krankheit so vielfältig und individuell sein können, ist eine Diagnose oft schwer. Zudem gibt es kein standardisiertes Diagnoseverfahren. Für eine stichhaltige Diagnose muss die betreuende tierärztliche Fachkraft ganz genau hinsehen. Denn die Krankheit ähnelt nicht nur dem Hahnen- oder Zuckfuß in der Symptomatik, sondern auch anderen Krankheitsbildern. Dazu zählen verschiedene Knie- und Kniebandverletzungen und Kissing Spines. In Kliniken kann die Erkrankung durch ein Elektromyogramm (EMG) weiter untersucht werden. Durch die Untersuchung werden die neuromuskulären Aktionen bei der Kontraktion von Museklfasern gemessen. Auch ein Blutbild kann bei der Diagnose hilfreich sein. Ausreichend ist es in den meisten Fällen jedoch nicht.

In der Schulmedizin gibt es leider keine Behandlungsansätze für Shiveringpferde. Auch vorbeugend haben sich bislang keine Verfahren bewährt.

Shivering Pferd Behandlung

In Kliniken kann die Erkrankung durch ein Elektromyogramm (EMG) weiter untersucht werden.

Ist Shivering gefährlich?

An sich ist die Krankheit nicht lebensbedrohlich und die meisten Pferde können sogar ein normales Leben als Reitpferd ohne Schmerzen führen.

Unterstützung bei Shivering beim Pferd

Betroffene Pferde kann man zwar nicht heilen, jedoch in vielen Punkten unterstützen. Dazu zählen Haltung, Gesundheitsmanagement, Hufpflege, Training und Fütterung.

Haltung von Shivering-Pferden

In Sachen Haltung ist es wichtig, dem Pferd möglichst viel Platz zu verschaffen. Bei Pferden, die viel in der Box stehen, ist das Risiko für Muskelverspannungen und -verkrampfungen durch die engen Wendungen und vermehrtes Rückwärtstreten deutlich höher. Große Paddockboxen, die dem Pferd auch außerhalb der Weidezeit eine ausreichende Bewegungsmöglichkeit bieten, sind daher empfehlenswert. Je nach Pferdetyp muss man entscheiden, ob nicht auch ein Offen- oder Aktivstall in Frage kommt.

Fakt ist: längeres Stehen und wenig Bewegung wirken sich negativ auf die Erkrankung aus. Währenddessen mehr Bewegungsmöglichkeiten zu weniger Verspannungen führen können. Das A und O ist es auch Stresssituationen für Shiverer zu vermeiden. Bei den meisten Pferden mit dem Syndrom verstärken sich die Symptome in stressigen Situationen. Gezielte Bodenarbeit und Gelassenheitstraining in kleinen Einheiten kann helfen, die Pferde an ungewohnte Situationen zu gewöhnen. Natürlich darf dabei auch das Training selbst keinen übermäßigen Stress auslösen.

Ist Shivering bei Pferden vererbbar?

Woher das Shivering bei Pferden kommt ist nicht bekannt. Dass es vererbbar ist, wird allerdings nicht gänzlich ausgeschlossen.

Gesundheitsmanagement & Hufpflege

Beim Gesundheitsmanagement ist die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Betreuer:innen des Pferdes nochmal wichtiger. Ein gut funktionierendes Netz aus tiermedizinischer Fachkraft, Ostheo- und Physiotherapeut:in, sowie Schmied:in und Sattler:in ist unerlässlich. Zudem sollten gerade Ostheo-und Physiotherapeut:innen in regelmäßigen Abständen die Muskulatur des Pferdes überprüfen und ggf. Verspannungen und Blockaden lösen. Die Abstände der Besuche können durchaus sehr viel kürzer sein, als bei nicht erkrankten Tieren. Mittlerweile gibt es auch zahlreiche Zusatzprodukte von Massagedecken bis hin zur Magnetfeldtherapien und Akupressur für zu Hause. Bespreche am besten mit Deiner tierärztlichen Fachkraft und Deinem/r Therapeut:in, ob und was zusätzlich helfen könnte.

Auch bei der Hufpflege können betroffene Pferde entlastet werden. Zum Beispiel sollte man die Pferde nicht beschlagen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Eine Alternative könnten hierbei Hufschuhe sein. Sollte es ohne Eisen gar nicht gehen, kann eine Sedierung Abhilfe schaffen und den Beschlag erträglicher machen. Generell scheint es sich bewährt zu haben, das Pferd vor dem Schmiedetermin etwas zu führen oder sogar zu reiten. Vermutlich fällt es den Tieren durch die vorherige Bewegung leichter sich zu koordinieren. Ansonsten ist es natürlich auch sehr wichtig, dass die Person, die die Hufe bearbeitet, viel Ruhe und Geduld mitbringt.

Shivering Pferd Zitterkrankheit

An sich ist Shivering nicht lebensbedrohlich und die meisten Pferde können sogar ein normales Leben als Reitpferd ohne Schmerzen führen.

Was kann man gegen Shivering tun?

Man kann durch das Optimieren der Haltung, des Trainings und des Gesundheitsmanagements die Pferde unterstützen und den Verlauf verlangsamen. Vorbeugen kann man Shivering nicht.

Training von Shivering-Pferden

Das Training von Shivering-Pferden sollte sich auf den Muskelaufbau und die Erhaltung konzentrieren. Denn die bisherige Erfahrung zeigt, dass gut bemuskelte Pferde besser mit der Krankheit zurecht kommen. Daher raten Tierärzt:innen zu regelmäßigem Training mit muskelaufbauenden Einheiten. Betroffene Pferde zu reiten stellt in der Regel kein Problem dar. Gerade die Arbeit unter dem Sattel ist für viele Pferde wichtig, um ein gutes Körpergefühl zu bekommen. So können sie ihren Körper auch allein nach und nach besser koordinieren.

Nicht geritten sollten Pferde mit sehr starken Symptomen oder einer weit fortgeschrittenen Erkrankung. Ab wann dieser Grad erreicht ist, kann nur für jedes Pferd individuell entschieden werden. Genauso individuell ist es auch welche Disziplinen und bis zu welchem Anforderungsniveau man sein Pferd reitet. Hierbei ist die Rücksprache mit Tierärzt:innen und den Ostheo- und Physiotherapeut:innen sehr wichtig und hilfreich.

Fütterung

Zum Thema Fütterung scheiden sich die Geister. Viele Leute schwören auf die Zugabe bestimmte Präparate und Zusätze. Manchmal wird auch eine fettreiche und kohlenhydrat- und stärkearme Fütterung wie etwa bei PSSM-Pferden empfohlen. Im selben Zug wird oft auch auf die Vitamine B und E sowie Magnesium und Mangan verwiesen. Allerdings gibt es auch hierzu keine wissenschaftlichen Studien, die belegen, dass ein Mittel tatsächlich Linderung verschafft hat. Insgesamt ist eine gute Mineral- und Vitamin-Versorgung aber natürlich keine schlechte Idee. Ein beratendes Gespräch mit der zuständigen tierärztlichen Fachkraft kann auch hier aufklären und ein aufs Pferd angepasster Fütterungsplan kann (evtl. auch mithilfe eines Blutbildes) erstellt werden.

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