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Wohnen mit Pferd – Fluch oder Segen?

von Canan Johanna Breforth
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Für viele Reiter ist es ein Traum, andere kennen es nicht anders und einige haben ihren Traum erst mit der Zeit realisiert: Die Pferde am eigenen Haus. Doch ist es wirklich toll, die Pferde jeden Tag 24h vor der Nase zu haben und die volle Verantwortung zu tragen? Oder ist es sinnvoller sie auf einer Anlage stehen zu haben, wo sie bestens versorgt werden?

Haltung am Haus von Pferden

Ich reite nun seit ca. 19 Jahren und habe meine ersten eigenen Pferde immer in einem großen Stall stehen gehabt, wo sie rundum versorgt wurden. Dazu gab es eine super Anlage mit Halle, Platz, Führanlage und Weide. Alles was das Reiterherz begehrt. Doch ich habe schon immer davon geträumt, die Pferde direkt am Haus zu haben. Vor rund 6 Jahren haben meine Familie und ich uns das erfüllt und einen Hof gekauft. In die Scheune wurden 3 schöne helle und luftige Pferdeboxen gebaut und die Weiden wurden mit Elektrozäunen eingezäunt. Kurz darauf im Sommer 2010 sind dann auch unsere Pferde umgezogen. Damals waren es drei, zu dem Zeitpunkt: Sam (13), Caypi (5) und Carli (4).

So schön wie sich das nun jeder vorstellen kann, so schnell beginnen auch die ersten Probleme. Wir hatten zwar einen Paddock, aber keinen Platz. Geritten sind wir dann auf einer Weide. Das ging solange es trocken war wunderbar… mit dem älteren Pferd! Mit den beiden Jungen mussten wir jeden Tag zur ca. 25km entfernten Reithalle fahren. Doch das gab direkt das nächste Problem: Pferd Nummer 3 bleibt nicht allein im Stall. Sam kannte bis dahin nur große Gassen mit vielen Pferden und war das erste mal seit Fohlenalter „umgezogen“. Dieses Problem konnte also nur gelöst werden indem wir eine 4. Box bauten und ein viertes Pferd her musste.

Arbeit und Reiten

Da sich das Reiten auf der Weide auf Dauer nicht bewährte und wir im Frühling, Herbst und Winter immer zur Halle fahren mussten entschieden wir 2011 einen Allwetter Reitplatz zu bauen. Dies war die beste Entscheidung überhaupt. Bis auf 3-7 Tage im Jahr konnten wir ihn jederzeit nutzen und fahren nun nur noch zum Training oder Turnier mit den Pferden los.

Neben den anfänglichen Schwierigkeiten gab es weitere Probleme, die gelöst werden mussten. Woher bekommen wir gutes Heu und Stroh in ausreichenden Mengen? Und wohin mit dem ganzen Mist der Pferde? Ist immer jemand zu Hause, falls mal etwas ist? Wie sieht es mit Urlaubsvertretungen aus? Wer füttert und mistet täglich? Welche Maschinen müssen angeschafft werden? Und und und…

Fazit: Lohnt sich das Wohnen mit Pferd?

Es ist wirklich viel Aufwand und benötigt einiges an Zeit, bis sich wirklich alles super eingespielt hat. Ich würde sagen, nach rund 2 Jahren lief es super. Zwischendurch habe ich mit Carli wegen meines Studiums in Aachen gelebt und hatte ihn wieder in Vollpension auf einer Anlage stehen. Zum Einen war das wirklich eine schöne „Auszeit“ vom ganzen Selbermachen zu Hause, zum Anderen wird man viel anspruchsvoller, was die Haltung angeht und das ganze Drumherum. Zu Hause läuft alles nach meinen Vorstellungen, von der Futterqualität über die Weidezeiten bis hin zur Reitbodenqualität. Auf fremden Anlagen muss man sich eben mit einigen Kompromissen anfreunden.

Letzten Endes kann ich nur sagen, dass es die beste Entscheidung meines Lebens war, auf einen Hof zu ziehen und die Pferde direkt vor der Haustür zu haben. Sicherlich muss man viel Zeit und Nerven opfern, aber die Vorteile überwiegen deutlich und ich freue mich jeden Tag morgens in den Stall zu kommen. Alleine wäre es jedoch nicht machbar und ich bin froh, dass meine Eltern mich hierbei vollkommen unterstützen.

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