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Die ersten Tage des Fohlens & Mutterstute – Das musst Du wissen

von Pia Mross
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Wer eine Stute besitzt, möchte nicht selten auch einmal ein eigenes Fohlen ziehen, sofern es die Umstände zulassen. Das betrifft in erster Linie die Haltung, es muss genügend Platz vorhanden sein, um Mutterstute und Fohlen bestmöglich zu versorgen, Auslauf auf der Weide ist sehr wichtig. Außerdem sollte sich der künftige Fohlenbesitzer über die Bedürfnisse des Fohlens informieren. Denn nur dann ist der optimale Start ins Pferdeleben gewährleistet. Nicht jeder ist mit dem umfassenden Können eines erfahrenen Züchters gesegnet, doch auch der Hobbyzüchter kann sich das nötige Wissen aneignen, um dem Fohlen zu helfen, ein gesundes Pferd zu werden.

Der große Tag – die Fohlengeburt

Da wurde nun sorgfältig der passende Vater für das Fohlen gesucht (von Weideunfällen einmal abgesehen, aber auch das kommt vor), die Stute zum Decken gebracht – sofern man nicht die künstliche Besamung durch den Tierarzt durchführen lässt. Elf Monate später ist es soweit. Die beste Zeit zur Belegung der künftigen Mutterstute ist also Mai oder Juni, denn da wird das Fohlen in den beginnenden Sommer hineingeboren. Nachdem die Mutterstute figurmäßig sich immer mehr dem Slogan „Ich bin zwei Öltanks“ angenähert hat, erscheinen eines Tages die berühmten Harztöpfchen am Euter. Diese kündigen die bevorstehende Geburt an. Manch liebevoller Besitzer einer Mutterstute hat sich daraufhin im Stall einquartiert, um nur ja die große Stunde nicht zu verpassen. Und dann geht er nur mal eben einen frischen Kaffee holen und bei seiner Rückkehr findet er das Fohlen im Stroh liegen. Viele Stuten, vor allem bei Robustrassen, bevorzugen es, beim eigentlichen Geburtsvorgang allein zu sein und überraschen den beglückten Besitzer mit ihrem Fohlen. Denn die Geburt vollzieht sich beim Lauf- und Fluchttier Pferd nahezu lautlos und recht schnell. Das sichert das Überleben von Mutterstute und Fohlen in der Wildnis, wo eine stundenlang gebärende Stute eine leichte Beute wäre. 

Selbst wenn der Besitzer bei der Geburt anwesend ist, sollte er nicht eingreifen, solange es keine Anzeichen für Komplikationen gibt. Normalerweise passiert ein Fohlen den Geburtskanal wie ein Schwimmer beim Startsprung: Kopf und Hals sind eng auf die ausgestreckten Vorderbeine gepresst. In dieser Haltung sind keine Komplikationen zu befürchten. Es kommt allerdings auch vor, dass ein Bein im Fesselgelenk angeknickt wird. Dann stockt der Geburtsvorgang. Ebenso bei einer Steißgeburt. Der Tierarzt kann behutsam beigreifen und das Fohlen im Mutterleib in die richtige Position bringen. Doch glücklicherweise verlaufen die meisten Fohlengeburten komplikationslos und der stolze Besitzer kann verkünden: Mutter und Kind wohlauf. Damit das so bleibt, sind einige Vorkehrungen zu treffen.

Erste Tage Fohlen: Fohlen wurde gerade geboren und ist noch von der Fruchtblase umgeben.

Selbst wenn man bei der Geburt anwesend ist, sollte man nicht eingreifen, solange es keine Anzeichen für Komplikationen gibt.

Wie schnell muss ein Fohlen trinken?

Der Saugreflex ist zwar bereits innerhalb der ersten 20 Lebensminuten vorhanden, doch zunächst muss das Fohlen die schwere Aufgabe bewältigen, auf den eigenen Beinen stehen zu können. Das erste Saugen geschieht etwa zwei bis vier Stunden nach der Geburt. Die erste Milch, die das Fohlen aufnimmt, ist die Kolostralmilch. Sie ist besonders reich an lebenswichtigen Nährstoffen und unverzichtbar für das Immunsystem des Fohlens. Daher sollte man, wenn es Probleme beim Saugen gibt, wenn zum Beispiel die Stute das Fohlen abwehrt, helfend eingreifen. Notfalls muss abgemolken und dem Fohlen die wertvolle Biestmilch per Flasche gegeben werden.

Die ersten Stunden des Fohlens

Die ersten Stunden mit dem neugeborenen Leben sind nicht nur besonders beglückend, sondern auch besonders wichtig. Nun gibt es so einiges, worauf der frischgebackene Fohlenbesitzer achten muss. Zunächst lautet die Maxime: Nur schauen, nicht anfassen! Getrieben vom Mutterinstinkt wird die Stute das Fohlen zunächst liebevoll sauberlecken. Das dient der Reinigung und der Prägung, außerdem wird der Kreislauf des Fohlens angeregt. Schon kurz nach der Geburt, maximal nach einer halben Stunde, wird das gesunde Fohlen erste Aufstehversuche unternehmen. Das sieht manchmal sehr unschön aus, denn das Kerlchen purzelt des Öfteren zurück auf den Stallboden, sodass der Besitzer am liebsten hinzueilen und ihm helfen möchte. Aber diesen ersten Kampf muss das Fohlen allein ausfechten. Es versteht sich von selbst, dass die Box der Mutterstute besonders großzügig eingestreut und weich ausgepolstert sein sollte. 

Innerhalb der ersten zwei Stunden seines jungen Lebens muss das Fohlen es geschafft haben und auf eigenen Beinen stehen. Ebenfalls von seinen Instinkten getrieben, wird es nun zunächst die Milchquelle suchen und die lebenswichtigen Schlucke der wertvollen Kolostralmilch, auch Biestmilch genannt, zu sich nehmen. Diese erste Milch, mit der die Stute das Fohlen versorgt, ist besonders reich an Nährstoffen und enthält Substanzen, die das Immunsystem des Fohlens aufbauen. Das erste Saugen erfolgt üblicherweise zwei bis vier Stunden nach der Geburt. 

Der Besitzer hat außerdem auf mehrere Dinge zu achten: Das Fohlen sollte innerhalb von drei bis sechs Stunden nach der Geburt zum ersten Mal Kot absetzen: Dies ist das wegen seiner schwarzen Farbe so genannte Darmpech, das den Darmausgang des Fohlens bisher verschlossen hat. Erfolgt der Darmpechabsatz nicht, kommt es zur Verstopfung. Auch der erste Harnabsatz erfolgt nun bald, bei Hengstfohlen bis zu sechs Stunden nach der Geburt, Stutfohlen lassen sich bis zu zehn Stunden Zeit. Zu den Aufgaben des Besitzers gehört es auch, die Nachgeburt zu untersuchen, es ist wichtig, dass diese vollständig abgegangen ist.

Es gibt allerdings eine Ausnahme, die den Besitzer zum Eingreifen und schnellen Handeln zwingt: Fehlende Herzschläge oder unregelmäßige bis fehlende Atmung deuten auf eine Asphyxie hin. Dies kann durch Sauerstoffunterversorgung während der Geburt, durch Einatmen von Fruchtwasser und einigen weiteren Faktoren vorkommen. Der Besitzer kann als lebensrettende erste Hilfe dem Fohlen eine Mund-Nüster-Beatmung angedeihen lassen. Anschließend ist sofort der Tierarzt zu verständigen.

Ersten Tage Fohlen: Mutterstute beschnuppert ihr Fohlen.

Es versteht sich von selbst, dass die Box der Mutterstute besonders großzügig eingestreut und weich ausgepolstert sein sollte, damit das Fohlen sich bei seinen ersten Aufstehversuchen nicht verletzen kann.

Was tun, wenn die Stute das Fohlen nicht annehmen oder saugen lassen will?

Es kommt vor, besonders bei erstgebärenden Stuten oder sehr nervösen Tieren, dass die Mutterstute das Fohlen nicht annimmt oder gar versucht, nach ihm zu schlagen und zu beißen. In diesem Fall muss die Stute zum Schutz des Fohlens von ihm getrennt werden, Mutter und Kind dürfen dann nur unter Aufsicht Kontakt haben. Ein vom Tierarzt verabreichtes leichtes Beruhigungsmittel schafft in vielen Fällen Abhilfe und die Anfangsschwierigkeiten sind bald überwunden. Manchmal hilft auch das sachgerechte Anlegen einer Nasenbremse, um die Stute ruhig zu halten, damit das Fohlen trinken kann. In hartnäckigen Fällen muss vor allem die wertvolle Kolostralmilch abgemolken werden, denn diese ist überlebenswichtig für das Fohlen. Außerdem sollten die Ursachen der Ablehnung abgeklärt werden, es können durchaus gesundheitliche Problem vorliegen. Wenn bei der Stute eine Euterentzündung vorliegt, bereitet ihr das Saugen des Fohlens Schmerzen und sie wehrt es ab. Es ist auf jeden Fall ein Tierarzt hinzuziehen.

Wann stehen Fohlen nach der Geburt auf?

Die ersten Aufstehversuche erfolgen in der Regel bereits in den ersten Lebensminuten. Manche Fohlen lassen sich dazu auch bis zu einer halben Stunde Zeit. Diese Versuche sind meist nicht von Anfang an mit Erfolg gekrönt, doch innerhalb der ersten zwei Stunden sollte es das Fohlen geschafft haben und auf seinen überlangen Beinen stehen.

Die ersten Tage des Fohlens

Die ersten Lebenstage sollte das Fohlen ungestört mit seiner Mutter verbringen, das Eingliedern in die Herde erfolgt etwas später, ist aber auch sinnvoll, vor allem, wenn mehrere Fohlen dabei sind. Altersentsprechende Spielkameraden sind wichtig für die gesunde Entwicklung des Fohlens. Ideal ist eine „Kinderstube“, die viel frische Luft und auch Platz bietet, damit das Fohlen seine ersten Gehversuche in sicherer Umgebung machen kann. Eine große Box mit einem Paddock, auf den man Mutterstute und Fohlen bei gutem Wetter hinauslassen kann, um Sonne zu tanken, ist optimal in den ersten Tagen und Wochen. Für eine ausgewogene Fütterung der Mutterstute ist zu sorgen, da das Fohlen in den ersten Monaten ausschließlich von der Muttermilch lebt. Erst nach etwa einem halben Jahr kann man das Fohlen behutsam absetzen.

Wann darf das Fohlen das erste Mal raus?

Bei entsprechend gutem Wetter spricht nichts dagegen, das Fohlen schon ab dem ersten oder zweiten Tag auf die Weide zu lassen. Ein vorsichtiges Anweiden ist allerdings sinnvoll, man steigert täglich die Zeit, die Mutterstute und Fohlen auf der Weide verbringen. So wird für ausreichende Ruhephasen für das Fohlen gesorgt.

Wann darf ein Fohlen das erste Mal auf die Weide?

Das hängt unter anderem von der Wetterlage ab. Wenn das Fohlen im Wonnemonat Mai geboren wird, ist es tagsüber schon so warm, dass es problemlos schon ab dem ersten oder zweiten Lebenstag mit der Mutter auf die Weide gehen kann.

Wie viel Bewegung braucht das Fohlen?

So viel wie möglich, jedoch nicht so viel, dass das junge Pferd überlastet und überanstrengt wird. Ideal ist es natürlich, wenn die Mutterstute mit dem Fohlen täglich auf die Weide gehen kann, dort stillt das Fohlen seinen Bewegungsdrang auf natürliche Weise. Lassen die Witterungsumstände dies nicht zu, sollte das Fohlen zumindest stundenweise mit der Mutter in der Halle freilaufen können. Tobt es dabei jedoch zu sehr herum, muss der Mensch regulierend eingreifen und die Freilaufzeiten abkürzen und auf mehrmals tägliche Abschnitte verteilen.

Ersten Tage Fohlen: Mutterstute und ihr Fohlen auf einer Weide.

Am besten ist es natürlich, wenn die Mutterstute mit dem Fohlen täglich auf die Weide gehen kann, dort stillt das Fohlen seinen Bewegungsdrang auf natürliche Weise.

Fohlenerziehung

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ ist eine Volksweisheit, die ganz besonders auf die Pferdeerziehung anzuwenden ist. So früh wie möglich soll das Fohlen lernen, sich am ganzen Körper berühren zu lassen und die menschliche Hand beim Streicheln und zärtlichen Kraulen als angenehm zu empfinden. Wenn die Mutterstute ruhig ist und die Annäherung des Menschen an ihr Fohlen duldet, kann schon in den ersten Lebensstunden damit begonnen werden.

Spielerisch kann man bereits in den ersten Wochen alle vier Beine aufheben, um das Fohlen auf spätere Schmiedbesuche vorbereiten. Nur aufheben, anfangs nicht zu lange festhalten. Wiederholt man dies jeden Tag und nur für kurze Zeit, begleitet vom gleichen Kommando, beispielsweise „Huf“ oder „Gib Huf“, lernt das Fohlen sozusagen nebenbei, sich beim Schmied anständig zu benehmen. Was ihm selbst und auch dem Schmied viel Ärger erspart.

Schon in den ersten Tagen und Wochen kann das Fohlen an ein gut sitzendes Fohlenhalfter gewöhnt werden. Diese speziellen Halfter sind mehrfach verstellbar, sodass sie immer dem Fohlenköpfchen optimal angepasst werden können und sozusagen mitwachsen. Beim Spaziergang mit der Stute und dem Fohlen kann das Fohlen dann auch schon neben der Mutter geführt werden, sodass es auch diese Aufgabe eher spielerisch kennenlernt.

Ein ganz großes No-Go ist aber das Spielen und Herumtollen mit dem Fohlen. Anrempeln, Knuffen, spielerisches Steigen ist den Fohlen angeboren, so spielen sie mit den Artgenossen. Was aber gegenüber dem Menschen beim putzigen Fohlen noch als lustiges Spiel angesehen wird, kann bitterer Ernst werden, wenn das Fohlen, das innerhalb von sechs Monaten schon die Hälfte seines Endgewichts erreicht hat, sich zum flegelhaften Halbstarken gemausert hat und nun weiterhin steigt, knufft und rempelt. Wie soll das heranwachsende Pferd einsehen, dass das, was es als Fohlen durfte, nun plötzlich verboten ist? Liebevolle Konsequenz mit entsprechendem Weitblick ist der Schlüssel zur erfolgreichen Fohlenerziehung.

Impfungen & Entwurmung

Eine Entwurmung der Mutterstute etwa zwei Wochen vor dem voraussichtlichen Geburtstermin verhindert, dass sich das Fohlen bereits in den ersten Lebenstagen mit Würmern infiziert. Außerdem erhält das Fohlen nach etwa zwei Lebenswochen seine erste eigene Wurmkur, der im regelmäßigen Zyklus weitere folgen. Die geeigneten milden Entwurmungsmittel empfiehlt der Tierarzt. 

Wichtig ist außerdem die Tollwut- und Tetanusimpfung des Fohlens. In den ersten Lebensmonaten ist das Fohlen jedoch über die Antikörper, die es über die Muttermilch erhält, ausreichend geschützt. Eine erste Impfung ab dem Alter von sechs Monaten empfohlen. Weiter sinnvolle Impfungen sind Schutzimpfungen gegen Herpes und Influenza, doch auch diese werden erst nach dem ersten Lebenshalbjahr verabreicht.

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