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Rotz beim Pferd: Die Infektionskrankheit Malleus

von Frederieke Wenning
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Rotz beim Pferd ist eine gängige Bezeichnung für die schwerwiegende Krankheit Malleus. Es handelt sich dabei konkret um eine bakterielle, seuchenhaft auftretende Infektionskrankheit. Wie der Verlauf von Rotz beim Pferd aussieht, welche Symptome auftreten und wie hoch das Infektionsrisiko ist, erfährst Du in diesem Beitrag.

Rotz beim Pferd – eine Infektionskrankheit ohne Heilungschance

Die Malleus wird auch als Rotz, Hautrotz oder Hautwurm bezeichnet und ist eine bakterielle, seuchenhaft auftretende Infektionskrankheit, die hauptsächlich beim Pferd vorkommt und meist chronisch verläuft. Die hochinfektiöse Erkrankung äußert sich durch eitrige Geschwüre und Knötchen der Schleimhäute und Haut und tritt häufig in Südamerika, Asien und Afrika auf. Während der Rotz in diesen Teilen der Welt noch weit verbreitet ist, wurden die Erreger in Westeuropa und Nordamerika erfolgreich bekämpft. Daher gilt die Infektion in Deutschland seit 1956 als ausgerottet, wurde allerdings 2015 erstmals wieder bei einem Pferd diagnostiziert. Nach wie vor handelt es sich um eine meldepflichtige Erkrankung, da eine Übertragung auf den Menschen mit tödlichem Verlauf möglich ist.

Was ist Rotz beim Pferd?

Die Malleus wird auch als Rotz, Hautrotz oder Hautwurm bezeichnet und ist eine bakterielle, seuchenhaft auftretende Infektionskrankheit, die hauptsächlich beim Pferd vorkommt und meist chronisch verläuft.

Rotz beim Pferd – Verlauf, Symptome und Ursachen

Chronischer oder akuter Verlauf

Malleus verläuft meist chronisch, kann aber auch akut auftreten. Nach der Ansteckung vergeht ein Zeitraum von etwa drei Tagen bis zu drei Wochen, bis sich erste Symptome äußern. In Abhängigkeit davon, wo sich die Erreger vorwiegend ansiedeln, wird zwischen Lungen-, Nasen- und Hautrotz unterschieden – je nachdem, ob vermehrt die oberen Atemwege, die Lunge oder die Haut betroffen sind. Meist stellen sich aber ein fließender Übergang und ein gleichzeitiges Auftreten der verschiedenen Formen ein, einschließlich eitrig entzündeter und im späteren Verlauf vernarbender Geschwüre und Knötchen, die sich über die Lymphknoten auf andere Organe ausbreiten können.

Typische Symptome

Pferd beugt sich einer Frau vor

Die typischerweise beim Pferd auftretende, chronische Malleus verläuft in der Regel weniger schwerwiegend als die akute Form.

Die typischerweise beim Pferd auftretende, chronische Malleus verläuft in der Regel weniger schwerwiegend als die akute Form, die häufig bei Maultieren und Eseln vorkommt und innerhalb weniger Tage tödlich endet. Bei der akuten Form ist ein schneller und schwerer Verlauf festzustellen, der neben den Geschwüren an den Schleimhäuten mit hohem Fieber, Nasenausfluss und Schüttelfrost sowie Abszessen, geschwollenen Lymphdrüsen und Lymphbahnen einhergeht. Ebenso kann es zum Absterben von Hautarealen, blutigem Nasenausfluss, Schluckbeschwerden und eitrigem Augenausfluss kommen.

Die bei chronischer Malleus auftretenden Beschwerden sind hingegen schwächer ausgeprägt, es kommt aber regelmäßig zu Husten, Atemproblemen und Fieber sowie zu Entzündungen der Lymphknoten. Zu Beginn der Erkrankung werden die Symptome aufgrund der geringen Ausprägung oft übersehen, ehe sich die Infektion durch unregelmäßige und oft fieberhafte Schübe stärker bemerkbar macht. Charakteristisch sind veränderte Kehlgangslymphknoten, Atembeschwerden von leichten Problemen bis zur Dämpfigkeit, Abmagerung, struppiges Fell und schnelle Ermüdbarkeit. Bei Anzeichen von Nasenrotz kommen Nasenausfluss oder Nasenbluten sowie rotzige Knötchen an den Nasenmuscheln und am Nasenseptum hinzu. Rund zehn Prozent der erkrankten Pferde sind außerdem vom Hautrotz betroffen, der sich durch erbsen- bis walnussgroße Abszesse und Knötchen in der Haut äußert. Diese zerfallen geschwürig, können sich mitunter zurückbilden und sondern gelblich-grauen Eiter ab. Hautrotz kommt meist an Stellen mit erhöhter Belastung an Brust, Kopf, Hinterbeinen oder Unterbauch vor. In seltenen Fällen treten Wassereinlagerungen an den Hinterbeinen auf, die sich bis zu den Sprunggelenken ausweiten können.

Häufigste Ursachen

Verursacht wird die Rotzkrankheit durch das stäbchenförmige Bakterium Burkholderia mallei, das vor allem an feuchten und dunklen Stellen über Monate hinweg nichts von seiner Gefährlichkeit verliert. Pferde kommen oftmals über das Futter, Einstreu oder Trinkwasser in Kontakt mit den Erregern. Diese gelangen auf die Rachen- und Darmschleimhaut, setzen sich dann in den benachbarten Lymphknoten fest und können sich von dort aus problemlos vermehren und auf weitere Organe ausbreiten. Der Erreger Burkholderia mallei ist ein aerobes Bakterium, steht auf der Liste potentieller Biokampfstoffe und darf ausschließlich in Laboren mit der Biosicherheitsstufe 3 untersucht beziehungsweise für Forschungsarbeiten verwendet werden.

Welche Symptome treten bei Rotz beim Pferd auf?

Bei der akuten Form ist ein schneller und schwerer Verlauf festzustellen, der neben den Geschwüren an den Schleimhäuten mit hohem Fieber, Nasenausfluss und Schüttelfrost sowie Abszessen, geschwollenen Lymphdrüsen und Lymphbahnen einhergeht. Die bei chronischer Malleus auftretenden Beschwerden sind hingegen schwächer ausgeprägt, es kommt aber regelmäßig zu Husten, Atemproblemen und Fieber sowie zu Entzündungen der Lymphknoten.

Diagnose und erforderliche Maßnahmen

Besteht der Verdacht, dass Malleus vorliegen könnte, muss umgehend ein Tierarzt hinzugezogen und der zuständige Amtstierarzt informiert werden. Da es sich um eine anzeigepflichtige und hoch ansteckende Infektion handelt, ist eine sofortige Isolierung des Pferdes zum Vermeiden einer weiteren Ausbreitung erforderlich. Zur Diagnose der Erkrankung wird ein Bluttest durchgeführt. Außerdem ist eine Untersuchung aller Pferde im Umfeld des betroffenen Tieres von Nöten. Wird die Rotzkrankheit festgestellt, müssen die erkrankten Pferde aufgrund der zu hohen Seuchengefahr getötet und entsorgt werden. Eine Behandlung ist daher nicht möglich. Insbesondere bei akuter Malleus tritt ohnehin innerhalb weniger Tage der Tod ein. Chronischer Rotz kann hingegen einen Verlauf über mehrere Jahre einnehmen und wird wegen der schwach ausgeprägten Symptome oftmals erst spät erkannt. Pferde, die von der chronischen Form betroffen sind, sterben nicht schnell, können aber während der Erkrankung andere Pferde anstecken.

Fohlen auf einer Weidefläche

Besteht der Verdacht, dass Malleus vorliegen könnte, muss umgehend ein Tierarzt hinzugezogen und der zuständige Amtstierarzt informiert werden.

Rotz beim Pferd: Möglichkeiten der Vorbeugung

Grundsätzlich müssen Pferdebesitzer eine Erkrankung ihres Tieres mit Malleus nicht befürchten, da der Erreger hierzulande als ausgerottet gilt. Zudem dürfen Pferde aus Ländern, in denen die Infektion noch häufiger auftritt, nicht nach Deutschland importiert werden. Auf diese Weise wird das Einbringen der Krankheit in den hiesigen Pferdebestand vermieden. Sollte die Rotzkrankheit dennoch ausbrechen, kann eine Übertragung durch gründliche Desinfektion des Stalls und der gesamten Umgebung verhindert werden. Eine ausgeprägte Stallhygiene ist daher ebenso wichtig wie eine gute Haltung und Fütterung. Impfungen zum Schutz gegen den Erreger existieren nicht, weder für Mensch noch Tier.

Malleus in Deutschland – neuer Fall im Jahr 2015

Im Januar 2015 wurde die Rotze bei einem Sportpferd aus dem niedersächsischen Landkreis Osnabrück nachgewiesen. Damit ist die Infektion in Deutschland erstmals wieder seit 1956 aufgetreten. Nach einem anfänglichen Verdacht, der bereits im November 2014 bei einer Routineuntersuchung zum Zweck des Exports in die USA aufkam, wurde die Erkrankung am 27. Januar amtlich bestätigt. Da bei dem betroffenen Pferd keine klinischen Symptome vorlagen, musste eine diagnostische Tötung vorgenommen werden. Auch anschließende bakteriologische Organuntersuchungen verliefen negativ. Erst in molekularbiologisch untersuchten Hautproben konnte Malleus-spezifische DNA nachgewiesen werden. Rund 70 andere Pferde, mit denen das erkrankte Tier zuvor Kontakt hatte, wurden mehrfach untersucht und waren nicht infiziert.

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