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Muss ich den Pferdeanhänger einstreuen oder nicht?

von Johanna Riem
9 Kommentare

Warum Einstreu im Pferdeanhänger Pflicht ist

Für viele Pferdebesitzer ist der Transport ihrer Pferde Routine – mal eben abends zum Springtraining an den Nachbarstall, am Wochenende aufs Turnier und im Sommer geht es eine Woche in den Strandurlaub. Doch kaum einer weiß, dass Einstreu im Pferdeanhänger Pflicht ist. Denn gesetzlich gelten bestimmte Anforderungen für die Bodenbeschaffenheit bei Viehtransporten – und dazu zählt auch der Pferdetransport.

Viehverkehrsordnung regelt den Pferdetransport

Als Paragrafenreiter kann man sich zunächst auf das Tiergesundheitsgesetz stützen. Denn hier ist festgelegt, dass Pferde zum Vieh zählen (§ 2 Nr. 4a). Das bedeutet wiederum, dass der Pferdetransport in der Viehverkehrsordnung geregelt ist.

Und laut dieser muss verhindert werden, dass Urin oder Mist auslaufen bzw. herausfallen. So können sogenannte „tierische Abgänge“ nicht auf die Straße gelangen.

Genau steht im § 1 Abs. 1, Satz 1 Nr.1:

Viehtransportfahrzeuge

(1) Fahrzeuge und Anhänger, die zur Beförderung lebenden Viehs benutzt werden (Viehtransportfahrzeuge), sowie für eine solche Beförderung benutzte Behältnisse müssen
1.    so beschaffen sein, dass tierische Abgänge, Einstreu oder Futter während des Transportes nicht heraussickern oder herausfallen können, und
2.    leicht zu reinigen und zu desinfizieren sein.

Wer dies nicht beachtet, begeht laut Gesetz eine Ordnungswidrigkeit.

Einstreu schützt vorm Heraussickern

Einstreu, egal ob Stroh oder Späne, saugt also sowohl Urin als auch Pferdeäppel auf und verhindert das Absickern während der Fahrt und auch beim Ausladen.

Außerdem sind Pferdeanhänger mit Einstreu nach einem Transport nicht nur leichter zu reinigen. Sondern die Einstreu schützt auch die oft verwendeten Gummiböden auf lange Sicht vor Ammoniak.

Auch das Tierschutzgesetz regelt den Pferdetransport

Hinzukommt auch noch Paragraf § 2 des Tierschutzgesetzes: In diesem heißt es, dass Tiere verhaltensgerecht untergebracht werden müssen. Das gilt natürlich auch für den Transport. Das bedeutet für den Pferdebesitzer, dass er die Pflicht hat, für einen rutschfesten Boden zu sorgen. Das sichere Stehen kann man über Rutschmatten regeln – diese bieten allerdings wiederum keinen Schutz gegen das Absickern von Urin. Mit einer Einstreu werden dann gleich beide Anforderungen erfüllt.

Späne oder Stroh als Einstreu?

Ob man nun mit Stroh oder Spänen einstreut, ist jedem Pferdebesitzer selbst überlassen. Manche Besitzer streuen den Pferdeanhänger sogar mit Sägemehl, Sand oder Rindenmulch aus. Wichtig ist nur, dass Saugkraft und Rutschfestigkeit gegeben sind. Und, dass das Einstreumaterial nicht die Umwelt gefährdet.

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9 Kommentare

Guido 18. Mai 2017 - 19:30

Vorsicht vor rechtlichem Halbwissen. Das hier refferenzierte Gesetzt ist die Tierschutztransportverordnung und kein “ Tierschutzgesetz“. Diese verordnung gilt jedoch nur für Tiertransporte, die einen wirtschaftlichen Hintergrund haben, also der direkte Austausch von Waren und Geld. Daraus ergibt sich also noch lange keine Verpflichtung zum Einstreu für private Transporte und wer sich nicht daran hält, negeht auch noch lange keine Ordnungswiedrigkeit.

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Caroline Lang 21. Juli 2017 - 19:42

Genau so siehts aus, ansonsten bräuchte jeder pferdebesitzer auch einen sachkundeausweis zum pferdetransport…

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Antje 22. Juli 2017 - 0:48

Guido hat meines Wissens nach völlig Recht!
So hatte ich es vor einiger Zeit auch in einem sehr informierenden und erklärenden Artikel, mit vielen Links zu den Paragraphen etc., nachgelesen.

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Andrea 24. Juli 2017 - 14:46

Genau richtig! Danke, daß du das richtig stellst!

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Suzie 21. Juli 2017 - 19:53

Also bei meinem Hänger, mit Gummimatten ausgelegt, muss ich einstreuen. Mein Pferd ist mal ausgerutscht weil ich nicht eingestreut hatte, war morgens im Winter, denke hohe Luftfeuchtigkeit, und sie ist hingefallen und kam nicht wieder hoch. Zum Glück ist sie super brav und gerät nicht in Panik wenn ich da bin. Nachdem ich dann Stroh unter die Hufe bekommen hatte konnte sie aufstehen. Ich fahr nie wieder ohne.

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Anonymous 21. Juli 2017 - 20:09

Da würde ich Guido beipflichten. Darüber hinaus führt Stroh auf dem Gummiboden des Anhängers zu einem sehr rutschigen Untergrund – nichts, was man seinem Pferd zumuten möchte.

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Dave 21. Juli 2017 - 20:18

Dies habe ich vor längerer Zeit auch recherchiert, das die Pflicht zum Einstreuen abhängig ist von der Fahrstrecke und ob dies gewerbsmäßig erfolgt. Bei „Privatfahrten“ ist es explizit nicht genau geregelt.

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Gert 21. Juli 2017 - 23:57

Danke für diesen Kommentar von Guido – das ist völlig korrekt !!! es gibt keine Einstreupflicht für private Transporte und diese entsteht auch nicht, wenn man hunderte mal auf fb etwas teilt od falsches kopiert….

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Kerstin 1. August 2017 - 19:49

Guido hat vollkommen Recht. Einstreuen ist für private Fahrten keine Pflicht.

Davon mal ab, würde ich meinen Pferdeanhänger nie wieder während des Transportes einstreuen. Einmal dieses „nette“ Erlebnis gehabt, dass sich mein Pferd auf dem Anhänger langgelegt hat, weil eingestreut war. Stroh oder auch Späne können sehr rutschig werden.

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