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Reiten mit Sporen – ja oder nein?

von Rica Kenning
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Das Tragen von Sporen ist in Reiterkreisen umstritten. Die Ansichten reichen von unbedenklich verstärkter Schenkelhilfe bis hin zu massiver Tierquälerei. Kurzum muss jeder Reiter die Entscheidung der Verwendung selbst treffen. Dennoch ist in jedem Fall Reitanfängern und Amateuren vom Reiten mit Sporen abzuraten. Was Du beim Reiten mit Sporen beachten musst, erfährst Du in diesem Artikel.

Wichtig ist: Die falsche Anwendung von Sporen kann zu erheblichen Verletzungen führen oder unerwartete Reaktionen des Pferdes auslösen. Nur sehr gute Reiter mit sensibler Arbeitsweise, kontrollierter Schenkelarbeit und viel Erfahrung sollten mit Sporen reiten. Grundsätzlich sollte jeder Reiter die Vernunft besitzen mit seinem Pferd respektvoll und verantwortungsbewusst umzugehen. Ein schmerzlicher Missbrauch jeglicher Hilfsmittel wird mit gutem Grund unter Pferdefreunden verachtet. Dennoch gebührt all den Reitern, die einen einfühlsamen Umgang mit ihren Tieren betreiben, der nötige Respekt, deren Arbeit nicht vorschnell zu verurteilen.

Was sind Sporen?

Sporen sind Aufsätze für Reitstiefel, die zur Verstärkung der Schenkelhilfen dienen.

Optik und Haptik von Sporen

Sporen sind am Stiefel befestigte Riemen aus einer Kombination von Metall oder Kunststoff und Leder oder Synthetik, die an der Ferse unterschiedliche Endstücke aufweisen. Die Sporenriemen werden über den Reitstiefel geschnallt, um mit der Fersenspitze eine Verstärkung der Schenkelhilfen herbeizuführen. Die Spitze kann aus einer Kugel, einem Dorn oder einem Rädchen bestehen.

In der englischen Reitweise besteht der hintere schlicht gehaltene Metallteil der Sporen meist aus silberfarbenen Bügeln, der auf dem untersten Teil des Reitstiefels befestigt wird. Das Ende besteht häufig aus einer Kugel oder einem herausstehenden Stift gleichen Materials. Auf Höhe des Knöchels wird der Spornriemen mit einer meist schwarzen Lederschnalle fixiert. Um die Festigkeit zu gewährleisten führt unter dem Schuh ein weiterer Sporenriemen entlang, der die Position am Stiefel fixiert.

Im Westernreiten sind die Sporen im Grundprinzip ähnlich. Der hinten verlaufende Metallbügel ist jedoch meist aufwändig verziert. Außerdem unterscheidet sich das Endstück dahingehend, dass dies meist aus einem Rädchen besteht, welches wiederum unterschiedliche Größen und Formen aufweisen kann. Diese Sporen sind derart konzipiert, dass sie am Pferdekörper nach oben hin abrollen können, weswegen hier kein Riemen unter der Schuhsohle entlang verläuft. Der Lederriemen über dem Vorderfuß ist im Gegensatz zum Englischen gerne auffällig und prunkvoll in der Optik. Der Fußriemen besteht meist aus Leder und ist sowohl in verschiedenen Farben erhältlich als auch gerne mit Ziernähten oder Steinchen veredelt.

Wie legt man Sporen richtig an?

Das Metallteil wird hinter der Ferse angelegt. Die Sporen sollten locker genug sein, um den Fuß nicht einzuengen. Sie sollten allerdings auch eng genug sein, um nicht unkontrolliert zu wackeln.

Der Sinn von Sporen

Der Einsatz von Sporen soll die Schenkelhilfen des Reiters verfeinern. Entgegen der geläufigen Meinung, Sporen wären zum Antreiben und Beschleunigen gedacht, sind sie vielmehr ein Hilfsmittel zur sanften Impulssetzung während des Reitens. Deshalb sollten sich der Benutzung ausschließlich erfahrene Reiter dem Hilfsmittel bedienen, um die sanfte Wirkung korrekt ausführen zu können.

Im Grunde soll durch den Einsatz von Sporen erreicht werden, dass kurze deutliche Schenkelhilfen gesetzt werden, anstatt regelmäßigem Druck der Schenkel auszuüben, der bei Pferden zu einem Gefühl der Abstumpfung führen kann. Außerdem wird in der klassischen Dressur gelehrt, die Sporen in der Versammlung einzusetzen. Dazu wird das Pferd nur leicht durch Schenkeldrehung des Reiters mit den Sporen berührt, um das Pferd in eine versammelte Haltung zu bewegen. Die punktuelle Berührung soll zu kontrollierter Anspannung der Bauchmuskeln des Pferdes führen und dabei dem Pferd erleichtern das Becken abkippen zu können und die Hinterhand zu aktivieren.

Falscher Einsatz von Sporen kann dabei zu erheblichen Schmerzen und langfristig zu völliger Ignoranz von jeglichen Schenkelhilfen führen.

Warum reitet man mit Sporen?

Die Sporen verhelfen dem Pferd zur Versammlung und sollen dem Abstumpfen vorbeugen.

Der korrekte Einsatz von Sporen

So selten als möglich sollen die Sporen das Pferd berühren und nur dann zum Einsatz kommen, wenn die Schenkelhilfe verdeutlicht werden soll. Während der Fuß dreht und die Ferse des Reiters angehoben wird, berührt der Sporn das Pferd. Dabei muss auf die korrekte Länge des Sporns geachtet werden, denn nur durch diese Minimalbewegung sollte der Sporn das Pferd berühren.

Unterdessen treibt der Schenkel unverändert weiter. Besonders wichtig bei der Arbeit mit Sporen ist das Nutzen zum korrekten Zeitpunkt, denn nur wenn der Muskel stimuliert wird, solange das Hinterbein in der Luft ist, kann das saubere Untertreten gefördert werden. Wird der Punkt zum falschen Zeitpunkt berührt, hat die Unterstützung keine Funktion oder gar eine kontraproduktive Auswirkung.

Im Falle des durchgängigen Rückentrainings mit Hilfe von Sporen, werden diese beim Reiten gleichzeitig beidseitig eingesetzt. Dadurch wölbt sich der Rücken nach oben und die betreffenden Muskeln der Rückenpartie werden trainiert. Hierbei handelt es sich um eine komplexe und sehr anstrengende Übung für das Pferd. Es wird daher stets dazu geraten, einen erfahrenen Fachmann hinzuzuziehen, um eine korrekte Verwendung der Sporen zu erlernen und diese umfassende Übung durchführen zu können.

Wie reitet man richtig mit Sporen?

Um einen positiven Trainingseffekt zu erzielen, muss ein gezielter und korrekter Einsatz der Sporen zum richtigen Bewegungsmoment ausgeführt werden.

Das Tragen von Sporen

Sporen sollten ausschließlich zu gezieltem Training getragen werden und keinesfalls zu einem gewohnten Accessoire werden. Gemäß der Richtlinie der LPO (Leistungsprüfungsordnung) sind in der Dressur Sporen als Hilfsmittel zwar zugelassen, aber nicht zwingend für die Teilnahme notwendig. Ebenso gilt gleiches für die Disziplinen im Springen, der Vielseitigkeitsprüfungen und der Prüfungen im Geländereiten. Es wird jedoch deutlich darauf hingewiesen, dass jegliche Ausrüstung den Grundsätzen der Unfallverhütung und des Tierschutzes entsprechen müssen. Zudem müssen provozierte Verletzungen ausgeschlossen werden können. Die deutsche Vereinigung der Westerndressur (NRHA – National Reining Horse Association) schließt sich dem an. Das Tragen von Sporen während der verschiedenen Disziplinen ist auch hier gestattet, allerdings nicht verpflichtend zur Teilnahme an derartigen Turnieren.

Wann sollte man mit Sporen reiten?

Es ist nützlich mit Sporen zu reiten, um einen bestimmten Trainingserfolg zu erzielen. Ein gewissenhafter und sorgsamer Umgang mit Hilfsmitteln wird bei der Verwendung vorausgesetzt.

Verschiedene Sporen-Arten im Überblick

Grundsätzlich sollten Sporen aller Art immer in gereinigtem Zustand verwendet werden, um verhärtetem Schmutz oder ungängigen Rädchen vorzubeugen. Diese Verschmutzungen können zu unbeabsichtigten Verletzungen führen, die zwingend verhindert werden sollten.

Man unterscheidet die Sporen auf den ersten Blick zwischen Sporen der englischen Reitweise und Sporen des Westernreitens. Jedoch gibt es noch etliche weitere Unterschiede in Material, Größe und verschiedenen Dornarten.

Sporen der englischen Reitweise unterscheiden sich auf näheres Hinsehen enorm in ihrer Funktionalität. Hier werden die Sporenstege, die Befestigungsart, die Dornlängen und die Dornenden je nach Anwendungsgebiet ausgewählt. Die Sporenstege sind überwiegend optische Vorlieben die berücksichtigt werden, wohingegen die Dornlänge der Sporen auf die Beinlänge des Reiters in Verbindung mit der Körpergröße des Pferdes eine wichtige Rolle spielt. Die Sporen sollten einen gewissen Punkt am Pferdebauch anreizen, um dort die Muskelarbeit zu aktivieren und zu unterstützen, weswegen die Dornlänge besonders wichtig ist. Die Dornenden sind außerdem äußerst vielfältig in ihrer Auswahl und Auswirkung und bedürfen daher einer bedachten Wahl. Im Zweifel sollten Sporen für tendenziell sensiblere Pferde gewählt werden, um das Pferd nicht zu überfordern. Die Intensität der Dornen kann bei Bedarf erhöht werden, falls das Pferd im Training nicht ausreichen auf das Hilfsmittel reagiert.

Gerade Dornen

Es handelt sich um einen kleinen stumpfen Dorn, der meist abgerundet ist und er eignet sich für tendenziell sensible Pferde, die lediglich einen minimalen Impuls benötigen.

Knopfsporen

Eine Kugel gleichen Materials, die das Dornende ausmacht, hilft auf sanfte Weise, die Schenkelhilfen zu unterstützen. Sensible Pferde reagieren gut auf das sanfte Hilfsmittel.

Sporen beim Westernreiten

Typisch für Westernsporen sind die auffälligen Verzierungen.

Hammerkopfsporen

Der Dorn endet kantig, welcher die Form eines Hammers hat. Diese Dornart ist für tendenziell weniger sensible Pferde geeignet und unterstützt dabei die deutliche Hilfensetzung.

Schwanenhalssporen

Ein abgerundeter Dorn mit geschwungenem Hals eignet sich besonders für langbeinige Reiter bzw. Reiter auf kleineren Pferden, um trotz kleiner Fußbewegungen dennoch den Kontakt zum Pferd aufnehmen zu können.

Runde Radsporen

Der gespaltene Dorn beinhaltet ein frei bewegliches Rädchen, das für deutliche Impulssetzung verwendet wird. Radsporen sind für unsensible Pferde konzipiert, die eine klare Hilfegebung benötigen.

Sonnenradsporen

Der gespaltene Dorn beinhaltet ein zackiges Rädchen, welches unsensible Pferde einen deutlichen Impuls verleihen kann. Durch die Verwendung von Sonnenradsporen können sehr deutliche Schenkelhilfen gegeben werden.

Walzensporen

Die Sporen enden mit einer kleinen Walze oder einer Kugel mit ähnlichem Effekt der Radsporen. Walzen sind jedoch für Pferde konzipiert, die auf Hilfen eher fein reagieren.

Westernsporen

Westernsporen werden nicht unter der Schuhsole fixiert werden und können locker auf- und abfallen. Sie sind stets mit einem Rädchen versehen, das am Dorn endet. Dieses kann unterschiedlich groß und unterschiedlich spitz ausfallen. Die Dornlänge und die Krümmung des Dorns kann variieren und sollte immer an die Größe des Reiters und an die Körpergröße des Pferdes angepasst sein.

 

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So geht‘s auch: Sensibel reiten ohne Hilfsmittel

Allgemein gilt, dass Hilfsmittel wie Gerte und Co. viel zu häufig fälschlich eingesetzt werden, um das Pferd voranzutreiben. Daher stammt tatsächlich auch der schlechte Ruf jeglicher Hilfsmittel, denn falsch eingesetzte Hilfen verursachen ein Abstumpfen des Pferdes. Daraus ergibt sich ein logischer Teufelskreis, denn daraufhin wird meist mit noch schärferen Hilfsmitteln reagiert.

Eine andere Methode ist, sich als Reiter intensiv mit einer korrekten Reitweise auseinanderzusetzen. Gegebenenfalls ist es notwendig, einen erfahrenen Reitlehrer um Hilfe zu bitten. Ein bereits abgestumpftes Pferd wieder sensibler zu bekommen ist keine leichte Aufgabe und bedarf viel Mühe und Geduld. Sensibilisierung funktioniert nur, wenn das Pferd versteht, wie es auf Schenkeltreiben reagieren soll. Die richtige Reaktion, also ein zügiges Vorwärtsgehen, muss stets mit einem deutlichen Lob durch den Reiter anerkannt werden.

Bei der Sensibilisierungsarbeit ist außerdem wichtig, dass zu dieser Zeit ausschließlich an diesem Punkt gearbeitet wird. Zügelhilfen, Geschwindigkeitsregulierungen und sonstige Korrekturmaßnahmen können das Pferd in diesem Fall verunsichern. Es ist zudem wichtig, dass der Reiter einen sicheren ruhigen Sitz beherrscht, sodass keine irritierenden Bewegungen stattfinden. Das Pferd muss eindeutig verstehen, was von ihm verlangt wird. Im Falle der Sensibilisierung ist ausschließlich das Vorantreiben durch korrekten Schenkeldruck im Fokus.

Sobald das Pferd sicher auf den Schenkel des Reiters reagiert, kann an weiteren Übungen gearbeitet werden. Der große Vorteil ist, dass anschließend folgende Lektionen ebenfalls ohne Hilfsmittel durchgeführt werden können.

Sind Sporen beim Reiten erlaubt?

Ja, Sporen sind beim Reiten erlaubt. Bei einer Turnierteilnahme sind Sporen gestattet, aber nicht zwingend erforderlich.

Reiten mit Sporen – Tierquälerei oder hohe Reitkunst?

Grundsätzlich ist der Einsatz von Sporen und anderen Hilfsmitteln pauschal weder Tierquälerei noch hohe Reitkunst, denn die Art der Anwendung macht den großen Unterschied dabei aus. Sporen können bei falscher Verwendung definitiv Schmerzen beim Pferd verursachen und kontraproduktive Auswirkungen haben. In gewisser Weise ist daher verständlich, dass der Einsatz von Sporen äußerst umstritten ist.

Der Umgang mit Sporen sollte deshalb nur sehr gut ausgebildeten Reitern vorbehalten sein. Die hohe Reitkunst dürfte jedoch für derart gute Reiter ebenfalls ohne Hilfsmittel auszuführen sein und ist daher unabhängig der Gewissensfrage. Für effektives Training in korrekter Anwendung spricht nichts gegen den Einsatz von Sporen beim Reiten.

Sind Sporen Tierquälerei?

Insofern Sporen korrekt eingesetzt werden, handelt es sich nicht um Tierquälerei. Anfänger und Amateure sollten jedoch Abstand von derartigen Hilfsmitteln nehmen.

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