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Menorquin

von Frederieke Wenning
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Menorquiner – Auf der Hinterhand tanzende Hengste mit einem imposanten Erscheinungsbild – kaum eine Pferderasse übt eine derartige Faszination aus. Die auf der Balearen-Insel Menorca beheimatete Rasse wird offiziell als Caballo de Pura Raza Menorquina, übersetzt reinrassiges menorquinisches Pferd, bezeichnet und ist mit ihren rhythmischen Bewegungen wie geschaffen für die hohe Kunst des Dressurreitens. Harmonisch und leichtfüßig tänzeln die Pferde förmlich durch die Lektionen im einheimischen Reitstil Doma Menorquina und sorgen dabei vor allem mit ihrem Lauf auf der Hinterhand für Furore, den sie als einzige Pferderasse weltweit beherrschen. Alles über die Pferderasse Menorquiner erfährst Du in diesem Artikel.

Wichtige Daten zum Menorquiner im Überblick

  • Ursprung: Menorca, Spanien
  • Hauptzuchtgebiet: Menorca, Spanien
  • Verbreitung: Menorca, Spanien; vereinzelt in anderen Teilen Europas
  • Stockmaß: 1,55m bis 1,65m
  • Gewicht: 450 bis 600kg
  • Erscheinungsbild: elegantes Warmblut
  • Farben: Rappe; andere Farben selten und unerwünscht
  • Haupteinsatzgebiet: Dressur, Show

Zuchtgeschichte des Menorquiner

Ursprung

Menorquin sind seit jeher auf Menorca beheimatet und werden noch heute beinahe ausschließlich von den Gestüten auf der Balearen-Insel und nur vereinzelt in weiteren europäischen Ländern gezüchtet. Über ihren Ursprung ist nur wenig bekannt, denn bis heute sind keine vollkommen gesicherten Erkenntnisse bezüglich ihrer genealogischen Abstammung vorhanden. Dennoch wird mehrheitlich angenommen, dass Menorquiner mit dem Berber, dem Araber oder portugiesischen Lusitanos verwandt sind, während einige Stimmen auch Englische Vollblüter oder französische Pferde ins Spiel bringen.

Zuchtmethodik & Veredelung

Angesichts der wechselvollen Geschichte Menorcas, das über die Jahrhunderte hinweg unter dem Einfluss verschiedener Herrschaften und Kulturen stand, sind durchaus vielseitige Abstammungen und Einkreuzungen denkbar. In jedem Fall jedoch war die Haltung von Pferden im ländlichen Lebensumfeld der Insel gang und gäbe, wobei die Menorquin nicht für landwirtschaftliche Zwecke eingesetzt wurden und sich gerade deshalb ihre Leichtfüßigkeit und elegante Erscheinung bewahren konnten. Das typische „Menorca-Pferd“ wurde von den Einheimischen als inseleigene Rasse angesehen und bewusst von Pferden aus unterschiedlichen Kreuzungen unterschieden, ohne dass eine offizielle Anerkennung vorlag.

Dies sollte sich erst im Jahr 1988 ändern, als die Menorquin erstmals als eigenständige Pferderasse registriert und die Vereinigung der Züchter und Besitzer von Pferden menorquinischer Rasse gegründet wurde. Nach der Auswahl entsprechend geeigneter Vererber erfolgte die Ausstellung von Zuchtpapieren durch den neu initiierten Zuchtverband, ehe 1994 das erste Zuchtbuch herausgegeben und 2003 eine einheitliche Zuchtnorm eingeführt wurde. Heute umfasst die Population rund 3.500 Menorquin, darunter etwa 850 eingetragene Zuchtstuten. Aufgrund des vergleichsweise kleinen Bestands gelten sie nach wie vor als eine vom Aussterben bedrohte Haustierrasse, obwohl das Interesse auch auf dem ausländischen Pferdemarkt allmählich zunimmt.

Zuchtbücher/ Zuchtverbände

Betreut wird die Zucht der Menorquin von dem Zuchtverband Associació de Criadors I Propietaries de Cavalls de Raça Menorquina, der mehr als 500 Mitglieder überwiegend von der Insel, aber auch einige aus dem europäischen Ausland wie Frankreich oder Deutschland zählt. Als Vereinigung von Züchtern und Unterstützern der Menorquin-Pferdezucht obliegen dem Verband unter anderem die Herausgabe des Zuchtbuches, die Bewahrung der Zuchtstandards und die Organisation von Leistungsprüfungen und Turnieren.

Menorquiner Verkaufspferde bei ehorses

Exterieur

Größe

Menorquin werden durchschnittlich um die 160 Zentimeter groß und wiegen mehr als 500 Kilogramm. Während Stuten ein minimales Stockmaß von 148 Zentimetern aufweisen sollten, ist bei Hengsten eine Mindestgröße von 156 Zentimetern erwünscht. Ungeachtet dessen können die Pferde durchaus Größen von bis zu 1,70 Meter erreichen.

Gebäude

Im Typ eines barocken Pferdes stehend präsentieren sich Menorquin mit einem länglichen Kopf, der über ein gerades bis leicht gewölbtes Profil verfügt und durch kleine Ohren sowie die lebhaften, runden Augen an Ausdruck gewinnt. Die muskulöse, mittellange Halspartie wird durch eine kräftige Mähne in Szene gesetzt und geht in einen länglichen Rumpf mit mittelbreiter Brust und geradem Rücken über.

Menorquiner Kopf

Im Typ eines barocken Pferdes stehend präsentieren sich Menorquin mit einem länglichen Kopf.

Auffällig sind nicht zuletzt die langen Beine mit ihren breiten Gelenken, bei denen die Hinterhand nur vergleichsweise kurz ausgeprägt ist. Als umso imposanter erweist sich der bemerkenswert lange Schweif, der das edle, schlanke Erscheinungsbild der Menorquin zusätzlich unterstreicht. Insgesamt zeigt sich der Körperbau sehr harmonisch, deutlich kräftiger als beim Araber.

Fell und Färbungen

Ihren hohen Wiedererkennungswert verdankt die Rasse vor allem ihrer markanten Fellfärbung, denn jeder Menorquin ist ein Rappe in dunkel-schwarzer Schattierung und wird als Brauner geboren. An den Beinen und am Kopf sind weiße Abzeichen erlaubt, allerdings nur in geringem Ausmaß, sodass helle Fesseln ausgeschlossen sind.

Grundgangarten / Bewegungen / Bewegungsablauf

Mit ihrem eleganten, harmonischen und leichten Bewegungsablauf sind Menorquin wie geschaffen für die Dressur, in deren Rahmen sie mit Übungen der Hohen Schule ausgebildet werden. Rhythmische und beschwingte Gänge, formvollendet gezeigt in unterschiedlichen Lektionen des Dressurreitens sorgen bei Zuschauern nicht selten für Begeisterungsstürme. Berühmt ist die Rasse vor allem für ihre Fähigkeit zum sogenannten Bot, dem Laufen auf der Hinterhand, sowie für die Beherrschung der Laufcourbette, bei der die Pferde problemlos Dutzende von Metern allein auf der Hinterhand zurücklegen. Weltweit gelten sie als einzige Rasse, die dieser spektakulären Übung mächtig ist, zumal sie beim Laufen auf den Hinterbeinen wie schwebend über den Boden tanzen.

Wie schwer wird ein Menorquiner?

Das durchschnittliche Gewicht liegt je nach Körperbau zwischen 450 und 600kg.

Menorquiner – Interieur

Mit ihrer Charakterstärke und hohen Intelligenz erweisen sich Menorquin stets als umgängliche und lernbereite Pferde, die bei Übungen energisch und mit Eifer agieren. Ungeachtet des ihnen oftmals nachgesagten lebhaften Temperaments, sind sie gelehrig und freundlich in ihrem Wesen, zumal sie sich mit ihrer Gelassenheit und Konzentrationsstärke durch nichts aus der Ruhe bringen lassen. Sei es für das Freizeitreiten oder sportliche Ambitionen, die aufmerksamen und sensiblen Pferde sind stets ein Gewinn für den Reiter. Vor allem im Gelände erweisen sich die Pferde als stets unerschrocken und begeistern ihre Reiter mit der unglaublichen Trittsicherheit.

ie edlen Pferde können dank ihrer Robustheit und Nervenstärke bei den einheimischen Festen auf Menorca eingesetzt werden. Wer hier an elegante Dressurauftritte im Viereck denkt, hat weit gefehlt. Bei den traditionellen Sommerfesten preschen junge Männer mit den Pferden durch dichtes Menschengedränge und zeigen die Lektionen in der Mitte und dicht umgeben von zahlreichen Schaulustigen. Damit die Pferde dieses Spektakel entspannt mitmachen, werden sie auch im Training immer wieder mit vielen Umweltreizen konfrontiert. Das härtet ab, sodass sich die edlen Tiere auch in Menschenmassen selbstbewusst und unerschrocken bewegen.

Wie groß wird ein Menorquiner?

Das Stockmaß von Menorquinern liegt zwischen 155 und 165cm.

Verwendung des Menorquin

Der Großteil der Menorquin wird im Bereich des Dressurreitens oder bei Shows und Veranstaltungen zum Paradereiten eingesetzt. Wer in den Sommermonaten eine volkstümliche Festivität auf Menorca besucht, wird nicht selten Vertreter der heimischen Pferderasse antreffen, die mit ihren akrobatischen Einlagen für reichlich Spektakel und Begeisterung sorgen. Nach wie vor sind sie in ihrer Heimat ein fester Bestandteil allerlei Fiestas und werden bei den sogenannten Jaleos, in den Straßen stattfindende Festumzüge und Reiterspiele, mit Spannung erwartet.

Menorquiner Herde

Der Großteil der Menorquin wird im Bereich des Dressurreitens oder bei Shows und Veranstaltungen zum Paradereiten eingesetzt.

Inmitten einer Traube von Schaulustigen, im menorquinischen Reitstil zur Musik auf den Hinterhufen tanzend – traditionell stehen die Menorquin im Mittelpunkt des bunten Treibens und bleiben Zuschauern mit ihren reiterlichen Künsten zweifelsohne in denkwürdiger Erinnerung. Als Sportpferd sind Menorquiner aber auch für andere Disziplinen im Bereich des Freizeitreitens geeignet, beispielsweise für das Springreiten, Ausritte oder auch vor der Kutsche und im Fahrsport.

Auf der spanischen Insel Menorca, die nach wie vor der Hauptzuchtort ist, wird eine eigene Reitweise praktiziert. Die sogenannte Doma Menorquina, die menorcanische Dressur, kombiniert die englische und die iberische Reitweise. Die Pferde lernen klassische Dressurelemente mit Lektionen der Hohen Schule zu kombinieren. Dabei sind die PRM sehr talentiert und eifrig.

Besonderheiten der Menorquin Pferde

Menorquiner oder Caballos de Pura Raza Menorquina (PRM) – wie der volle Name lautet – gelten als die einzige Pferderasse der Welt, die auf zwei Beinen aufrecht gehen kann. Menorquinern wird die sogenannte Laufcourbette oder Laufpesade von jeher beigebracht. Dabei laufen die Pferde nur auf den Hinterbeinen. Teilweise bieten die Pferde diese Lektion unter ungeübten Reitern unaufgefordert an, was ihnen in manchen Kreisen den Ruf als aggressiv und schwierig eingebracht hat. Allerdings ist dieses Verhalten eher auf falsche Hilfengebung des Reiters oder auf den Arbeitswillen des Pferdes und nicht auf Aggressivität zurückzuführen.  Dabei können sich die Pferde nur auf den Hinterbeinen laufend bis zu 40 Meter weit bewegen.

Die Menorquiner sind aufgrund ihrer relativ kleinen Population vom Aussterben bedroht. In den letzten Jahren konnten sie aber auch außerhalb ihrer Heimatinsel immer mehr Menschen von ihren Talenten überzeugen, sodass mittlerweile auch in anderen europäischen Ländern Menorquiner gezüchtet werden.

Menorquiner vor Menschenmasse

In ihrer Heimat sind sie weit mehr als eine Pferderasse mit faszinierender Dressurkunst

Auf Menorca beheimatet und zugleich auf der internationalen Bühne präsent – auch die Macher der bekannten Pferde-Show Apassionata haben Menorquin bereits für ihre Vorführungen entdeckt und lassen die spanischen Pferde mit ihren tänzerischen Lektionen über das Viereck schweben. In ihrer Heimat sind sie weit mehr als eine Pferderasse mit faszinierender Dressurkunst, denn tief verwurzelt in der kulturellen Tradition und im bäuerlichen Leben der Einwohner gelten sie als Wahrzeichen und nationales Sinnbild der Insel. Nicht umsonst befindet sich in der zweitgrößten Stadt Menorcas, Ciutadella, ein imposantes Denkmal, das ein steigendes, auf der Hinterhand balancierendes Pferd zeigt und damit exakt die Besonderheit der Doma Menorquina, der einheimischen Reitkunst, darstellt, die Menorquin seit jeher ausmacht.

Wofür ist ein Menorquiner geeignet?

Menorquiner werden zum Dressurreiten und auf Shows eingesetzt.

Erbkrankheiten der Menorquiner

Menorquiner gelten als extrem widerstandsfähig und zäh. Genetisch bedingte Krankheiten sind nicht bekannt.

Bekannte Pferde der Rasse

Bekannte Rassevertreter, die hervorstechen sind nicht bekannt. Allerdings werden die Menorquiner aufgrund ihrer Talente in der Dressur und der Hohen Schule sowie aufgrund ihrer absoluten Nervenstärke immer interessanter für Züchter in der ganzen Welt. Vor allem bei Shows wie der Appasionata steigt die Nachfrage nach den schicken Spaniern.

Wie alt wird ein Menorquiner?

Menorquiner werden zwischen 25 und 30 Jahre alt.

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