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Fohlen retten –  Was es mit Schlachtfohlen wirklich auf sich hat

von Michael Hein
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Saftige Wiesen, blauer Himmel und idyllisches Bergland, das Leben auf der Alm muss toll sein! Auf den Wiesen sehen wir zum Beispiel eine Herde Haflinger mit Fohlen, die über den Sommer auf der Alm die schönste Zeit ihres Lebens haben. Doch es sind oftmals Schlachtfohlen, die nach dem Alm-Abtrieb nur noch als Touristenmagnet funktionieren und bei der nächsten Auktion an den Schlachter verkauft werden. Die Mutterstute hingegen geht zurück auf die Alm, um nächstes Jahr mit einem neuen Fohlen zurückzukehren. Alles zum wichtigen Thema „Schlachtfohlen“ und „Fohlenrettung“ erfährst Du in diesem Artikel.

Schlachtfohlen – Was steckt dahinter?

Es gibt Pferderassen wie zum Beispiel Haflinger, Noriker oder Freiberger, die als Fleischlieferant gezüchtet werden oder sich so sehr vermehren, dass es einfach nicht genügend Platz gibt, um alle aufzuziehen. So sagt man, dass einige Rassen nur dadurch erhalten werden könnten, doch was hat das für einen Sinn, wenn das Zuchtziel die Fleischproduktion ist? So setzen sich Tierschutzvereine dafür ein, dass Stuten zum Beispiel nur alle zwei Jahre gedeckt werden dürfen. Es ist schließlich sinnvoller, ein Rasse nur in kleiner Zahl zu erhalten und für Liebhaber zu züchten, anstatt jedes Jahr die „überschüssigen“ Fohlen zum Schlachter bringen zu müssen.

Werden Fohlen geschlachtet?

Ja, es gibt jedes Jahr Tausende Fohlen, die geschlachtet werden. Pferderassen wie der Freiberger, Haflinger, Noriker oder Ardenner sind dabei besonders häufig.

Fohlen retten: Haflingerfohlen

Schlachtfohlen wachsen zur Hälfte ihres kurzen Lebens in Mastställen in Süd- oder Osteuropa auf, wo sie für 4-7 Monate angebunden in einem Stall stehen.

Die Fohlen wachsen zur Hälfte ihres kurzen Lebens in Mastställen in Süd- oder Osteuropa auf, wo sie für 4-7 Monate angebunden in einem Stall stehen. Sobald sie dann genug Fleisch angesetzt haben, werden sie geschlachtet. Ein Fohlen bringt dem Schlachter nach Abzug der Kosten ganze 400 € ein. Ein Kilo Fohlenfleisch kostet 30 € im Geschäft, also ein typischer Preis für Fleisch in Bioqualität. Der Schlachter selbst verkauft es für 7,50 € an den Supermarkt. Das Fohlenfleisch ist also ein sehr gutes Geschäft. Ardenner und Noriker sind tatsächlich oft nur Fleischlieferanten. Regionen, in denen es besonders viele Schlachtfohlen gibt, sind Frankreich, Belgien, Österreich, Schweiz und Süddeutschland.

In Österreich werden nach dem Alm-Abtrieb im Spätsommer viele Fohlen versteigert und dann geschlachtet. Allerdings werden nicht alle Fohlen nach dem Alm-Abtrieb geschlachtet. Es funktioniert so: Der Almabtrieb ist grundsätzlich eine Feierlichkeit. Es gleicht einem Volksfest, es wird getrunken und die Touristen schauen sich das Spektakel und die süßen Fohlen gerne an. Die Besitzer der Fohlen jedoch haben nicht das Geld, um allen Tieren eine Aufzuchtstätte zu bieten und so gibt es jedes Jahr eine Auktion und eine Hengstkörung nach dem Alm-Abtrieb. Dabei wird aussortiert. Einige Stutfohlen kommen zurück in die Herde, um die nächsten Jahre auch ein Fohlen zu bekommen. Die Hengstfohlen gehen zur Körung. Die nicht gekörten Hengste und der Rest der Stutfohlen gehen dann in die Auktion, bei der meist Schlachter zu Gast sind. Glücklicherweise gibt es aber viele Tierschutzvereine, die sich der Fohlenrettung annehmen. Doch auch die Tierschützer haben oft nicht genügend Ressourcen, um jedes Jahr mehrere Fohlen zu kaufen und zu vermitteln. Sie sind auf Spenden angewiesen, um die Pferde zu kaufen, versorgen und weiter vermitteln zu können.

Was sind Schlachtfohlen?

Schlachtfohlen sind Fohlen, die nach mit etwa einem Jahr geschlachtet werden. Bestimmte Rassen wie zum Beispiel Noriker oder Freiberger werden teilweise nur noch als Fleischlieferanten vermehrt.

Welche Rassen werden besonders oft geschlachtet?

Es gibt bestimmte Rassen, die als Fleischlieferanten gelten. In Süddeutschland und Österreich sind es Haflinger und Noriker, in Frankreich und Belgien werden hauptsächlich Ardenner, Percheron und Bretonen als Schlachtpferde gezüchtet. In Süddeutschland und Österreich wissen sich die Bauern meist einfach nicht anders zu helfen, sagen einige Tierschützer. Sie kennen es nicht anders und manche rufen sogar die bekannten Tierschutzvereine an und fragen, ob sie die Fohlen abkaufen oder der Schlachter. Die Bauern haben nicht genügend finanzielle Mittel und oft sind sie auch nicht besonders gut mit dem Internet vertraut, sodass es einfach keine andere Chance gibt, die Tiere an den Mann zu bringen.

Zwei Fohlen auf einer großen Weide

Tierschützer auf Spenden angewiesen, um die bedrohten Fohlen zu kaufen, versorgen und weiter vermitteln zu können.

In der Schweiz sind es die Freiberger. Der Freiberger Zuchtverband verdient damit sogar gutes Geld, denn die Zucht der Tiere ist staatlich subventioniert durch eine sogenannte Stuten-Subvention von zwei Millionen Euro. Für jedes Fohlen bekommt der Züchter und der Verband dadurch 1000-Franken. Der Rasse-Erhalt ist dem Tierschutzbund Zürich genauso wichtig wie dem Zuchtverband, doch die Ziele dahinter könnten unterschiedlicher gar nicht sein.

Während der Zuchtverband mit jedem Fohlen Geld verdient und es völlig egal ist, ob es an einen Schlachter verkauft wird oder nicht, sieht der Tierschutzbund Zürich dies als falsch an. Man setzt sich dafür ein die Stuten-Subventionen umzufunktionieren. So sollte das Geld erst ab dem dritten Lebensjahr der Jungtiere gezahlt werden und auch nur dann, wenn sie sich in artgerechter Haltung und Ausbildung befinden. 2015 reichte ein Abgeordneter einen Antrag dazu ein, doch dieser wurde abgelehnt. Letztendlich gibt es nun eine Empfehlung dafür, das Geld immerhin zu einem Teil erst dann an den Züchter und den Verband auszuzahlen, sobald das Tier drei Jahre alt ist.

Warum werden Fohlen geschlachtet?

Schlachthöfe verdienen gutes Geld mit dem Verkauf von Fohlenfleisch. So bringt ein Kilogramm Fohlenfleisch 7,50 € ein und mit einem Fohlen macht man ca. 400 € Gewinn. Gründe, weshalb ein Fohlen geschlachtet wird, können Rasse, Aussehen, Geschlecht oder körperliche Einschränkungen sein.

Fohlenrettung schenkt Tieren das Leben zurück

Tierschutzvereine wie zum Beispiel „Animal Spirit“, „4 Hufe im Glück“, Schlachtfohlen auf dem Weg ins Glück e.V., 4animals und Netzwerk Finchen e.V. sind Vereine, die jedes Jahr versuchen Fohlen zu kaufen oder direkt zu vermitteln.

Wo kann ich ein Pferd retten?

Man muss sich vor dieser Entscheidung bewusst sein, dass es mit der Rettung nicht getan ist und man dem Tier für 20 bis 30 Jahre ein artgerechtes Leben bieten können muss. Möchte man ein Schlachtfohlen kaufen, wendet man sich am besten an Tierschutzvereine, die darauf spezialisiert sind.

Fohlenrettung Schweiz

4animals hat sich auf die Vermittlung von Freiberger Schlachtfohlen spezialisiert. Außerdem arbeiten sie mit einer Hundeauffangstation zusammen.

Fohlenrettung Österreich

haflingerfohlen

In Österreich sind es vor allem Haflingerfohlen, die gerettet werden.

Das Projekt von Animal Spirit hat bereits 900 Fohlen ein neues zu Hause vermitteln können. Animal Spirit sind hauptsächlich in Österreich und Süddeutschland unterwegs und gehen in ihren Berichten besonders auf die Umstände auf dem Maishofener Fohlenmarkt ein. Dort werden die Pferdekinder nicht besser als ein Traktor behandelt und manch ein Tier kam schon mit Verletzungen auf den Hänger des Käufers. Die Sitten sind rau und der Alkohol fließt auf der volksfestartigen Veranstaltung in Strömen. Jeder Verkäufer dort träumt natürlich von dem eigenen Star-Fohlen, welches für über 10.000 € verkauft wird, doch die Realität ist das leider nicht. Hat ein Tier einen Schönheitsfehler, kommt es zum Schlachter. Ist der Hengst nicht genug, kommt er zum Schlachter…

Vor allem bei Haflingern wird ganz besonders auf die Äußerlichkeiten geachtet. Eine rein weiße Mähne und Schweif sind erwünscht und natürlich ein schönes fuchsfarbenes Fell. Fällt ein Tier aus der Reihe, hat es nur eine geringe Chance, dem Schlachter zu entgehen.

Was kostet ein Schlachtfohlen?

Wenn man selbst ein Schlachtfohlen über den Tierschutz kaufen möchte, so muss man mit einem Preis von 1.000-1.200 € rechnen. Der Schlachter würde nur etwa 500 € bezahlen, doch die Tierschutzvereine berechnen eine Schutzgebühr, die beispielsweise den Import der Tiere, Impf- und Tierarztkosten beinhaltet. Man jedoch immer wieder verzweifelte Züchter antreffen, die ihre Tiere verschenken.

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