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Freiberger

von Frederieke Wenning
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Die Freiberger Pferde sind die letzte verbliebene Rasse Schweizer Ursprungs und europaweit die einzigen leichten Kaltblüter. Bis heute ist der Rasseursprung im Gebiet des Freiberge-Hochplateaus im Schweizer Jura namensgebend für die kompakt gebauten Pferde, deren Zuchtgeschichte vor allem seit Beginn des 19. Jahrhunderts einen erfolgreichen Verlauf nahm. Alles über die Freiberger Pferde erfährst Du in diesem Artikel.

Wichtige Daten zum Freiberger Pferd im Überblick

  • Ursprung: Schweiz
  • Hauptzuchtgebiet: Schweiz
  • Verbreitung: überwiegend in der Schweiz
  • Stockmaß: 150 bis 160 cm
  • Gewicht: 550 bis 650 kg
  • Erscheinungsbild: quadratisch, kompakt
  • Farben: Braune, Füchse, selten Schimmel und Rappen
  • Haupteinsatzgebiet: Reitpferd, Fahren

Herkunft und Ursprung der Pferderasse Freiberger Pferde

Obwohl sich die Bestandszahl der Freiberger Pferde gegenwärtig noch immer auf einem unteren Niveau bewegt, zählt die Rasse nicht mehr zu den gefährdeten Tieren. Als sogenannte Urfreiberger gelten Pferde, bei denen seit 1950 keine Einkreuzungen mit Fremdblut vorgenommen worden sind. Dies legte der Eidgenössische Verband des reinrassigen Freiberger Pferdes (RRFB) einmalig fest. In Deutschland setzt sich der Verein „Deutscher Förderverein für Freiberger Pferde e.V.“ für die Rasse ein.

Wie alt wird ein Freiberger?

Ein Freiberger kann bis zu 30 Jahre alt werden.

Freiberger Pferd – Zuchtgeschichte

Die heute als Freiberger Pferde bekannte Rasse entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Kreuzung von Landesstuten mit englischen und französischen Warmbluthengsten kompakten Typs brachte ein Pferd hervor, das sich für den Einsatz in Militär, Land- und Forstwirtschaft eignete. Der Ursprung der Rasse liegt jedoch rund 500 Jahre zurück, einhergehend mit der bäuerlichen Pferdezucht. Vor allem an der Grenze der Schweizer Jura, auf dem Hochplateau der Freiberge, wurden zunächst schwere Kavallerie- und Arbeitspferde gezüchtet. Diese erfreuten sich als Militärpferde großer Beliebtheit, ehe die Nachfrage nach Schweizer Pferden bis Mitte des 19. Jahrhunderts zurückging.

Der Fortbestand sollte durch die Arbeit einer 1864 gegründeten Fachkommission sowie durch die Belebung der Kavallerie-Pferdezucht gesichert werden. Maßgeblich für den Zuchterfolg war schließlich der Ankauf von Beschälern aus dem Schweizer Jura, darunter der Stammvater Vaillant, der französisches und englisches Blut vereinte. Ab 1910 wurde der Freiberger in seinem mittelschweren, robusten Typ in Reinzucht gezüchtet. Ging der Bestand bis Ende des Zweiten Weltkriegs durch den sinkenden Bedarf an Arbeits- und Zugpferden zurück, so wurde die Zucht der Freiberger Pferde ab 1945 wieder belebt. Bedeutend waren insbesondere die Veredelungen mit dem Anglo-Normannen Uran, dem Hengst Aladin sowie den Vollblutarabern Doktryner, Shagya und Shagya I.

Freiberger Verkaufspferde bei ehorses

Wie groß werden Freiberger Pferde?

Das Stockmaß der Pferde liegt bei 150 bis 160 Zentimetern.

Exterieur des Freiberger

Diese Pferde sind im mittelschweren Typ, die bei einem Körpergewicht von 550 bis 650 Kilogramm ein Stockmaß von um die 150 bis 160 Zentimeter erreichen sollten. Der Körperbau ist kompakt und quadratisch, während sich das trockene Fundament mit kräftigen Beinen zeigt. Erwünscht sind tief angesetzte, große Gelenke, mittellange Fesseln und ansehnlich geformte Hufen. Zudem präsentieren sich diese Pferde mit einem edlen, ausdrucksvollen Kopf, einem gut aufgesetzten Hals mit ausreichend Ganaschenfreiheit sowie mit einem ausgeprägten Widerrist. Die langen, schrägen Schultern gehen in eine tiefe, breite Brust über. Bemerkenswert ist aber auch der kurze, tragfähige und gut bemuskelte Rücken. Zusammen mit der muskulösen, langen Kruppe und der harmonischen Rumpfaufteilung verfügt das Pferd über beste körperliche Voraussetzungen, um seinem Ruf als Gewichtsträger nachzukommen.

Markant ist mit Blick auf das Exterieur nicht zuletzt die Fellfärbung, denn Freiberger sind häufig Braune oder Füchse, seltener auch Schimmel oder Rappen. Ebenso möglich ist eine stellenweise Aufhellung des Fells durch weißes Stichelhaar. Charakteristisch für den Freiberger sind außerdem sein hervorragendes Regenerationsvermögen sowie eine hohe Robustheit und Fruchtbarkeit. Aber auch in der Bewegung können sich die leichten Kaltblutpferde sehen lassen, denn ins Auge fallen ebenso die raumgreifenden und taktsicheren Grundgangarten wie der schwungvolle und leichtfüßige Bewegungsablauf mit Balance und natürlicher Aufrichtung.

Wie sieht ein Freiberger Pferd aus?

Ein Freibergerpferd ist quadratisch und kompakt gebaut.

Freiberger Pferd im Video

Beschreibung des Interieurs

Die Ausgeglichenheit und die Umgänglichkeit im Charakter wird auch weiterhin noch von der Schweizer Armee geschätzt, bei denen die Pferde Ihrer Heimat stets bevorzugt werden. Entgegen der Annahme, das Pferde mit Kavallerie-Hintergrund nicht menschenbezogen sein können, beweisen die Freiberger Pferde das Gegenteil. Zu Ihren Lieblingsmenschen bauen sie eine Bindung auf. Besonders in Familien ist der gutmütige Vierbeiner willkommen. Ein noch junges Pferd, wie beispielsweise ein Freiberger Jährling (Fohlen im zweiten Lebensjahr), eignet sich optimal für die Integration in eine Familie – von Anfang an.

Besondere Merkmale, Einsatzgebiete und Erbkrankheiten der Rasse

Das ehemalige Kavalleriepferd ist bis heute die bevorzugte Rasse der Schweizer Armee und kommt häufig als Familien-, Reit- und Sportpferd zum Einsatz. Zwar ist der Vierbeiner kompakt und schwer im Gewicht. Im Vergleich zu einem reinen Kaltblüter ist das Pferd aber leichter, sodass es in die Gewichtsklasse der mittelschweren Pferde fällt.

Eine sportliche Ausbildung, beispielsweise in den Disziplinen Dressur und Springen, kann für einen Freiberger in Betracht gezogen werden. Die körperlichen Grundvoraussetzungen sind ohne Zweifel gegeben. Obwohl die Gelenke tief angesetzt sind, bringt die Rasse das nötige Springvermögen mit, um Hindernisse zu überwältigen. Die Ruhe und nervliche Belastbarkeit erleichtern das Arbeiten mit dem Tier und die Ausbildung für eine bestimmte Reitsparte.

Viel Spaß bereitet Pferdefreunden die Bodenarbeit mit einem Freiberger. Jede Methode lässt sich in partnerschaftlicher Zusammenarbeit unkompliziert bewältigen. Als Familienpferd, das nur ab und an als Reitpferd dienen soll, eignen sich die Pferde ideal. Das ruhige Wesen und die Zugewandtheit sind Eigenschaften, womit auch Kinder gut zurechtkommen. Eine familiäre Pferdezucht von Freibergern wird in Österreich auf dem „Freibergerhof Berger betrieben.

Ebenso kann ein Freiberger als Fahrpferd fungieren. Bewunderer machen sich einen Eindruck der Rasse auf den großen Nordwestschweizer Hengstparaden, bei denen die Pferde zum Verkauf in einer Show vorgeführt werden.

Bei der Freiberger Rasse handelt sich um im Grunde um gesunde Pferde. Bestimmte Krankheiten aber können bei einigen Exemplaren auftreten. Dazu gehört das Equine Sarkoid (ES). Bei der Krankheit handelt es sich um einen Hauttumor, der sich besonders im Augenbereich deutlich macht.

Ausgelöst durch das Papillomavirus (BPV) betrifft es in der Schweiz mehr als zehn Prozent der Pferde, die in die dreijährige Altersgruppe fallen. Darunter finden sich auch einige Freiberger wieder. Bei dieser Krankheit spielen aber nicht nur die genetischen Faktoren eine Rolle, sondern auch äußere Ursachen wie Insektenstiche, bereits bestehende Hautläsionen, kürze Weidezeiten und ein geschwächtes Immunsystem. Das Sarkoid wirkt sich aber nicht lebensbedrohlich aus. Darüber hinaus lassen sich die unästhetischen Hautverformungen therapieren.

Eine weitere Krankheit, die die Freiberger Pferderasse betreffen kann, ist die Caroli-Leberfribrose (CLF). Dieser Gendefekt führt zu einem Verfall (Degenerierung) der Lebergefäße und letztlich zu Vernarbungen, die innerhalb nur weniger Monate zum Tod führen. Die Pferde sterben letztlich an Leberversagen. Betroffen sind in der Regel Fohlen, die auf den Defekt mit Schwäche reagieren. Bestimmte DNA-Test können Mutationen in der betroffenen Region aufdecken.

Was kostet ein Freiberger Pferd?

Die Preiskategorien für ein Freiberger Pferd bewegen sich im vier- bis fünfstelligen Bereich.

Bekannte Pferde der Rasse

Mit ersten Erfolgen seit dem Jahr 2018 überzeugt der Freiberger Zuchthengst mit dem einprägsamen Namen Vartan. Den dritten Rang belegte das sportlich ausgebildete Pferd bei den Freiberger Meisterschaften im Fahren FM3 sowie den vierten Platz in der Disziplin Dressur FM2. Die bisherigen Reiterinnen waren Michelle Vogt und Leonie Baumgartner. Seit 2021 darf sich Helena Fehlmann an dem trainierten Vierbeiner erfreuen. Eine bewährte Adresse der Rasse bietet die Zucht von Jean-Martin und Alain Gigandet, Le Prédame, in Saignelégier, woher der Hengst Vartan stammt. Saignelégier ist im Kanton Jura der Schweiz verortet – der Region des Freiberge-Hochplateaus und Ursprungsort der Rasse.

Zwar sind die Bestandszahlen der Freiberger Pferde nach wie vor niedrig, dennoch weckt die alte Schweizer Pferderasse auch auf medialem Weg Interesse. Als Star in Pferdefilmen haben sich die Tiere aber nicht hervorgetan. Zu den klassischen „Animal Actors“ gehören sie nicht. Es gibt aber Pferdefreunde, die sich um auch um die Präsentation von Pferderassen, die gering verbreitet sind, bemühen. Denn gesucht sind bei potentiellen Käufern auch Freiberger Pferde.

Beispielsweise bietet das aufgestellte Programm des Unternehmens „Modern Horse Company“ neben dem Leistungsspektrum für eine gesunde Pferdeausbildung noch einen Media Channel an, in dem der Freiberger mit dem Namen „Lars“ im Rahmen einer Dokumentation vorgestellt wird. Dabei zeigt sich der Vierbeiner in dynamischer Bewegung während der Bodenarbeit mit seinem Pferdehalter. Für potentielle Käufer, die sich ein Bild von der Rasse als Familienpferd machen möchten, sind Dokumentationen in dieser Form wertvoll. Sie erleichtern die Entscheidung für einen Kauf um ein Vielfaches.

Als ein Heim suchendes Pferd stach das Freiberger Fohlen „Tyler“ in einer Sendung des Fernsehsenders Westdeutscher Rundfunk Köln (WDR) heraus. Die Sendung läuft unter dem Titel „Tiere suchen ein Zuhause“. Im Zusammenhang mit den Schweizer Bestimmungen zur Fleischversorgung wurde die Folge ausgestrahlt. Im Mittelpunkt stand dabei auch die KoMet Kooperation Mensch und Tier e.V., die sich für Pferde in Not einsetzt und versucht „Tyler“ erfolgreich abzugeben.

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