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Angst bei Pferdehaltern: Todesurteil für viele Pferde aufgrund von Antibiotika-Verbot?

von Michelle Holtmeyer
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Im August wurde eine neue Online-Petition ins Leben gerufen. Ziel der Bittschrift ist es, so viele Unterschriften wie möglich gegen die von der EU vorgeschlagene starke Einschränkung von Antibiotika in der Tiermedizin zu sammeln. Doch was würde dieses Verbot für unsere Pferde bedeuten? 

Antibiotika sind Gang und Gäbe – sowohl in der humanitären als auch in der tierischen Medizin. Ein Problem, welches bei der längerfristigen oder häufigen Behandlung jedoch auftreten kann, ist, dass Keime Resistenzen gegen Antibiotika ausbilden. Dieses Problem tritt besonders häufig in der Massentierhaltung der Geflügel- und Schweinezucht auf. 

Dort werden Antibiotika regelmäßig ohne tierärztliche Empfehlung verfüttert, um die Gewichtszunahme der Tiere anzukurbeln. Da der Gesetzgeber innerhalb der Tiermedizin meist nicht zwischen Nutztieren und Haustieren unterscheidet, bedeutet eine Einschränkung der Antibiotikaverabreichung von Nutztieren auch dasselbe für Pferde.

Verabreichung von Reserve-Antibiotika nur noch an Menschen

Im Fokus der EU-Tierarzneimittelverordnung 2019/6, die eine Reduktion des Antibiotikaeinsatzes im Tierbereich um 50 Prozent bis 2030 erreichen möchte, stehen sogenannte “Reserve-Antibiotika”. Antibiotika werden laut der WHO in drei Kategorien eingeteilt: Access, Watch und Reserve. Access und Watch können entweder immer oder nur gezielt eingesetzt werden.

Der Einsatz von Reserve ist hingegen nur gestattet, wenn die ersten beiden Gruppen keinen Erfolg gezeigt haben. Das EU-Parlament fordert nun, diese Reserve-Antibiotika nicht mehr bei der Behandlung von Tieren anzuwenden. Konkret betroffen sind diese Antibiotika und antimikrobiellen Mittel: Fluorchinolone, Cephalosporine der 3. und 4. Generation, Polymyxinen und Makrolide. 

Antibiotika in der Pferdemedizin

Laut Professor Dr. Karsten Feige, Direktor der Klinik für Pferde an der Tierärztlichen Hochschule Hannover und Präsident der Gesellschaft für Pferdemedizin, bedeutet das Inkrafttreten der EU-Tierarzneimittelverordnung 2019/6, dass auch in Einzelfällen von lebensbedrohlichen Infektionen, keine Verabreichung der Reserve-Antibiotika gestattet ist.

Eine wissenschaftliche Studie der Pferdeklinik der TiHo Hannover zeigte, dass die antibiotischen Reservemittel nur in lebensbedrohlichen Notfällen und in geringen Mengen bei der tierärztlichen Behandlung von Pferden zum Einsatz kommen. Dies liegt unter anderem daran, dass die Nutzung, unter den Antibiotika-Leitlinien und der Tierärztlichen Hausapothekenverordnung, stark reglementiert ist. Ein leichtfertiger Umgang mit den Mitteln sei daher ausgeschlossen.

Wahrscheinliche Folgen des “Antibiotikaverbots”

Prof. Dr. Feige zufolge sind Reserve-Antibiotika lebensentscheidend. Ohne die antimikrobiellen Mittel sei die Behandlung schwerwiegender Infektionen nicht mehr möglich. Alternativ müssten andere Antibiotika über einen langen Zeitraum und in höherer Dosierung eingesetzt werden, was das Risiko der Selektion resistenter Bakterien drastisch erhöhen würde. Das Ziel der Minimierung von Antibiotikaresistenzen wird dadurch verfehlt

Das sagen Pferdehalter zum drohenden Antibiotika-Verbot

Wie das drohenden Antibiotika-Verbot bei Pferdefreunden ankommt, erfährst Du in folgendem Video:

Petition zum drohenden Antibiotika-Verbot für Tiere

Peter Enzenhofer hat eine Online-Petition gestartet, mit der das EU-Parlament aufgefordert wird, den Antrag abzulehnen und so sicherzustellen, dass auch in Zukunft alle zugelassenen Antibiotika weiter zur Behandlung unserer Vierbeiner eingesetzt werden können.

Podcast zum Thema Antibiotika-Verbot für Tiere

Denis Uwelius unterhält sich im edogs Podcast mit einer Tierärztin über dieses brisante Thema. Erfahre, welche Folge die Einschränkung für unsere Vierbeiner hätte:

Quelle: Change.org

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