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Flutopfer-Pferde: Nachsorge und Gefahren

von Regina Schweizek
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Die Hochwasserkatastrophe im Süd-Westen Deutschlands hat viele Groß- und Privatställe getroffen. Auch etliche Pferde sind zu Flutopfern geworden. Wie Pferdehalter:innen sich nun verhalten sollten und worauf es in der Nachsorge ankommt, wenn man die Tiere wieder in Sicherheit gebracht hat. 

Es sind tragische Bilder, die man in den letzten Tagen gesehen hat. Meterhoch überschwemmte Orte, komplett abgesackte und weggespülte Ortsteile und Straßen, eingekrachte Häuser. Tief Bernd hat zugeschlagen und zwar mit aller Wucht. Mindestens 160 Leute verloren bereits ihr Leben, viele weitere werden noch immer vermisst.

Aber auch viele Tiere kamen nicht gegen die Flutmassen an. Neben Wild-und Haustieren, verloren auch viele Leute ihre Pferde. Die Tiere standen zum Zeitpunkt des Unglücks teils auf Weiden, in Paddocks oder Boxen. Nicht alle konnten rechtzeitig evakuiert werden und wurden von den Wassermassen erfasst.

Sicherheit allein reicht nicht

Für die Pferde, die gerettet werden konnten, ist die Gefahr noch nicht gänzlich gebannt. Denn die Stunden im steigenden, verschmutzten Wasser, das Herumirren und die daraus resultierende Erschöpfung, sowie Verletzungen, können gravierende Nachwirkungen mit sich ziehen.

Da Hochwasser in den Südstaaten der USA keine Seltenheit mehr sind, hat die Universität Louisiana ein Merkblatt für Pferdehalter:innen erstellt. Dort wird beschrieben, wie man mit den vierbeinigen Flutopfern am besten umgeht.

Allgemeines zur Nachsorge nach einem Hochwasser

Zunächst heißt es: waschen, waschen, waschen. So kann die empfindliche Haut der Tiere von all den Chemikalien, dem Schmutz und den Giftstoffen befreit werden, die das Hochwasser mit sich führt. Auch Verletzungen können besser erkannt werden.  Mit einem milden Shampoo können die Rückstände schonend entfernt werden. Auch die Beine und Hufe sollten gründlich gereinigt werden. Anschließend ist das ganze Pferd nach oberflächlichen, offenen Verletzungen abzusuchen.

Besonders traumatisierte oder sehr nervöse Pferde können durch beruhigende Medikamente unterstützt werden. Dadurch wird die Behandlung für alle Beteiligten leichter. Stärkere Sedierungen sollten jedoch nur von Tierärzt:innen verabreicht und kontrolliert werden.

Haut und Hufe

Kleine oder großflächige Hautverletzungen, offene Wunden und Lahmheiten sind häufig bei Pferden aus Katastrophengebieten zu beobachten. Kleinere Hautverletzungen und Abschürfungen sollten auf jeden Fall desinfiziert und ggf. mit Wund-und Heilsalbe eingecremt werden. Größere Wunden oder Fleischwunden, sollten wenn möglich von tierärztlichen Fachkräften versorgt werden. Eine vorsichtige Desinfektion um die betroffene Stelle herum, kann Eiterbildung und Entzündungen trotzdem vorbeugen.

Da die Hautbarriere durch das dreckige Wasser meist stark beschädigt wird, sind viele Pferde anfälliger für Hautinfektionen und tiefe Entzündungen in der Haut. Diese können bei falscher Behandlung zu verschiedenen, bakteriellen Gelenksentzündungen und Lahmheiten führen. Daher sollte man besonders auf warme und dicke Schwellungen am Pferdekörper achten.

Das keimbelastete Wasser ist ebenso eine perfekte Grundlage für Pilze und Pilzinfektionen. Aufgrund der generell geschwächten Hautbarriere und des ebenso geschwächten Immunsystems der Flutopfer, können Pilze sich besonders leicht ausbreiten. Eine Pilzinfektion kann sich durch nässende Stellen, einen faulen Geruch und Unebenheiten auf der Haut bemerkbar machen. Allerdings kann der Keim auch erstmal einige Wochen im Pferdekörper verweilen, ehe die Infektion ausbricht. Pilzinfektionen betreffen allerdings nicht nur die Haut, sondern auch die Hufe. Mauke und Hufgeschwüre sind häufige Resultate. Wenn Pferde lange im Hochwasser verharren mussten oder umhergeirrt sind, sind meist auch das Hufhorn und die Sohle stark aufgeweicht. Das aufgeweichte Horn begünstigt Hufgeschwüre zusätzlich und bietet eine erhöhte Hufrehe-Gefahr.

Lahmheiten

Lahmheiten können viele Ursachen haben. Manchmal gehen sie von einer äußeren Verletzung aus, manchmal von inneren. Gerade bei Flutpferden ist eine gründliche Diagnostik durch eine tierärztliche Fachkraft unerlässlich. In den Wassermassen kann von Prellungen und entzündete Hautverletzungen (Einschüsse) bis hin zu richtigen Frakturen alles passieren. Auch muskuläre Verletzungen wie etwa ein Kreuzverschlag, können durch die Anstrengung durchs hohe Wasser zu kommen, verursacht werden.

Besteht jedoch der Verdacht auf einen Knochenbruch, so sollte man versuchen die betroffene Stelle vor einem Transport unbedingt zu fixieren. Geeignete, provisorische Hilfsmittel, können zum Beispiel halbierte PVC-Rohre, Bretter, Besenstiele, sowie genug Polstermaterial Bandagen und oder Panzertape sein. Wichtig ist nur, dass keine scharfen Kanten an den Gegenständen sind.

Augen

Sie sind ein besonders empfindliches Organ. Auch hier ist das verdreckte Wasser ein Risikofaktor. Aber auch beschädigte Stall-und Weideumgebungen verursachen oft Verletzungen am und ums Auge herum. Hinweise für Augenverletzungen sind typischerweise Tränen, Schwellungen und Rötungen. Als Erste Hilfe Maßnahme sollten die Augen mit einer sterilen Lösung gespült werden. Als erste Maßnahme reicht sauberes, abgekochtes und wieder abgekühltes Wasser, wenn nichts anders zur Hand ist. Im Anschluss sollte eine tierärztliche Fachkraft die Augen untersuchen, um innere Verletzungen auszuschließen.

Magen-Darm

Durch die enorme Stressbelastung beginnen viele Pferde zu koliken. Bekannte Symptome sind schwitzen, häufiges Wälzen/Hinlegen, Flehmen und ein Schlagen und Schauen Richtung Bauch. Zudem führt die Aufnahme des verschmutzten Wassers in den meisten Fällen zu leichtem bis starkem Durchfall. Auch Blutvergiftungen können durch das keimbelastete Wasser erfolgen. Achten sie unbedingt auf Anzeichen wie Fieber, Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit. Im Falle dieser und den o.g. Anzeichen sollte man unverzüglich eine tierärztliche Fachkraft rufen.

Nervensystem

Wie weite oben schon festgestellt, sind Pferde aus Hochwassergebieten besonders für Infektionskrankheiten anfällig. Das gilt vor allem auch für Nervenkrankheiten (Borreliose, Tollwut, Herpes, West-Nil etc. ). Bei einem akutem Ausbruch zeigen sich Symptome wie Muskelzittern, Koordinationsstörungen, Aggressivität, Festlegen und Fieber. Auch bei diesen Anzeichen sollte unverzüglich eine tiermedizinische Fachkraft gerufen werden.

Wenn keine akuten Anzeichen ausgemacht werden können, kann man bei unbekanntem Impfstatus vorsorglich die Tetanusimpfung auffrischen. Auch immunstärkende Zusatzfuttermittel können gegeben werden.

Atemwege

Auch die Atemwege können von Entzündungen betroffen sein. Möglicherweise ist Wasser in die Lunge der Tiere gelangt. Dadurch können sich Lungenödeme oder Lungenentzündungen entwickeln. Beide Entwicklungen sind lebensbedrohlich für Pferde. Daher sollten auch die Atemwege fachgerecht überprüft werden.

Gründliche Nachsorge ist wichtig!

Die bisherigen Erfahrungen mit Hochwasserkatastrophen auf der ganzen Welt haben gezeigt, dass die betroffenen Tiere mit vielen negativen Auswirkungen zu kämpfen haben. Eine gründliche Nachsorge ist daher unerlässlich. Verschleppungen einzelner Krankheiten können nämlich mitunter zu chronischen Leiden werden. Aufgrund dessen ist es wichtig nach Katastrophen solchen Ausmaßes eine Notfallversorgung zu ermöglichen und eine Checkliste mit den dringendsten Grundmaßnahmen zu haben.

Quelle: Universität in Louisiana (LSU)

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