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Spanische Hofreitschule: Aufsichtsratsvorsitzender äußert sich zum Beritt-Skandal eines Privatpferdes

von Lea Hahnemann
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Seit einiger Zeit wird Kritik an der Spanischen Hofreitschule ausgeübt. Zunächst stand die Haltung und die Gesundheit der Lipizzaner im Fokus, nun wirft der Rechnungshof dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Hofreitschule vor, den Hengst seiner Tochter auf Kosten der Reitschule ausbilden zu lassen. Dieser meldet sich jetzt zu Wort und weist die Vorwürfe von sich.

Privatpferd erhält Förderung auf Kosten des Staates

Laut den Mitarbeitern der Spanischen Hofreitschule soll der Aufsichtsratsvorsitzende gegen die 455 Jahre alte Tradition der Wiener Hofreitschule verstoßen haben. Die besagt nämlich, dass nur Reiter auf einem Lipizzaner-Hengst der Hofreitschule Platz nehmen dürfen, die mindestens acht Jahre lang dafür ausgebildet worden sind. Die Tochter des Vorsitzenden soll im Jahr 2013 einen Hengst für rund 12.000 Euro gekauft haben. Dieser sei durch die Musterung gefallen, da er für die Zucht und die Hohe Schule nicht geeignet gewesen sei. Seitdem steht der Hengst im Stall der Hofreitschule. Für die Stallmiete, die sich auf 1.200 Euro monatlich beläuft, würde die Tochter des Aufsichtsratsvorsitzenden aufkommen. Andere Kosten, wie die Ausbildung des Pferdes durch einen professionellen Bereiter und der Reitunterricht der Tochter würden nicht bezahlt werden.

Mitarbeiter sind verärgert über die aktuelle Situation

Mitarbeiter berichten, dass die Umstände an der Hofreitschule nicht zufriedenstellend seien. Die Bereiter*innen würden für die Ausbildung des Hengstes kein Geld sehen, genau so wenig wie die Hofreitschule. Klaus Kriszch ist seit vielen Jahren Oberbereiter an der Spanischen Hofreitschule in Wien. In einem Interview mit der „Wien heute“ äußerte er sein Entsetzen. Es wäre nicht korrekt, dass ein Privatpferd solche Leistungen genieße. Es seien nicht nur die Reitstunden oder der Beritt, den der Aufsichtsratsvorsitzende für seine Tochter kostenlos beanspruchen würde. Auch Rechnungen, die durch den Schmied oder einem Tierarzt entstehen würden, würde die Hofreitschule begleichen.

Die Kosten, die durch den Hengst in den letzten Jahren entstanden sind, werden von Experten auf mehrere 100.000 Euro geschätzt. Dieser Schaden trägt die österreichische Republik. Zudem sei der Wert des Lipizzaners enorm gestiegen, da der Hengst seit Jahren von professionellen Reitern ausgebildet wird. Bisher wurden noch keine rechtlichen Schritte eingeleitet. Der Rechnungshof verfasste lediglich einen Bericht, der die Missstände in der Spanischen Hofreitschule dokumentieren.

Aufsichtsratsvorsitzender weist Vorwürfe von sich

Der Beklagte äußert sich zu den Vorwürfen wie folgt: Da der Hengst im Jahr 2013 nicht für die Zucht und die Hohe Schule zugelassen wurde, kaufte seine Tochter das Tier. Anschließend nahm sie das Angebot der Hofreitschule an, das Pferd in einem Stall am Heidelberg stehen zu lassen. Die Stallkosten trägt die Besitzerin seitdem selber.

Zwischen 2014 und 2019 befand sich die Hofreitschule in einem finanziellen Tief. Der Aufsichtsratsvorsitzende bestätigte, dass es 2014 zu wenige gute Pferde gab. Deshalb wurde der zuvor durch die Musterung gefallene Hengst seiner Tochter als sogenannter „Einspringer“ hinzugezogen. Laut dem aktuellen Geschäftsführer der Hofreitschule, Erwin Klissenbauer, sei der Einsatz des Privatspferdes von Vorteil. Die Hofreitschule würde nicht für die Haltungskosten des Pferdes aufkommen, weshalb ihnen das Pferd mehr oder weniger kostenlos zur Verfügung steht. Genau dieser Ansicht sei auch der Aufsichtsratsvorsitzende. Klissenbauer verteidigte ebenso, dass es sich bei den kostenlosen Reitstunden, gar nicht wirklich um Reitstunden handeln würde, da die Besitzerin des Hengstes selten selber reiten würde. Bezüglich des Beritts gab die zweite Geschäftsführung der Hofreitschule an, dass sie davon ausging, die Bereiter*innen würden den Hengst in der Freizeit trainieren. Ihr fiel jedoch auf, dass das Training am Vormittag stattfindet, was in der Dienstzeit der Bereiter und Bereiterinnen sei.

Quellen: sn.at, wien.orf.at, wienerzeitung.at

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