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Studie warnt: Eindecken eines Pferde kann schädlich sein

von Lea Hahnemann
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Jährlich beschäftigen sich unzählige Pferdebesitzer mit dem Thema „Eindecken„. Egal ob geschoren oder nicht, viele Pferde werden bereits bei den minimalsten Temperaturschwankungen mit einer Decke ausgestattet. Eine Studie weist nun daraufhin, dass der gute Wille der Tierbesitzer:innnen nicht immer dem Wohl des Pferdes zu Gute kommt.

Der gute Wille der Pferdebesitzer

Der Körper  eines Pferdes ist dank eines wirksamen Thermoregulationsvermögen in der Lage, Temperaturen bis in den Minusbereich auszuhalten. Das Winterfell eines Pferdes schützt den Körper während es regnet, schneit oder der frische Wind über die Stallungen und Wiesen weh. Trotzdem sind die meisten Pferdebesitzer mit einer Vielzahl an Decken ausgestattet, die in verschiedenen Situationen ihren Einsatz finden: eine Decke für die kalten Wintertage, eine nach dem Reiten zum Abschwitzen, eine zum Schutz vor Insekten usw.

Nun zeigten die neusten Erkenntnisse einer Pilotstudie aus Großbritannien, dass Pferde ein anderes Wärmeempfinden als wir Menschen haben. Diese decken ihre Pferde deshalb häufig viel zu früh ein. Das Resultat ist das Überhitzen des Pferdekörpers.

Wo der Fehler liegt

Die thermoneutrale Zone (TNZ) ist ein Temperaturbereich, indem ein Lebewesen seine Körpertemperatur ohne  Anpassungsreaktionen des Stoffwechsels konstant halten kann. Dieser Bereich liegt bei einem erwachsenen Pferd, welches in  einer gemäßigten Klimazone wie Deutschland lebt, zwischen 5 und 25°C. Bei dem Körper eines Menschen sieht das anders aus. Wir benötigen Temperaturen zwischen 25 und 30°C, um ohne Anziehsachen weder zu frieren, noch zu schwitzen.

Das Fazit: Wir Menschen haben eine andere Wohlfühlzone als unsere Pferde. So empfinden Pferde Temperaturen für angenehm, die wir bereits als zu kalt wahrnehmen. Da Pferde sich aber nicht verbal äußern können, kommt es oftmals dazu, dass die Tierhalter:innen ihr Pferd eindecken, weil es für sie bereits kalt ist. Laut Studienleiterin Kim Hodgess, geschieht das bei Temperaturen, bei denen der Pferdekörper noch keinen Schutz durch eine Decke benötigt.

Die Auswirkung der Decke auf das Pferd

Das Forschungsteam untersuchte an Pferden, die regelmäßig eingedeckt wurden, welche Decke welchen Einfluss auf die Körpertemperatur eines Pferdes hat. Zehn Pferde standen in einer Boxenhaltung, zwei andere wurden auf der Wiese gehalten.  Im Stall und auf der Wiese stand jeweils ein Kontrollpferd, welches nicht eingedeckt wurde. Den anderen Pferden wurde entweder eine Ekzemerdecke, eine Fließdecke oder eine leicht wattierte Decke drauf gemacht.

Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Temperaturen der Pferde mit den verschiedenen Decken signifikant unterschieden.  Die Körpertemperatur der Pferde mit Ekzemerdecke stieg im Durchschnitt um 4,2°C an. Bei den Pferden mit Fließdecke stieg die Temperatur um 11,2°C und bei den Pferden mit der leicht wattierten Decke um 15,8°C an. Dieser Anstieg ist signifikant.  Als die Umgebungstemperatur unter die thermoneutrale Zone auf 4 bis 4,5°C gefallen ist, hatten die eingedeckten Pferde eine Körpertemperatur von 24 bis 30°C, die Kontrollpferde hingegen 12,5 bis 18,5°C.

Daraus resultiert, dass einige Decken die Körpertemperatur der Pferde so erheblich erhöhen können, dass die Hitze für die Pferde nicht mehr angenehm ist. Deckt man ein Pferd dauerhaft falsch ein, kann das die eigene Körpertemperaturregulierung beeinträchtigen. Es ist also ziemlich wichtig, eine richtige Decke zu wählen, um die individuellen Bedürfnisse und das Wohlbefinden des Pferdes zu bewahren.

Ausblick für weitere Forschungen

Mit den Ergebnissen dieser Studie ergaben sich neue Fragen. Kim Hodgess und ihr Forscherteam streben an, diese in Zukunft zu untersuchen. Da die Ekzemerdecke kaum Auswirkungen auf die Thermoregulation des Pferdes hatte, stellt sich die Frage, ob sich dies bei einer größeren Stichprobe, bei wärmeren Wetterverhältnissen oder andersfarbigen Ekzemerdecken ändern könnte. Mehr Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet helfen dabei das Wohlergehen der Pferde stetig zu verbessern.

Quelle: equitationscience.com

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