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Zugeschnürte Nasenriemen im Fokus – Anwendung von Messschablonen nun auch in Kanada

von Malin Steiner
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Zugeschnürte Nasenriemen sind nicht nur in Deutschland in allen Ebenen und Disziplinen der Reiterei verbreitet. Die FEI spricht sich jedoch nach wie vor gegen die Verwendung von Messchablonen für Nasenriemen aus. Nationale Sportverbände gehen hingegen mit gutem Beispiel voran und beschäftigen sich immer häufiger mit der Problematik. Dänemark, die Schweiz und nun auch Kanada sind dabei Vorreiter: Die Messschablone wird nun auf verschiedenen Events in den Ländern zum Einsatz kommen und getestet.

Welche Auswirkungen haben zugeschnürte Nasenriemen bei Pferden?

Die internationale Gesellschaften für Pferdewissenschaften (ISES) hat die Gründe zusammengetragen, wieso ein zugeschnürter Nasenriemen für das Pferd schädlich ist. Diese sind: 

  • Auslöser für Stress: Pferde reagieren mit zugeschnürten Nasenriemen mit erheblichen Unwohlsein und einer erhöhten Herzfrequenz, Variabilität des Herzschlags und einer gesteigerten Augentemperatur. Diese messbaren, physiologischen Anzeichen für Stress, konnten in einer Studie in Sydney im Jahr 2012 herausgefunden werden.
  • Erhöhte Verletzungswahrscheinlichkeit: Eine dänische Studie fand an 3143 Turnierpferden heraus, dass es einen signifikanten Zusammenhang, zwischen zu eng verschallten Nasenriemen und Wunden im Maulwinkel gibt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Pferde mit festgezogenen Riemen in diesem Bereich Verletzungen zuziehen, steigt laut der Studie um knapp 70 Prozent. Im Vergleich dazu wurde die Variante des Verschallen eines Reithalfters anhand der Zwei-Finger Regel herangezogen.
  • Lerntheoretischer Quatsch: Pferde können dem dauerhaften Druck des zu engen Nasenriemens nicht entweichen und bekommen so dauerhaft signalisiert, dass sie nichts richtig machen, da sie keine Möglichkeit haben diesem Druck zu entweichen. Es wird somit dauerhaft negativ verstärkt, auch wenn das Pferd beim Reiten eine gute Arbeit leistet. Dies wirkt sich nicht nur negativ auf die Motivation aus, sondern löst ebenso Stress aus.
  • Weniger Gangqualität: Zugeschnürte Nasenriemen wirken sich auf die Beweglichkeit des Kiefers und der Zunge aus, dadurch leidet auch die Gangqualität des Pferdes. In einer Studie aus dem Jahr 2015 konnte man herausfinden, dass ein reduzierter Druck des Nasenriemens mit einer besseren Beugung der Vorderfußwurzel-, und Sprunggelenke zusammenhängt. Sprich Pferde konnten dadurch mit ihren Vorderbeinen besser nach vorne ausgreifen.
  • Polsterung von Nasenriemen riskant: Viele Reiter schnüren den Nasenriemen zu, aber legen eine Polsterung unter den Riemen um diesen vermeintlich angenehmer zu machen. Dies bringt allerdings eher den gegenteiligen Effekt: Die Polsterung kann den Wangen-Bereich gegen die vorderen Backenzähne drücken und somit Verletzungen an den Schleimhäuten im Maul verursachen.
  • Langzeitfolgen sind ungewiss: Zu feste Nasenriemen wirken nachgewiesener Maßen enorme Kräfte auf Knochenstrukturen, Haut und Nerven eines Pferdes aus. Laut ISES steigen die Kräfte bis 75 Newton bei einem zu fest geschnürten Riemen an der Nase. Dass dies Stress, Verletzungen und Schmerzen auslöst, konnte bereits wissenschaftlich bewiesen werden. Es ist jedoch noch zu erforschen, wie die Langzeitfolgen dafür aussehen. Es wird bereits angenommen, dass sich diese Folgen negativ auf die tiefliegenden Strukturen des Pferdekörpers auswirken.

Enge Nasenriemen weit verbreitet

Bei zahlreichen Studien, in denen Kontrollen auf Turnier durchgeführt wurden, ließ sich feststellen, dass angemessen lockere Nasenriemen die absolute Ausnahme sind. Diese traurige Erkenntnis lässt sich daraus gewinnen, dass nur 7 Prozent von 737 überprüften Turnierpferden der Disziplinen Dressur und Vielseitigkeit einen korrekt, nach Zwei-Finger Regel verschnallten Nasenriemen vorweisen konnten. Bei erschreckenden 44 Prozent der Pferde, konnte das Messsgerät am Nasenriemen gar nicht erst zum Einsatz kommen, da es nicht mal mit der Spitze des Gerätes unter den Riemen kam.

FEI bei Regelung ungenau

Leider ist die Internationale Reiterliche Vereinigung bei ihrem Regelement zu dem Thema äußerst ungenau. Es heißt in den Richtlinien der FEI Dressurregeln: (Artikel 428): „Auf Turnieren darf ein Reithalfter niemals so fest angezogen sein, dass es dem Pferd Schaden zufügt, und muss gemäß dem Handbuch für Stewards überprüft werden.“ Diese Regel birgt viel Ermessensspielraum. So messen etliche Reiter und zuständige Steward damit, dass sie irgendwo am Nasenriemen Finger durch den Nasenriemen stecken können. Die einzig richtige Variante, um zu überprüfen wie eng der Nasenriemen ist, ist jedoch die Messung am Nasenrücken.

Warum wird dann nicht die Messschablone eingeführt?

ISES-Experten empfehlen die generelle Anwendung der Messschablone. Der Weltreiterverband steht dieser Idee jedoch skeptisch gegenüber. Ein Sprecher der FEI entgegnete auf diese Idee hin, dass die Anwendung der Messchablone bei Pferden eventuell zu viel Stress bei den ohnehin stressigen Turnieren bedeuten würde. Dabei wird somit außer acht gelassen, welcher Stress durch die zu enge Nasenriemen Verschnallung generell ausgelöst wird.

Schweiz, Dänemark und Kanada gehen mit gutem Beispiel voran

Das Messgerät findet in Dänemark seit 2016 und in der Schweiz seit dem letzten Jahr bereits Verwendung auf Turnieren. Kanada zieht nun mit und will in den kommenden Monaten auf einigen Turnieren im Land, das Messgerät zum Einsatz bringen.

Quelle: Propferd, helle-kleven

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