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Wer oder was ist mein Pferd für mich?

von Canan Johanna Breforth
4 Kommentare

„Ein Pferd ohne Reiter ist immer noch ein Pferd. Ein Reiter ohne Pferd ist nur ein Mensch.“ – Stanislaw Jerzy Lec. Entweder ist es mein persönlicher Eindruck oder es hat in der letzten Zeit wirklich stark zugenommen: Ein Pferd ist für den Reiter oftmals nicht mehr das, was es mal war. Oder eben sein sollte: Sein Freund. Sein Kamerad. Sein Partner. Ich kann mich daran erinnern, wie es war, als ich angefangen habe zu reiten. Ich war total pferdebegeistert und alles drehte sich um Pferde.

Ab meiner ersten Reitstunde gab es gewisse Grundsätze, die mich bis heute begleiten:

  • Sporen muss man sich verdienen
  • Es wird nicht auf das Pferd geschimpft
  • Auf dem Pferd wird nicht geheult
  • Es wird nicht am Zügel rumgerissen
  • und und und…

Für mich damals logisch, in der Reiterwelt anscheinend heute zum Teil nicht mehr vorhanden!

Kinder werden oft schon so erzogen

Selbst Kinder können ihre Ponys oft schon nicht wertschätzen. Wie auch, wenn sie lernen: „Wenn der Bock nicht funktioniert, kommt eben ein neuer.“ Wenn das Pony nicht das macht, was es soll und die Prüfung in die Hose ging, dann wird geheult und geschimpft, alles am besten im Sattel. Und im Nachhinein am besten nochmal ordentlich die Sporen reinhauen, mein absoluter Favorit. Pferde sind ja so unheimlich schlau, dass sie genau wissen wofür sie bestraft werden, wenn sie 10 Minuten vorher was angestellt haben.

Aber nach der Kindheit ist oft nicht Schluss

Das ganze Spielchen zieht sich in der Reiterei dann durch bis ins Erwachsenenalter. Hier werden die Bestrafungsmethoden dann oftmals noch etwas intensiver. Wie oft allein auf dem Abreiteplatz zu beobachten ist, werden die Pferde nach der Prüfung nochmal „bearbeitet“, wenn der Reiter nicht zufrieden ist. Da will ich gar nicht wissen, was zu Hause im Training abgeht.

Und was ist mein Pferd für mich? Mein bester Freund!

Ich finde es einfach super schade, dass anscheinend der Spaß und das Drumherum immer weniger wird und der Erfolgsdruck im Vordergrund steht. Auch die ganzen Beiträge in letzter Zeit über Geld, Neid, Missgunst und ähnliches zeigen doch, dass der Turniersport wirklich seine Schattenseiten hat.

Letzten Endes wäre dieser Sport ohne unsere Pferde nicht möglich und Ich kann nur sagen, dass ich meine Jungs echt gern habe und wirklich schätze, was die so für mich leisten! Zum Glück sieht man aber natürlich auch andere Reiter, die ihr Pferd wertschätzen und einfach lieb haben. So wie es sein sollte. Ich hoffe diese Menschen trifft man in Zukunft wieder häufiger!

Ich möchte mit diesem Beitrag auf gar keinen Fall alle Turnierreiter über einen Kamm scheren – immerhin bin gehöre ich ja auch dieser Art von Reitern an. Aber vielleicht bin ich ja nicht die Einzige, der solche Situationen leider immer wieder auffallen? Was habt ihr für Erfahrungen gemacht?

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4 Kommentare

Annette Hinz 10. April 2016 - 10:35

Ja, das sehe ich auch so – und finde es sehr schade. Oft sind die Ponys oder Pferde nur noch „Sportgeräte“. Letztendlich sind die meisten Kinder und Jungendlichen und auch Erwachsenen keine zukünftigen Olympiareiter sondern immer noch Freizeitreiter die auf Turnieren ihren Leistungsstand prüfen wollen. Unsere Tochter hat ihr Pferd schon fast 7 Jahre, sie hat ihn schon mit 9 Jahren bekommen, da für uns klar war dass wir nicht irgendwann 10 Ponys im Stall haben können :), ihr erstes Pony ist 26 Jahre altuni bekommt jetzt seinen wohlverdienten Altersruhestand; natürlich ist es nicht immer einfach – oft geht es bei den Turnieren auch ungerecht zu, ich kann auch verstehen dass man sich mal über sein Pferd ärgert, aber man sollte doch immer fair bleiben! Auch Pferde haben Gefühle und spüren Schmerz- einerseits wollen wir sie als Partner haben – andererseits sollen sie dann die Fehler des Reiters büßen!?
Gott sei dank muss man sich ja an solchen Leuten kein Beispiel nehmen- für uns bleibt das reiten und der Umgang mit Pferden das schönste Hobby der Welt!
Und bedenke: Dein Pferd ist immer für Dich da – die Menschen nicht!

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Caroline 13. April 2016 - 7:51

Sehr gut geschrieben und absolut wahr. Für mich sind Pferde schon immer das Wunderbarste was man sich nur vorstellen kann. Leider wurde auch mir, als ich vor über 40 Jahren zu Reiten anfing beigebracht, dass man sein Pferd dominieren muss und wenn es nicht will mit Schlägen und gewisser Brutalität gefügig machen muss. Ich wollte das nie und habe immer versucht einen besseren Weg zu finden, soweit es möglich war. Zu damaliger Zeit waren sogenannte Reitlehrer am Werk die noch zu Kriegszeiten mit Pferden zu tun hatten. und für gefühlvolleren Umgang mit dem Pferd absolut kein Verständnis hatten (sicher gab es bestimmt auch andere, leider bei uns im Stall nicht). Ich weiß dass ich bei unserem damaligen Pferd sehr viel falsch gemacht habe, leider kann ich es nicht mehr rückgängig machen. Zum Glück habe ich im Laufe der Zeit sehr viel dazu gelernt und darf jetzt von mir behaupten dass ich im Umgang und auch beim Reiten da angekommen bin wo ich eigentlich schon immer sein wollte. Meine Pferde sind Alles für mich, Sie vertrauen mir und ich Ihnen – was gibt es schöneres. Respekt und Vertrauen das sollte man jedem Lebewesen entgegen bringen, egal ob Mensch oder Tier !!

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Silvia Roth 18. April 2016 - 7:15

Ich habe mir erst im spaeten Alter mein erstes Pferd gegônnt…da eine Familie mit zwei Kindern doch sehr viel Zeit raubt.Nun hab ich seit einem Jahr eine liebevolle neun j. Freundin,die auf mich wartet ,um mit mir die Zeit ,sowie auch den Spaß der Gemeinsamkeit erleben kann.Bin viele Jahre zuvor engl.,dann Western u.a.als Reitbeteiligung geritten und lernte dadurch viele unterschiedliche Menschen und deren Ergeiz kennen.Nun geh ich meinen Weg mit meiner Freundin…wir gehen Spazieren mit anderen Pferden ,spielen viel ,genieśsen den Tag und machen Boden-Vertrauensarbeit und finden unseren eigenen Rhythmus.Ich versuche unsere gemeinsame Zeit bunt zugestalten. wenn ich komme und sie rufe steht sie schon da und wartet.ich lasse mir einfach Zeit ,dass wir uns kennen lernen und zusammen wachsen kônnen.Es ist einfach ein wundervolles Gefûhl ,dass ich sie habe und dieses Pferd mir nun erhalten bleibt und das ûber viele Jahre 😉

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Ha. Janus 30. April 2016 - 14:04

Voller Enttäuschung habe ich mich vom aktiven Turniersport abgewandt. Vor 10 Jahren habe ich noch auf kleinem Level (A und L ) an Dressurprüfungen teilgenommen und war über die oftmals recht merkwürdige Atmosphäre entsetzt. Bereits auf dem Abreiteplatz spürte man von einigen Mitreitern ihren „Scannerblick“… was ist das für ein Pferd? Welche Ausrüstung trägt es? Trägt man die neueste Reitmode usw.. Eine Begrüßung fiel grundsätzlich aus und das bei einer Stimmung wie auf einer Beerdigung. Habe mich dort immer öfters unwohl gefühlt und mittlerweile mag ich durch dieses ganze Drum Herum von Gequatsche und Narzismus auch schon nicht mehr als Zuschauer zum Turnier gehen.
Reite nur zu meiner Freude und pflege ein ausgezeichnetes (krampffreies) Verhältnis zum Partner Pferd.

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