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Gribaldi im Portrait

von Felix Ortmann
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Der Trakehner Gribaldi war einer der bekanntesten Dressur- und Zuchthengste der vergangenen 25 Jahre und ist auch heute noch, wenige Jahre nach seinem plötzlichen Tod am 14. Februar 2010, eine Legende unter den Top-Vererbern seiner Zeit. 1993 geboren, wurde der Rappe von Otto Langels aufgezogen und ging später in den Besitz von Joop van Uytert in den Niederlanden über. Obwohl er viel zu früh verstarb, brachte er Zeit seines Lebens als Zuchthengst eine Vielzahl an erfolgreichen Nachkommen hervor, darunter zahlreiche, vielversprechende Dressurpferde, Prämienstuten und Grand Prix-Sieger. Dies belegt auch der hervorragende Zuchtwert des 172 Zentimeter großen Gribaldis, der mit 144 Punkten deklariert wurde.

Eckdaten zu Gribaldi im Überblick

Geboren 1993
Gestorben 2010
Rasse Trakehner
Farbe Rappe
Verband Trakehner-Verband
Stockmaß 172 Zentimeter
Züchter Marika Werner
Aufzüchter: Otto Langels
Gestüt Hämelschenburg
Besitzer Joop van Uytert
Decktaxe

Gribaldis Dressurkarriere

Gribaldi war zweifelsfrei ein Dressurhengst der Superlative, denn nur selten gibt es Pferde wie ihn, die bereits im Fohlenalter derart überzeugen und später auch mit ihrer Nachzuchtleistung beinahe unübertroffen sind. Dass der Trakehner-Hengst einmal zu den ganz Großen in der Dressur und Zucht gehören würde, erkannte Otto Langels schon früh. Nachdem der renommierte Züchter das junge Fohlen in sein Gestüt Hämelschenburg holte, war er für die Aufzucht in den ersten Jahren verantwortlich.

Im Jahr 1995 konnte sich Gribaldi dann erstmals beweisen – natürlich mit Erfolg. Bei der Körung des Trakehner-Verbandes in Neumünster ging er als umjubelter und eindeutiger Siegerhengst vom Platz. Da war es nicht verwunderlich, dass sich die Angebote bei der Auktion beinahe überschlugen. Den Zuschlag erhielt mit stolzen 300.000 DM schließlich Joop van Uytert, einer der führenden Aufzüchter in den Niederlanden. Der bis dahin Kometenhafte Aufstieg von Gribaldi ging dann im Nachbarland weiter. Hier wurde er Rittigkeits-Reservesieger bei der Hengstleistungsprüfung in s’Hertogenbosch, Vierjährig wurde er Zweiter im Pavo-Cup (ähnlich dem Bundeschampionat in Deutschland) und Sieger der Körung. Zur weiteren Ausbildung kam der Hengst im Alter von fünf Jahren zu Edward Gal, einem der besten Dressurreiter und -ausbilder weltweit. Dies war der Startpunkt für einen unaufhaltsamen Aufstieg in die Spitze des Dressurreitens.

Schnell wurde Gribaldi zu einem der internationalen Top-Hengste der Dressurszene. 2004 vollzog er den Sprung auf die Grand Prix-Ebene und wurde mehrfach Sieger in Rotterdam, Stuttgart, Düsseldorf und Neumünster. Zwei Jahre später folgten der zweite Platz bei den niederländischen Dressurmeisterschaften und 2007 der 11. Platz beim Weltcup-Finale in Las Vegas. Im selben Jahr war Gribaldi die Nummer 1 unter den Dressurhengsten in der WBFSH-Weltrangliste und belegte insgesamt den achten Platz.

Gibraldi als Zuchthengst

Seitdem war der Rappe auch als Zuchthengst bereits äußerst erfolgreich und gewinnbringend. Neben der sportlichen Karriere stellte sich zeitgleich eine starke Zucht-Frequentierung ein. Zu seiner Nachzucht gehörten eine ganze Reihe von gekörten Söhnen und Staatsprämien-Töchtern, sowohl in den Niederlanden und Deutschland als auch in Frankreich und Dänemark. So brachte Gribaldi in den Niederlanden etwa 400 KWPN-Stuten hervor, von denen 156 mit dem Prädikat „Ster“ ausgezeichnet wurden, vergleichbar mit der deutschen Staatsprämie. 36 tragen sogar das Prädikat „Elite“, eine besondere Auszeichnung, wenn man die strengen KWPN-Beurteilungsrichtlinien betrachtet.

Eine Vielzahl an Spitzenpferden und noch mehr Gribaldi-Nachkommen in allen Klassen der Dressur ließen seine Zuchtwertschätzung auf Rekordwerte ansteigen. Kein Wunder, dass sich die Titel für den Ausnahmehengst seitdem nur so häuften. Während er in Dänemark und Deutschland als Elitehengst gefeiert wurde, erhielt er in den Niederlanden als jüngster Hengst überhaupt das selten vergebene Prädikat „Keur“. 2008 wurde Gribaldi in Neumünster zum Trakehner-Hengst des Jahres gekürt.

Spätes Leben und Tod

Nachdem Gibraldi Anfang Februar 2010  in s’Hertogenbosch anlässlich der KWPN-Körung feierlich aus dem Dressursport verabschiedet wurde, sollte er fortan als reiner Zuchthengst eingesetzt und über die Deckstation von Paul Schockemöhle vertrieben werden. Noch bevor er dort auf der Hengstvorführung erstmals präsentiert werden konnte, musste der Top-Vererber jedoch in die Pferdeklinik in Telgte bei Münster eingeliefert werden. Obwohl alles dafür getan wurde um sein Leben zu retten, starb Gibraldi am 14. Februar 2010 an den Folgen eines Aorta-Abrisses.

Gefragte Gene

Gribaldi überzeugte als Zuchthengst von Beginn an mit seinen hohen genetischen Qualitäten hinsichtlich Bewegung und Exterieur und wurde daher stark frequentiert. Als Kör- und Reservesieger sowie Spitzenreiter der Weltrangliste war kaum verwunderlich, dass Züchter ihre Stuten fast ausnahmslos von dem Trakehner-Hengst decken lassen wollten. Er lieferte dem niederländischen KWPN-Zuchtverband, aber auch für Oldenburg und Westfalen sowie Dänemark und Frankreich eine Vielzahl an Top-Hengsten.

In der deutschen Trakehner-Zucht haben sich sechs gekörte Söhne etabliert. Hofrat und Distelzar wurden im Jahr 2000 in Neumünster gekört. Der Prämienhengst Distelzar wurde vom dänischen Verband sowie vier deutschen Zuchtverbänden anerkannt, war Teilnehmer am Bundeschampionat und wurde 2001 und 2002 zum Trakehner-Reitpferde-Champion gekürt. Auf der Medinger Auktion wurden 600.000 DM für ihn aufgerufen. Später brachte er selbst mehrere gekörte Söhne hervor. Hofrat war ebenso erfolgreich, 2001 im Finale des Bundeschampionats, erfolgreich in Dressuren bis St. Georg und brachte mit seinem Sohn Hotline einen Hengst hervor, der für eine Rekordsumme von 800.000 Euro auf der Körung in Verden 2005 verkauft wurde. Ein weiterer Nachkomme Gribaldis war Hoftänzer, ein Vollbruder von Hofrat, der unter Karin Winter-Polac Erfolge im Dressursport feierte.

Zu den erfolgreichsten Trakehner-Töchtern von Gribaldi gehören Aura, 2006 beste Halbblutstute Westfalens, Begana, Reservesiegerin in Baden-Württemberg sowie die Siegerstute Bitter Lemon und die Rheinland-Reservesiegerin im Jahr 2008 Valneia. Insgesamt sind in deutschen Stutbüchern 61 Töchter verzeichnet, von denen fünf zu Staatsprämienstuten ernannt wurden. Nicht zu vergessen sind auch Zaubernuss, Reservesiegerin 2006, Elba, die Rheinland-Siegerstute 2009, und Palotta, die Siegerstute in Westfalen 2009. Unter den rund 400 eingetragenen Gribaldi-Töchtern in den Niederlanden ist die KWPN-Tochter Unicum die bedeutendste Stute.

Erfolgreiche Sportrennpferde – Gribaldis Nachkommen

Einen noch höheren Stellenwert nahm Gribaldi als Sportpferde-Vererber ein. So errang Painted Black, sein ältester gekörter Sohn, 2003 die Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften der Jungen Dressurpferde und wurde der Nachfolger von Anky van Grunsvens Erfolgspferd Salinero. Gribaldis Tochter Sisther de Jeu war ebenfalls unter Edward van Gal im internationalen Dressursport unterwegs und erwies sich als wahrhafter Überflieger. Darüber hinaus gehören Spitzen-Dressurpferde wie Pasternak, Rhapsody oder Picasso SV, die allesamt auf Grand Prix-Niveau erfolgreich sind, zu Gribaldis Nachkommen.

Neben Painted Black im Sattel von Anky van Grunsven und Sisther de Jeu unter Edward van Gal ist es aber vor allem der gefeierte Wunderhengst Totilas, der eindeutig die Spitzenposition unter den Nachkommen Gribaldis einnimmt. Er war das erste Dressurpferd, das jemals mehr als 90 Prozent in einer Kür erreichen konnte und damit eine scheinbar magische Grenze durchbrochen hat. Der Weltcup-, WM- und EM-Sieger ist heute der berühmteste Dressurhengst der Welt – zu solchen Ehren konnte es wohl nur ein Sohn von Gribaldi bringen.

Der Stammbaum von Gribaldi

Gribaldi ♂

Kostolany ♂
Trakehner
Rappe, 1984

Enrico Caruso ♂
Trakehner
Dunkelbraun, 1978
Mahagoni ♂
Trakehner
Dunkelbraun, 1974
Elchniederung ♀
Trakehner
Dunkelbraun, 1972
Kapstadt ♀
Trakehner
Schimmel, 1980
Falke ♂
Trakehner
Schimmel, 1976
Karben ♀
Trakehner
Braun, 1974
Gondola II ♀
Trakehner
Schwarzbraun, 1972
Ibikus ♂
Trakehner
Braun, 1967
Hertilas ♂
Trakehner
Dunkelbraun, 1963
Isolda ♀
Trakehner
Fuchs, 1960
Gloria VI ♀
Trakehner
Braun, 1968
Flugsand ♂
Trakehner
Fuchs, 1959
Gemma ♀
Trakehner
Dunkelbraun, 1963

Headerbild: Fotoimage, Public domain, via Wikimedia Commons

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