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Sehnenschaden beim Pferd: So trainierst Du Deinen Vierbeiner wieder an

von ehorses Team
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Sehnenschaden beim Pferd – eine Horrordiagnose für jeden Pferdebesitzer. Sehnen verbinden Muskeln und Knochen und sorgen, dafür dass aus Muskelkraft Bewegungen werden. Sie sind also echte Wunderwerke und äußerst wichtig im Pferdekörper. Doch es kommt nicht selten vor, dass es zu einem Sehnenschaden beim Pferd kommt. Aber was passiert, wenn die Sehne einmal kaputt ist? Ist es das Aus für die Karriere als Reitpferd? Wie verläuft der Heilungsprozess und wie kannst Du als Reiter solch einen Schaden vorbeugen? Alles Wichtige zum Thema Sehnenschaden beim Pferd haben wir hier für Dich zusammengefasst.

Was und wo ist die Sehne beim Pferd?

Sehnen verbinden Muskeln und Knochen miteinander. Man kann es sich wie ein straff gespanntes Seil zwischen beiden vorstellen. Dadurch wird klar, weshalb die Sehne einer so großen Belastung ausgesetzt ist. Sie überträgt die Kraft, die das Pferd im Muskel entwickelt, an die Gelenke, wodurch Bewegungen entstehen. Ohne die Sehnen geht also nichts!

Eine Sehne besteht aus festem Bindegewebe. Dieses Bindegewebe wiederum besteht aus gebündelten Fasern, die sich in der Masse zur Sehne zusammensetzen. Jedes Muskelende ist mit einem Netz aus Bindegewebe umspannt. Dies ist sozusagen die Befestigung der Sehne am Muskel. Die Sehne reicht dann bis zum Knochen und ist dort, so wie auch an der Muskulatur befestigt.

Die meisten Menschen werden die Begriffe Fesselträger und oberflächliche und tiefe Beugesehen bereits kennen. Der Fesselträger sorgt dafür, dass die Fessel nicht bis zum Boden hin durchtritt. Er beginnt unterhalb des Vorderfußwurzelgelenks bzw. am Hinterbein unterhalb des Sprunggelenks und verläuft hinter dem Röhrbein nach unten.

Die oberflächliche Beugesehne unterstützt den Fesselträger und beginnt oberhalb des Vorderfußwurzel- bzw. Sprunggelenks. Sie ummantelt die tiefe Beugesehne, welche an der Unterseite des Hufbeines ansetzt und nach oben verläuft. Die tiefe Beugesehne sorgt für die Übertragung der Muskelkraft in das Hufgelenk und funktioniert in etwa so wie ein Spannband. Nimmt man den Huf hoch, kann man am Röhrbein die drei unterschiedlichen Sehnen erfühlen.

Was tun bei einem Sehnenschaden beim Pferd?

Vermutet man einen Sehnenschaden beim Pferd, muss sofort der Tierarzt benachrichtigt werden.

Sehnenschaden beim Pferd: Typische Anzeichen & Ursachen

Sehnen sind auf Zugspannung und hoher Belastung ausgelegt, jedoch werden sie bei Überlastung oder Überdehnung beschädigt. Dabei können einzelne Fasern, Faserbündel oder sogar das gesamte Band reißen. Da das Gewebe der Sehne kaum von Blutgefäßen durchzogen ist, dauert die Heilung besonders lang.

Durch die Verletzung kommt es zu einer Entzündung, welche sich durch Schwellung und Wärmeentwicklung an der betroffenen Stelle äußert. Natürlich werden dadurch auch Schmerzen verursacht, welche zu Lahmheit führen.

Die Ursachen für eine Beschädigung der Sehne können vielfältig sein. Gründe für Sehnenschäden sind mangelhaftes Training, ein zu früher Einsatz des Pferdes, Muskelermüdung, Fehler des Hufbeschlags oder Fehlstellungen, zu tiefer oder zu harter Boden, plötzliche Wendungen und auch Übergewicht des Pferdes.

Wie erkennt man einen Sehnenschaden beim Pferd?

Einen Sehnenschaden erkennt man an einer Schwellung, Hitze und Lahmheit.

Krankheitsbilder: Sehnenscheidenentzündung vs. Sehnenruptur

Sehnenscheidenentzündung

Eine Sehnenscheidenentzündung wird auch als Tendinitis bezeichnet. Die Ursache dafür ist ähnlich wie beim Menschen eine Überlastung. So kann eine Sehnenscheidenentzündung durch besonders hohe Belastung eines einzelnen Beines oder durch die Wiederholung einer neuen Übung entstehen. Die Stelle der Entzündung wird für das Pferd schmerzhaft sein und anschwellen.

Sehnenruptur

Ein Riss der Sehnenfasern und auch ein vollständiger Riss der Sehne wird als Sehnenruptur bezeichnet. Dabei kommt es zu einer Einblutung und dadurch zu einer Entzündungsreaktion. Besonders Sportpferde, junge und übergewichtige Pferde sind einem hohen Risiko ausgesetzt, sich solch eine solche Verletzung zuzuziehen.

Die Dehnbarkeit der Sehnen wird vor allem in hohen Gangarten und beim Springen ausgereizt. Im Schritt dehnt sich die Sehne um ca. 3%, im Trab um bis zu 8% und im Galopp sogar um 16%. Sportpferde sind zwar oftmals gut trainiert, allerdings stehen sie unter großer Belastung, was zur Überlastung führen kann. Sollte eine Sehne dann bereits leicht beschädigt sein, kommt es zu einem Abriss. Gesunde Sehnen würden jedoch nur aufgrund von Gewalteinwirkung oder einer extremen Belastung reißen.

Vorbeugende Maßnahmen: So vermeidest Du einen Sehnenschaden beim Pferd

Jedes Pferd, welches unter besonders hoher Belastung steht, ist dem Risiko ausgesetzt, einen Sehnenschaden zu erleiden. Doch Halt! Es bedeutet nicht, dass Bewegung schlecht ist. Ganz im Gegenteil, sie ist sogar wichtig und beugt Sehnenschäden vor. Da Sehnen nur schlecht durchblutet sind, trägt Bewegung dazu bei, die Durchblutung und den Stoffwechsel anzuregen. Die angeregte Blutzirkulation versorgt das Bindegewebe mit den nötigen Mineralien und Sauerstoff, was die Sehnen belastbar macht und gesund erhält.

Um ausreichend Bewegung in den Alltag des Pferdes zu integrieren, eignet sich Weidegang, ein Paddock Trail oder der regelmäßige Ausritt sehr gut. Außerdem muss das Pferd vor dem Training gut aufgewärmt werden, also mindestens 10-20 Minuten Schritt gehen.

Auch der Hufbeschlag muss stimmen. Man sieht es heute vielfach, dass die Pferde eine sehr lange Zehe haben und im Trachtenbereich zu tief stehen. Die Pferde stehen dann rückständig. Das führt zu einer vermehrten Belastung des gesamten Sehnenapparates. Es ist unverzichtbar, dass der Hufschmied das Pferd so stellt, dass es zu keiner zusätzlichen Belastung kommt. Ein dauerhafter Zug auf die Sehne ist auch für ein gesundes Pferd schädlich. Für einen Pferd mit Sehnenschaden kann es das frühzeitige Aus bedeuten.

Sehnenschaden beim Pferd: Die richtigen Therapiemaßnahmen

Trotz jeder Vorsorge können Sehnen beschädigt werden. Sollte man Symptome einer Sehnenverletzung bei seinem Pferd feststellen, muss sofort der Tierarzt verständigt werden. Dieser wird das Bein vom Pferd untersuchen und nach der Diagnose ein geeignetes Rehabilitationsprogramm für eine gute Behandlung entwickeln. Das Ziel ist es, die ursprüngliche Belastbarkeit der Sehne wieder herzustellen. Allerdings wird während der Heilung statt des ursprünglich festen Bindegewebes ein Narbengewebe entstehen, was nicht so belastbar ist wie die Sehne.

Zu Beginn der Therapie steht der Rückgang der Schwellung im Fokus. Dafür wird die betroffene Stelle durchgängig gekühlt oder mit einem medikamentösen Umschlag behandelt. Ist die Schwellung zurückgegangen, werden durchblutungsfördernde Cremes aufgetragen, jedoch keine scharfen Salben. Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Heilung der Sehne beitragen können, aber der Hauptfaktor in der Rehabilitation ist die kontrollierte Bewegung des Pferdes.

Mit dem Tierarzt wird möglichst frühzeitig ein individuelles Bewegungsprogramm für das betroffene Pferd erstellt, um Verklebungen der beschädigten Sehne zu vermeiden. Zusätzlich wird der Fortschritt des Heilungsprozesses durch Ultraschalluntersuchungen kontrolliert. Auch eine Fütterung kann den Heilungsprozess unter Umständen unterstützen.

Bei jeder Therapie ist jedoch Geduld gefragt und jeder Sehnenschaden ist anders. Der Heilungsprozess hängt außerdem von Alter und Aufgabe des Pferdes ab und es muss beachtet werden, dass der Grund für den Sehnenschaden erkannt wird. Im Fall, dass das Pferd wieder vollständig belastet werden kann, die Ursache für den Sehnenschaden jedoch nicht behoben ist, wird es sehr wahrscheinlich zu einem Rückfall kommen.

Was füttern bei Sehnenschaden beim Pferd?

Entzündungshemmende und durchblutungsfördernde Futtermittel dienen der Heilung. Hierfür könne verschiedene Kräuter und Hagebutten genutzt werden. Auch Kieselerde trägt zur Unterstützung der Heilung bei.

Begleitende Therapiemaßnahmen bei Sehnenverletzungen

Da durch eine Sehnenverletzung und die damit verbundenen Schmerzen das Pferd seinen Bewegungsablauf verändert, führt das an anderer Stelle zu Verspannungen und zu Ausweichbewegungen. Folglich können Blockaden und Bewegungseinschränkungen entstehen. Damit diese Bewegungseinschränkungen keine weiteren Folgen haben, hilft Massage und die Behandlung durch einen guten Osteopathen. Der Osteopath stellt die Beweglichkeit wieder her und die Massage sorgt dafür, dass sich Verspannungen lösen. Erneute Bewegungseinschränkungen können somit vermieden werden.

Bei Sehnenschäden im Bereich der Vorderbeine kommt es immer auch zu einer vermehrten Belastung der Muskulatur des Oberarms. Das kann sich dann auch bis zur Schulterpartie ausdehnen und den gesamten Körper des Pferdes belasten. Die Massage kann helfen, die Muskeln locker zu halten und die Durchblutung zu unterstützen.

Sehnenschaden beim Pferd – Nach der Heilung

Nach der Heilung sind viele Pferde glücklicherweise absolut schmerz- und lahmfrei. Für den größeren Sport ist ein Pferd mit einem solchen Schaden oftmals jedoch nicht mehr einsetzbar.

Sicherlich muss man dann Abstriche machen. Baut man es aber richtig auf, kann das Pferd mit dem ‚Problem‘ gut leben und auch ohne Beeinträchtigung geritten werden. Für einen Grand Prix kann man jetzt nicht mehr trainieren, aber für gut gerittene Lektionen bis auf S-Niveau, einen richtig flotten Galopp im Gelände und Versammlung bis zu einem gewissen Grad kann man sein Pferd bei einem normalen Sehnenschaden wieder aufbauen. Man sollte allerdings vom Tierarzt eine Prognose haben, damit man einschätzen kann, wo die Grenzen sind.

Nach dem Sehnenschaden – Der Aufbau beginnt

sehnenschaden-pferd-wiederaufbauWann der Aufbau wieder beginnen kann, sollte immer mit dem Tierarzt abgestimmt werden. Die ersten Tage kannst Du Schritt am langen Zügel reiten und Handwechsel auf geraden Linien einbauen. Damit erreicht man, dass die Pferde den Hals fallen lassen. Danach kannst Du das Training in Absprache mit Deinem Tierarzt wieder langsam aufbauen.

Wichtig ist, dass sich die Pferde beim Reiten immer loslassen und den Rücken hergeben. Wenn sie sich loslassen, kommt es zu keinen Verspannungen und damit nicht zu Fehlbelastungen. Wenn man das erreicht, kann man die Anforderungen langsam steigern.

Mit der Zeit sollte man dann wieder zu einer Verbesserung der Rippengschmeidigkeit kommen. Das bedeutet, große gebogene Linien, große Schlangenlinien und große Achten reiten. Auf engere Wendungen wird man je nach Schwere der Schädigung für die Zukunft ganz verzichten müssen. Man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass es bei einer solchen Vorschädigung nicht mehr um den nächsten Grand Prix geht, sondern darum, dass das Pferd mit diesem Problem schmerzfrei alt werden kann.

Keine Angst – richtiges Training ist wichtig!

Training bei Sehnenschaden

Im Laufe der Zeit kann man dann auch Steigungen und Gefälle im Schritt in sein Training wieder einbinden. Das stärkt Muskeln und Sehnen.

Während des Wiederaufbaus bleibt im Hinterkopf oftmals die Sorge, Fehler zu machen. Etwa zu schnell zu viel zu verlangen oder dass sich das Pferd auf der Weide Verletzungen zuzieht. Alle diese negativen Gedanken sollte man versuchen zur Seite zu schieben. Damit hört man nämlich auf zu Reiten.

Vor lauter Vorsicht, gymanstiziert man sein Pferd nicht, hält das Hinterbein nicht aktiv und reitet nicht mehr ausreichend fleißig vorwärts, so dass die Muskeln nicht mehr richtig arbeiten müssen. Dadurch wird das Pferd steif. Es Folgen Verspannungen, wodurch einzelne Strukturen und damit auch die Sehne falsch belastet werden. So kommt der nächste Schaden bestimmt.

Also muss man versuchen, seine eigenen Ängste loszulassen und das Pferd durch die richtige Bewegung zu unterstützen. Wenn man die Sehne nach jedem Reiten kontrolliert und sein eigenes Reiten reflektiert, kann man mit der Zeit gut einschätzen, was man seinem Pferd zumuten kann. Solange die Sehne weder dick noch warm oder schmerzempfindlich ist und das Pferd nicht lahm geht, ist im Allgemeinen alles in Ordnung. Man kann dann sein Trainingspensum beibehalten beziehungsweise langsam steigern.

Tabus im Wiederaufbau nach dem Sehnenschaden beim Pferd

Man sieht es oft, dass Pferde zum Aufbau erst einmal über einen längeren Zeitraum longiert werden. Das ist nicht zu empfehlen, da die Wendung an der Longe zu eng ist und somit die Belastung der Sehne zu groß. Außerdem kann man unkontrolliertes Bocken, Stoppen und Gas geben nicht vermeiden. Auch auf Springen und in der Anfangszeit Stangenarbeit sollte man verzichten. Die Belastung auf die Sehne ist auch hier zu groß.

Reiten ohne Gebiss, Longieren mit Kappzaum oder am Halfter machen die Situation zusätzlich schwierig, da die Pferde dann den Rücken nicht hergeben und das Gebiss nicht annehmen können. Dazu gibt es ja unterschiedliche Ansichten, aber wenn man die Grundlagen der funktionellen Anatomie zugrunde legt, funktionieren alternative Wege nicht!

Reiten oder nicht reiten?

Je nach Art und Ausmaß der Sehnenschadens kann es also sinnvoll sein, seinem Pferd noch einige schöne Jahre auf der Weide zu bieten und auf das Reiten zu verzichten. Bei einem Sehnenabriss heilt die Sehne zwar meist wieder zusammen, aber die Vernarbung kann extrem groß sein. Die Dehnbarkeit der Sehne wird dadurch stark eingeschränkt und so kann es schnell zu einer neuerlichen Schädigung kommen. Der Bereich der Vernarbung vergrößert sich und die Belastbarkeit der Sehne nimmt systematisch ab.

Das gleiche gilt auch bei mehreren Sehnenschäden nacheinander. Sprich: Schaden, Heilung, Schaden, Heilung. Bei solchen Krankheitsverläufen sollte man darüber nachdenken, das Pferd nicht mehr zu arbeiten. Vielleicht auch nur noch mit ihm spazieren gehen und es verwöhnen. Denn je nach Ausmaß der Schädigung kann es sein, dass das Pferd dauerhaft Schmerzen hat.

Wie lange dauert ein Sehnenschaden beim Pferd?

Die Heilung kann sich über mehrere Monate ziehen. Manche Pferde bleiben für den Rest ihres Lebens eingeschränkt.

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2 Kommentare

Pferde-Training 27. Januar 2018 - 22:43

Gut geschriebener Artikel. Meiner hatte auch einen Sehnenschaden, selbstbzugefügt. Ich hab auf mein Gefühl gehört beim Auf die Weide lassen. Er ist nun mal ein flippiges Pferd, der wär in der Boxe ausgeflippt. Uns haben Blutegel sehr geholfen und es hat einfach viel länger als erwartet gedauert, bis ich das Gefühl hatte, das jetzt alles wieder gut ist.

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Equus Domesticus 29. Januar 2018 - 17:18

So ein Vorfall ist immer eine ganz schlimme Nachricht und man ist froh, wenn man eines Tages wieder überhaupt Reiten kann, auch wenn es von einem viel Zurückhaltung fordert, es langsam anzugehen. Ich finde die Unterstützung mit Blutegeln ebenfalls sehr gut, sowie Präparate zum füttern, die grade im akuten Geschehen, die Heilung unterstützen können.

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