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Fünfkampf-Drama um Annika Schleu: Nun meldet sich ein Kollege zu Wort

von Regina Schweizek
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Das Fünfkamps-Drama um Annika Schleu hat weltweit für großes Aufsehen und große Empörung gesorgt. Nun äußert sich jemand aus den eigenen Reihen. Fünfkämpfer Matthias Sandten äußerte sich zu den Problemen des Fünfkampfes und des Reitsports an sich.

Ein scheinbar verängstigtes und widerwilliges Pferd, eine verzweifelte und in Tränen ausgebrochene Reiterin und eine Bundestrainerin, die mit den Worten ,,Hau mal richtig drauf“ die Situation alles andere als beschwichtigte. Das waren die Bilder, die im August diesen Jahres um die Welt gingen.

Es folgte eine Welle des Hasses und zahlreiche Anzeigen von Tierschützer:innen gegen Annika Schleu und ihre Trainerin Kim Raisner. Schlussendlich löschte Schleu sogar ihren Instagram-Account, da der Shitstorm in Netz einfach zu unberechenbar wurde. Auch Dressurlegende Isabell Werth äußerte sich kritisch zu dem Vorfall. Sie sagte: ,,Das hat mit Reiten nichts zu tun“.

Statement von Matthias Sandten

Fünfkämpfer Matthias Sandten sieht vor allem Probleme im Fünfkampf selbst, aber auch im Reitsport allgemein. Ein Problem sei die Zeit. Ehemals wurde im Fünfkampf nur ein Wettkampf am Tag bestritten. Insgesamt hatten die Sportler:innen also fünf Tage für alle Disziplinen. In den vergangenen Jahren jedoch habe sich die Dynamik im Sport verschärft und das Programm sei immer straffer geworden. In Tokio wurden dann letztendlich alle Wettkämpfe an einem Tag durchgezogen und das erstmals auch in nur fünf Stunden.

Der Fall ,,Annika Schleu“

Dieser enorme Zeitdruck habe auch Annika Schleu bzw. dem Pferd Saint Boy das Genick gebrochen, so Sandten. Denn man hätte klar gesehen, dass das Pferd noch von der vorherigen Reiterin traumatisiert war. Sandten erklärt, dass es hätte anders kommen können, wenn man dem Paar mehr Zeit gegeben hätte um  zueinander zu finden. Allerdings führt Sandten auch an, dass der Tierarzt das Pferd hätte tauschen lassen können. Jedoch vermute der Fünfkämpfer, dass auch der Tierarzt das straffe Programm nicht weiter verzögern wollte oder schlicht die Notwendigkeit nicht gesehen habe.

,,Das Pferd ist das schwächste Glied“

Insgesamt stellt Sandten fest: ,,Das Pferd ist das schwächste Glied“ (im modernen Fünfkampf). Da das Gelingen der anderen Wettkämpfe einzig von der Leistung der Sportler:innen selbst anhänge, sei das Pferd das schwächste bzw. unberechenbarste Glied in dieser Kette nach Sandten. Gerade der Zeitdruck und die geringe Vorbereitungszeit von 20 Minuten seien ein Problem bei der Arbeit mit den Tieren. Hinzu käme, dass viele der Pferde die Situation im Stadion als puren Stress empfänden. Die meisten von ihnen seien Blitzlichter, die Lautstärke und ein großes Stadion nicht gewöhnt. Matthias Sandten plädiere dafür die Reitdisziplin am Tag vor dem restlichen Wettkämpfen mit mehr Ruhe und weniger Trubel abzuhalten. Denn ,,die brenzligsten Situationen hat es immer bei Olympischen Spielen gegeben, weil die Pferde diese Situation nicht gewöhnt sind“, so Sandten.

Reiten = Schmerzreize?

Matthias Sandten sieht jedoch auch beim Reitsport allgemein ein Problem. Er erklärte, dass Sporen, Gerte und auch die Kandare im Profisport immer Schmerzreize aussenden, um so das Pferd gefügig zu machen. Sandten führte weiter aus, dass die Intensität zwar immer von der Führung der reitenden Person abhänge, gerade aber im Amateurbereich eine leichte Führung nicht wirklich gegeben sei. Für Sandten steht fest: ,,im Grunde geht es beim Reiten grundsätzlich darum, den Willen des Pferdes zu überwinden oder vielleicht auch zu brechen“. Das müsse man als Basis einer Diskussion wissen, so der Sportler.

Quelle: SPORT1

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