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Immer mehr Angriffe auf Pferde – Täter werden selten gefasst

von Laura Wienecke
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Unbekannte attackieren in den letzten Jahren immer wieder Pferde auf der Wiese. Die Motive sind vielfältig – doch die Aufklärung schwierig.

Gießen/Wiesbaden – In Hessen wurden in den vergangenen Jahren Dutzende Angriffe auf Pferde verzeichnet. Diese wurden durch Tierquäler verletzt oder sogar getötet.  Solche Fälle tauchen stetig auf und das ist extrem bedenklich“, sagt Hessens Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin. Gerade auf Koppeln seien Pferde ein leichtes Ziel für Täter – was besonders traurig sei, denn aus Tierschutzgründen „freuen wir uns, wenn Pferde möglichst viel draußen sind“.

Die aktuellste Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnet im im Jahr 2020 elf aktenkundige Attacken auf Pferde. Die Zahlen schwanken: 2017 gab es 29 bekannte Fälle, 2015 waren es 19. Im Jahr 2013 gab es 32 registrierte Fälle, seit dieser Zeit lässt sich dem hessischen Landeskriminalamt zufolge das Phänomen statistisch auswerten.

Schnittwunden, Schreckschusspistolen, Auto-Kollisionen

Zuletzt gab es mutmaßliche Angriffe in Mittelhessen: Unbefugte betraten nachts die Wiese, die Tiere gerieten in Panik und ein Pferd verletzte sich an einem hölzernen Gestell so schwer, dass es eingeschläfert werden musste. Auffällig war die geflochtene Mähne eines Pferdes. Ebenfalls Ende Dezember fanden Pferdebesitzer ein Küchenmesser auf ihrer Weide, nachdem ein Pferd kurz zuvor Schnittwunden am Körper aufwies. Knapp eine Woche zuvor waren in Dautphetal Pferde von ihrer Wiese entlaufen, nachdem Unbekannte den Zaun öffneten und den Strom abstellten.  Ein Pferd kollidierte daraufhin mit einem Auto und wurde schwer verletzt. Die Polizei stellte ebenfalls Schnittwunden an einem Tier fest, die laut Polizei mutwillig zugefügt wurden. Im Kreis Kassel beschäftigte sich die Polizei mit einem Wallach, der eine ca. zehn Zentimeter lange Wunde im Brustbereich erlitten hat. Die Ermittler vermuten auch in diesem Fall eine mutwillige Verletzung. Im März 2021 wurde ein Pferd in Bad Schwalbach tot aufgefunden: kurz zuvor gab es einen Schuss mit einer Schreckschusspistole. Die Polizei konnte entsprechende Hülsen vor Ort sicherstellen, jedoch sei die genaue Todesursache aber unklar. 

Täter können nur selten gefasst werden

Die Kriminalstatistik zeigt, dass die Täter nur selten gefasst werden können. 2017 wurden zwei Taten aufgedeckt, 2020 keine. „Man muss sehen, dass es sich um schwierige Tatorte handelt“, erläutert Alexandra Stupperich vom Expertenteam des Zentrums für Kriminologie und Polizeiforschung. „Die Tiere werden auf einer Weide angegriffen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man da nachts Zeugen hat, die den Täter zufällig beobachten, ist nicht sehr groß.“ Zudem werde das Delikt von der Polizei auch ins Verhältnis zu anderen Delikten gesetzt, so dass der Umfang der Ermittlungen geringer ausfallen könnte als bei anderen Taten, sagt Stupperich weiter, die bis zu ihrem Ruhestand Professorin für Kriminaltechnik war.

Motive wie Neid, Mutproben, Spaß am Quälen & sexuelle Neigungen

Die Motive hinter den Taten sind der Expertin zufolge sehr vielfältig. „Das fängt bei Neid an, Neid zwischen Reiterinnen und Reitern oder zwischen Züchtern. Oder es gibt Fälle von Nachbarschaftsstreitigkeiten, bei denen die Täter generell etwas gegen Pferde oder den Reitstall haben.“ Ein großer Bereich betreffe auch Jugendliche und Gruppendelikte, bei denen es dann häufig um Mutproben gehe. „Schließlich liegt bei manchen Tätern auch eine psycho-pathologische Veranlagung vor. Bei diesen unterscheidet man zwischen jenen, die eine sexuelle Neigung in Bezug auf Pferde haben, und solchen, die Spaß am Quälen und Töten haben“, so Stupperich.

Weidecontrolling verschärfen

„Das Thema „Pferderipper“ beschäftigt uns schon seit Ende der 1990er Jahre und ist leider immer wieder präsent“, sagt Thomas Ungruhe, Leiter der Abteilung Vereine, Umwelt, Breitensport und Betriebe der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. „Für Pferdebesitzer ist eine der schlimmsten Vorstellungen, morgens auf die Weide zu kommen und sein Pferd verletzt vorzufinden.

Beim Bekanntwerden solcher Fälle, meist sind es ja keine Einzelfälle, sollten Pferdehalter in der betroffenen Region entsprechende Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Weiden ergreifen, das Weidecontrolling verschärfen und wachsam zu bleiben, eventuell auch die Nachbarschaft mit einzubinden.“ Auch Expertin Stupperich und die Polizei raten zu Prävention. Die Tiere rund um die Uhr personell zu bewachen, sei häufig nicht möglich, so eine Sprecherin des LKA. Doch es gebe Möglichkeiten, wie die Halter „zumindest zeitweise eine Überwachung gewährleisten und damit mögliche Taten erschweren und das Entdeckungsrisiko für Täter erhöhen können“: Kontrollgänge zu unterschiedlichen Zeiten zum Beispiel, mit geparkten Autos Anwesenheit simulieren, Nachbarn oder Spaziergänger sensibilisieren, Auffälligkeiten melden – oder auch Gänse, Esel oder Ziegen als „natürliche Alarmanlagen“ halten.

Quelle: op-marburg.de

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