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Wegen Tierquälerei: Springreiter André Schröder wird für ein Jahr von der FEI gesperrt

von Lea Hahnemann
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Auf einem internationalen Turnier fanden Stewards während einer routinemäßigen Kontrolle spitze Gegenstände in den Hinterhandgamaschen von André Schröders Pferd Apollo. Dieser Vorfall ereignete sich im Mai 2021, als der 32-Jährige an einem CSI in der Slowakaei teilnahm. 

Gebrauch von tierquälerischen Gamaschen

Stewards bemerkten während der Kontrolle, dass an der Innenseite der Hinterhandgamaschen des Pferdes Apollo (13) spitze Gegenstände zu finden sind. Die zuständigen Stewards kontaktierten umgehend den Chefsteward, der den Springreiter André Schröder über den Fund informierte und ihn darüber aufklärte, dass solche Gamaschen verboten seien. Schröder beteuerte daraufhin, dass er die Gamaschen genau so gekauft habe.

Auch der Chefsteward bestätigte, dass in den Gamaschen spitze Gegenstände waren. Er habe das Innere der Gamaschen mit seinem Finger abgetastet und festgestellt, dass die spitzen Gegenstände Schmerzen verursachen. Schröder erklärte, dass er diese Gamaschen schon oft auf Turnieren benutzt habe und dass es sich bei diesen Hinterhandgemaschen um ganz normale Gamaschen handelt, die für junge Pferde zulässig sind. Ein Steward versuchte Schröder zu vermitteln, dass solche Gamaschen, in denen spitze Gegenstände zu finden sind, nicht erlaubt sind und gegen die Regeln der FEI verstoßen.  Der Chefsteward nahm die Gamaschen mit und unterrichtete den Chefrichter von dem Fund. Auch dieser bestätigte, dass in diesen Gamaschen Löcher mit spitzen Stacheln sind. Schröder kassierte die Gelbe Karte wegen der Misshandlung eines Pferde.

Nachdem Schröder seine Prüfung geritten ist, kontrollierte man sowohl das Pferd als auch alle andere Gegenstände, die in Kontakt mit dem Wallach kommen würden.  Man konnte jedoch nicht erkennen, dass das Pferd misshandelt wurde oder dass es ihm schlecht ginge. Der Vorfall mit den Gamaschen wurde mit Hilfe von Fotos dokumentiert und der FEI vorgelegt worden. Auf den Fotos ist deutlich zu erkennen, dass sich im Inneren der Gamaschen elf Löcher mit spitzen Stacheln befinden.  Ein Pferd, welches solche Gamaschen angelegt bekommt, würde schreckliche Schmerzen verspüren, sollte es beim Springen an eine Stange kommen. Somit erreicht man, dass ein Pferd besonders hoch springt, damit es keine Schmerzen erleiden muss.

Als der Springreiter die Gamaschen anschließend zurück erhielt, behauptete dieser plötzlich, dass die Gamaschen gar nicht seine seien. Er habe diese lediglich gefunden.

André Schröders Worte zu dem Fund

Der 32-Jährige Springreiter behauptete, er habe die Gamaschen gar nicht selber angelegt. Er habe sie vorab vergessen und seinen Pfleger anschließend beauftragt, die Gamaschen dran zu machen. So habe er gar nicht gesehen was für Gamaschen an seinem Pferd seien. Für ihn sei der ganze Vorfall abgehakt gewesen, als er die Gelber Karte erteilt bekommen habe.

Das sagt die FEI zu dem Vorfall

Laut der FEI sei André Schröder als Reiter für sein Pferd verantwortlich. Der Gebrauch und die Absicht zum Gebrauch solcher Gamaschen würden gegen das FEI-Regelwerk verstoßen, weshalb Schröder der Missbrauch seines Pferdes nachgesagt wird. Laut des FEI-Regelwerks dürfen weder Gegenstände noch Ausrüstungen am Pferd eingesetzt werden, die dem Pferd exzessive Schmerzen verursachen. Dieser Schmerz entsteht jedoch, wenn Apollo mit diesen fraglichen Gamaschen eine Stange beim Springen berühren würde. Da die Knochenhaut der Pferde an den Beinen besonders empfindlich ist, kann der Druck die Knochenhaut reizen und Entzündungen oder extreme Schmerzen verursachen.

Aussagen von Schröder widersprüchlich

Zudem ist Schröders Erklärung zum Fund der Gamaschen sehr fraglich. Den beiden Stewards erzählte er, er habe die Gamaschen so, wie sie sind, gekauft und bereits auf viele Turnieren gebraucht. Das widerspricht seiner Aussage, dass er die Gamaschen zuvor noch nie gesehen habe. Dann sagte er, er habe die Gamaschen gefunden gehabt, was nicht zu der Aussage passt, dass sein Pfleger die Gamaschen angelegt  und er sie selber noch nie gesehen habe. Auffällig sei auch, dass der Reiter nicht mal schockiert reagiert habe, als dieser auf den Fund angesprochen wurde. Schröder erzählte einem Steward nach seinem Ritt sogar, dass er keine Gamaschen angelegt habe, da das Pferd bereits gut gesprungen sei. Diese Aussage lässt vermuten, dass Schröder wusste, welchen Zweck die Gamaschen erfüllen würden.  Da Schröder zu Anfang noch sagte, dass er diese fraglichen Gamaschen auf vielen Turnieren zuvor schon eingesetzt habe, handelt es sich im Fall Schröder um einen schweren Verstoß des Regelwerks.

Ein Jahr Sperre & Geldstrafe für Schröder

Das FEI-Tribunal sperrte André Schröder für ein Jahr. Diese Sperre gilt ab dem tag der Entscheidung, also ab dem 29. September 2021. Die Sperre bedeutet für Schröder, dass er in diesem Zeitraum nicht auf nationalen oder internationalen Turnieren teilnehmen darf. Weder als Reiter, noch als Trainer. Er darf für ein Jahr nur als Zuschauer auf Turnieren anwesend sein.

Zudem muss Schröder eine Geldstrafe von 5000 Schweizer Franken bezahlen und für die Prozesskosten aufkommen. Diese Kosten belaufen sich auf 2000 Schweizer Franken. Das FEI-Tribunal berücksichtigte bei der Entscheidung, dass der Springreiter bisher noch keinmal negativ aufgefallen sei und man nicht wüsste, wie oft die Gamaschen in der Vergangenheit zum Einsatz gekommen sind.  Da der Veranstalter des Turniers nicht im Sinne des FEI-Regelwerks gehandelt hat und den Teilnehmer nicht direkt vor Ort disqualifiziert hat, wurde auch dieser gemaßregelt.

Aktuell hat Schröder noch den Anspruch auf Widerspruch. Diesen kann er innerhalb von 21 Tagen nach Mitteilung der FEI-Entscheidung vor dem internationalen Sportgerichtshof (CAS) erheben.

Quelle: inside.fei.org

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