Müsli, Hafer oder einfach nur Heu? Beim Thema Pferdefütterung verliert man schnell den Überblick. Dabei ist das Verdauungssystem deines Pferdes hochsensibel: Fütterungsfehler führen rasch zu schmerzhaften Magengeschwüren oder gefährlichen Koliken. Dieser kompakte Guide zeigt dir auf einen Blick, was wirklich auf den Speiseplan gehört und was absolut tabu ist.
Pferdefütterung auf einen Blick: Das Wichtigste in Kürze
Pferde sind reine Pflanzenfresser und anatomische Dauerfresser. Die Basis ihrer Ernährung besteht aus Raufutter (mindestens 1,5 bis 2 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht täglich). Mineralfutter deckt den täglichen Spurenelementbedarf ab. Kraftfutter (z. B. Hafer) benötigen nur Pferde mit hoher Arbeitsleistung. Obst und Gemüse dürfen ausschließlich als kleine Belohnung gefüttert werden.
Futterarten für Pferde im Überblick
| Futterart | Beispiele | Eigenschaften | Worauf du achten solltest |
|---|---|---|---|
| Raufutter | Heu, Heulage, Stroh | Basis jeder Pferdefütterung. Reich an Rohfaser, hält die Verdauung in Schwung und sorgt für lange Kauzeiten. | Als Richtwert gelten mindestens 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht täglich. Fresspausen sollten nicht länger als vier Stunden dauern. Nur staub- und schimmelfreie Ware füttern. |
| Grünfutter | Weidegras, frisch geschnittenes Gras | Artgerecht, vitaminreich und schmackhaft. Im Frühjahr besonders energie- und zuckerreich. | Im Frühjahr langsam anweiden. Bei Pferden mit Hufrehe- oder EMS-Neigung den Fruktangehalt im Blick behalten, etwa an kalten, sonnigen Tagen. |
| Saftfutter | Möhren, Äpfel, Rote Bete, Futterrüben | Bringt Abwechslung und Vitamine, wird gern als Leckerli oder im Winter gefüttert. | In Maßen füttern, da teils zuckerreich. Möhren am besten längs schneiden, damit sich dein Pferd nicht verschluckt. |
| Kraftfutter | Hafer, Gerste, Mais, Pellets, Müsli | Energiereich und konzentriert. Sinnvoll für Pferde mit hohem Energiebedarf, etwa im Sport oder in der Zucht. | Nur bei echtem Mehrbedarf füttern und auf mehrere kleine Portionen verteilen. Gerste und Mais sollten aufgeschlossen sein, damit dein Pferd die Stärke gut verdauen kann. |
| Mineralfutter | Mineralpellets, Pulver, Salzleckstein | Gleicht Lücken bei Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen aus, die das Grundfutter nicht deckt. | Passend zum Grundfutter auswählen, ideal auf Basis einer Heuanalyse. Salz sollte deinem Pferd jederzeit zur Verfügung stehen. |
| Ergänzungs- und Spezialfutter | Mash, Rübenschnitzel, Heucobs, Öl | Hilft in besonderen Situationen, zum Beispiel bei Senioren mit Zahnproblemen, im Fellwechsel oder zum Zunehmen. | Rübenschnitzel und Heucobs immer gründlich einweichen. Öl langsam anfüttern. Bei Unsicherheit holst du dir am besten Rat bei Tierarzt oder Fütterungsberatung. |
Die Angaben sind allgemeine Richtwerte. Der tatsächliche Futterbedarf hängt von Gewicht, Alter, Rasse, Gesundheitszustand und Arbeitspensum deines Pferdes ab.
Die 5 goldenen Regeln der Pferdefütterung
Die richtige Fütterung hat einen direkten Einfluss auf die Gesundheit und Leistung deines Pferdes. Um Beschwerden wie Magengeschwüre oder Hufrehe vorzubeugen, sollte der Speiseplan genau auf die natürlichen Bedürfnisse des Pferdes abgestimmt sein. Diese 5 Regeln helfen dir dabei im Alltag.
1. Raufutter ist das unverzichtbare Fundament
Gutes Heu bildet das Herzstück jeder Pferdefütterung. Der Pferdemagen ist im Vergleich zum Körpervolumen sehr klein und produziert kontinuierlich Magensäure, unabhängig davon, ob Futter aufgenommen wird oder nicht. Der einzige natürliche Puffer gegen diese Säure ist Bikarbonat im Speichel, welcher ausschließlich beim gründlichen Kauen gebildet wird.
Pro 100 kg Körpergewicht benötigt ein Pferd täglich mindestens 1,5 bis 2 Kilogramm Heu an Trockensubstanz.
Fresspausen dürfen keinesfalls länger als 4 Stunden dauern, da die Säure sonst ungeschützt die Magenwand angreift.
Reihenfolge einhalten: Füttere stets zuerst Raufutter und erst mit zeitlichem Abstand das Kraftfutter. Das bremst die Fressgeschwindigkeit und sorgt für eine optimale Einspeichelung.
2. Wasser: Das unterschätzte Nahrungsmittel Nummer 1
Ohne ausreichend frisches Wasser nutzt das beste Futter nichts. Ein ausgewachsenes Großpferd trinkt je nach Umgebungstemperatur, Fütterung und Trainingsintensität zwischen 30 und 50 Liter Wasser am Tag. Steht nicht genügend Tränkwasser bereit, dickt der Futterbrei im Dickdarm ein. Dies führt häufig zu schweren Verstopfungskoliken. Achte darauf, dass Tränken stets sauber, keimfrei und im Winter frostfrei gehalten werden.

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3. Kraftfutter nach tatsächlichem Arbeitsbedarf
Kraftfutter wie Hafer, Müsli oder Pellets liefert konzentrierte Stärke und Energie. Der Dünndarm des Pferdes kann jedoch nur begrenzte Mengen Stärke pro Mahlzeit aufspalten.
Faustregel: Maximal 0,5 kg Kraftfutter pro 100 kg Körpergewicht pro Einzelmahlzeit füttern.
Bedarf prüfen: Ein gewöhnliches Freizeitpferd, das leicht bewegt wird, deckt seinen gesamten Energiebedarf in der Regel vollständig über qualitativ hochwertiges Heu ab. Ein Zuviel an Stärke belastet die Darmflora im Dickdarm und begünstigt Stoffwechselkrankheiten wie Hufrehe oder das Equine Metabolische Syndrom (EMS).
4. Zielgerichtete Mineralisierung
Moderne Böden und die entsprechende Heuernte weisen oft Lücken bei wichtigen Spurenelementen auf. Ein Mangel an Zink, Selen, Kupfer oder Mangan zeigt sich meist schleichend. Typische Warnzeichen sind brüchiges Hufhorn, verzögerter Fellwechsel, stumpfes Fell sowie eine erhöhte Infektanfälligkeit. Ein passend dosiertes Mineralfutter gleicht diese Defizite im Grundfutter zuverlässig aus.
5. Absolute Hygiene und schonende Futterumstellung
Pferde besitzen ein sehr empfindliches Mikrobiom im Dickdarm. Mikroorganismen, die für die Rohfaserverdauung zuständig sind, müssen sich an jedes neue Futter langsam anpassen.
Futterwechsel: Futterumstellungen (beispielsweise beim Anweiden im Frühjahr oder beim Wechsel auf eine neue Heu-Charge) müssen schrittweise über einen Zeitraum von 2 bis 3 Wochen erfolgen.
Qualitätskontrolle: Staubiges, schimmeliges oder muffig riechendes Futter gehört in den Müll, nicht in den Trog. Mykotoxine im Schimmel schädigen Leber und Nieren nachhaltig.

Vorsicht im Trog: Was dürfen Pferde nicht fressen?
Da Pferde aufgrund ihrer Anatomie nicht erbrechen können, musst du ungeeignete Nahrungsmittel konsequent vom Speiseplan fernhalten.
Verbotene Nahrungsmittel:
Brot und Gebäck: Enthält zu viel Stärke, neigt zur Klumpenbildung im Magen und birgt ein hohes Risiko für unsichtbare Schimmelsporen.
Rasenverschnitt: Gärt extrem schnell, führt zu gefährlichen Aufgasungskoliken und birgt Erstickungsgefahr durch Schlundverstopfung.
Kohlgemüse und Hülsenfrüchte: Rufen starke Blähungen im Darmtrakt hervor.
Gefährliche Giftpflanzen auf Koppel und Heuwiese:
Jakobskreuzkraut (JKK): Führt zu irreversiblen Leberschäden. Es bleibt auch in getrocknetem Zustand im Heu giftig.
Eibe: Hochgradig tödlich. Bereits minimale Mengen führen binnen kurzer Zeit zum Herzstillstand.
Bergahorn: Auslöser für die tödlich verlaufende Atypische Weidemypathie (besonders Keimlinge im Frühjahr und Samen im Herbst).
Herbstzeitlose, Tollkirsche und Buchsbaum.
Fragen & Antworten
Wird Kraftfutter auf nüchternen Magen gefüttert, wird es vom Pferd hastig abgeschluckt und ungenügend eingespeichelt. Die Magensäure kann die Stärke nicht ausreichend vorverdauen. Zudem passiert das Kraftfutter den Magen zu schnell. Erst durch das vorherige Kauen von Raufutter wird der Magen mit Speichel gepuffert und die Verdauung optimal vorbereitet.
Im Schnitt benötigt ein ausgewachsenes Pferd etwa 30 bis 50 Liter Wasser täglich. Bei hoher sportlicher Belastung, starker Hitze oder laktierenden Stuten kann sich dieser Bedarf problemlos verdoppeln.
Eine Futterumstellung sollte immer schrittweise über etwa 14 bis 21 Tage erfolgen. Dabei wird das bisherige Futter langsam reduziert und das neue Futter in steigenden Anteilen beigemischt, um den Darmbakterien ausreichend Zeit zur Anpassung zu geben.
Pferde lieben als Grundnahrungsmittel frisches Gras und getrocknetes Heu. Darüber hinaus mögen sie saftige Snacks wie Möhren, Äpfel oder auch Hafer besonders gern, da ihr Geschmackssinn stark auf Süßes anspricht. Doch so beliebt süße Belohnungen oder junges Weidegras auch sind: Sie sollten stets nur in Maßen gefüttert werden, um Stoffwechselproblemen wie Hufrehe vorzubeugen.
Ja, ein reiner Salzstein sollte jedem Pferd rund um die Uhr frei zur Verfügung stehen. Grundfutter wie Heu und Gras enthält meist nicht genügend Natrium und Chlorid. Über den Salzstein kann das Pferd seinen Bedarf selbstständig regulieren, was besonders an heißen Tagen oder nach schweißtreibendem Training wichtig für den Elektrolythaushalt ist.
Ja, Stroh ist ein guter Zeitvertreib und liefert wertvolle Rohfaser. Es darf Heu jedoch niemals ersetzen, sondern nur als Ergänzung dienen. Die Faustregel liegt bei maximal 1 kg Stroh pro 100 kg Körpergewicht am Tag. Frisst das Pferd zu große Mengen Stroh, steigt das Risiko für eine Verstopfungskolik deutlich an.











