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Barockpinto

von Frederieke Wenning
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Der Barockpinto präsentiert sich als schwarz-weißer Schecke und ist eine Farbzucht, die in den Niederlanden, in Deutschland und in Österreich gezüchtet wird. Die junge Rasse geht auf erste Zuchtversuche in den 1950er Jahren zurück und ist aus der Kreuzung von einem Alt-Gelderländer-Schecken mit einem Friesen entstanden. Hieraus ging der in den Niederlanden schnell populär gewordene Hengst Bonte Nico hervor, der durch seine auffällige Scheckung bekannt und durch seine zahlreichen Nachkommen zum Stammhengst der heutigen Farbzucht wurde. Ein Barockpinto trägt mindestens 25 Prozent Friesen-Blut in sich und zeigt sich als harmonisch gebautes Pferd, das vielseitig eingesetzt werden kann. 

Wichtige Daten zum Barockpinto im Überblick

  • Ursprung: Niederlande
  • Hauptzuchtgebiet: Deutschland und die Niederlande
  • Verbreitung: Westeuropa
  • Stockmaß: ca. 150-160 cm
  • Gewicht: ca. 600 kg
  • Erscheinungsbild: kräftiger Körperbau mit meist üppigem Langhaar
  • Farben: meist Schecken
  • Haupteinsatzgebiet: Dressur, Showreiten, Freizeit

Herkunft/ Ursprung der Pferderasse (Zuchtgeschichte)

Entstanden ist die Rasse in Friesland, wo eine Friesenstute mit einem Altgelderländer-Schecken verpaart wurde. Schon „Nico van Friesland“, der erste Hengst der Rasse, welcher bei den Zuchtversuchen um das Jahr 1950 geboren wurde, hatte viele Bewunderer und hat als Stammhengst der Rasse viele Nachkommen gezeugt. Die Pferderasse ist in vielen Merkmalen dem Friesen sehr ähnlich, die gescheckte Farbe ist jedoch besonders. Der Begriff „Pinto“ leitet sich aus dem Spanischen ab und bedeutet so viel wie „bemalt“. Um die barocke Statur der Rasse zur Geltung kommen zu lassen, wurde dem Namen der Pferderasse noch das Wort „Barock“ hinzugefügt, woraus sich schlussendlich der „Barockpinto“ ergab.

Barock Pinto Fohlen

Die Pferderasse ist in vielen Merkmalen dem Friesen sehr ähnlich, die gescheckte Farbe ist jedoch besonders.

1962 wurde Nico von P.S. Hellinga gekauft und sorgte fortan für reichlich Schlagzeilen und Wirbel in der Züchterszene. Der schöne, auffällig schwarzbunte Hengst wurde gekört, später wieder abgekört und sollte zeitweise sogar kastriert werden. Nachdem Hellinga schließlich eine Ausnahmegenehmigung für seinen Hengst erhalten hatte, deckte Bonte Nico in kurzer Zeit rund 150 Stuten und wurde anschließend auch offiziell in das Hengstregister eingetragen. Wie kein anderer Hengst hatte Nico einen maßgeblichen Einfluss auf die Zucht des Barockpintos, die durch ihn ab 1965 erste Erfolge vorweisen konnte.

Wie schwer ist ein Barockpinto?

Das Gewicht eines Barockpintos beträgt etwa 600 kg, es kann allerdings je nach Körpergröße schwanken.

Dressur

Barockpinto Verkaufspferde bei ehorses

Aufgrund seiner enormen Bedeutung für die Entwicklung des Barockpinto ist ein Rückblick auf seine Geschichte sinnvoll. Nico kam 1962 auf den Hof von Hellinga im niederländischen Marssum und wurde 1964 zum ersten Mal auf einer Warmblut-Zucht-Prüfung in Alkmaar vorgeführt. Zunächst hatte Hellinga den Hengst lediglich zum Decken seiner eigenen Stuten eingesetzt. Dabei war es vor allem die auffällige Fellfarbe, die Nico als „wilden Hengst“ in der Umgebung populär machte und die Aufmerksamkeit der umliegend ansässigen Bauern auf sich zog. Diese nutzen Nico fortan auch zum Decken ihrer eigenen Stuten, obwohl es sich um einen nicht geprüften Hengst handelte, der daher nicht zugelassen war. Die Folge waren Strafen für die Stuten-Besitzer und eine Art Beschlagnahmung Nicos, der zeitweise sogar kastriert oder sogar erschossen werden sollte. Daraufhin verfasste sein Besitzer Hellinga einen sogenannten Brandbrief an den niederländischen Prinzen Bernard – ein Bittbrief, der in den Niederlanden an das Königshaus mit der Bitte um königlichen Schutz geschrieben werden kann. Der Prinz leitete den Brief an den damals zuständigen Landwirtschaftsminister weiter, der den Hengst fortan zwei Mal für den Einsatz in Zuchteinrichtungen zuließ. Dieser Beschluss war allerdings nur bis 1966 gültig, sodass anschließend eine erneute Prüfung notwendig war. Abermals fiel die Beurteilung für den inzwischen sehr bekannt gewordenen Hengst negativ aus. Erneut war es der Minister für Landwirtschaft, der persönlich einschritt, um Nico vor dem Schlachthaus zu bewahren. Anschließend wurde der Hengst über mehrere Jahre zum Decken eingesetzt, ehe er 1973 wieder zu Hellingas Enkel kam. In dieser Zeit war Nico aufgrund seiner bunten Farbe enorm populär und durch entsprechende Zeitungsberichte landesweit bekannt geworden. Fohlen, die aus einer Deckung hervorgegangen waren, erzielten Preise, die um ein Vielfaches höher lagen als bei einfarbigen Fohlen. Zugleich erwies sich Nico als äußerst zeugungsfähig, denn in nur einem Jahr deckte er rund 150 Stuten und dies ohne künstliche Befruchtung, die damals noch nicht üblich war.

Heute liegt der Schwerpunkt der Barockpinto-Zucht nach wie vor in den Niederlanden. In Deutschland sind vor allem die Zuchtanstrengungen des Gestüts Classica zu nennen. Hier gelang es zu Beginn der 2000er Jahre, die Zucht auf friesischer Linie zu etablieren. So durfte das Gestüt als Mitglied des Rheinisch-Westfälischen Stammbuchs und als Erstes überhaupt zwei Hengste zur Körung vorstellen. Im Jahr 2002 erfolgte dann eine weitere erfolgreiche Körung von drei Barockpinto-Hengsten – die Basis für eine sich fortentwickelnde Züchtung in Deutschland.

Das Exterieur des Barockpintos

Der Barockpinto erreicht ein Stockmaß von bis zu 165 Zentimetern und soll sich mit einem royalen Fellmuster, der typischen schwarz-weiß gescheckten Fellfärbung und einer charakteristischen Front zeigen. Das Zuchtziel sieht ein aufwärts gebautes, funktionales, harmonisches und proportionales Pferd vor, das nicht zu massig ist und lange Vorderbeine aufweist.

Der Körperbau entspricht dem Rechteck-Modell. Kennzeichnend ist ein edler Kopf mit weit auseinanderstehenden, klaren und großen Augen, einem leicht konkaven Nasenbein, großen Nasenlöchern und aufmerksamen, kleinen Ohren. Der aufrecht stehende Hals bildet mit dem Nacken eine leicht aufwärtsgerichtete Linie und verfügt über eine ebene Verbindung zum Widerrist. Typisch sind außerdem eine schräg platzierte und lang gezogene Schulter, gewölbte und ebenfalls lang gezogene Rippen und ein stark bemuskelter Rücken mit einem fließenden Übergang zur Widerristhöhe und einer proportional passenden Länge.

Seitansicht vom barock pinto

Der Körperbau entspricht dem Rechteck-Modell. Kennzeichnend ist ein edler Kopf mit weit auseinanderstehenden, klaren und großen Augen, einem leicht konkaven Nasenbein, großen Nasenlöchern und aufmerksamen, kleinen Ohren

Das Fundament zeichnet sich beim Barockpinto durch senkrecht stehende Vorderbeine und gerade gestellte Hinterbeine, trockene, gut entwickelte und harte Sprunggelenke sowie gut geformte und edel anmutende Hufen aus. Die gewünschte Fellfärbung ist ausschließlich schwarzbunt. Rein schwarz geborene Pferde werden dennoch in das Stammbuch aufgenommen, sofern mindestens zwei Stellen des Fells eine weiße Färbung mit einem Durchmesser von mindestens zehn Zentimetern aufweisen. Nicht zuletzt fällt der Barockpinto durch seinen großzügigen Behang auf. Neben der üppigen Mähne und dem Schweif ist auch ein Kötenbehang typisch.

Der Barockpinto und sein Interieur

Der Barockpinto ist nicht nur optisch ein Blickfang, sondern wird auch als fleißiges und sehr gelehriges Pferd geschätzt. Er begeistert mit seinem umgänglichen, zuverlässigen und freundlichen Wesen. Mit seiner sehr hohen Lernbereitschaft und Arbeitsfreude eignet er sich als Dressurpferd sogar für die Lektionen der Hohen Schule. Ob zum Voltigieren oder zum Fahren, zum Dressurreiten oder als Familienpferd, der Barockpinto ist ein beliebter Allrounder. Typisch ist seine offene und ausgeglichene Art, die dennoch ausreichend Temperament aufweist. Darüber hinaus zeichnet sich das Interieur durch Leichtfuttrigkeit, Fruchtbarkeit und Vitalität aus.

Wieviel kostet ein Barockpinto?

Dies lässt sich schwer exakt festlegen, da der Preis eines Pferdes, unabhängig von der Rasse, vor allem von Ausbildungsstand, Alter und Gesundheit abhängt. Generell liegt der Barockpinto in der mittleren Preisklasse, wodurch er sowohl für FreizeitreiterInnen, als auch für sportliches Reiten gut geeignet ist.

Barockpinto im Video

Wissenswertes rund um den Barockpinto

Zuchtbestimmungen

Das Stammbuch für die Zucht des Barockpintos wird in vier Register eingeteilt:

  • Registrierung 1: Vater und Mutter sind unbekannt
  • Registrierung 1: beide Eltern sind bekannt
  • Registrierung 3: beide Eltern und die Großeltern sind bekannt
  • Fohlen-Buch: Vater des Fohlens muss ein geprüfter oder anerkannter Hengst aus dem Stammbuch sein: Eltern, Großeltern und Urgroßeltern müssen bekannt sein

Barockpintos werden entsprechend ihres Anteils an Fremdblut in verschiedene Typen unterteilt:

  • Typ BP: Fremdblut-Anteil weniger als 75 %
  • Typ XX: Fremdblut-Anteil mehr als 75 %
  • Typ FB: Hengste mit weniger als 75 % Fremdblut-Anteil, die nicht schwarzbunt sind

Bewegung

Der Barockpinto überzeugt mit ausdrucksstarken und schwungvollen Gängen, die bereits typisch für seine Vorfahren, die Friesen, waren. Der großzügige Schritt wird in einem sauberen Viertakt gezeigt. Trab und der geräumige Galopp sind durch einen langen Schwebe-Moment sowie viel Balance und Geschmeidigkeit gekennzeichnet.

Wofür ist ein Barockpinto geeignet?

Vor allem zum Dressur- und Showreiten ist die Rasse perfekt geeignet und bringt dort die Zuschauer zum Staunen. Durch die eeganten Bewegungen und das hohe Selbstbewusstsein sind die Pferde in diesen Disziplinen sehr begabt. Trotzdessen gibt es auch Pferde der Rasse, die im Springen oder in anderen Disziplinen begabt sind.

Besondere Merkmale der Rasse

Der Barockpinto ist neben seiner gescheckten Farbe außerdem für sein dichtes Langhaar bekannt. Auch der breite Rücken und die kräftige Statur sind spezielle Merkmale der Rasse.

Barockpinto – Einsatzgebiete

Durch den sehr ausgeglichenen Charakter und das ruhige Gemüt der Rasse ist sie vor allem bei Freizeitreitern oder im Fahrsport beliebt. Des Weiteren sind Barockpintos auch sehr leistungsbereit und ehrgeizig, wodurch sie sich auch für verschiedene Sparten des Turniersportes eignen. Die durch das Friesenblut verliehende Ausdruckskraft im Gang und die schwungvollen Bewegungen sind förderlich für das Dressurreiten, wodurch die Rasse auch in dieser Sparte gerne gesehen ist.

Wie schnell ist ein Barockpinto?

Der Barockpinto ist vom Gemüt eine eher ruhige Rasse, trotzdem können die Pferde eine nicht zu unterschätzende Geschwindigkeit erreichen. Im Rennsport sind Barockpintos jedoch eher sehr wenig vertreten, da sich hier Pferde mit einem anderen Körperbau besser eignen.

Erbkrankheiten und Besonderheiten, die beachtet werden sollten

Der Barockpinto ist im Allgemeinen eine sehr robuste Pferderasse, die meist eine hohe Lebenserwartung besitzt und lange gesund bleibt.

Dennoch gibt es durch das Friesenblut Erbkrankheiten, die öfter vorkommen. Hierzu gehören der Wasserkopf (Hydrocephalus) und der Zwergenwuchs. Beim Wasserkopf kann eine Ansammlung von Flüssigkeiten im Gehirn dazu führen, dass sich der Kopf schrittweise erweitert bzw. vergrößert. Oftmals führt die Krankheit dazu, dass die Geburt der Fohlen kompliziert verläuft oder diese tot geboren werden. Überlebende Fohlen werden meist eingeschläfert. Neben dem Wasserkopf tritt auch der Zwergenwuchs bei der Rasse auf. Er ist vor allem durch muskuläre Unterentwicklung, kurze Beine, einen langen Rücken und zu viel Spiel im Fesselgelenk gekennzeichnet. Die Pferde haben meist eine nur sehr geringe Lebenserwartung.

Neben den Erbkrankheiten ist beim Barockpinto vor allem darauf zu achten, dass die Pferde nicht übergewichtig werden, da sie meist sehr leichtfuttrig sind. Bei der Anschaffung eines Barockpintos sollte außerdem bedacht werden, dass die Rasse, wie alle anderen Pferde auch, krank werden kann und es dann zu unerwarteten Kosten kommen kann.

Haltung, Erziehung und Fütterung

Bei der Haltung des Barockpintos sollte ein besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, dass das Pferd ein auf seine Bedürfnisse abgestimmtes Futter bekommt. Das Hauptfutter stellt hier Raufutter, also Heu oder Heulage, dar. Dies sollte frisch sein und möglichst keine Schadstoffe wie Schimmel oder Pestizide enthalten. Daneben sollte ein geeignetes Kraftfutter gewählt werden, welches eine eher niedrige Energiedichte aufweisen sollte, da die Rasse dazu neigt, leicht zuzunehmen. Auch das Wasser sollte sauber und frisch sein. Bei der Haltung sollte auf ausreichend Auslauf auf dem Paddock oder der Weide geachtet werden, um für viel Bewegung zu sorgen. Wenn möglich, sollte das Gras der Weide nicht zu üppig vorhanden sein, da auch dies dazu führen kann, dass das Pferd übergewichtig wird. Bei Boxenhaltung sollte diese sauber gehalten werden und auf eine gute Belüftung Wert gelegt werden. Da die Rasse meist ein dickes Langhaar besitzt, sollte dieses regelmäßig gepflegt und gekämmt werden, um Knoten und lockere Haare zu lösen.

Barock Pinto Kopf und Mähne

Da die Rasse meist ein dickes Langhaar besitzt, sollte dieses regelmäßig gepflegt und gekämmt werden, um Knoten und lockere Haare zu lösen.

Auch Vorsorgeuntersuchungen beim Tierarzt, regelmäßige Behandlungen beim Hufschmied und Zahnarzt sowie Kräuter- oder Ölkuren tragen zur Gesunderhaltung des Pferdes bei. Um den Barockpinto im Training bestmöglich zu unterstützen und zu fordern ist es hilfreich, auf eine abwechslungsreiche Arbeit zu achten. Es sollten dazu stetig neue Aufgaben ins Training eingebaut werden, da dem Pferd sonst schnell langweilig wird.

Bekannte Pferde der Rasse

Wie schon am Anfang beschrieben, ist der erste Hengst der Rasse, „Nico van Friesland„, sehr bekannt geworden. Er hat einige Nachkommen gezeugt und so bei vielen Menschen für Aufsehen gesorgt. Im Sport gibt es jedoch eher wenige bekannte Barockpintos, man sollte allerdings bedenken, dass die Rasse auch noch relativ jung ist.

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