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Portugiesisches Sportpferd

von Frederieke Wenning
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ehorses Trainingstagebuch

Wer bei den Pferden der iberischen Halbinsel die schon fast barocken Andalusier vor sich sieht, sollte umdenken. Ein Portugiesisches Sportpferd ist weit von barocken Formen entfernt und gehört zu den relativ jungen Pferderassen. Es besticht mit eleganter Ausstrahlung bei deutlich arabischer Note und harmonischen Bewegungen. Dazu kommen seine handliche Größe und sein umgängliches Wesen. Ein Portugiesisches Sportpferd ist je nach Talent und Veranlagung vielseitig einsetzbar, im Turniersport bei Spring- und Dressurprüfungen ebenso wie beim Freizeitreiten, unter dem Sattel und auch vor der Kutsche. Der portugiesische Name dieser Rasse lautet Cavalo Portugues de Desperto.

Wichtige Daten im Überblick

  • Ursprung: Iberische Halbinsel, Portugal
  • Hauptzuchtgebiet: Portugal
  • Verbreitung: Europa, vornehmlich Portugal, Spanien, Frankreich, aber auch Holland, Deutschland und weitere Länder
  • Stockmaß: zwischen 155 und 170 cm, Durchschnittsgröße 158 cm
  • Gewicht: Je nach Größe ca. 600 Kilo
  • Erscheinungsbild: elegant und harmonisch, gut bemuskelt, moderner Sportpferdetyp
  • Farben: Alle Farben und Abzeichen erlaubt, es gibt jedoch keine Schecken.
  • Haupteinsatzgebiet: Reit- und Fahrsport, Turnier- und Freizeitbereich

Herkunft/ Ursprung der Pferderasse (Zuchtgeschichte)

Die Zucht des Portugiesischen Sportpferdes begann im Jahre 1980 in Portugal. Es gab und gibt auf der iberischen Halbinsel seit jeher bemerkenswerte Pferde der unterschiedlichen Rassen, doch sie wurden bevorzugt für den Einsatz in der Hohen Schule, beispielsweise in der Königlich Andalusischen Reitschule in Jerez de la Frontera, wofür sich die Barockpferde hervorragend eignen, und für den Stierkampf gezüchtet. Die Nachfrage nach einheimischen Sportpferden, die möglichst vielseitig einsetzbar sein sollten, stieg Mitte des vorigen Jahrhunderts. Es gab definitiv solche Pferde aus einer einheimischen Rasse in Portugal nicht zu kaufen. Der Züchter Dr. Manuel Domingues-Heleno schaffte Abhilfe: Er kreuzte auf seinem Gestüt Harras-Biaritz Pferde der Rasse Selle Français und Vollblutaraber mit seinen Zuchtstuten der Pferderasse Lusitano. Das Zuchtbuch wird nach dem Reglement der „World Arabien Horse Organization“ geführt.

Besonders Augenmerk legte der international erfolgreiche Reiter auf die vielseitige Einsatzmöglichkeit der neuen Rasse. Neben Dressur und Springen sollten die Produkte seiner Zucht vornehmlich für die Military, die Vielseitigkeit, geeignet sein, Dazu werden Pferde benötigt, die ein Talent zur Dressur und exzellente Gänge haben, sich mutig und beherzt am Sprung zeigen und im Gelände Raumgriff und Tempo an den Tag legen.

Das Gestüt Harras-Biaritz wurde 1992 als bestes Gestüt Portugals ausgezeichnet. Es beherbergt etwa 30 Zuchtstuten der Rasse Portugiesisches Sportpferd. Alle Pferde werden im Alter von vier Jahren eingeritten und in turniermäßigen Wettkämpfen geprüft.

Die Zucht des Portugiesischen Sportpferdes wird auch in Deutschland betrieben. Es gelten die Vorschriften der führenden Organisation in Portugal, der A.P.C.R.S (Associacao de Criadores de Racas Selectas) in Lissabon. Das Stutbuch ist offen für Veredlerhengste ausgesuchter Rassen, dazu gehören unter anderem verschiedene Warmblutrassen, Vollblüter und Sportpferderassen. Für den Eintrag ins Stutbuch gelten strenge Regeln. Es sind Hengstleistungsprüfungen zu absolvieren, alternativ werden Turniersportprüfungen anerkannt. Die Stutenleistungsprüfung ist nicht obligatorisch, sondern freiwillig. Auch hier werden Turniererfolge anerkannt.

Wie schwer wird ein Portugiesisches Sportpferd?

Das individuelle Gewicht hängt von der Größe und dem Körperbau ab. Im Durchschnitt wiegt ein Portugiesisches Sportpferd etwa 600 Kilo.

Portugiesische Sportpferde bei ehorses

Portugiesisches Sportpferd – Exterieur

Der trockene Kopf weist ein gerades bis leicht konkaves Profil auf. Die Augen sind groß und ausdrucksvoll, die Ohren sollten mittellang, fein und beweglich sein. Der muskulöse Hals ist gut angesetzt mit ausreichender Ganaschenfreiheit. Die Schulter ist gut gelagert und schräg, die Brust weist eine entsprechende Breite auf. Der Widerrist ist ausgeprägt und geht in einen mittellangen, kräftigen Rücken über, der in einer abfallenden Kruppe endet. Insgesamt weist der Körperbau wesentliche Reitpferdepoints auf. Die Gliedmaßen sind stabil und trocken, sie weisen wenig bis gar keinen Fesselbehang auf. Die Gelenke sind stabil und gut ausgeprägt, die Fesseln länglich und korrekt gestellt. Das Langhaar ist dicht und üppig, dabei jedoch fein.

Aufgrund des harmonischen Körperbaus verfügt das Portugiesische Sportpferd über taktreine, raumgreifende Bewegungen. Es zeigt viel Elastizität im Bewegungsablauf bei einer gut unterfußenden Hinterhand. Ein Portugiesisches Sportpferd ist in allen Gangarten angenehm zu sitzen.

Wie groß wird ein Portugiesisches Sportpferd?

Die Durchschnittsgröße beträgt etwa 158 cm, damit weist ein Portugiesisches Sportpferd eine handliche Größe auf. Es ist nur ungefähr 10 bis 11 cm größer als ein großes Pony (Endmaßpony).

Beschreibung des Interieurs

Ein Portugiesisches Sportpferd verfügt über einen ausgeglichenen Charakter und ein gutartiges, aber lebhaftes Temperament. Es zeigt sich mutig, eifrig, lernwillig und intelligent. Es gilt als gelehriges, vielseitiges, jedoch auch anspruchsvolles Allroundpferd. Ein Portugiesisches Sportpferd braucht einen Reiter oder eine Reiterin, die das Pferd fordert und fördert. Es macht begeistert mit, wenn es vor neue Aufgaben gestellt wird, langweilt sich aber aufgrund seiner Intelligenz schnell bei Unterforderung. Das Portugiesische Sportpferd verbindet auf ideale Weise die Eigenschaften der Ursprungsrassen.

Wie alt wird ein Portugiesisches Sportpferd?

Ein Portugiesisches Sportpferd kann ein Alter von etwa 25 Jahren erreichen, artgerechte Haltung und sinnvoller Einsatz vorausgesetzt.

Einsatzgebiete der Rasse/Erbkrankheiten/Besondere Merkmale

Ein Portugiesisches Sportpferd stellt ein speziell für den Pferdesport gezüchtetes Pferd dar. Die Eignung für Dressur und Springen steht im Vordergrund. Dass sich aus ehemaligen Turnierpferden oder Exemplaren, deren Talent nicht für den großen Sport ausreicht, sehr gute Pferde für den anspruchsvollen Freizeitreiter rekrutieren, versteht sich fast von selbst. Nicht alle Portugiesischen Sportpferde werden als Turnierpferde verwendet, aufgrund ihres umgänglichen Wesens und ihres ehrlichen Charakters sind sie auch beliebte Freizeitpartner. Ausgediente Turnierpferde tun nicht selten Dienst als Schulpferd für fortgeschrittene Reitschüler.

Im Turniersport decken die Portugiesischen Sportpferde alle möglichen Sparten ab. Sie brillieren auf dem Dressurviereck ebenso wie im Springparcours und reißen in Fahrprüfungen das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Prädestiniert sind sie jedoch für die Königsdisziplin, die Vielseitigkeit. Hier kann das Portugiesische Sportpferd so richtig zeigen, was in ihm steckt. Mit Mut und Herz bewältigt es die ihm gestellten Aufgaben.

Erbkrankheiten sind bei dieser noch relativ jungen Rasse nicht bekannt. Die Haltung unterscheidet sich nicht von der anderer Sportpferde, was bedeutet, dass sie selten in Robusthaltung anzutreffen sind, was jedoch auch für ein Portugiesisches Sportpferd durchaus eine mögliche Haltungsform wäre. Doch Sportpferde werden hauptsächlich im Stall gehalten, wobei Paddockboxen und täglicher Weidegang gewährleistet sein sollten. Beides dient der Gesunderhaltung der Pferde.

Wofür ist ein Portugiesisches Sportpferd geeignet?

Ein Portugiesisches Sportpferd ist in allen Disziplinen des Reitsports verwendbar. Es kann im Freizeitreiterbereich ebenso gut genutzt werden wie im Turnierbereich. Je nach Eignung wird es dort beim Springen, bei der Vielseitigkeit oder in Dressurprüfungen vorgestellt. Darüber hinaus ist es als elegantes Kutschpferd geeignet.

Bekannte Pferde der Rasse

Der Selle Français-Hengst „Faust-Biaritz“ gilt als Stammvater der Rasse Portugiesisches Sportpferd. Das Selle Français stellt ein französisches Sportpferd dar, eine Rasse, die selbst noch relativ jung ist. Das Selle Français entstand erst 1958 aus Pferden, die zum großen Teil anglo-normannische Abstammung aufweisen. Faust Biaritz war ein ausgesprochen erfolgreiches Dressurpferd, das viele Erfolge aufweisen konnte. Die Anpaarung mit den auf dem Gestüt Harras-Biaritz vorhandenen Lusitanos bewährte sich. Einer der Nachkomnmen, der Wallach Liszt Biaritz, belegte in der „Iberischen Trophpy“, welche die wichtigste iberische Military darstellt, einen ausgezeichneten zweiten Platz.

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