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Tori

von Frederieke Wenning
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Der Tori wird auch als Torgelsches Pferd bezeichnet und ist eine aus Estland stammende Pferderasse, die fast ausschließlich in ihrer Heimat und nur noch gering verbreitet ist. Der ursprüngliche Typ eines schweren Warmbluts wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts gezüchtet und baut auf der Rasse Estnischer Klepper auf. Entscheidend für die Entwicklung dieser Rasse als eigenständige Pferderasse war die Gründung eines Gestüts im namensgebenden Ort Tori im Jahr 1856. Alles über den Tori erfährst Du in diesem Artikel.

Wichtige Daten zum Tori im Überblick

  • Ursprung: Tori/ Estland
  • Hauptzuchtgebiet: Estland
  • Verbreitung: Estland, darüber hinaus kaum verbreitet
  • Stockmaß: 160 cm bis 170 cm
  • Gewicht: 550 kg bis 700 kg
  • Erscheinungsbild: Typ A: schweres Warmblut an der Grenze zum Kaltblut; Typ B: elegantes Sportpferd, leicht, wohlproportioniert
  • Farben: überwiegend Füchse, Rappen und Braune können jedoch auch vorkommen
  • Haupteinsatzgebiet: Freizeitpferd, Landwirtschaft

Herkunft und Zuchtgeschichte des Tori

Die Zuchtgeschichte der Pferderasse Tori geht auf die Gründung eines staatlichen Gestüts in der gleichnamigen, estnischen Gemeinde Tori (deutsch: Torgel) zurück. Auf dem Gut Tori wurde im Jahr 1856 von deutschbaltischem Adel eine Pferdezucht begonnen, die den Anforderungen des Bauernstandes an ein robustes Reit- und Fahrpferd entsprechen sollte. Das Zuchtziel bestand in einer Rasse, die sich ebenso unter dem Reiter wie im leichten Zug gut präsentieren und zugleich an die harten klimatischen Bedingungen des Landes angepasst sein sollte.

Die Grundlage der neuen Zucht bildeten 50 Stuten der Rasse Estnischer Klepper und 50 finnische Klepperstuten, die aufgrund des Mangels an geeigneten estnischen Stuten importiert wurden. Einen adäquaten Ersatz stellten die finnischen Stuten jedoch nicht dar. Wegen schlechter Zuchtergebnisse wurden sie schon bald wieder von der Zucht ausgeschlossen. Als ein noch erheblicheres Problem erwies sich hingegen die Suche nach geeigneten Zuchthengsten, da der Großteil der Hengstfohlen von den Bauern schon früh kastriert wurde. Daher griffen die Züchter neben Klepperhengsten auch auf Araber zurück, die jedoch ähnlich wie die finnischen Stuten nicht zur gewünschten Zuchtentwicklung führten. Die Nachkommen waren für die Anforderungen der Landwirtschaft zu leicht gebaut.

Daraufhin erfolgten weitere Zuchtmaßnahmen durch die Zuführung von Englischen Halbblütern, Ardennerhengsten, Orlow-Trabern und Ostfriesen, ehe mit Hetman, einem polnischen Hengst, im Jahr 1894 ein geeigneter Zuchthengst gefunden wurde, der als Stammvater des Tori gilt. Er war maßgeblich für die Zuchtentwicklung, vererbte das einheitliche Aussehen und begründete mit seiner Anpassungsfähigkeit und seinem Arbeitswillen das positive Interieur der Rasse.

Zugleich ging die starke Fokussierung auf Hetman mit einer zunehmenden Inzucht einher, sodass erneut eine Einführung von Ostfriesen und später von Postierhengsten erfolgte. Ab 1930 wurden die fünf Postier-Bretonen-Hengste Uhke, Tugey, Sammur, Loots und Virk eingekreuzt, auch um den Tori an die neuen Anforderungen der wachsenden Landwirtschaft anzupassen und ein wuchtigeres Kaliber zu erzielen. In der Tat zeigte sich die Pferderasse etwas kräftiger und stämmiger, ohne jedoch ihr einheitliches Erscheinungsbild und ihre schwungvollen Bewegungen zu verlieren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die zwischenzeitlich in den Kriegswirren stark zurückgegangene estnische Pferdezucht in sowjetischer Hand wieder aufgebaut. Bedeutend waren insbesondere die Registrierung des Tori als eigenständige Pferderasse im Jahr 1950 und die Auflage des Gestütbuchs 1951. Da die Nachfrage nach Tori-Pferden für die Landwirtschaft immer mehr zurückging, wurden ab den 1960er Jahren Versuche unternommen, die Rasse zu einem modernen, vor allem für das Springen geeigneten Sportpferd weiterzuentwickeln. Zu diesem Zweck wurden zwölf Sportpferderassen aus Europa zur Zucht zugelassen, darunter Hannoveraner, Oldenburger und Holsteiner, aber auch das Englische Vollblut und Trakehner.

Ab 1970 erfolgte beim alten Schlag, der nicht zu einem Sportpferd umgezüchtet werden sollte, eine weitere Anpassung durch Einkreuzungen, um eine Inzucht zu vermeiden. Hierzu wurden die vom Typ her ähnlichen Alt-Hannoveraner behutsam zugeführt. Der Zusammenbruch der Sowjetunion 1990 bedeutete nicht nur für Estland, sondern auch für die Pferderasse Tori einen erheblichen Umbruch. Ganze Zuchtbestände wurden zu Schlachthöfen transportiert und vernichtet.

Heute ist der Bestand des reingezogenen Typs, der dem aus der Zeit vor 1945 entspricht und inzwischen als Alt-Tori bezeichnet wird, gefährdet. Der ursprüngliche Tori soll aufgrund seiner Bedeutung als estnisches Kulturgut und seines Beitrags zur genetischen Vielfalt erhalten bleiben und wird seit 2012 als dritte Zuchtrichtung in einem eigenständigen Zuchtbuch geführt. Die Alt-Tori-Zucht ist auf den Erhalt des Genpools ausgerichtet und gestattet daher nur einen Fremdblut-Anteil von 25 Prozent, der ausschließlich auf die typähnliche Rasse Alt-Hannoveraner zurückzuführen sein darf. Damit das originale Erscheinungsbild der gefährdeten Alt-Toris bestehen bleibt, ist nur das Fremdblut der in den 1970er Jahren eingekreuzten Alt-Hannoveraner-Hengste Algus, Delfiin, Difer, Farda, Funduk, Günther, Kiirus und Kraver erlaubt.

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Das Exterieur – der Tori und seine verschiedenen Pferdetypen

Beim diesem Pferd sind zwei verschiedene Zuchtrichtungen beziehungsweise Pferdetypen maßgeblich. Der als Arbeitspferd für die Landwirtschaft gezüchtete Typ A steht hinsichtlich seines Erscheinungsbilds am Übergang von einem schweren Warmblut zu einem leichten Kaltblut. Der Typ B entspricht hingegen einem normalen Warmblut und wird als leichtes Sport- und Wagenpferd für den Reit- und Fahrsport gezogen. Diese beiden neueren Zuchtrichtungen sind vom alten Schlag zu unterscheiden, der ursprünglichen Pferderasse, die heute als Alt-Tori bezeichnet wird und den reingezogenen Typ des Tori vor 1945 widerspiegelt. Dieser wird seit 2012 wieder in einem eigenständigen Zuchtbuch erfasst und zählt zu den seltenen schweren Warmblutrassen.

Das Tori erreicht ein Stockmaß von 162 bis 168 Zentimetern und präsentiert sich mit einem kräftigen Gebäude. Im Alter von drei Jahren ist eine Widerristhöhe von 158 bis 166 Zentimetern maßgeblich. Charakteristisch sind ein proportional passender, großer Kopf, der in einen nicht zu kurzen und kräftigen Hals übergeht, sowie eine gefällige Rückenlinie und ausgeprägte Kruppe. Ebenso markant und stabil zeigt sich auch das Fundament mit seinen sehr kräftig gebauten und trockenen Gliedmaßen, gut akzentuierten Gelenken und festen Hufen. Die Röhrbeine haben einen Umfang von 22 bis 24 Zentimetern. Hinsichtlich der Fellfarbe kommen beim Tori meist Füchse in allen Schattierungen vor. Neben dieser meist typischen Färbung treten jedoch auch Braune, Rappen und selten auch Isabellen auf.

Wie groß werden Tori Pferde?

Das Stockmaß eines ausgewachsenen Toris liegt zwischen 160 cm und 170 cm.

Der Tori und sein Interieur

Das Tori zeichnet sich durch eine ausgeprägte Zugkraft, eine gute Futterverwertung und eine hohe Langlebigkeit aus. Es ist sehr ausdauernd, robust und fruchtbar und selbst in höherem Alter noch gesund und agil. Typische Pferdekrankheiten wie die Hufrollen-Entzündung oder das Sommer-Ekzem wurden bislang nicht registriert. Mit seinem guten und ruhigen Charakter ist der Tori hervorragend als Reit- und Fahrpferd geeignet, zumal er sich sehr nervenstark und menschenbezogen zeigt.

Wie schwer werden Tori Pferde?

Das Gewicht eines Toris hängt von seinem Stockmaß und von seinem Typ ab. Toris des Typen A sind schwere Warmblüter und bringen daher etwas mehr auf die Waage, als ihre sportlicheren und leichteren Verwandten des Typen B. Typ A Toris können zwischen 650 kg und 750 kg wiegen, Typ B Toris mit ca. 550 kg bis 650 kg etwas weniger.

Der Tori und seine Einsatzmöglichkeiten

Der Tori wird seit jeher vielseitig verwendet und kommt ebenso als Arbeits- wie als Reit- und Fahrpferd zum Einsatz. Mit seinem menschenbezogenen, guten Charakter zeigt er sich als ruhiger Partner für das Freizeitreiten. Besonders geschätzt werden die Pferde nicht zuletzt für ihren raumgreifenden Schritt, den schwungvollen Trab und die kraftvollen Gänge. Diese Eigenschaften und die gute Aufrichtung und Körperhaltung machen auch eine Verwendung für die klassische Dressur denkbar.

Wofür eignen sich Tori Pferde?

Toris sind wunderbare Freizeitpferde für lange Ausritte oder leichtes Dressur- sowie Springtraining im heimischen Stall und ohne Turnierambitionen. Sie können ebenfalls wunderbar vor der Kutsche eingesetzt werden. Die sportlicheren Toris haben aufgrund ihres schwungvollen Gangwerkes eine Begabung für die klassische Dressur.

Besondere Merkmale/ Einsatzgebiete der Rasse/ Erbkrankheiten

Im Jahr 2011 umfasste der Bestand der Alt-Tori in Estland rund 200 Pferde mit einem Alt-Hannoveraner-Anteil von maximal 25 Prozent und etwa 70 reingezogene Pferde. Zugleich konnte nur noch auf zwölf eingetragene Stuten im für die Zucht wichtigen Alter von drei bis 15 Jahren zurückgegriffen werden. Seit der Einführung des Zuchtbuchs 2012 gibt es verstärkte Bemühungen zum Erhalt des ursprünglichen Tori-Typs. Das Alt-Tori-Pferd wird rein in Privatzuchten erhalten und steht in keinem Bezug mehr zum staatlichen Gestüt Tori. Dieses ist leider in einer Art Auflösung begriffen. (Stand: Mai 2017)

Toris gibt es in zwei unterschiedlichen Zuchttypen. Typ A, der ursprüngliche Typ, auch Alt-Tori genannt, ist ein schweres Warmblut, optisch beinahe schon mit einem Kaltblut zu verwechseln. Typ B dieser Rasse ist deutlich leichter und sportlicher gebaut. Dieser Typ konnte jedoch nur durch die Einkreuzung vieler anderer Pferderassen entstehen und ist daher stark von Fremdblut geprägt. Die Alt-Toris sind, wie der Name bereits verrät, die ursprünglichen Vertreter dieser estnischen Pferderasse.

Ihr wohl bekanntestes „Merkmal“ ist leider ein eher Trauriges. Von den Alt-Toris in Reinzucht sind heutzutage beinahe alle ausgestorben. Nur noch rund 70 reingezüchtete Alt-Toris existieren. Mit ihnen wird von Liebhabern verzweifelt versucht, das Aussterben dieser alten Rasse zu verhindern.

Ein weiteres besonderes Merkmal der Toris sind ihre schwungvollen Gänge, die viele nicht von so schwer gebauten Pferden erwarten würden. Diese haben sie der gekonnten Einzucht von Trabern zu verdanken. Im Gegensatz zum Traber galoppieren Toris jedoch auch gerne und in schöner Manier. Ihr etwas stärkeres Kaliber tut ihrer Anmut und Bewegungsfreude dabei keinen Abbruch.

Ursprünglich kamen die seit ca. 1850 gezüchteten Toris in der Landwirtschaft zum Einsatz, weshalb sie auch im schweren Typ gezüchtet worden sind. So sollte gewährleistet werden, dass sie den schweren Arbeiten auf dem Feld gewachsen sind und den körperlichen Herausforderungen der landwirtschaftlichen Arbeit entgegenstehen. Im Laufe der Jahre, während die Landwirtschaft zunehmend Hilfe durch Maschinen erfuhr, wurden leichtere Sportpferderassen eingekreuzt, um ein sportliches Freizeitpferd zu erhalten. Somit entwickelten sich die beiden Zuchttypen, wobei lediglich der einstige Typ des Alt-Tori bis heute weitestgehend ohne den Anteil von Fremdblut besteht, weshalb die Erhaltung dieser Gene für das estnische Kulturgut und die Artenvielfalt so wichtig ist.

Alt-Toris gelten als sehr robuste Rasse, die nicht von Erbkrankheiten bedroht ist und dem rauen Klima Estlands mit Leichtigkeit trotzt. Die Toris des Typen B hingegen sind durch den hohen Anteil an anderen Warmblutrassen auch etwas weniger robust. Spezifische Erbkrankheiten sind jedoch auch für sie nicht bekannt.

Text mit freundlicher Untersützung von Ute Wohlrab www.alt-tori.de

Wie alt werden Tori Pferde?

Bei guter Pflege und einer artgerechten Haltung kann die robuste Rasse ein Lebensalter zwischen 25 und 30 Jahren erreichen.

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