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Genderklischees unter Pferden – Sind Stuten wirklich zickiger?

von Regina Schweizek
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Mädchen tragen nur rosa, spielen mit Puppen und lieben Pferde. Jungs mögen nur blau, Autos und Fußball. Klischees wie diese sollten längst überholt sein. Trotzdem findet man sie immer wieder in unserer Gesellschaft. Da ist es nicht verwunderlich, dass wir auch gegenüber dem Geschlecht unserer Pferde einige Vorurteile und Klischees pflegen.

Einen Wallach kann man fragen, einen Hengst muss man bitten und mit einer Stute muss man diskutieren. Das ist wohl der gängigste Leitsatz, der über Pferdegeschlechter existiert. Nun haben sich australische Wissenschaftler:innen damit befasst, ob dieses Schubladendenken unter Pferdeleuten tatsächlich so weit verbreitet ist und ob die Klischees stimmen. Wie sehr das Geschlecht eines Pferdes sich auf die Ansichten über seinen Charakter und Verhalten auswirkt, wollten die Forscher:innen anhand einer Umfrage ermitteln.

Stute, Wallach oder Hengst – wer passt zu wem?

Dafür sollten die Teilnehmenden jeweils drei Pferde zu vier Reitenden zuteilen. Als Pferde standen eine Stute, ein Wallach und ein Hengst zur Auswahl. Verteilt werden sollten diese auf einen Mann, eine Frau, ein Mädchen und einen Jungen. Eine Person bleibt also immer über. Insgesamt nahmen 1233 Personen an der Umfrage teil. Das Ergebnis zeigte deutlich, welche Vorurteile noch immer mit den Pferdegeschlechtern verknüpft sind.

Demnach wurde dem Mädchen am häufigsten der Wallach zugeteilt. Der Hengst dem Mann und der Frau wurde am häufigsten die Stute zugeordnet. Bei dem Jungen war sich der Großteil der Probanden unschlüssig, er bekam kein Pferd. Zusätzlich sollten die Teilnehmenden den Pferden Eigenschaften zuteilen. Das Ergebnis: Stuten wurden von 74 Prozent als dominant, aber willig und gut trainierbar eingestuft. Bei Hengsten gab es keine klare Antwort. 82 Prozent hielten sie für schwierig, 95 Prozent jedoch für gut trainierbar. Einzig der Wallach bekam durch und durch gute Eigenschaften wie ruhig und zuverlässig zugeschrieben.

Wallach sind im Reitsport besonders beliebt

Eine weitere Frage ergab, dass Wallache in verschiedenen Reitsportdisziplinen bevorzugt würden. Sie wurden in den drei abgefragten Disziplinen (Springen, Dressur und Wanderreiten) jeweils favorisiert. In Hinblick auf die positiven Eigenschaften, die ihnen zugeschrieben wurden, schlussfolgerten das Forscherteam, dass Wallache im Reitsport insgesamt bevorzugt würden. Die Ergebnisse für Stuten seien schon weniger deutlich und bei Hengsten würden sich die Geister gänzlich scheiden, so das Forscherteam.

Insgesamt sieht das Team, das Reiter:innen noch immer starke Assoziationen mit dem jeweiligen Geschlecht eines Pferdes verbinden. Allerdings könnte das laut den Forscher:innen „tiefgreifende Konsequenzen für das Training und das Wohlbefinden haben, denn wenn wir Pferde als schwierig, gefährlich, oder als dominant betrachten, dann werden wir sie wahrscheinlich anders behandeln als solche, die wir als ruhig, zuverlässig und einfach einschätzen.“

Sind Stuten wirklich zickiger als Wallache?

Zur Überprüfung wurde eine Vergleichsstudie angefertigt. Sie sollte zeigen, ob die Assoziationen, die Pferdeleute mit dem jeweiligen Geschlecht des Tieres verbinden, sich im tatsächlichen Verhalten der Tiere widerspiegelt. 

Überraschender Weise stellte sich heraus, dass es im Grundverhalten zwischen Pferden und Menschen keinen signifikanten Unterschied zwischen Stuten und Wallachen gibt. Lediglich zwei Verhaltensweisen wichen auffällig voneinander ab. Demnach kauen Wallache öfter auf Gegenständen in ihrer Nähe (z.B. Stricke und Decken) herum. Stuten hingegen lassen sich nicht immer so einfach einfangen. Beide Verhaltensweisen lassen sich auf tieferliegende Beweggründe zurückführen.

Denn Hengste beißen sich im jungen Alter öfter gegenseitig beim Spielen. Das Kauen auf Gegenständen ist laut des Forscherteams also auf ihr Erkundungsverhalten zurück zu führen. Stutenherden werden in freier Wildbahn oft von Hengsten zusammengehalten. Auch der Mensch sendet beim Versuch sein Pferd einzufangen treibende Reize, die Stuten als Aufbruchssignal interpretieren.

Mit ihren Ergebnissen wollen die Forscher:innen auf die Vorurteile von Pferdemenschen gegenüber Pferdegeschlechtern aufmerksam machen und warnen. „Vorgefasste Vorstellungen über Stuten können auch die Wahrscheinlichkeit von energischeren Trainingsmethoden und Bestrafungsmethoden erhöhen, wenn sie als weniger wünschenswert wahrgenommen werden“, so die Wissenschaftler.

Quelle: Studie

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