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Gerichtsentscheidung: Reiterin darf Turnierpferd trotz Mängel nicht zurück geben

von Lea Hahnemann
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Eine Reiterin will ihr Pferd knapp zwei Jahre nach dem Kauf zurück zum Verkaufsstall bringen. Der Anlass: Das Pferd habe vernarbte Mundwinkel, weshalb sie vom Kaufvertrag zurück treten wolle. Das Landesobergericht verneint den Anspruch. 

Tierärztin diagnostiziert Monate später Verletzungen im Pferdemaul

Im Januar 2015 kaufte eine Reiterin einen Hengst aus einem Zucht- und Ausbildungsstall für Reitpferde. Das Pferd wurde von ihr zuvor Probe geritten und vor dem Kauf einem Tierarzt vorgestellt. Laut den Verkäufern habe der Hengst  durchaus großes Potential für den Sport. Letztendlich kaufte die Reiterin den Hengst für 65.000 Euro.

Knappe drei Monate später stellte die Reiterin fest, dass der Hengst Schwierigkeiten habe in Anlehnung zu laufen. Läuft ein Pferd in Anlehnung erkennt man dies an einer bestimmten Kopf-Hals-Haltung, bei der das Genick der höchste Punkt des Pferdes sein sollte. Dadurch entsteht zwischen der Hand des Reiters und dem Maul des Pferdes eine konstante Zügelverbindung. Aufgrund der Anlehnungsprobleme des Hengstes stellte die Reiterin das Pferd einer neuen Tierärztin vor, die  einen offenen rechten Maulwinkel feststellen konnte. Zudem hatte die Tierärztin erkannt, dass das Pferd ein Überbein bei der linken Lade hat. Die Lade ist ein zahnfreier Raum im Unterkiefer des Pferdes, wo die Trense oder Kandare während des Reitens liegt.  Überbeine der Lade entstehen meist dadurch, dass falsche Gebisse beim Reiten verwendet oder  diese falsch benutzt werden.

Im Oktober 2017 folgte der Rücktritt vom Kaufvertrag seitens der Käuferin. Sie brachte das Pferd zurück in den Zucht- und Ausbildungsstall und behauptete, dass die Verletzungen im Maul des Pferdes bereits bei Gefahrübergang vorhanden waren. Aus diesen Verletzungen würden auch die Anlehnungsprobleme resultieren.

Zweifaches Scheitern vor Gericht

Schließlich ging die Reiterin mit ihrem Fall vor Gericht. Doch sowohl das Landgericht als auch das Landesobergericht in Frankfurt am Main verneinten den Anspruch auf Rückabwicklung des Kaufvertrages. Es konnten während es Gefahrübergangs keine Verletzungen oder andere Erkrankungen beim betroffenen Pferd festgestellt werden. Zudem wurde beim Kauf des Hengstes nicht vereinbart, welche Leistungen das Pferd zu erbringen hat. Das Gericht begründet das Urteil damit, dass lebendige Tiere sich stets entwickeln und ein Verkäufer nur dann die Gewähr übernimmt, wenn es zuvor ausdrücklich zwischen Käufer und Verkäufer kommuniziert wurde. Dies sei in diesem Sachverhalt nicht der Fall.

Der Beklagte müsse nur dafür einstehen, dass das Pferd zum Zeitpunkt des Gefahrübergangs nicht krank ist oder in Zukunft wohlmöglich auch nicht krank werden könnte. Rittigkeitsmängel reichten in dem Fall nicht aus, um einen Kaufvertrag widerrufen zu können. Zudem betont das Gericht, dass das Pferd durchaus noch für den Dressursport geeignet ist, da es nicht krank sei. Des Weiteren müssten die von der Reiterin beanstandeten Mängel erst nach Gefahrübergang entstanden sein, da das Pferd kurz vor dem Kauf noch einem Tierarzt vorgestellt worden ist.

Zu guter Letzt habe die Klagende dem Verkäufer zwei Jahre nach dem Kauf versichert, dass es dem Hengst an nichts fehle.

Bisher ist die Entscheidung in diesem Sachverhalt noch nicht rechtskräftig.

Quelle: igrp.de, lto.de

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2 Kommentare

Lea 30. September 2021 - 19:19

Kleiner Tipp, die richtige Bezeichnung ist Oberlandesgericht nicht Landesobergericht.

Antworten
Michelle Holtmeyer 1. Oktober 2021 - 8:29

Hallo Lea,

vielen Dank für den Hinweis, das haben wir sofort korrigiert.

Liebe Grüße
Dein Team von ehorses

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