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Mecklenburger Warmblut

von Frederieke Wenning
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Seit Anfang des 19. Jahrhunderts intensiv gezüchtet, vorübergehend als eigenständige Rasse verloren gegangen, aber heute wieder eine der beliebtesten deutschen Warmblutrassen – das Mecklenburger Warmblut kann wahrlich von sich behaupten, eine wechselvolle Entwicklung erlebt zu haben. Bis heute ist das Gestüt Redefin zentraler Mittelpunkt der Mecklenburger Zucht, die im Jahr 1812 mit der Gestütsgründung und den ersten zielgerichteten Zuchtversuchen begann.

Die wichtigsten Daten zum Mecklenburger Warmblut im Überblick

  • Ursprung: Deutschland
  • Hauptzuchtgebiet: Mecklenburg-Vorpommern
  • Verbreitung: deutschlandweit mit etwa 1500 Stuten und 90 Hengsten
  • Stockmaß: 150–170 cm
  • Gewicht: Ca. 500-600 kg
  • Erscheinungsbild: mittelgroßes, kompaktes Pferd mit großer Ähnlichkeit zum Hannoveraner, dabei jedoch etwas gedrungener und insgesamt eher kleiner; trockener, edler Kopf mit ausdrucksstarken Augen und eher großen Ohren, langer, geschwungener Hals mit guter Bemuskelung, ausgeprägte Ganaschenfreiheit, kräftiger Rumpf mit tiefer Brust, mittellangem Rücken und kräftiger Kruppe, festes, gesundes Fundament mit trockenen Gelenken
  • Farben: alle Grundfarben, am häufigsten Braune
  • Haupteinsatzgebiete: Springen, Dressur, Freizeit, Fahren

Wie viele Pferde gibt es in Mecklenburg Vorpommern?

Mecklenburger Warmblüter sind nicht besonders zahlreich. Insgesamt schätzt man ihre Zahl so auf 90 Hengste und etwa 1500 Stuten deutschlandweit. In der alten Mecklenburger Linie gibt es sogar nur noch etwa 40 Stuten und 8 Hengste.

Zuchtgeschichte des Mecklenburger Pferdes

Ursprung

Der Ursprung der Rasse Mecklenburger Warmblut lässt sich bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgen und liegt vermutlich in den ersten züchterischen Pferdehaltungen der damaligen Fürstenhäuser. Im Zuge der sich allmählich entwickelnden Zuchtbestrebungen im Hinblick auf Jagd- und Rennpferde wurde mit der Gründung des Landgestüts Redefin im Jahr 1812 der Grundstein für die mecklenburgische Pferdezucht gelegt. So war es Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin, der das bereits seit 1710 bestehende herrschaftliche Gestüt bis heute zum Mittelpunkt der Warmblut-Zucht machte. Basierend auf Stuten und Hengsten aus bäuerlichem Besitz stellte sich in den ersten Jahrzehnten eine äußerst erfolgreiche Entwicklung ein, durch die 1840 bereits 134 Zuchthengste auf 26 Deckstationen zu verzeichnen waren.

Die Veredlung mit Englischem Vollblut sowie Halbbluthengsten führte zu einer europaweit hohen Popularität der edlen Pferderasse Mecklenburger Warmblut, wurde jedoch in einem zu hohen Maße verstärkt, sodass sich schnell ein zu leichter Typ entwickelte. Infolgedessen wurden bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Versuche unternommen, die Fehlentwicklung durch intensive Einkreuzung von Kaltblut zu korrigieren – ein schwerwiegender Einschnitt, wie sich bald herausstellen sollte. Da sich der daraus resultierende Bestand als ungeeignet für die Weiterzucht erwies, erfolgte die Umstellung der Zuchtordnung, indem auf das Hannoversche Warmblut zurückgegriffen wurde. War es zuvor das Mecklenburger Warmblut gewesen, das im Zuchtgebiet Hannover die Warmblut-Zucht mitbegründet hatte, so kamen nun die im Typ ähnlichen Hannoveraner zum Einsatz, um durch einen Neuanfang Stabilität zu erzielen.

Mecklenburger Warmblut Verkaufspferde bei ehorses

Daher ergab sich ab 1873 eine deutliche Reduzierung des Kaltblutbestandes einhergehend mit dem festen Zuchtziel eines edlen Reitpferdes, das sich 1915 in einem soliden Hengstbestand mit 142 Beschälern auf 36 Stationen widerspiegelte. Der Verringerung des Zuchtbestandes im Zweiten Weltkrieg zum Trotz wurde das Mecklenburger Warmblut unter behutsamer Veredlung mit Vollblut und Trakehnern bis 1945 erfolgreich weitergezüchtet.

Zuchtmethodik & Veredelung

Reparationsleistungen machten es nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch erforderlich, bis auf 13 verbleibende Beschäler den gesamten Hengstbestand an die Sowjetunion auszuliefern. Im Gegenzug wirkte es sich kompensierend aus, dass sich das Zuchtgebiet und damit auch der Zuchtbestand fortan um Vorpommern und das Amt Neuhaus mit seinem Hannoverschen Pferdebestand sowie durch Pferde von Flüchtlingen aus dem Osten erweiterten. Daher konnte das Gestüt Redefin 1948 wieder 160 Hengste, davon 49 der Rasse Mecklenburger Warmblut, verzeichnen, zumal sich der Landesverband Mecklenburger Pferdezüchter bereits neu gegründet hatte und erneut eine geregelte Zucht anstrebte.

Einen weiteren schweren Schlag erlitt die Mecklenburger Zucht jedoch durch die Umwandlung Redefins in ein Volkseigenes Gut 1951, die Auflösung des Pferdezuchtverbandes 1953 und die vorübergehende Verteilung der Hengste auf alle staatlichen Güter der DDR, die bis zur Gründung eines neuen Hengstdepots auf dem Redefiner Gestüt 1956 andauerte. Da im Zuge der Bodenreform zahlreiche neue Betriebe entstanden waren, bestand das vornehmliche Zuchtziel beim Mecklenburger Warmblut bis in die 1960er Jahre hinein in der Versorgung mit Arbeitspferden.

In den folgenden Jahren sollten diese aber aufgrund der zunehmenden Technisierung der Landwirtschaft und der Gründung der großflächig arbeitenden Produktionsgenossenschaften überflüssig werden, sodass sich der Bestand erneut deutlich reduzierte. Infolgedessen setzte beim Mecklenburger Warmblut ein Umzüchtungsprozess vom Wirtschaftspferd zum Sportpferd ein, der sich in der Gründung des Deutschen Pferdesports-Verbandes 1961, in der Eröffnung eines Aufzuchtbetriebes in Ganschow für Fohlen im Reitpferdetyp sowie durch die verstärkte Einkreuzung von Vollblut äußerte. Diese Entwicklung verstärkte sich ab den 1970er Jahren, da mit der Zentralstelle für Pferdezucht des Landwirtschaftsministeriums ein zentrales Leitungsorgan und mit dem Edlen Warmblut der DDR eine neue Rasse geschaffen wurde. Pferde der bestehenden Rassen mit entsprechender Eignung im Reit- und Fahrsport wurden in die neue Rasse übernommen. Fortan bestand eine vollkommen staatlich kontrollierte Hengsthaltung.

Zuchtbücher/ Zuchtverbände

Im Zuge der Wiedervereinigung 1990 erfolgte die Auflösung der Rasse Edles Warmblut der DRR einhergehend mit der Wiederbelebung sämtlicher alter Pferderassen und der Neugründung der Zuchtverbände. Seither ist die Zucht beim Mecklenburger Warmblut durch eine deutliche Durchmischung gekennzeichnet, denn bis heute werden Hengste anderer Warmblutrassen eingekreuzt.

Dementsprechend wird das Mecklenburger Warmblut mit einem offenen Zuchtbuch gezüchtet, das die Reinzucht einschließlich Veredlungszucht vorsieht. Kreuzungen dürfen mit deutschen und ausländischen Warmblutrassen wie dem Oldenburger oder Württemberger, aber auch mit Vollblut erfolgen, darunter Englische Vollblüter und Araber.

Verantwortlich für das Zuchtbuch der Rasse Mecklenburger Warmblut und die Einhaltung des Zuchtziels ist der Verband der Pferdezüchter Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Wie alt wird ein Mecklenburger Warmblut?

Mecklenburger erreichen im Durchschnitt ein Alter von ungefähr 25 Jahren.

Die Hengstlinien

Heutzutage haben sich in der Zucht des Mecklenburger Warmbluts drei Hengstlinien etabliert, die die besonderen Eigenschaften dieser Rasse aufrechterhalten sollen.

  1. Die Detektiv-Linie: Disponent
  2. Die Julier-Linie: Jupiter I, Juon I, Joan II, Juventus
  3. Die King-Linie: Kolibri

Besondere Erwähnung in der Zucht des Mecklenburgers finden außerdem die Hengste Cellestial und Lord Kemm aus Oldenburg sowie der Mecklenburger Hengst CHAC-CO Blue Erwähnung, die das Springvermögen des Mecklenburgers besonders ausgeprägt haben. Im Dressursport wird besonders der Mecklenburger Hengst D’Olympic (von Donnerhall) hervorgehoben.

Wie viel wiegt ein Mecklenburger?

Mecklenburger Pferde wiegen zwischen 500 und 600 kg.

Mecklenburger Warmblut – Exterieur

Größe

Das Mecklenburger Warmblut ist meist etwas gedrungener und kleiner als der ihm ähnelnde Hannoveraner und erreicht ein Stockmaß von bis zu 170 Zentimetern. Entsprechend der Zuchtbestimmungen sollen Stuten eine Minimal-Größe von 158 Zentimetern und Hengste mindestens 160 Zentimeter erreichen.

Gebäude

Hinsichtlich des Erscheinungsbildes wird ein großliniger und eleganter Reitpferdetyp gewünscht, der sich in einem edlen, ausdrucksvollen und trockenen Kopf, großen Augen und einer gut geformten, mittellangen Halsung widerspiegeln soll. Der harmonisch geformte Körperbau zeichnet sich beim Mecklenburger Warmblut durch schräg gelagerte, große Schultern, eine beachtliche Ganaschenfreiheit sowie einen markanten Widerrist und eine genügende Herz- und Brusttiefe aus. Lang und leicht geneigt zeigt sich die muskulöse Kruppe, während sich die Rumpfaufteilung in Hinter-, Mittel- und Vorderhand als äußerst harmonisch erweist. Ebenso ausgewogen ist auch das trockene Fundament mit seiner geraden Gliedmaßenstellung, korrekt geformten, großen Gelenken, den wohlgeformten Hufen und mittellangen Fesseln.

Fell und Färbungen

Beim Mecklenburger Warmblut sind hinsichtlich der Fellfärbung sämtliche Grundfarben vertreten. Daher präsentieren sich die Pferde als Brauner und Dunkelbrauner oder als Füchse, Rappen, Schimmel und Schecken.

Grundgangarten / Bewegungen / Bewegungsablauf

Fleißig in der Bewegung überzeugt das Mecklenburger Warmblut mit raumgreifenden und taktmäßigen Grundgangarten. Im Schritt ist ein erhabener, energischer und losgelassener Bewegungsablauf bei deutlichem Ab- und Auffußen zu erkennen. Im Trab und Galopp sollen sich die eleganten Pferde leichtfüßig, elastisch und schwungvoll sowie natürlich aufgerichtet und in Balance bewegen. Die Hinterhand arbeitet aktiv und abfußend und erzielt reichlich Schub, der nicht zuletzt in einem locker schwingenden Rücken zum Ausdruck kommt.

Wie groß werden Mecklenburger Pferde?

Das Mecklenburger Warmblut erreicht etwa ein Stockmaß von 150 bis 170 cm.

Das Interieur des Mecklenburger Warmbluts

Mecklenburger gelten als die sanftmütigen Sportler des leistungsgeprägten Reitens. In dieser Beziehung ähneln sie erneut dem Hannoveraner. Mit ihrer Ruhe und Ausgeglichenheit können sie nervösen, unruhigen Reitern Sicherheit bieten. Sie sind sehr menschenbezogen und schenken ihrem Reiter schnell großes Vertrauen. Das nervenstarke Mecklenburger Warmblut ist ein echter Allrounder, der den Ansprüchen beinahe jedes Reiters gerecht zu werden scheint. Nervenstark, wie es ist, ist es sowohl im alltäglichen Umgang als auch beim Ausreiten oder auf dem Turnier zuverlässig und eher selten schreckhaft. Sein freundliches, gelehriges Wesen macht es auch für Kinder und Anfänger zu einem geeigneten Lehrpferd, das jeden Quatsch mitmacht.

Mecklenburger haben sowohl für das Springen als auch für die Dressur gute Anlagen. Sie sind lernwillig und leistungsstark, genießen es aber auch, wenn sie mal mit Bodenarbeit oder einem kleinen Spaziergang betüddelt werden. Ihr unkompliziertes, anpassungsfähiges und treues Wesen macht das Mecklenburger Warmblut folglich nicht ohne Grund zu einem sehr beliebten Begleiter in Sport und Freizeit.

Mecklenburger Warmblut im Video

Besondere Merkmale und Einsatzgebiete des Mecklenburgers

Der Mecklenburger ist ein wahrer Universalist. Mit seiner Statur und seiner Persönlichkeit kann er in beinahe jeder Disziplin beeindruckende Leistungen erbringen. Ob im Dressur- und Springsport, beim Freizeitreiten, als Lehrpferd für Anfänger und Kinder oder sogar als Fahrpferd, überall macht der sanfte Sportler eine gute Figur.

Erbkrankheiten beim Mecklenburger Warmblut

Wie alle Warmblutrassen aus Deutschland wurde auch bei der Zucht des Mecklenburgers Wert auf eine umfassende Rassegesundheit gelegt. Dennoch kann eine hundertprozentige Freiheit von Erbkankheiten nie garantiert werden. Beim Mecklenburger können folgende Erbkrankheiten vermehrt auftreten:

  • Polysaccharid-Speicher-Myopathies-Typ 1 (PSSM)
  • Warmblood-Fragile-Foal-Syndrome (WFFS)

Wenn man über eine Zucht nachdenkt, kann man mittels Gentests vorab bestimmten, ob die Elterntiere mögliche Träger eines Gens für eine Erbkrankheit sind.

Bekannte Mecklenburger

Die Mecklenburgische Zucht hat inzwischen insbesondere im Leistungssport einige berühmte Pferde hervorgebracht. Das ist zum Beispiel das Pferd MISSOURI v. Mistral II, das im olympischen Springsport Erfolge verzeichnen konnte. Der Hengst CHAC-CO BLUE v. Chambertin zählt sogar zu den besten Springpferden seines Jahrgangs. In der Geschichte des Reitsports gibt es so inzwischen eine Vielzahl von Mecklenburgern, die sich deutschland- und weltweit einen Namen machen konnten.

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