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Mentales Training für Reiter – Interview mit Sportpsychologin Lena Koch

von ehorses Team
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Lena Marie Koch (Diplom Sportwissenschaftlerin mit Zusatzausbildung zur Sportpsychologie im Leistungssport/asp)  arbeitet seit 2008 am Deutschen Olympiade Komitee für Reiterei in Warendorf und ist dort unter anderem für die sportpsychologische Beratung der Kaderreiter im Nachwuchsbereich (U14 bis U21) zuständig. In dem Interview spricht die Sportpsychologin über mentales Training für Reiter.

Interview über mentales Training für Reiter

Hallo Lena! Erklär doch mal bitte was mentales Training im Allgemeinen ist.

Mentales Training soll die Reiter unterstützen, die eigene Leistung optimal abzurufen und mentale Stärke aufzubauen. Im Vordergrund steht die Vermittlung von sportpsychologischen Fertigkeiten, wie zum Beispiel das Vorstellungstraining, verschiedene Entspannungstechniken, realistische Zielsetzung, Umgang mit Misserfolg, Aufmerksamkeits- und Selbstgesprächsregulation und Aufbau von Selbstbewusstsein.

Und welche Trainingsmethoden gibt es beim mentalen Training die man anwenden kann?

Es gibt verschiedene Trainingsmethoden: Beim Vorstellungstraining stellt man sich z.B. vor wie man auf dem  Pferd sitzt und eine Dressuraufgabe durchreitet, einzelne Lektionen oder einen Springparcours absolviert. Man fühlt sich ins Pferd hinein und stellt sich den optimalen Bewegungsablauf vor dem inneren Auge vor, ohne diesen in der Praxis auszuführen.

Bei großer Nervosität z.B. auf dem Turnier, kann man sich u.a.  über die Atmung regulieren. Eine verlängerte Ausatmung (Entspannungsatmung) und unterstützende Leitsätze, die vorher erarbeitet wurden, können einen beruhigenden Effekt haben.

Positive Selbstgespräche, in denen man sich selber oder dem Pferd sagt: „Komm, wir schaffen das, wir sind gut Vorbereitet!“, können negative Gedanken und Vorstellungen aus dem Kopf verbannt werden!

Wenn doch mal ein Fehler passiert, egal ob im Training oder auf dem Turnier hilft ein nützlicher, analytischer Umgang. Das heißt: Fehler anschauen und analysiere – was kann ich daraus lernen und vor allem wie mache ich es beim nächsten Mal anders. Aus Fehlern lernt man und wenn wir konstruktiv mit ihnen umgehen, bringen sie uns immer ein Stück weiter.

Auch eine gute Planung und gedankliche Vorbereitung, egal ob im Alltag oder auf dem Turnier ist hilfreich. Dabei sollte man aber auch flexibel bleiben um auf plötzliche Veränderungen (z.B. Zeitverschiebungen) bestmöglich reagieren zu können.

Mentales Training muss jedoch trainiert werden. Es ist ein ständiger Übungsprozess die negativen Gedanken aus dem Kopf zu schieben! Das Unterbewusstsein kann ein “nicht“ nicht verarbeiten, daher ist es wichtig sich genau vorzunehmen, was man machen möchte und sich nicht auf das zu fokussieren, was Vermieden werden soll!

Erläutere uns doch mal bitte kurz wie wichtig mentales Training für Reiter ist.

Wie in fast allen Sportarten wird auch im Reitsport vermehrt ein Augenmerk auf die mentale Leistung der Reiter gelegt. Die Besonderheit der Interaktion zwischen Reiter und Pferd und die direkte Kommunikation mit dem Pferd erfordert besonders mentale Stärke und einen ausgeglichenen, fitten und fokussierten Reiter.

Es ist wissenschaftlich belegt, dass mentales Training einen positiven Einfluss auf unsere sportliche Leistung hat.

Was meinst du, sollten auch Kinder/Jugendliche mentales Training machen?

Lena arbeitet viel mit Kindern und Jugendlichen zusammen. Da mentales Training genauso  trainiert werden muss wie alles andere auch, ist ein früher Beginn förderlich.

Sportpsychologische Beratung kann in Gruppen- oder auch Einzelgesprächen stattfinden.

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