Was bedeutet „gekauft wie gesehen“ eigentlich?
Der Begriff “gekauft wie gesehen” bedeutet, dass der Käufer das Pferd in dem Zustand akzeptiert, in dem es sich zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses befindet. Der Verkäufer möchte damit die Haftung für bestehende Mängel ausschließen. Rechtlich gesehen handelt es sich hierbei um einen Haftungsausschluss für Sachmängel. Dieser Ausschluss ist jedoch nicht grenzenlos gültig und hängt stark von der Art des Verkäufers ab.
Welche Rolle spielt der Verkäufertyp?
Die Wirksamkeit eines Haftungsausschlusses hängt maßgeblich davon ab, ob Sie von einer Privatperson oder einem gewerblichen Händler kaufen.
Privatverkauf: Ein privater Verkäufer darf die Gewährleistung in einem Kaufvertrag wirksam ausschließen. In diesem Fall kann der Käufer bei späteren Mängeln nur Ansprüche geltend machen, wenn der Verkäufer Mängel arglistig verschwiegen hat.
Gewerblicher Verkauf: Ein gewerblicher Verkäufer kann die Gewährleistung gegenüber einem Verbraucher nicht vollständig ausschließen. Klauseln wie “gekauft wie gesehen” sind hier in der Regel unwirksam, wenn sie den Verbraucher unangemessen benachteiligen.
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Pferd gekauft wie gesehen – diese Möglichkeiten gibt es
Ein Pferd zu kaufen aufgrund eines Bildes oder einer Anzeige kann funktionieren, jedoch sind die Erfolgschancen eines solchen Kaufes von verschiedenen Faktoren abhängig. Gerade der Faktor Gesundheit ist sehr wichtig und daher eine AKU, auch bei einem Kauf ohne das Pferd vorher gesehen zu haben, nicht zu vernachlässigen, egal wie groß die Vorfreude ist. In folgenden Fällen kann es dazu kommen, dass Du ein Pferd „wie gesehen“ kaufst.
Pferd gekauft wie gesehen beim Privatkauf
Privatkäufe bergen immer ein gewisses Risiko, gerade wenn ein Pferd ungesehen oder nur oberflächlich angeschaut gekauft wird. Privatkäufer haben häufig das Ziel, dass das gekaufte Pferd langfristig in ihrem Besitz bleibt. Deshalb sollte dieses Pferd die meisten Wünsche des Käufers erfüllen, da die wenigsten Privatkäufer sich mehrere Pferde leisten können. Ein Pferd zu kaufen, wie man es gesehen hat, ist für Privatkäufer ein Risiko, weil nicht jeder Reiter mit jedem Pferd harmoniert und die meisten Amateure es nicht gelernt haben, sich auf verschiedene Pferde einzustellen.
Pferd gekauft wie gesehen beim professionellen Pferdekauf
Gekauft wie gesehen ist bei professionellen Bereitern, im Gegensatz zu Privatkäufern etwas einfacher und sicherer umzusetzen, gerade in Bezug auf die Harmonie beim Reiten. Bereiter sind dafür ausgebildet worden, sich auf verschiedene Pferdetypen einzustellen. Ebenso sind die Meisten es gewohnt, dass sie Pferde bekommen und auch wieder abgeben, sodass bei blind gekauften Pferden oft noch die Option besteht, diese weiterzuverkaufen, sollte es nicht passen. Die Ansprüche, welche das Pferd erfüllen soll, sind somit im Idealfall nicht so hoch, da für die reiterlichen Ambitionen noch Alternativen bestehen. Zudem ist durch die Ausbildung gewährleistet, dass ein Pferd aufgrund seines Gebäudes, Papiers und Bewegungsablaufs beurteilt werden kann, ebenso sind Bereiter oft besser vernetzt und haben somit bessere Unterstützungsmöglichkeiten. Somit ist der Kauf eines Pferdes ohne vorheriges Reiten oder ähnliches für professionelle Bereiter weniger risikobehaftet, als für Privatkäufer.
Pferd gekauft wie gesehen auf Auktionen
Gerade in der Zeit der Pandemie fanden Auktionen oft online statt und auch danach haben sich hybride Auktionen gehalten. Gerade Käufer aus dem Ausland kaufen Pferde häufig nur auf Grundlage von eigenen Fachkenntnissen, den Informationen des Auktionskatalogs und der Beratung des Auktionshauses. Eine persönliche Beurteilung der Pferde ist also kaum möglich, trotzdem werden immer wieder hohe Gebote abgegeben. Für lokale Käufer sind die Möglichkeiten von Besichtigung und Probereiten bei einer Auktion jedoch gegeben. Die Auskünfte über die Pferde sind bei Auktionen verlässlicher, als bei Privatverkäufern, wobei natürlich immer die Ungewissheit des Ausgangs der Auktion zu beachten ist. Während dem Auktionszeitraum können die Pferde angeschaut, beim Training beobachtet und probegeritten werden. Auktionen setzten voraus, dass eine AKU der Pferde gemacht worden ist, deren Röntgenbilder online abgerufen und dem eigenen Tierarzt gezeigt werden können, was das gesundheitliche Risiko des Pferdekaufs minimiert. Es kann auch keine Preisverhandlung durchgeführt werden.

Ein Pferd zu kaufen, aufgrund eines Bildes oder einer Anzeige kann funktionieren, jedoch sind die Erfolgschancen eines solchen Kaufes von verschiedenen Faktoren abhängig.
Beistellpferde / Zuchtstuten kaufen wie gesehen
Wenn eine Stute für die Zucht gesucht wird, ist es den wenigsten Züchtern wichtig, dass diese noch große sportliche Leistungen bringen kann. Daher ist ein Probereiten in den wenigsten Fällen nötig, häufig wird eher auf die Abstammung und Erfolge der Nachzucht Wert gelegt. Ebenso werden Prämierungen gewichtet, sowie eventuell vorangegangene Komplikationen während der Tragzeit. Zuchtstuten können also theoretisch eher blind gekauft werden, als Reitpferde, da die Eignung für die an sie gestellten Anforderungen auch ohne ihre Begutachtung in Erfahrung gebracht werden können. Ähnlich verhält es sich bei Beistellpferden, denn ihre Aufgabe es lediglich ist, einem anderen Pferd Gesellschaft zu leisten. Dabei ist egal, wie groß, alt oder erfolgreich ein Pferd ist. Ebenso ist die Abstammung irrelevant. Einzig die Gesundheit des Pferdes spielt eine Rolle, zusätzlich zur sozialen Verträglichkeit.
Pferd gekauft wie gesehen aus dem Ausland
Beim Kauf von Pferden aus dem Ausland ist es aufrgund der Entfernung nicht immer möglich, sich persönlich ein Bild von dem Pferd zu machen. In diesem Fall kann es öfter vorkommen, dass ein Pferd gekauft wird, wie es auch „gesehen“ wurde. Entweder nur auf Basis des Angebots, der dort eingestellten Bilder und Videos oder beispielsweise eines Live Chats, in dem der Verkäufer das Pferd zeigt. Wenn eigene Kontakte in die Region des Pferdes bestehen, kann auch ein Bekannter das Pferd angucken und somit einen Eindruck vermitteln. Dies ist zwar eine Hilfe, aber keine Sicherheit für das letztliche Zusammenspiel von Pferd und Käufer. Eine AKU sollte trotzdem in jedem Fall durchgeführt werden, um böse Überraschungen zu vermeiden. Dies ist das Risiko, welches Käufer aus dem Ausland bei Auktionen umgehen können.
Welche Risiken entstehen für Käufer?
Das größte Risiko bei dieser Klausel liegt in der Beweislast. Stellt sich nach dem Kauf heraus, dass das Pferd gesundheitliche Einschränkungen oder Verhaltensauffälligkeiten hat, muss der Käufer beweisen, dass dieser Mangel bereits zum Zeitpunkt der Übergabe bestand und dem Verkäufer bekannt war oder hätte bekannt sein müssen.
Ohne detaillierte Dokumentation des Gesundheitszustands oder ein Übergabeprotokoll ist dieser Nachweis vor Gericht oft kaum zu erbringen. Zudem deckt “gekauft wie gesehen” keine zugesicherten Eigenschaften ab. Wenn das Pferd als “kinderlieb und turniererfahren” verkauft wurde, diese Eigenschaften aber nicht besitzt, bleibt der Verkäufer trotz des Ausschlusses in der Pflicht.
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Ist „gekauft wie gesehen“ ein Schutz?
In Deutschland darf man vertraglich innerhalb des Gesetzes alles regeln, wie man möchte. Es herrscht der Grundsatz der Privatautonomie. Somit ist es dem Verkäufer auch erlaubt, sich von der Haftung vollständig auszuschließen. Beim Pferdekauf kann dies durch die Klausel „Pferd gekauft wie gesehen“ passieren. Solche Klauseln schließen die Haftung für grobe Mängel aus. Dies kann, sollten Dir etwaige Mängel nach dem Pferdekauf auffallen, zu Komplikationen führen, wenn Du Gebrauch von dem Rückgaberecht machen möchtest. Aus diesem Grund solltest Du stets vorsichtig sein, wenn solche Klauseln im Pferdekaufvertrag hinterlegt sind.
Ankaufsuntersuchung und Pferdekaufvertrag sind von Vorteil
Fehler im Prozess des Kaufabschlusses sind der Verzicht auf eine AKU und das Überlesen von Klauseln im Pferdekaufvertrag. Eine AKU sollte ein zwingender Bestandteil des Kaufprozesses eines Pferdes sein, um gesundheitliche Mängel ausschließen zu können. Ebenso sollte der Pferdekaufvertrag nicht leichtfertig unterschrieben werden, sondern im Vorfeld auf Klauseln achten, welche zum Nachteil des Käufers führen können. Bei Privatkäufen sollte besonders auf Gewährleistungsausschlüsse geachtet werden.
Bei einem Pferdekauf ist mein wichtigster Rat immer: Vertrauen ist gut, aber eine solide Vorbereitung und ein wasserdichter Vertrag sind die Basis für eine unbeschwerte Zeit im Sattel.
Michelle
Redakteurin bei ehorses
Fragen & Antworten
Die häufigsten Fehler sind die falschen Kriterien bei der Pferdesuche festzulegen, sich keine Unterstützung zu suchen und auf wichtige Punkte zu verzichten. Diese Punkte sind das Besichtigen, Probereiten und die Ankaufsuntersuchung.











