Startseite » Norweger Pferde

Norweger Pferde

von Frederieke Wenning
0 Kommentar

Norwegisches Fjordpferd – die Falben aus den norwegischen Fjorden

Als Norweger Pferde werden die aus den westlichen Küstengebieten Norwegens stammenden Kleinpferde bezeichnet, die hauptsächlich in ihrem Heimatgebiet und im restlichen Skandinavien, aber auch in Deutschland und Westeuropa gezüchtet werden. Die häufig auch Fjordpferd genannte Ponyrasse geht in ihrem Ursprung auf die Wikinger-Zeit zurück, wurde durch ihren robusten Körperbau meist als Arbeits- und Zugpferd eingesetzt und erfreut sich heute vor allem als Reit- und Fahrpony großer Beliebtheit. Freizeitreiter wissen die kleinen, aber harmonisch und sportlich gebauten Pferde für ihre hohe Ausdauer und Trittsicherheit sowie ihr umgängliches und ruhiges Wesen zu schätzen.

Ob Wanderreiten, Springen oder Distanzritte, Norweger Pferde sind durchaus vielseitig veranlagt, zeichnen sich durch eine hohe Reiteignung aus und machen auch im Gespann beim Fahrsport eine hervorragende Figur. Damit werden sie den heutigen Ansprüchen an ein modernes Freizeitpferd in hohem Maße gerecht, zumal sie darüber hinaus mit einem ansprechenden Erscheinungsbild begeistern. Norweger Pferde sind ausschließlich Falben in verschiedenen Fellfarben, angefangen bei den besonders häufig vorkommenden Braun- und Hellbraunfalben bis zu Grau-, Rot- oder Gelbfalben. Rassetypisch sind ein weiß gefärbtes Mehlmaul, Zebrastreifen an den Beinen, eine zweifarbige, traditionell kurz geschnittene Stehmähne und ein Aalstrich.

Das Exterieur der Norwegischen Fjordpferde

Ein Norwegisches Fjordpferd erreicht ein Stockmaß von rund 135 bis 150 Zentimetern und soll sich durch einen harmonischen Körperbau mit einer guten Bemuskelung auszeichnen. Erwünscht ist ein gut geformter, wohlproportionierter Kopf, der sich mit breiter und flacher Stirn sowie weit auseinanderstehenden, kleinen Ohren und einem geraden bis leicht konkaven Profil zeigt. Die großen Augen strahlen Ausgeglichenheit, Ruhe und Gutmütigkeit aus. Außerdem sieht das Zuchtziel verhältnismäßig breite Nüstern und gut ausgeprägte Ganaschen vor. Der Hals mit gewölbter Oberlinie soll beim heute verbreiteten, modernen Reitpferdetyp geschmeidig, hoch aufgesetzt und lang sein und geht in ein robustes Gebäude mit breiter Brust, schrägen Schultern, einer ausreichenden Gurtentiefe und einem muskulösen Rücken über. Rassetypisch sind ein Brustkorb mit guter Wölbung, ein wenig ausgeprägter Widerrist mit sanftem Übergang zum Rücken und eine kräftige Lendenpartie. Die lange und breite Kruppe ist schräg und gut bemuskelt und soll nicht zu stark abfallen. Wichtig sind nicht zuletzt ein natürlich und frei getragener Schweif sowie ein starkes Fundament mit gut bemuskelten, kurzen und kräftigen Röhrbeinen, nicht zu kurzen Hufen und gut ausgebildeten, trockenen Gelenken.

Neben dem Körperbau ist vor allem das äußere Erscheinungsbild markant, denn Norweger Pferde präsentieren sich mit wildfarbenem Fell und sind ausschließlich Falben. Am häufigsten kommen Braun-, Rot- und Graufalben vor, aber auch Hell- und Gelbfalben treten, wenn auch seltener, auf. Ebenso charakteristisch ist die Fellzeichnung, darunter das als Mehl- oder Milchmaul bezeichnete, weiß gefärbte Maul sowie die auffälligen Zebrastreifen an den Beinen. Die zweifarbige Mähne wird traditionell zu einer Stehmähne gekürzt und ist durch einen dunkelfarbenen Längsstreifen gekennzeichnet, der in einen blasseren Aalstrich auf dem Rücken und den ebenso deutlich zweifarbigen Schweif übergeht. Weiße Abzeichen sind, mit Ausnahme von geringfügig ausgeprägten Sternen bei der Norwegerstute und beim Wallach, unerwünscht.

Norwegisches Fjordpferd und sein Interieur – umgängliche Ponys mit ruhigem Wesen

Gelassen und ruhig in ihrem Wesen, erweisen sich Norweger als charakterstarke und ausgeglichene Pferde, die sich durch ein aufmerksames und interessiertes Verhalten auszeichnen. Reiter wissen vor allem ihre Umgänglichkeit, aber auch ihre hohe Ausdauer und Leistungsbereitschaft zu schätzen, zumal sie sich ebenso verlässlich wie unkompliziert und freundlich zeigen. Zugleich agiert das Fjordpferd in Geländesituationen mutig und energisch – ein Merkmal mehr, dass es zu einem sicheren und zuverlässigen Reitpartner macht.

Norwegisches Fjordpferd – Zuchtgeschichte und Ursprung

Norweger Pferde stammen ursprünglich aus der Region Vestland im Westen Norwegens und lassen sich in ihrer Entwicklung als Pferderasse bis in die Wikingerzeit zurückverfolgen. Der Urtyp des heutigen Fjordpferdes entstand durch die Kreuzung von Wikinger-Pferden mit keltischen Rassen, die im heutigen Irland und England beheimatet waren, und etablierte sich in der schroffen skandinavischen Berglandschaft mit ihren imposanten Fjorden und Klippen. In welcher Verhältnismäßigkeit die Vermischung der Rassen erfolgte, lässt sich bis heute nicht abschließend klären. Zugleich ist eine deutliche Ähnlichkeit der Norweger zur heute noch in der Mongolei vorkommenden Wildpferderasse Przewalski Pferd zu beobachten, die den Wildpferde-Charakter des Fjordpferdes einmal mehr unterstreicht. Als sich die Lebensweise der zunehmend sesshaft werdenden Wikinger veränderte, entwickelte sich der Urtyp des Fjordpferdes zu einem genügsamen und kleinen Gebirgspferd, das als Zug- und Lasttier für die Arbeit in der Landwirtschaft eingesetzt wurde. Über mehrere Jahrhunderte hinweg erwies es sich als trittsicheres und tragfähiges Arbeitspferd für den Gütertransport und Ackerbau und wurde ab Beginn des 19. Jahrhunderts auch in organisierter Form gezüchtet.

Um 1820 etablierte sich eine geordnete Fjordpferdezucht, die sich zunächst auf die Einkreuzung von Dölepferden, einer norwegischen Kaltblutrasse, konzentrierte. Hierdurch sollte das Fjordpferd an Stärke und Größe gewinnen, jedoch ohne Erfolg. Stattdessen traten zunehmend charakterliche Fehlentwicklungen auf, die ab 1886 eine Rassebereinigung erforderlich machten. Seit 1907 werden die Norweger Pferde ohne Zuführung von Fremdblut in Reinzucht gezüchtet und erfreuten sich auch in den folgenden Jahrzehnten großer Beliebtheit als verlässliches und robustes Arbeitspferd. Mit der verstärkten Mechanisierung der Landwirtschaft und des Transports ging ihr Bestand ab Mitte des 20. Jahrhunderts zurück. Bis heute sind die Populationszahlen eher rückläufig, obwohl die Zucht inzwischen auf den Typ eines sportlicheren Reitpferdes ausgelegt ist.

Auch in Deutschland ist das Fjordpferd verbreitet, da im Jahr 1940 erstmals 18 Pferde der norwegischen Rasse importiert und fortan mit anderen heimischen Rassen gekreuzt wurden. Seit 1954 wird eine Reinzucht verfolgt, die der Erhaltung und Förderung eines rittigen, beweglichen Reitpferdetyps entsprechend des heutigen Bedarfs in der Freizeitreiterei dient. Die in Deutschland ansässigen Zuchtvereinigungen betreiben die Norweger-Zucht in eigenständigen Populationen unter Einhaltung der Bestimmungen des Ursprungszuchtbuchs, das durch den norwegischen Zuchtverband Norsk Hestesenter geführt wird. Im Übrigen lässt sich das auffallend einheitliche Exterieur des Fjordpferdes darauf zurückführen, dass beinahe alle, heute vorkommenden reinrassigen Pferde väterlicherseits von drei Hauptlinienbegründern abstammen. Die Hengste Hakon Jarl N 645, Bergfast N 635 und Yarblakken N 819 sind Nachfahren von Njal N 166, dem Urvater der norwegischen Reinzucht, und begründeten die drei bis heute maßgeblichen Stammlinien.

Norwegische Fjordpferde sind vielseitig einsetzbar, vor allem als Freizeitpferd

Norweger Pferde eignen sich aufgrund ihrer hohen Leistungsbereitschaft und Umgänglichkeit hervorragend als Freizeitpony für Reit- und Fahrzwecke aller Art. Junge und erwachsene Reiter schätzen das Fjordpferd gleichermaßen als trittsicheres und unkompliziertes Allroundpferd, das sowohl für das Springen und Wanderreiten als auch für das Fahren oder Distanzreiten eingesetzt werden kann. Ungeachtet der Freizeitreiterei sind Norweger Pferde auch sportlich erfolgreich und gehen mit entsprechender Ausbildung bei Dressur-, Gelände- und Hindernisprüfungen an den Start. Als weiterer Einsatzbereich hat sich das Therapeutische Reiten etabliert.

Besonderheiten der Norwegischen Fjordpferde

Norweger Pferde zählen, wie es für Ponys typisch ist, zu den spätreifen Pferden. Sie sind erst in einem Alter von vier bis fünf Jahren ausgewachsen, wodurch das Einreiten oder Einfahren entsprechend angepasst werden muss. Um die von Natur aus guten Anlagen optimal zu fördern, ist eine solide Grundausbildung unerlässlich. Dann können Norweger auch in sportlicher Hinsicht hervorragende Leistungen erbringen, zumal sie mit ihrer Trittsicherheit und Ausdauer besonders für das Trail- und Distanzreiten geeignet sind. Bemerkenswert ist auch ihr beachtliches Springvermögen, denn Norweger Pferde können ungeachtet ihres Stockmaßes problemlos bis zu 1,25 Meter überspringen. In den letzten Jahren haben sie sich nicht zuletzt im Bereich des Fahrens hervorgetan. Der Fahrsport mit Fjordpferden erlebt einen neuen Aufschwung, der sich auch in erfolgreichen Teilnahmen von Fjordpferdegespannen bei Hindernis-, Dressur- und Geländeprüfungen widerspiegelt.

Norwegisches Fjordpferd im Video

Norwegisches Fjordpferd – Zuchtmethodik & Veredelung

In Deutschland wurden erstmals im Jahr 1940 18 Fjordpferde importiert und in den ersten Jahren mit fremden Rassen gekreuzt. Obwohl nicht reinrassig, erfolgte zunächst die Eintragung dieser Mischlings-Fjordpferde in Zuchtbücher, ehe im Jahr 1954 durch die Arbeitsgemeinschaft der Pony- und Kleinpferdezucht die Einführung der Reinzucht beschlossen wurde. Seither sind lediglich Zuchtstuten zu akzeptieren, deren Mutterlinie sich über drei Generationen hinweg auf die Kreuzung mit reinrassigen Hengsten zurückführen lässt. Durch weitere Importe nahm die reinrassige Fjordpferdezucht weiter zu, doch auch in Deutschland sollte sich der Bestand durch den sinkenden Bedarf an Arbeitspferden für die Landwirtschaft verringern.

Im Gegenzug entdeckten jedoch Freizeitreiter die umgänglichen Fjordpferde für ihren Hobbyreitsport, wodurch nicht mehr länger der schwere Wirtschaftstyp, sondern ein bewegliches, leichteres Reitpony gefragt war. Zu diesem Zweck durchgeführte Zuchtversuche mit Fremdrassen brachten aber auch hierzulande Gebäude- und Charaktermängel hervor, sodass das Zuchtziel eines rittigeren Pferdes letztendlich über die sorgsame Selektion in Reinzucht erreicht wurde.

Zuchtbücher/ Zuchtverbände

Das Ursprungszuchtbuch der Rasse wird von dem norwegischen Verband Norsk Hestesenter geführt und legt die Zuchtbestimmungen fest, die auch für alle in Deutschland bestehenden Züchtervereinigungen verbindlich sind. Angeschlossen an die Deutsche Reiterliche Vereinigung betreiben diese die Zucht der Fjordpferde in eigenständigen Populationen.

Besondere Vererber

Alle heutigen, reinrassigen Fjordpferde gehen hinsichtlich ihrer väterlichen Seite auf drei Hauptlinien zurück. Diese wurden durch die Hengste Yarblakken N 819, Hakon Jarl N 645 und Bergfast N 635 begründet, die allesamt von dem als Urvater der Reinzucht in Norwegen geltenden Hengst Njal N 166 abstammen.

Verwendung des Norwegischen Fjordperdes

Fjordpferde überzeugen mit ihrem ruhigen und gelassenen Wesen, das ebenso Stärke wie Ausgeglichenheit zum Ausdruck bringt, zumal ihre Mimik stets interessiert und aufmerksam wirkt. Neben dem für Reiter besonders vorteilhaften hohen Maß an Umgänglichkeit zeigen sich Fjordpferde äußerst leistungsbereit und ausdauernd, stets unkompliziert im Umgang und verlässlich im Temperament, aber zugleich auch energisch und mutig in Geländesituationen.

Besonderheiten der Norwegischen Fjordpferde

Mit Blick auf die Haltung sind ausreichend Bewegungsmöglichkeiten, eine artgerechte Fütterung und Sozialkontakt entscheidend. Fjordpferde fühlen sich daher zum einen in einer Gruppe in der ganzjährigen Freilandhaltung mit einem zugfreien Unterstand wohl, wobei im Winter auf eine ausreichende Zufütterung geachtet werden sollte. Ebenso möglich ist jedoch auch ein Offenstall mit großer Liegefläche und weitläufigem Auslauf.